Yamaha YC61 Test
Stage Keyboard mit Klangvielfalt

yamaha yc61 test

Im Yamaha YC61 Test erwarten dich nicht nur die zahlreichen Features, sondern auch Klangbeispiele und ein Direktvergleich mit der Konkurrenz.

Was ist es?

Das Yamaha YC61 Stage Keyboard bietet in einem kompakten Gehäuse mit 61 Tasten alles, was der Keyboarder auf der Bühne an sogenannten „Brot und Butter Sounds“ braucht: Orgeln mit Zugriegeln, Klavier, E-Pianos, Synthesizer. Die gewichtete Waterfall-Tastatur soll den B3-Enthusiasten entgegen kommen und lädt zu Slides geradezu ein.

Yamaha setzen aber nicht nur auf Samples, sondern nutzen die berühmte FM-Synthese, die mit dem Yamaha DX7 in den 1980er Jahren Geschichte geschrieben hat, zur Erzeugung einiger Orgel-, E-Piano und Synth-Sounds. Das kompakte Instrument zeichnet sich durch eine sehr stabile Verarbeitung und ein übersichtliches Bedienfeld aus, das zum Spielen einlädt. Die wichtigsten Features im Überblick:


Passend dazu


  • Authentische Tonewheel Organ Simulation samt Rotary Speaker per VCM
  • Simulation von Transistororgeln per FM Synthese
  • Yamaha CFX, S700 und C7 Flügel Samples sowie U1 Upright Piano Samples
  • Neu designte Waterfall-Tastatur für ein perfektes Spielgefühl aller Sounds
  • Layout mit analogem Feeling für sofortigen Zugriff auf alle wichtigen Klangparameter

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Yamaha YC61 Stage Keyboard Testbericht

Yamaha YC61 Test: Evolution der YC-Serie

Dass Yamaha nach dem Yamaha Reface YC erneut das Kürzel „YC“ für sein Stage Keyboard nutzt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich schickte Yamaha schon vor über 50 Jahren Combo Orgeln mit dem YC-Label im Programm (zum Beispiel die bekannten Modelle YC 10, YC 25D, YC 30 und YC 45D).

Orgel-Legenden: Hammond B3, Vox Continental und Farfisa Compact

Diese Orgeln gelten bis heute als Yamahas Antwort auf die italienischen Farfisa Orgeln oder die britische Vox Continental. Farfisa und Vox Orgeln bestimmten maßgeblich die Musik der 1960er und 1970er Jahre: Beatles, Doors, Monkees, Pink Floyd, Iron Butterfly – das sind nur einige Namen, die untrennbar mit dem Sound einer Transistor-Orgel verbunden sind.

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Die Yamaha YC10 Combo Orgel war die Antwort auf die Transistororgeln von Farfisa und Vox.

Doch auch später noch waren die urigen Instrumente im Studio und auf der Bühne präsent. Undenkbar wären viele Sounds der legendären Springsteen-Alben „The River“ und „Born in the USA“ ohne die Transistor-Orgeln, die Organist Danny Federici im Studio und auf der Bühne neben der allgegenwärtigen Hammond B3 und einem Keyboard-Glockenspiel einsetzte. Die Instrumente stehen bis heute in Springsteens Studio und können auf der Video-Dokumentation zum neuen Album „Letter to you“ bestaunt werden.

FM-Synthese: Erklärung der Frequenzmodulation für FM-Klangsynthese

Natürlich durfte auch Yamaha nicht fehlen, war aber mit seinen Combo Orgeln der YC-Reihe trotz der Konkurrenz überlegener Features und Sounds nie so erfolgreich wie Farfisa und Vox. Dennoch ließen Yamaha es sich nicht nehmen, das bekannte Kürzel „YC“ in aktuellen Produkten wieder aufzunehmen und schon das Miniatur-Keyboard Yamaha Reface YC lieferte authentische Orgel-Sounds. Mit dem neuen Yamaha YC61 Stage Keyboard gibt es das alles nun mit großen Tasten und mehr.

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Das Yamaha Reface YC ist eine Miniaturausgabe einer Combo-Orgel.

Die Klangerzeugung des Yamaha YC61 Stage Keyboard

Yamaha hat schon immer eine Fülle verschiedener Klangerzeugungen in ihren Instrumenten eingesetzt: Ob früher einmal analog oder seit den 1980er Jahren digital mit FM-Synthese, AWM oder nun VCM – die reichhaltige Erfahrung, die Yamaha im Laufe der Zeit auf allen Gebieten gesammelt hat, ist direkt in das Yamaha YC61 Stage Keyboard eingeflossen.

Doch auch die Konstruktion hochwertiger Naturinstrumente spielt für Yamaha eine herausragende Rolle. Insbesondere die Yamaha Flügel und Klaviere erfreuen sich großer Beliebtheit. So ist es kein Wunder, dass Samples dieser Instrumente innerhalb Yamahas AWM2-Technologie ihren Weg in das Yamaha YC61 Stage Keyboard gefunden haben.

Per VCM (= Virtual Circuit Modelling) bilden Yamaha Bauteile, Schaltkreise und ihr individuelles Verhalten virtuell nach. Auf diese Weise werden im Yamaha YC61 Stage Keyboard die Sounds der Tonewheel Orgel-Modelle wie Hammond B3 erzeugt.

Yamaha YC61 mit FM-Synthese

Die dritte Ebene der Klangerzeugung stellt die FM-Synthese dar, wie sie auch im legendären DX7 oder dem Synthesizer-Flaggschiff Yamaha Montage zum Einsatz kommt.

FM-Synthese wie im legendären DX7

Die FM-Synthese im Yamaha YC61 Stage Keyboard simuliert einerseits die Transistor-Orgel, andererseits die FM-Pianos sowie einige Synth-Sounds.

Tiefgreifenden Zugriff auf die Parameter der drei Klangerzeuger hat der Nutzer nicht. So lässt sich nicht von Grund auf ein FM-Sound programmieren oder ein AWM2-Sound in all seinen Facetten mit Pitch-, Amp- und Filterhüllkurven verändern. Ob solche Funktionen später per Editor möglich sein werden, ist derzeit noch offen.

Architektur des Yamaha YC61 Stage Keyboard

Die komplette Oberfläche des Yamaha YC61 ist mit Reglern und Schaltern bestückt. Dennoch folgt sie einer logischen Struktur, die, hat man sie einmal verstanden, eine schnelle und spontane Bedienung erst ermöglicht.

Beginnen wir auf der linken Seite:yamaha-yc61-test-04

Spielhilfen und Orgelsektion

Links finden zunächst einmal zwei Hebel für Pitch Bend und Modulation. Diese sehen sehr „stylisch“ aus und machen was her. Direkt daneben ist die Orgelsektion beheimatet. Neun Zugriegel mit zugehörigen LEDs zur Anzeige der im Programm gespeicherten Werte warten auf die Benutzung durch den Musiker.

Sie bedienen die üblichen neun Tonlagen einer Tonewheel Organ vom Typ Hammond B3: 16’, 5 1/3’, 8’, 4’, 2 2/3’, 2’, 1 3/5’, 1 1/3’ und 1’.

Direkt darüber ist die Vibrato/Chorus und Percussion Sektion angeordnet. Ein Schalter wechselt durch wiederholtes Drücken zwischen den Betriebsarten Vibrato und Chorus sowie den jeweils drei verfügbaren Programmen. Die Percussion Sektion bietet Schalter für 2nd/3rd, Slow/Fast, Normal/Soft und On/Off.

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Die Spielhilfen des Yamaha YC61 Stage Keyboards

Sechs Orgelmodelle: Von B3 bis FM-Orgel

Direkt daneben folgen noch einige weitere Bedienelemente: Per Drehregler lässt sich ein Orgelmodell auswählen: H1 bis H3 und F1 bis F3. F1 bis F3 sind die drei Transistor-Orgeln auf FM-Basis, während H1 bis H3 die Hammond-Modelle darstellen.

Ein Schalter für Lower/Upper bestimmt, welchem „Manual“ die Zugriegel zugeordnet sein sollen. Der nächste Schalter ist mit „Split L/U“ beschriftet und weist die Orgelsektion einer Tastaturzone zu (Lower, Upper oder beiden). Zwei weitere Schalter dienen der Oktavierung um bis zu zwei Oktaven nach oben oder unten.

Bleiben noch Pre Drive und Volume: Pre Drive ist eine Art Vorstufenverzerrung innerhalb der Orgelsektion. Volume regelt die Lautstärke der Orgelsektion. Die gesamte Orgelsektion wird per Toggle-Switch ein- oder ausgeschaltet. Das gilt übrigens auch für sämtliche anderen Sektionen.

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Die Orgelsektion im Test des Yamaha YC61.

Zwischen Orgelsektion und Spielhilfen liegen der Regler für die Gesamtlautstärke des Keyboards und die Rotary-Sektion. Zwei LEDs (gelb und grün) pulsieren im Takt der Rotorgeschwindigkeit.

Diese lässt sich über zwei weitere Taster zwischen Stop, Slow und Fast umschalten. Alternativ nutzen manche Orgel-Presets auch den Modulationshebel für das Umschalten der Rotorgeschwindigkeit.

Steuerzentrale des Yamaha YC61

In der Mitte liegt das Display mit einer Batterie an Schaltern. Hier ist die Steuerzentrale des Yamaha YC61 Stage Keyboard, in der alle Fäden zusammenlaufen. Hier finden sich:

  • Keyboard Settings
  • Transposition
  • Anschlagempfindlichkeit der Tastatur
  • Sperre für die Bedienoberfläche
  • Live Sets, in denen unsere Programme organisiert sind

Ein graphisches LCD-Display mit einer Auflösung von 128 x 64 Pixeln gibt Auskunft über die gerade angewählten Parameter. Ebenfalls hier zu finden sind die Live-Sets. Ein Live-Set umfasst einen Gesamtsound, der sich wiederum aus dem Mix der einzelnen Klangerzeuger und aller Effekte zusammensetzt. 160 Live-Sets stehen dafür zur Verfügung.

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Die Steuerzentrale des YC61 mit Display und Live Sets.

Keys-Sektion

Rechts schließt sich die Keys-Sektion an. Die Keys-Sektion umfasst die Rubriken Piano, E-Piano, Synths und Others. Hier sind alle Sounds zu finden, die nicht zur Kategorie Orgel gehören: 139 an der Zahl.

Ein großer Drehregler wählt die Oberkategorie aus, ein dazugehöriger roter Kippschalter das jeweilige Programm der Kategorie. Dessen Programmnummer wird direkt darüber in einem kleinen Display angezeigt, der Name hingegen im Klartext im Display. Das ist gut gelöst. Insgesamt gibt es zwei Synth Engines Keys A und Keys B, die gleichzeitig oder einzeln erklingen können. Das bietet größtmögliche Flexibilität.

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Die Keys-Sektion mitsamt Insert-Effekten.

Die Ausstattung an Reglern ist fast identisch mit der Orgelsektion: Octave, Split, Volume, On/Off sind hier ebenfalls vorhanden. Hinzu kommen ein Tone-Regler sowie ein Regler und Schalter für EG/Filter. Was genau sich dahinter verbirgt, lässt sich über den „Settings“-Schalter in der Steuerzentrale unter dem Menüpunkt „Sound“ näher definieren, und zwar für Keys A und Keys B getrennt: Filter Mode und Amp Hüllkurve.

Erneut können alle drei Klangerzeuger exklusiv auf den Effekt zugreifen

So ist es möglich, mit nur einem Regler zum Beispiel gleichzeitig die Attack, Decay und Release Zeit zu beeinflussen. Oder nur das Attack, nur Decay, nur Release oder mehrere verschiedene andere Kombinationen. Für den Filter-Regler stehen ebenfalls verschiedene Kombinationen zur Beeinflussung von Cutoff-Frequenz und Resonanz zur Verfügung, sodass auch hier beide Parameter über nur einen Regler beeinflusst werden können.

Insert-Effekte für die Keys-Sektion

Zur Keys-Sektion gehören außerdem zwei Effekte, deren Algorithmen getrennt voneinander über zwei Wippen einstellbar sind. Pro Insert-Effekt stehen 12 verschiedene Effektkategorien zur Verfügung, die jeweils mit verschiedenen Algorithmen, insgesamt 34 an der Zahl, bestückt sind:

  • Chorus (4 Algorithmen)
  • Flanger (2 Algorithmen)
  • Phaser (4 Algorithmen)
  • Tremolo/Rotary (3 Algorithmen)
  • Distortion (3 Algorithmen)
  • Compressor (1 Algorithmus)
  • Wah (3 Algorithmen)
  • Delay (5 Algorithmen)
  • Reverb (3 Algorithmen)
  • LoFi (1 Algorithmus)
  • Tech (3 Algorithmen)
  • Misc (2 Algorithmen)

Damit lässt sich einiges anstellen. Insbesondere die Tatsache, dass sich unter der Rubrik „Tech“ ein Ring Modulator, ein Slicer sowie ein Low Pass Filter verbergen, verspricht ordentlich Klangpotential. Doch das Beste an der Sache ist, dass Keys A und Keys B mit jeweils zwei Insert-Effekten mit verschiedenen Algorithmen ausgestattet werden können. So muss man keine Kompromisse eingehen. Die Effektalgorithmen können jeweils über einen Depth- und einen Rate-Regler in Echtzeit beeinflusst werden.

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Zusätzlich zu den beiden Insert-Effekten gibt es noch weitere Effekt-Sektionen.

Weitere Effektsektionen

Zusätzlich zu den Insert-Effekten, die nur Keys A und Keys B vorbehalten sind, gibt es eine allgemeine Effektsektion, die allen drei Klangerzeugern exklusiv zugewiesen werden kann. Die Effektkategorien und Algorithmen sind identisch mit denen der Insert-Effekte. Die Kontrolle über die Effekte ermöglichen erneut die Regler Depth und Rate. Hinzu kommt außerdem ein Tap-Taster für Tempo-Eingaben.

sind in den Keyboard Settings umfangreiche Einstellungen möglich

Der nächste Effektblock ist mit Speaker/Amp überschrieben. Erneut können alle drei Klangerzeuger exklusiv auf den Effekt zugreifen. Dieses Mal handelt es sich um den Rotary-Effekt und um die Simulation eines Amp-Effekts mit den Einstellungen Lead, Crunch, Double, Case.

Der Rotary-Effekt simuliert mit Rotary A ein Leslie-Kabinett und die stark verzerrte Variante Rotary B. Die verschiedenen Amp-Effekte bilden unterschiedliche Gitarrenverstärker-Typen ab. Um den Klang dieser Sektion weiter zu beeinflussen, dienen der Drive-Regler und erneut ein Tone-Regler. Letzterer senkt bei Linksdrehung Höhen und Bässe ab, während sie bei Rechtsdrehung angehoben werden. Ist der Rotary-Effekt aktiv, funktionieren auch die Slow/Fast- und Stop-Tasten auf der linken Keyboardseite. Weitere Einstellungen zum Rotary-Effekt lassen sich im Soundmenü vornehmen.

Den Abschluss macht die Reverb-Sektion. Diese ist nicht exklusiv einem Klangerzeuger vorbehalten, sondern kann für jeden getrennt eingeschaltet und in ihrer Intensität auch getrennt geregelt werden.

Master Equalizer

Den Abschluss bildet ganz rechts der Master Equalizer. Mit High, Mid und Low stehen drei Bänder zur Verfügung. High und Low haben Festfrequenzen (5 kHz/80 Hz/±12 dB), während das Mittenband durchstimmbar ist (100 Hz – 10 kHz/±12 dB). Der Master Equalizer besitzt einen eigenen Betriebsschalter.

Yamaha YC61 Stage Keyboard: Was kann es noch?

Wie bereits erwähnt sind in den Keyboard Settings umfangreiche Einstellungen möglich. So lassen sich der Leslie-Effekt und auch die Tonewheel Simulation den eigenen Wünschen entsprechend anpassen. So kann man beispielsweise die Orgel künstlich altern lassen oder verschiedene Leslie-Varianten simulieren.

gut gefällt mir die Möglichkeit, die Farbe der Drawbar LEDs zu verändern

Der FM-Synth der Keys-Sektion darf wahlweise im Unisono-Modus arbeiten, um Lead Sounds fetter zu gestalten. Mono/Poly und Portamento-Einstellungen werden durch weitere Funktionen für die Hüllkurve oder das Filter ergänzt.

Daneben gibt es die Möglichkeit, das Yamaha YC61 Stage Keyboard als Master Keyboard mit vier Zonen zu verwenden, welches sich umfangreich konfigurieren lässt. Auch anders herum ist es möglich, das Yamaha YC61 von einem externen Keyboard aus zu steuern und festzulegen, welche der drei Sektionen dieses dann spielt.

So lässt sich entweder eine zweimanualige Orgel bauen oder durch das Verwenden einer 88er Tastatur mit Hammermechanik die Piano-Sektion steuern, während auf dem YC61 Orgel und Synths gespielt werden. Sehr gut gefällt mir die Möglichkeit, die Farbe der Drawbar LEDs zu verändern, sodass auf den ersten Blick ersichtlich ist, welche Orgelsektion die Drawbars gerade regeln.

Anschlüsse

Anschlussseitig freut sich der Nutzer über:

  • zwei asymmetrische Klinkenausgänge (L/Mono und R)
  • einen Kopfhöreranschluss (Standard Stereoklinke)
  • zwei asymmetrische Klinkeneingänge mit eigenem Gain-Regler
  • zwei Anschlüsse für Continuous Controller wie Expression-Pedale
  • zwei Anschlüsse für Fußschalter (zum Beispiel für ein Haltepedal)
  • zwei MIDI DIN-Anschlüsse für MIDI IN und MIDI OUT
  • eine USB TO HOST-Buchse für die Übertragung von Audio und MIDI (PC, iOS-Device, mobile Device)
  • eine USB TO DEVICE Buchse für den Anschluss eines USB-Sticks zur Datensicherung
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Alles drin, alles dran: Die Rückseite mit dem umfangreichen Anschlussfeld des Yamaha YC61 Stage Keyboards.

MIDI

Das Yamaha YC61 Stage Keyboard kann also nicht nur MIDI-Daten per USB weiterleiten, sondern auch sein Audiosignal per USB für das einfache Recording bereitstellen. Sehr gut. Schön ist auch die Möglichkeit, ein zweites Keyboard oder einen anderen Zuspieler über die Input-Buchsen anzuschließen und den Gain separat regeln zu können. So darf bei kleineren Gigs der Submixer zu Hause bleiben.

Vergleich Nord Electro vs. Yamaha YC61

Dass Yamaha mit dem YC61 Stage Keyboard im Revier des Nord Electro wildern, dürfte mittlerweile jedem Leser, der das Konzept des Nord Electro kennt, klar geworden sein. Doch wie schlägt sich der Neuling im Vergleich zum Platzhirschen? Da ich einen Nord Electro 5 mein Eigen nenne, wage ich den Vergleich.

Funktionsvergleich

Zunächst einmal scheinen sich beide Instrumente vom Layout her nicht groß zu unterscheiden: Orgelsektion mit Zugriegeln, Synth-Sektion, Piano-Sektion, zwei Insert-Effekte, Amp/Rotary Effekte, Delay, Hall, Master EQ mit semi-parametrischen Mitten. Auch bei Nord gibt es eine Upper und Lower Sektion. In der Mitte ist das Display angebracht, darum herum die Bedienelemente, die es zum Aufrufen von Programmen braucht oder für die Systemeinstellungen. Unterm Strich ist das Layout also recht ähnlich. Die Unterschiede liegen im Detail:

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Das Yamaha-Layout unterscheidet sich nicht groß von dem der Nord Electro-Reihe.

Flexiblere Synth-Sektion am Yamaha YC61

Während Nord auf einen Sample Synth mit der Möglichkeit, eigene Samples oder die aus der Nord Library zu laden, setzen, nutzt man bei Yamaha die hauseigene FM-Synthese. Der Nord Electro besitzt eine eigene vom Sample Synth unabhängige Piano-Sektion, bei Yamaha ist diese in die Synth-Sektion integriert.

Aber: Das Yamaha YC61 Stage Keyboard besitzt dafür gleich zwei Klangerzeuger innerhalb der Synth-Sektion, sodass hier nicht nur Piano-Sounds plus Synth-Sounds wie beim Nord Electro abgefeuert werden können, sondern auch zwei Synth-Sounds. Das können mein Nord Electro 5 und meines Wissens auch der Nachfolger Electro 6 nicht. Wilde Mischungen wie rechts eine Orgel plus Synthie, links eine zweite Orgel plus einen anderen Synthie Sound, das geht mit dem Elektro nicht.

Yamaha YC61 mit variablen Split-Punkte

Was das Yamaha YC61 Stage Keyboard ebenfalls kann und der Nord Electro 5/6 nicht, sind variable Split-Punkte. Das ist nach wie vor einer meiner größten Kritikpunkte an Nord. Zwar sind die LEDs, die zweigen, wo gerade gesplittet wird, nett, aber nicht immer sind die vorgegebenen Zonen flexibel genug und passend.

Drawbars und LED-Ketten beim YC61

Worauf ich bei meinem Nord Electro 5 ebenfalls verzichten muss, sind die LEDs neben den Zugriegeln, die mir die aktuell gespeicherte Position verraten. Diese wird aber immerhin wie bei Yamaha im Display angezeigt. Virtuelle Drawbars und LED-Ketten gibt es nur beim Nord Electro 5/6 HP.

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Der Yamaha YC61 Test macht deutlich, was das Stage Keyboard bietet. Das Preis-Leistungsverhältnis ist hier top!

Mehr Effekte am Yamaha YC61

Flexibler als beim Nord Electro 5/6 ist auch die Effektsektion. Mehr Algorithmen, flexiblere Zuweisungen und mehr Eingriffsmöglichkeiten in die Effektgestaltung sind ein deutliches Plus für das Yamaha YC61 Stage Keyboard.

Unterschiede bei den Orgelmodellen

Die Nase vorn hat Nord hingegen bei der Anzahl der Orgelmodellen: Neben dem B3 Modell finden wir eine Pfeifenorgel (zwei beim Nord Electro 6), ein Vox- und ein Farfisa-Modell. Auf die Pfeifenorgel muss man beim Yamaha YC61 Stage Keyboard verzichten, ebenso auf originalgetreue Nachbildungen der Vox und Farfisa Orgeln, die sich aber mit den FM-Orgelmodellen gut nachbilden lassen.

Pitch- und Modulationshebel für lebendige Lead Sounds

Das Yamaha YC61 verfügt mit je einem Modulations- und Pitchbend-Hebel über vielseitige Eingriffe in den Sound. Gerade für das ausdrucksstarke Spiel von Synthesizer-Sounds sind diese wichtig. Darauf muss man als Nord Electro-Spieler verzichten.

Das YC61 als Masterkeyboard

Recht rudimentär sind die Masterkeyboard-Möglichkeiten des Nord Electro 5/6 im Vergleich zum Yamaha YC61. Mit seinen vier Zonen hat das Yamaha YC61 Stage Keyboard die Nase vorn.

USB mit Audio und MIDI

Während der Nord Electro nur MIDI-Signale über den USB-Port sendet und empfängt, kann das Yamaha YC61 Stage Keyboard auch sein Audiosignal übertragen. Ein weiterer Pluspunkt sind die beiden Klinkeneingänge, um ein weiteres Keyboard direkt an den YC61 anzuschließen und sogar über einen eigenen Mini Gain-Regler getrennt in der Lautstärke zu regeln. Zwar gibt es auch bei NORD einen solchen Eingang im Miniklinken-Format, dieser wird aber nur an den Kopfhörer weitergegeben.

Bessere Kontrolle: Yamaha YC61

Ein letzter Punkt, der mir beim Vergleich aufgefallen ist: Das Yamaha YC61 Stage Keyboard verfügt für jede Sektion über Volume-Regler, sodass sich die einzelnen Sounds schnell und auch während des Spiels in der Lautstärke anpassen lassen. Dadurch, dass alle Regler mit LED-Kränzen ausgestattet sind, ist sofort ersichtlich, welcher Wert gespeichert ist.

LED-Kränze zeigen die gespeicherten Werte

Leider besteht beim Nord Elektro nur die Möglichkeit, die Balance zwischen dem Upper und Lower Sound über einen einzelnen Regler zu verändern. Da dieser nicht über einen LED-Kranz verfügt und auch der gespeicherte Wert nicht zunächst beim Bewegen des Reglers „abgeholt“ wird, kommt es unter Umständen zu starken Lautstärkesprüngen, bewegt man den Regler während der Performance. Das hat Yamaha besser gelöst.

Yamaha YC61 im Video

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Klangvergleich

Klangvergleiche sind stets sehr subjektiv. Wollte man einen halbwegs objektiven Vergleich anstellen, müsste man beide Keyboards mit einer Original Hammond B3, einem Rhodes, einem Wurlitzer und einer Transistororgel vergleichen.

Klangvergleiche sind stets subjektiv

Doch selbst dann bliebe das Problem bestehen, dass die alten analogen Instrumente sehr unterschiedlich klingen: Zwei Hammond B3 klingen auch in den seltensten Fällen exakt gleich. Unterschiedliche Bauteile, Alterung und vieles mehr spielen eine Rolle. Verglichen habe ich deshalb beide Instrumente untereinander und beschreibe somit meinen persönlichen Klangeindruck, dem gerne widersprochen werden darf. Du kannst dir mit den Soundbeispielen einen eigenen Eindruck machen.

Unterm Strich muss man beiden Keyboards eine exzellente Klangqualität bescheinigen. Sie sprechen jedoch unter Umständen einen unterschiedlichen Kundenkreis an. Wer ein möglichst gutes Allround-Keyboard sucht, ist mit dem Yamaha YC61 Stage Keyboard besser bedient. Ein breiteres Sound-Kontingent, Spielhilfen für Modulation und Pitchbend, mehr Effekte, mehr Kombinationsmöglichkeiten, vielfältigere Filter, Masterkeyboard-Funktionen sprechen im Test für das Yamaha YC61.

Yamaha YC61 Klangbeispiele

Im Folgenden einige Hörbeispiele des Yamaha YC61 und Klangbeispiele beider Kandidaten. Dazu folgende Anmerkungen: Bis auf Hörbeispiel 14 ist immer zunächst der Nord Electro 5D zu hören, dann das Yamaha YC61 Stage Keyboard. Es wurden nach Möglichkeit ähnliche Einstellungen gesucht. Das ist jedoch nicht immer ganz einfach, da bei den Orgeln zum Beispiel unterschiedliche Konzepte genutzt werden. Das Yamaha YC61 Stage Keyboard verfügt zudem über mehr Effekte.

  1. Zugriegel-Demonstration: Die Zugriegel wurden nacheinander gezogen. Alle Effekte sind ausgeschaltet.
  2. Zugriegel-Einstellung: 808800000 ohne Effekte
  3. Zugriegel-Einstellung: 808800000 mit Rotor in Stop-Position
  4. Zugriegel-Einstellung: 808800000 mit Rotor Slow und Fast im Wechsel
  5. Percussion Vergleich: 3rd, Slow und Fast Decay
  6. Vergleich Vibrato und Chorus Effekt: ohne, V1 bis V3, C1 bis C3
  7. Drive-Vergleich
  8. Nord Electro 5D Vox-Emulation und YC61 F1, Zugriegel nacheinander
  9. Nord Electro 5D Farfisa-Emulation und YC61 F2 und F3
  10. Transistor-Orgel: Vergleich Nord Electro 5D und YC61
  11. Nord Electro 5D Italian Grand und YC61 CFX Grand Piano
  12. Nord Electro 5D DX-Piano und YC61 DX-Piano
  13. Nord Electro 5D Rhodes und YC61 Rhodes: Dynamik- und Klangvergleich
  14. Yamaha YC61: Diverse Synth-Sounds
  15. Hier noch einmal alle Hörbeispiele gesammelt in einer Playlist:

    Fazit zum Yamaha YC61 Stage Keyboard Test

    Mit dem Yamaha YC61 Stage Keyboard hat der Hersteller einen Volltreffer gelandet. Das Yamaha YC61 ist ein Combo-Instrument mit dem Schwerpunkt auf Orgel, Piano und E-Piano. Doch nicht nur das: Ein guter Querschnitt an Synthesizer und Natur-Sounds macht aus dem YC61 ein Allround Instrument, das auch alleine ohne weiteres Keyboard auf der Bühne bestehen kann. Die guten und flexibel einsetzbaren Effekte und viele kleine Details machen das Yamaha YC61 zu einem großen Konkurrenten für den Nord Electro, der mittlerweile in Version 6 verkauft wird.

    Das Yamaha YC61 ist erstklassig verarbeitet, klingt sehr gut und ist sehr leicht zu bedienen. Klanglich flexibel ist das Yamaha YC61 Stage Keyboard in ganz hohem Maße. Auch die Masterkeyboard-Fähigkeiten verschaffen dem Yamaha YC61 einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Für 1.598 Euro erhält der Bühnen-Keyboarder ein sehr gutes Stagekeyboard, das solo oder als Basis in Verbindung mit einem Synthesizer oder einer weiteren MIDI-Tastatur, zum Beispiel mit 88 Tasten und Hammermechanik für die Piano-Sektion, ein hervorragendes Live-Setup hergibt.

Yamaha YC61 Stage Keyboard Features

  • halbgewichtete Waterfall Tastatur mit 61 Tasten
  • Klangerzeugung: VCM Orgel, AWM2 Sampling, FM Synthese
  • Polyphonie: VCM Orgel + AWM2 128 Stimmen gesamt, FM 128 Stimmen
  • Voices: 145 (Synth: 139, Orgel: 6)
  • Live-Sets: 160
  • Effekte: zwei Insert-Effekte (32 Effekttypen) für je Keys A und Keys B, Effect (32 Effekttypen), Speaker/Amp (6 Typen) Reverb, Master EQ (3-Band mit semi-parametrischen Mitten)
  • USB MIDI und USB Audio
  • Audio-In mit eigenem GAIN-Regler
  • Zwei Hebel für Pitch Bend und Modulation
  • Drawbars mit LED-Ketten (farbig, Farbe frei konfigurierbar)
  • Regler mit LED-Kränzen
  • Alle Sektionen einzeln ein- und ausschaltbar
  • Flexible Splitpunkte
  • Vier Zonen Masterkeyboard
  • Display: LCD (128 x 64 Pixel)
  • Anschlüsse: 2 x Output (6,3 mm Klinke, asymmetrisch), 2 x Input (6,3 mm Klinke, asymmetrisch), 2 x Foot Controller, 2 x Foot Switch, MIDI IN/OUT, USB TO HOST, USB TO DEVICE, Phones
  • Gewicht: 7.1 Kilogramm
Hersteller:   
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Yamaha YC61 Stage Keyboard Test

Lesermeinungen (2)

zu 'Yamaha YC61 Test: Stage Keyboard mit Klangvielfalt'

  • Hans-Dieter Nass   31. Jan 2021   17:19 UhrAntworten

    Sounds sind anscheinend ja gut, doch das Design ist grauenvoll.

    • Katja Köhler (delamar)   02. Feb 2021   09:34 UhrAntworten

      Das will man wohl meinen, dass die Sounds super sind - ist ja schließlich zum Musik machen :-) Meinst du das komplette Design an sich oder nur die Anordnung der Bedienelemente?

      Liebe Grüße
      Katja

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