TC Electronic Röttweiler Testbericht: Distortion bis zum Abwinken

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TC Electronic Röttweiler Testbericht

Aussehen: Harmlos - Klang: Bissig

Was ist es?

Das Röttweiler Distortion-Pedal ist die zurzeit aktuellste Errungenschaft aus dem Hause TC Electronic. Dass sich die dänische Effektschmiede den Verzerrern zugewendet hat, ist eine relative junge Entwicklung des Herstellers. Nach dem MojoMojo-Overdrive und dem Dark Matter Distortion folgt nun mit dem TC Electronic Röttweiler ein High-Gain-Distortion-Pedal und komplettiert quasi den kleinen Verzerrer-Fuhrpark des dänischen Herstellers.


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TC Electronic Röttweiler Testbericht

Einleitung

Wer sich einmal daran versucht, einen ungefähren Überblick über die Vielfalt der Verzerrer-Pedale auf dem Gitarrenmarkt zu verschaffen, wird sich schnell dem Eindruck nicht verwehren können, dass das dem Zählen des berühmten Sandes am Meer (oder der Wüste?) gleichkommt. In diesen bunten Reigen reiht sich nun die dänische Effektschmiede TC Electronic ein, die bis vor kurzem eher für ihre Echo-, Hall- und Modulationseffekte bekannt war. Nun gibt es dänische Wertarbeit auch auf dem Gebiet der Distortion-Effekte.

Das neuste Effektpedal hört auf den gefährlich anmutenden Namen „Röttweiler“ und ist bereits das dritte Verzerrer-Pedal des Herstellers. Das MojoMojo Overdrive-Pedal und das Dark Matter Distortion bedienten bisher eher die „sanfteren“ crunchig bis klassisch rockorientierten Klänge. Röttweiler langt nun ordentlich mit hochkomprimierter Verzerrung einschließlich Mid-Scooping und Soft Clipping im High-Gain-Bereich zu.

 

Anschlüsse und Gehäuse

Das TC Electronic Röttweiler Distortion-Pedal verfügt über jeweils einen (Mono-) Eingang und Ausgang und wird – ganz klassisch – zwischen Gitarre und Amp eingekabelt. Die Stromversorgung läuft entweder mittels einer 9V-Blockbatterie oder einem (optional erhältlichen) 9V-Netzteil.

Das Gehäuse des Röttweiler weist eine äußerst kompakte Bauweise und eine überaus robuste Verarbeitungsqualität auf. Hier setzt man im Hause TC Electronics in bekannter Manier auf solides Aluminium. Auch der Fußschalter ist aus Metall und entsprechend gegenüber Fußtritten aller Art gewappnet. Das Batteriefach ist über eine Verschraubung auf der Rückseite des Pedals erreichbar. Hier besticht das Röttweiler auch durch eine stabile Lösung. Mit Hilfe Deines Plektrums oder einer Zwei- bzw. Fünf-Cent-Münze lässt sich die solide Verschraubung einfach lösen und nach dem Einlegen der Batterie wieder verschrauben.

TC Electronic Röttweiler Testbericht

Aussehen: Harmlos - Klang: Bissig

Die Regler im Röttweiler Testbericht

Der Verzerrer besitzt vier Regler, die trotz kompakter Bauweise des Pedals allesamt gut zu bedienen sind. Mit dem Gain-Regler bestimmst Du den Grad der Verzerrung und mit dem Level-Regler wird die Lautstärke des Gesamtsignals eingestellt. Unbedingt hervorzuheben ist, dass die EQ-Abteilung über zwei separate Regler für die Bässe und die Höhen verfügt.

Außerdem lässt sich das Röttweiler-Pedal mit Hilfe eines kleinen Voice-Switch in zwei verschiedenen Modi betreiben: Im Grunde genommen greift man mit diesem Kippschalter in die Mittenaussteuerung des Pedals ein. In der unteren Stellung erhältst Du die extrem gescoopten Mids (abgesenkter Mittenbereich), auf die man im modernen Metalsound heutzutage so schwört.

 

True-Bypass

Das Röttweiler Effektpedal verfügt über ein so genanntes True-Bypass. Ohne an dieser Stelle zu sehr in die technischen Details zu gehen: Ist der Bodentreter nicht in Betrieb, wird das Gitarrensignal nicht durch die komplette Elektronik des Geräts, sondern an dieser vorbei geleitet. Dadurch bleibt das trockene Signal im Bypass-Betrieb des Röttweiler weitestgehend unberührt. Fein.


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Im Einsatz – Die Praxis

Die Ankündigung des Herstellers, mit dem Röttweiler-Pedal eine Grundproblematik hochverzerrender Bodentreter gelöst wäre, hat mich natürlich sofort herausgefordert. So soll dieser Bodentreter seine Durchsetzungsfähigkeit im Gesamtsound einer Band auch mit steigendem Verzerrungs- und Kompressionsanteil sowie gescoopter Mitten nicht verlieren. Deshalb habe ich – sofort nach Erhalt des Testgeräts – das Distortionpedal in mein Floorboard eingebaut, um den Röttweiler im Einsatz in einer Bandprobe auf Herz und Nieren zu testen.

Passend zum Anlass proben wir gerade für unser Set diverse Songs, die für einen Einsatz eines High-Gain-Verzerrers prädestiniert sind: „Last Resort“ von Papa Roach, „For Whom The Bell Tolls“ von Metallica und „Fight For Your Right“ von den Beastie Boys – also genug Gelegenheit für die bissige Tretmine, die Behauptungen von TC Electronic unter Beweis zu stellen.

Für alle, die es interessiert und die Testbedingungen nachvollziehen wollen: Ich habe das Röttweiler-Pedal zwischen Gitarre (in diesem Fall eine Fender Strat mit SSH Bestückung) und Amp (Marshall JVM 410, dort den Clean-Channel im „grünen Modus“) geparkt. Der Amp befeuert eine 4×12 Gitarrenbox aus dem Hause Kitty Hawk mit klassischer Celestion-Speaker-Bestückung. Die Band setzt sich zusammen aus: Gesang, Bass, Drums und zwei Gitarren. Und los ging´s…

Der erste Eindruck kam sofort und mit Nachdruck … eine Wahnsinns-Zerre liefert der Röttweiler ab. Die Gitarre erhält einen unglaublichen Schub und der Sound komprimiert herrlich; man könnte bildlich sagen, der steigende Luftdruck im Proberaum ließ Barometer implodieren. Sagenhaft!

Was das Versprechen des Herstellers in Sachen Durchsetzungsfähigkeit des Bodentreters betrifft, hier ein kleiner Eindruck von der Szenerie im Proberaum nach dem ersten Durchgang durch oben aufgelistete Songs: Spontane Grüppchenbildung um mein Effektboard und Kommentare von „Boaaahhh Ey!“ über „Was ist datt denn für ein Geschoss?“ bis „Geht´s noch?!“ machten die Runde. Ein verzweifelter Kollege am anderen Sechssaiter wollte schon entnervt seine Klamotten packen, nachdem er wild und wohl erfolglos an seinem Amp herumgeschraubt hatte.

Nun ja, Gott sei Dank kann man den Röttweiler auch zähmen, und das tut dann auch Not im Sinne des positiven Bandklimas. Ein bisschen am Gain-Regler und den getrennten EQs für Bässe und Höhen herumgeschraubt und schon ordnet sich die Zerre unproblematisch in den Bandsound ein. Und das, ohne seine Durchsetzungsqualitäten zu verlieren oder anders gesagt: Ohne dass er zum Dackel wird.

 

Klang

Eine weitere positive Eigenschaft des Effektpedals ist, dass es kaum rauscht. Normalerweise kennt man ja gerade von Verzerrern dieses unsägliche Grundrauschen. Nicht so hier. Es ist wirklich erstaunlich, dass ein High-Gain-Verzerrer so wenig Störgeräusch produziert. Klasse!

Auch die sonst oft anzutreffende Kopplungsanfälligkeit von Zerrerpedalen fehlt bei diesem Modell gänzlich.

Last but not least … sehr beeindruckt bin ich auch von den Dynamikeigenschaften. Diese Dynamik geht eigentlich bei High-Gain-Pedals sehr schnell dahin – der Röttweiler von TC Electronic entpuppt sich aber auch hier als eine der wenigen positiven Ausnahmeerscheinungen.

Übersicht TC Electronic Röttweiler Review

PRO

  • robuste Verarbeitung
  • getrennte EQs für Bässe und Höhen
  • extrem niedriges Hintergrundrauschen
  • True-Bypass
  • durchsetzungsfähiger Sound mit sehr guten Dynamikeigenschaften

CONTRA

  • kein Classic Hard Rock möglich

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Fazit zum TC Electronic Röttweiler Test

Nach all den Lobeshymnen auf den großen Wau-Wau aus dem Hause TC Electronics muss ich das Fazit dann doch mit einem kleinen Wermutstropfen beginnen. Einen klitzekleinen, halben Punkt Abzug bekommt das Pedal dann doch leider und trotz aller sonstigen Begeisterung meinerseits verpasst: Entgegen der Beschreibung des Herstellers ist dieses Distortion-Pedal wirklich nur für den High-Gain-Bereich tauglich, also alles unterhalb der Thrash-, Speed- oder Deathmetal- bzw. Hardcore-Schwelle geht nach meinem persönlichen Geschmack leider nicht so gut.

Für „classic hard rock“, wie man auf der Homepage von TC erfährt, bietet das Pedal einfach ein „too much“ an Kompression und gescoopten Mids. Aber was dort an Zuviel negativ anfällt, ist dem Ramba-Zamba-Metaller nur recht, und er bekommt dieses Mehr, was einem Thrasher das Grinsen auf das Gesicht treibt, in voller Brutalität geliefert.

Ansonsten gibt es mit dem Röttweiler die hohe Qualität, die man von TC Electronic kennt, satt. Robuste, roadtaugliche Verarbeitung, exzellente Soundeigenschaften sowie einfachste Bedienung. Mehr davon!

Inhaltsverzeichnis // TC Electronic Röttweiler Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

Mehr zum Thema:
    

SEHR GUT

TC Electronic Röttweiler Testbericht am 08.11.2011

Produkt:      TC Electronic Röttweiler
Hersteller:    

Preis:  129,00 Euro
UVP:    129,00 Euro

Kurzfazit

Extrem bissiger Klang mit gescoopten Mitten für harte Jungs Dieser Bodentreter bringt die härtesten Verzerrgrade in dein Floorboard und weiss sich durchzusetzen.

Für wen

Gitarristen der härteren Gangart

Wichtige Merkmale
  • hoher Verzerrpegel
  • 2-Band Equalizer
  • Regler für Gain, Level, Bass, Treble

 


Lesermeinungen (1)

zu 'TC Electronic Röttweiler Testbericht: Distortion bis zum Abwinken'

  • DD   21. Sep 2012   20:15 UhrAntworten

    hmmm.... der testbericht ist ja ganz nett, aber der röttweiler ist weit davon entfernt das 3. distortion pedal der firma TC zu sein.
    was ist mit dem BLD und den ganzen älteren kandidaten? die sollte man schon nicht vergessen.

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