Tascam TA-1VP Testbericht: Effektgerät für Vocals mit Auto-Tune

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Tascam TA-1VP Frontseite

Für den Live-Einsatz: Tascam TA-1VP Channel Strip

Was ist es?

Das Tascam TA-1VP ist ein Effektgerät für Vocals zum Einbau in ein 19″-Rack. Mit an Bord ist die Vocal-Wunderwaffe Antares Auto-Tune, ein Vorverstärker, ein Equalizer, ein De-Esser und ein Kompressor. Ebenfalls mit an Bord ist die Technologie „Mic Modeler“, die Nachbildungen hochwertiger und seltener Mikrofone mitbringt und, genau wie Auto-Tune, aus der Zusammenarbeit mit dem Hersteller Antares stammt.


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Tascam TA-1VP Testbericht

Das TA-1VP macht einen recht robusten Eindruck. Die Verarbeitung erscheint so gut, dass ein oftmaliger Einsatz »on the road« – gleich ob im Proberaum oder auf der Bühne – problemlos möglich sein sollte. Beleuchtete Gummitaster und ein Drehregler stehen für die Bedienung bereit. Eingangs- und Ausgangslautstärke werden per LED-Pegelanzeigen dargestellt. Dazu kommen zwei Anzeigen für die Gain Reduction des Kompressors und De-Essers sowie eine Anzeige für Auto-Tune. Die Beleuchtung der Elemente kommt sicherlich gerade auf dunklen Bühnen sehr recht.

Tascam TA-1VP Frontseite

Für den Live-Einsatz: Tascam TA-1VP Channel Strip

Die Bedienelemente sind dem Signalfluss entsprechend angeordnet. Von links nach rechts wird das ursprüngliche Signal vom Vorverstärker über den Mikrofon-Modellierer über Auto-Tune geleitet und mündet dann im Kompressor/Gate, danach dem De-Esser, dem EQ und schliesslich der Stimmen-Dopplung. Am Mikrofoneingang kannst Du Phantomspeisung zuschalten und mit der Modellierung sollen sich die akustischen Charakteristika zahlreicher Mikrofone nachempfinden lassen. Sehr löblich: Das deutsche Handbuch erklärt alle wichtigen Funktionen des Tascam TA-1VP und liefert viel Wissenswertes.

Anschlussseitig gibt es neben dem XLR-Eingang auf der Vorderseite einen Klinkeneingang und -ausgang mit Line-Pegel rückseitig. Ein zusätzlicher Klinkenausgang ermöglicht die separate Bearbeitung eines künstlich gedoppelten Signals. Zudem steht ein Digitalausgang (SPDIF) zur Verfügung.

Tascam TA-1VP Rückseite

Anschlüsse auf der Rückseite

Per MIDI kannst Du viele der Parameter des Effektgeräts steuern und mittels einen Fußschalters kannst Du Presets umschalten oder einzelne Blöcke an- und ausschalten.

 

Microphone Modeller

Mit dem Microphone Modeller wird zuerst das Eingangssignal entzerrt, indem Du das TA-1VP wissen lässt, welches Mikrofon oder welchen Mikrofontyp Du verwendest (Markennamen finden sich hier übrigens nicht). Anschließend soll der Modeller im Stande sein, dein Audiosignal so klingen zu lassen, als hättest Du es mit einem von zahlreichen klassischen Mikrofonen aufgenommen. Zudem steht eine Röhrenemulation bereit.

Natürlich kann dieser Effekt, genau wie schon bei der Software ihrer Zeit, keine Wunder verbringen. Aus einem SM58 will einfach kein U87 werden. Der ein oder andere Nutzer wird diesem Effekt aber vielleicht etwas abgewinnen können.

 

Auto-Tune

Auto-Tune ist eine automatische Tonhöhenkorrektur, die insbesondere bei der Begradigung von Gesangsspuren in moderner Musik gerne zum Einsatz kommt. Durch die Analyse der eingehenden Tonhöhe und den daraufhin erfolgenden Vergleich mit festgelegten Tonleiter, Skalen bzw. benutzerdefinierten Tonabfolgen wird das monophone Eingangssignal auf den nächsthöheren oder -tieferen Wert transponiert.

Hierbei kannst Du die Geschwindigkeit der automatischen Korrektur bestimmen – bei sehr schnellen Einstellungen stellt sich der Cher-Effekt ein, den bis heute viele Musiker als künstlerisch beabsichtigten Effekt einsetzen (siehe auch unseren Artikel über Künstler, die Auto-Tune verwenden). Der vernünftige Einsatz dieses Effekts ist recht anspruchsvoll und kann nicht einfach out-of-the-box funktionieren. Wenn Du nur die Presets nutzt, wirst Du oft nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen.

Da dieser Teil des Channel-Strips aber praktisch das Herzstück darstellt, wirst Du sicherlich gerne die Zeit für die Verfeinerung der Presets aufwenden.


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Kompressor, Gate & De-Esser

Der Kompressor ist dafür zuständig, die Dynamik des Gesangs etwas besser in den Griff zu bekommen. Beim Tascam TA-1VP lässt sich die Einschwingzeit (Attack), die Ausklingzeit (Decay) und das „Knee“ des Kompressors regeln. Letzteres sorgt bei bei weichen Einstellungen für einen sanfteren Übergang zwischen komprimiertem und unkomprimiertem Signal, wodurch Du die Natürlichkeit der Stimme weitgehend bewahren kannst. Mit dem integrierten Gate kannst Du unnötiges Rauschen und leise Hintergrundgeräuschen in den Gesangspause in den Griff bekommen.

Tascam TA-1VP Frontseite

Für den Live-Einsatz: Tascam TA-1VP Channel Strip

Der De-Esser regelt innerhalb des Frequenzbereichs von scharfen S- und Zischlauten die Lautstärke herunter, sobald diese über einen bestimmten Schwellenwert kommt. Wie beim Kompressor gibt es auch hier Regler für den Schwellenwert (Threshold), das Verhältnis (Ratio), die Einschwing- und die Ausklangzeit (Attack und Decay). Die Bedienung ist praxisorientiert, aber etwas umständlicher als bei Geräten, die auf das De-Essing spezialisiert sind.

Generell sind die Dynamikbearbeitungsmöglichkeiten des TA–1VP solide umgesetzt. In der Praxis sind die gewünschten Effekte schnell erzielt, wobei genug Spielraum für den detaillierten Eingriff in den Klang geboten wird. An der Klangqualität gibt es zwar nichts auszusetzen, im Tonstudio würde man aber wohl auf andere Geräte zurückgreifen.

 

EQ & Stimmendopplung

Der Equalizer ist für meinen Geschmack doch etwas zu rudimentär. Mit lediglich zwei Bändern lässt sich eben nicht wirklich viel anstellen. Hier solltest Du auf entsprechend geeignetes Outboard-Equipment zurückgreifen, um halbwegs fein abgestimmte Änderungen am Klangbild vornehmen zu können (oder Du überlässt es dem Tontechniker am Mischpult). Für ein All-in-one-Gerät geht das aber noch okay.

Bei der Stimmendopplung (Double Track) wird das Audiosignal durch das Effektgerät einfach gedoppelt. Du kannst den prozentualen Anteil am Gesamtsignal des Mix-Ausgangs bestimmen. Mehr Einstellungsmöglichkeiten gibt es hier zwar nicht, doch der Klang kann sich wirklich hören lassen.

Übersicht Tascam TA-1VP Review

PRO

  • Guter Klang
  • Gute Implementierung von Auto-Tune
  • Robust verarbeitet, auch für den Live-Einsatz geeignet
  • Module sind einzeln von der Frontseite zuschaltbar
  • Zusätzliche Effekte wie Stimmendopplung oder Röhrenemulation
  • MIDI-Steuerung
  • Faires Preis-/Leistungsverhältnis

CONTRA

  • Einstellungen teilweise wenig intuitiv
  • Mikrofoneingang nur vorne
  • Mikrofonvorverstärker rauscht etwas zu stark für die Preisklasse
  • Zu wenig Presets und Speicherplätze
  • Kein Digitaleingang

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Fazit zum Tascam TA-1VP Test

Mit dem TA-1VP ist eine gute Implementierung des Auto-Tune-Effekts in eine Hardware gelungen. Die Einstellmöglichkeiten der einzelnen Module erlauben es, schnell alle gewünschten Effekte zu erzielen, wobei der Klang auch in ungewöhnlichere Regionen vordringen kann. Wer hier unbedingt meckern möchte, wird bemerken, dass es kein Delay und keinen Halleffekt gibt.

Die Verarbeitungsqualität ist gut. Der Tascam TA-1VP liefert (nur) 30 Presets, mit denen Du einen Eindruck vom klanglichen Spektrum des Geräts bekommst; einige der Voreinstellungen sind im Übrigen für Musikinstrumente gedacht. Die einzelnen Effektsektionen sind gut umgesetzt. Der Mikrofonvorverstärker arbeitet gut, allerdings ist das Rauschen überdurchschnittlich stark für die Preisregion dieses Effektgeräts. Für den Live-Einsatz ist das kein großes Problem, doch im Tonstudio solltest Du dich nach alternativen Preamps umschauen. Für den Einbau in ein 19″-Rack wäre an der Rückseite ein zusätzlicher XLR-Eingang von Vorteil, leider gibt es hier nur eine Klinkenbuchse mit Line-Pegel.

Generell ist die Bedienung schnell erlernt. Einige Einstellungen sind jedoch wenig intuitiv, teilweise lässt sich nicht immer alles sofort durchschauen und der Blick in die Bedienungsanleitung könnte notwendig werden. Über MIDI kannst Du fast alles fernsteuern – gut für umfangreiche Bühnen-Setups und den Einsatz im Studio. Die Stimmendopplung erzeugt einen beeindruckenden Klang. Leider steht kein Digitaleingang zur Verfügung. Auch hätten es ruhig ein paar Voreinstellungen ab Werk mehr sein dürfen.

Allerdings hat Tascam bei der Entwicklung des TA-1VP den Fokus auf den Live-Einsatz gesetzt. In diesem Lichte fällt unsere Kritik schon etwas milder aus. Abschließend betrachtet haben wir es hier mit einem wirklich gelungenen Effektgerät zu tun, das Vokalisten aller Couleur zu mehr Glanz auf der Bühne verhelfen kann.

Inhaltsverzeichnis // Tascam TA-1VP Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

Mehr zum Thema:
  

GUT

Tascam TA-1VP Testbericht am 07.10.2011

Produkt:      Tascam TA-1VP
Hersteller:    

Preis:  395,00 Euro
UVP:    469,00 Euro

Kurzfazit

Live-tauglicher Channel-Strip mit Auto-Tune Mit Kompressor, Gate, EQ, Auto-Tune, Microphone Modeller und Stimmdopplung ist dieses Gerät ein voll ausgewachsener Channel-Strip für den Live-Einsatz.

Für wen

Für Sänger und Rapper, die ihre Vocals live aufpeppen wollen.

Wichtige Merkmale
  • Mikrofonvorverstärker
  • Antares Auto-Tune an Bord
  • Kompressor, Gate, EQ

 


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