SSL 12 Test
Musikproduktion im Fokus

SSL 12 Test

Das SSL 12 eignet sich hervorragend für den Einsatz auf einem Tisch.

Was ist es?

Das SSL 12 ist ein Audio-Interface für den Einsatz auf einem Tisch. Es besitzt vier Eingangskanäle, die über ADAT auf bis zu zwölf Inputs erweitert werden können. Ausgangsseitig bietet das Gerät vier Line- und zwei Kopfhörer-Outputs.

Vor allem das ist neu: Über die Software SSL 360 wird der Zugriff auf das SSL 12 auf die virtuelle Ebene gehoben. An zusätzlichen Features gibt es hier neben den grundlegenden Einstellungen eine kleine, aber feine Mixing-Matrix.

SSL 12 Test: 5 Features

  • Systemanforderungen: macOS 10.15 oder neuer (Class-compliant, Plug-and-Play), Windows 10, Windows 11 (ASIO-/WDM-Treiber)
  • Anschlüsse: 4x Kombo-In, 2x Instrument-In, 2x Kopfhörer-Out, 4x Line-Out, MIDI-In, MIDI-Out, ADAT-In, USB 3.0 und Kensington-Lock
  • Abtastrate: 44,1 kHz, 48 kHz, 88,2 kHz, 96 kHz, 176,4 kHz, 192 kHz
  • Abmessungen (HxBxT): 59 x 287 x 155 mm
  • Gewicht: 1,4 kg

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SSL 12 Testbericht

SSL 12: Ein Überblick

Seit Ende der 1960er Jahre versorgt Solid State Logic die Audiowelt mit hochwertigem Equipment. In erster Linie ist das Unternehmen für seine großformatigen Mixer sowie die dafür entwickelten EQs und Dynamics bekannt.

2020 ist SSL aber auch ins Audio Interface-Geschäft eingestiegen. Interessant ist, dass es sich bei den SSL Audio Interfaces nicht etwa um umfangreiche Interfaces mit dutzenden Kanälen handelt. Im Gegenteil: Die ersten beiden Geräte – das 2 und das 2+ – besitzen nur zwei Eingänge, wie die Namensgebung bereits verrät.

Mit dem SSL 12 präsentieren die Briten nun eine Version mit doppelt so vielen analogen Inputs. Ergänzt werden diese durch acht weitere Eingangskanäle über ADAT. Somit sind hier summa summarum zwölf Eingänge verfügbar.

Auch was analoge Ausgänge angeht, wurde hier verdoppelt: Vier Line-Outs, wovon die ersten beiden als Monitoranschlüsse dienen, sowie zwei separat regelbare Kopfhörerausgänge werden hier geboten.

Auf den ersten Blick sehen sich das neue SSL 12 sowie die bereits etablierten SSL 2 und SSL 2+ sehr ähnlich. Bei genauerem Hinschauen zeigen sich jedoch signifikante Unterschiede: Das SSL 12 besitzt für die beiden ersten Eingangskanäle zwei separate Instrument-Ins. Die je drei Buttons über den Metern erfüllen andere Aufgaben und eine Talkback-Funktion ist integriert.

Eine der wichtigsten Ergänzungen ist die virtuelle Ebene. Über die Software SSL 360 hat der Hersteller dem Audio-Interface einen Matrix-Mixer neben vielem mehr spendiert – doch dazu gleich mehr.

Rund ums SSL 12

Ober-, Rück- und Unterseite des SSL 12 bestehen aus Metall. Bei der über die Front sowie die Seiten verlaufende Blende wurde harter Kunststoff verwendet. Alle Anschlüsse sitzen fest im Gehäuse und auch die Bedienelemente vermitteln einen soliden Eindruck.

Die Hülle des SSL 12 ist in den für den Hersteller typischen Farben Anthrazit und Schwarz gestaltet. Ebenso die farbliche Gestaltung der Poti-Knöpfe ist charakteristisch. Die Farbcodes sind praktisch. Du musst nicht lang überlegen, wohin Du greifen musst.

Für einen rutschfesten Halt sorgen vier kleine Gummifüßchen an der Unterseite des SSL 12. Die Buchsen sowie die Bedienoberfläche sind so angeordnet, dass sich das Audio Interface bestens für den Einsatz auf einem Tisch eignet. Ausschlaggebend hierfür ist nicht zuletzt das an einen Monitor-Controller erinnernde Design.

Wie für ein Produkt aus dem Hause Solid State Logic zu erwarten, ist an der Verarbeitung nichts auszusetzen. Das SSL 12 wirkt sehr hochwertig und wiegt mit seinen 1,4 kg etwas weniger als die Optik erst vermuten lässt.

SSL 12 Test

Fast alle Anschlüsse des SSL 12 befinden sich auf dessen Rückseite.

Das SSL 12 und seine Anschlüsse

Bis auf die beiden Instrumenten-Ins und die zwei Kopfhörerbuchsen sind alle Anschlüsse des SSL 12 an der Rückseite. Anders als beim SSL 2 und SSL 2+ erkennt das SSL 12 übrigens automatisch, ob am Instrumenten-Eingang etwas angeschlossen ist. Ein manuelles Umschalten ist also nicht notwendig, da ein eingestecktes Kabel die Combo-Ins stummschaltet.

Apropos: Die vier analogen Eingänge sind mit Kombo-Buchsen von Neutrik ausgestattet. Des Weiteren gibt es vier Line-Outs, je eine MIDI-In- sowie eine MIDI-Out-Buchse, einen ADAT-In sowie einen USB-C-Anschluss. Für ein diebstahlsicheres Platzieren hat SSL noch ein Kensington-Lock-Schloss vorgesehen.

Bei den Line-Outs sind die Ausgänge „1+2“ für das Anschließen von Monitorboxen gedacht. „3+4“ können als unabhängige Ausgänge genutzt werden, um beispielsweise diverses Outboard-Gear anzusteuern oder Reamping zu betreiben. „3+4“ können aber genauso für ein zweites Lautsprecherpaar dienen. So lässt sich etwa zwischen Nearfields und Midfields umschalten.

Direkt neben der Power-LED sitzt ein integriertes Talkback-Mikrofon. Über den Taster „Talk“ kann somit die Stimme des Engineers an den Kopfhörermix oder an die Ausgänge „3+4“ geschickt werden. Das Talkback-Signal lässt sich jedoch ausschließlich an diese Ziele routen.

Die Eingangskanäle im SSL 12 Test

Bis auf die Instrument-Ins der ersten beiden Eingänge stehen in allen vier Kanälen die gleichen Funktionen bereit. Ganz oben sind jeweils drei Taster zu finden. Über diese kannst Du die Phantomspeisung aktivieren, zwischen Mikrofon- und Line-Pegel umschalten sowie ein 75-Hz-Lowcut mit einer Flankensteilheit von 18 dB setzen.

Solid State Logic hat sich aus einem bestimmten Grund für Taster anstatt Schalter entschieden: Die Funktionen lassen sich ebenfalls über die Software SSL 360 steuern – und nicht zuletzt als Preset abspeichern, um gegebenenfalls schnell zwischen verschiedenen Setups wechseln zu können.

Ein LED-Meter mit fünf Segmenten zeigt in 10-dB-Schritten an, wie viel Eingangspegel anliegt. Geregelt wird dieser über den Gain-Poti, der einen Regelbereich von 62 dB umfasst. Der konfigurierte Wert lässt sich aber nur am Gerät selbst einstellen, nicht über die Software.

Ebenso nur über die Hardware ist der Regler „4K“ verfügbar. Wenn aktiviert, sorgt dieser für einen geringen Boost in den Höhen sowie einer leichten Sättigung. Inspiriert wurde diese Funktion von der legendären 4000er-Serie des Herstellers.

Die Anordnung der Kopfhörer- und Monitor-Potis erscheint am SSL 12 durchaus sinnvoll. Gerade an den großen Regler „Monitor Level“ kommst Du besser als beim SSL 2 und SSL 2+. Du läufst nicht Gefahr, versehentlich die Kopfhörerlautstärke beim schnellen Hingreifen zu verstellen.

Im Übrigen: Die ADAT-Schnittstelle kann „nur“ für acht Eingänge genutzt werden. Für weitere acht Ausgänge fehlt die entsprechende Buchse. Aber das ist bei der Dimensionierung des SSL 12 durchaus zu verschmerzen.

SSL 12 Test

Die drei Taster neben dem Monitor-Regler des SSL 12 lassen sich mit insgesamt sechs verschiedenen Funktionen belegen.

Virtuell geregelt

Rechts vom großen Monitor-Potentiometer des SSL 12 finden sich drei Taster. Standardmäßig sind diese mit einer Mute-Funktion, einer Umschaltmöglichkeit für eine alternative Abhöre und dem Aktivieren des Talkbacks belegt.

Über die Software SSL 360 kannst Du diesen Tastern je eine von insgesamt sechs verschiedenen Funktionen frei zuordnen. Neben den drei bereits Genannten sind dies: eine Dim-Funktion, die monophone Ausgabe der Stereo-Summe über die Line-Outs und das Invertieren der Phase des linken Monitorkanals.

Ein Dim-Level kann zwischen „0“ und „–60“ dB eingestellt werden. Außerdem kann das alternative Monitorpärchen in der Lautstärke um ± 12 dB an die Hauptabhöre angepasst werden.

Weitere in der Software vornehmbare Einstellungen sind die Samplerate, die Clock-Quelle und die Loopback-Quelle. Letztere ist nützlich, um über USB laufende Signalquellen in die DAW routen zu können. So lassen sich beispielsweise Samples von Youtube, Netflix oder Amazon Prime recht einfach aufnehmen.

Noch mehr Möglichkeiten dank SSL 360

In SSL 360 steht für jeden Kanal ein optisch den SSL-Mischpulten nachempfundener Kanalzug bereit. Auf Equalizer, Kompressoren und dergleichen mehr wird hier jedoch komplett verzichtet.

Was hier geboten wird, ist ein Matrix-Mixer. Die Pegel aller Eingänge lassen sich separat an Kopfhörerausgang „A“ und „B“, Line-Out „3+4“ und den Monitorausgang „1+2“ regeln. Für letzteres sind übrigens die Fader im unteren Teil des Kanalzugs zuständig.

Jeder Send für Kopfhörer sowie „3+4“ besitzt einen Panoramaregler sowie einen Mute-Schalter. Für den Monitormix selbst stehen neben dem Fader und dem Panning eine Solo- sowie Mute-Funktion bereit.

Im Standard wird über die Kopfhörerbuchsen übrigens das Signal ausgegeben, das auch über die Monitore zu hören ist.

Schön gelöst ist hier auch das sehr fein aufgelöste Meter in jedem Kanal. Ein wenig verwirrend erscheint aber, dass die normale Musikwiedergabe (von gemasterten Songs) zum Clipping im „Master Out“ führt. Dem kannst Du entgegenwirken, indem der Master-Fader auf „–0,2 dB“ eingestellt wird.

SSL 12 Test

Über die Software SSL 360 lässt sich die Monitor-Matrix des SSL 12 nutzen.

Die Performance des SSL 12 im Test

Kommen wir aber zu einem der wesentlichen Punkte: Wie klingt nun das SSL 12? Zum Vergleich stand mein vielgenutztes Audio Interface von Motu zur Verfügung. Ausgangsseitig ist zu vermerken, dass über die Abhöre im Vergleich zu Motu kaum ein Unterschied zu bemerken ist. Lediglich die Bässe scheinen minimal lauter zu sein.

Ein etwas deutlicherer Unterschied ist bei den analogen Eingängen zu nennen: Wo das Motu eher neutral und linear wirkt, hat das SSL 12 einen „musikalischeren“ Klang. Die Tiefen sind ein wenig betonter und das Signal vermittelt einen durchsetzungsfähigeren Eindruck, der durch etwas mehr Präsenz erreicht wird.

Durch den 4K-Schalter erhält das Signal etwas mehr Durchsetzungsfähigkeit. Gerade im Mix mit vielen anderen Sounds macht sich das positiv bemerkbar.

Was beim SSL 12 außerdem positiv auffällt: Die Regler für Monitor- und Kopfhörerlautstärke haben wirklich viel Headroom. „Monitor Level“ stand bei mir meist auf etwa „9 bis 10 Uhr“, die Kopfhörerregler bei etwa „12 bis 2 Uhr“.

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Fazit zum SSL 12 Test

Mit dem SSL 12 haben die Briten ihr Sortiment an Audio-Interfaces sinnvoll nach oben erweitert. Das Gerät kommt nicht nur mit hervorragend klingenden vier Eingangskanälen, sondern auch mit einer ADAT-Schnittstelle für den Anschluss eines externen Mikrofonvorverstärkers. So kann es mit bis zu zwölf Eingängen hantieren und eignet sich damit sogar für die Aufnahmen von Drums.

Mit insgesamt acht Ausgängen wirbt der Hersteller. Gemeint sind hiermit die vier Line-Outs sowie die beiden in Stereo beschalteten Kopfhöreranschlüsse. Letztere können durchaus zweckentfremdet werden, um andere Ziele anzusteuern. Diese Angabe ist jedoch grundsätzlich zu hinterfragen.

Für viel Flexibilität sorgt die Mixing-Matrix, die über die Software SSL 360 zugänglich ist. Dort lassen sich Signale beliebig an Ausgänge routen. Ebenso grundlegende Einstellungen sind vornehmbar. Die Speicherbarkeit von Einstellungen und somit das Aufrufen von Presets macht es einfach, das SSL 12 in verschiedenen Szenarien einzusetzen.

Wer nach einem für die Musikproduktion designten Audio-Interface mit ausgeklügelten Funktionen sucht, wird sich zwangsläufig auch mit SSL auseinandersetzen müssen. Das liegt nicht nur am großartigen Sound und den praktischen Funktionen, sondern auch am guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Klare Empfehlung an alle, die eine kleine, aber feine Klangzentrale mit Monitor-Controller-Funktion suchen und eine sehr gute Wertung im SSL 12 Test.

SSL 12 Features

  • Systemanforderungen: macOS 10.15 oder neuer (Class-compliant, Plug-and-Play), Windows 10, Windows 11 (ASIO-/WDM-Treiber)
  • Anschlüsse: 4x Kombo-In, 2x Instrument-In, 2x Kopfhörer-Out, 4x Line-Out, MIDI-In, MIDI-Out, ADAT-In, USB 3.0 und Kensington-Lock
  • Mikrofonvorverstärker: –130,5 dBu EIN (A-gewichtet), 62 dB Regelbereich
  • Instrument-/Line-In: max. +14 dBu Instrument-Pegel, max. +24 dBu Line-Pegel
  • Monitor-Out: > 120 dB Dynamikumfang, max. +24 dBu Ausgangspegel
  • Kopfhörer-Out: 112 dB/115 dB Dynamikumfang, max. +18 dBu/+24 dBu Ausgangspegel, < 1 Ω Ausgangsimpedanz
  • Abtastrate: 44,1 kHz, 48 kHz, 88,2 kHz, 96 kHz, 176,4 kHz, 192 kHz
  • Abmessungen (HxBxT): 59 x 287 x 155 mm
  • Gewicht: 1,4 kg
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