Royer R-122 MKII Testbericht: Hochwertiges Bändchenmikrofon

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Royer R-122 MKII Testbericht

Vorder- und Rückseite - im Royer R-122 MKII Testbericht testen wir beide

Was ist es?

Das Royer R-122 MKII ist ein Bändchenmikrofon für Anspruchsvolle. Durch die Achter-Richtcharakteristik zeichnet es mit gleicher Empfindlichkeit von vorne und von hinten auf.

Ungewöhnlich für ein Bändchenmikro ist die aktive, per Phantomspeisung versorgte Elektronik und damit der kräftigere Output, wie etwa auch beim Rode NTR. So musst Du die Vorverstärker an Audio-Interfaces und Mischpulten eben nicht bis zum Anschlag aufdrehen, was wiederum zu weniger Rauschen in den Aufnahmen führt.

Es handelt sich hier um einen funktional erweiterten Ableger des R-122, der aber durch dieselbe grundlegende Technik im Klang identisch ist – neu ist das schaltbare Hochpassfilter zur Unterdrückung von Trittschall & Co. oder für einen weniger basskräftigen, »aufgeräumteren« Sound. Außerdem ist ein Pad-Schalter zur Vordämpfung (-15 Dezibel) hinzugekommen, um etwa Blasinstrumente und Drums abnehmen zu können.

Dieses Bändchenmikro ist zum Straßenpreis von 2.259,- Euro (inkl. MwSt.) im Fachhandel erhältlich.


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Royer R-122 MKII Testbericht

Lieferumfang

Das Gesamtpaket ist einem Mikrofon dieser Preisklasse vollends angemessen. So beherbergt unser Lieferkarton eine bestens gepolstert gelagerte Schatulle aus feinem dunkelbraunem Holz. Öffnen wir diese, zeigt sich die edle inwendige Polsterung mit roter Stoffbespannung, an der Deckelseite in leichter Kissenform. In der Aussparung für das Mikrofon finden wir das Royer R122 MKII, noch umhüllt von der dicken samtenen »Mikrofonsocke«. Sehr fein.

Erster Eindruck vom Royer R-122 MKII

Das Mikrofon selbst ist fertigungstechnisch über jeden Zweifel erhaben, auch der XLR-Anschluss mit den vergoldeten Pins macht einen ausgezeichneten Eindruck. Auch das dezent champagnerfarbene Finish des Metallgehäuses gefällt mir besser als Mausgrau.

Schließlich findest Du eine Stativklemme (für optimalen Erschütterungsschutz bietet der Hersteller separat eine Mikrofonspinne an) und einen Ausdruck des Handbuchs, das auch als Dokumentendatei auf einer CD zu finden ist.

Wie es einem Premiummikrofon angemessen ist, erhältst Du eine Garantie auf Lebenszeit. Zudem wird die erste Bestückung mit einem frischen Bändchen kostenfrei vorgenommen.

Schalldrucktoleranz

Dieses Mikrofon kann recht hohe Schalldrücke vertragen (Herstellerangabe: 135 dB @ 30 Hz), ohne dass nennenswerte Verzerrungen auftreten. So eignet es sich etwa auch für Blasinstrumente, Schlagzeug und Gitarrenverstärker.

Royer R-122 MKII Testbericht

Natürlich ist auch die Aufzeichnung von Vocals und Klangquellen mit moderater Lautstärke (Akustikgitarre, Streichinstrumente & Co.) zu empfehlen.

Insbesondere bei zugeschalteter Vordämpfung (-15 dB) wird die Abnahme von Quellen mit hohen Schalldrücken möglich. Dabei geschieht steht die Dämpfung ganz am Anfang der Elektronik.

Vorsicht bei Vocal-Aufnahmen

Wer Vocals aufnehmen will, sollte beim »close miking« (Nahabnahme) unbedingt einen Popschutz davor platzieren. Bändchenmikrofone reagieren sehr empfindlich auf Luftstöße, und die sind bei menschlichen Sprache und Gesang naturgemäß besonders stark – zumindest bei Entfernungen von 30 cm oder weniger sowie direkt auf das Bändchen gerichtetem Mund.

Auswirkungen der Richtcharakteristik

Durch die Achter-Charakteristik ist ein gut gedämmter Aufnahmeraum in der Regel vorteilhaft. Denn dann schleichen sich keine übermäßig starken Reflexionen von den Wänden in die gegenüberliegende Seite der Kapsel ein. Es sei denn, dies ist gewünscht – wie immer ist es empfehlenswert, verschiedene Platzierungen des Mikrofons im Raum auszuprobieren.

Royer R-122 MKII Testbericht

Ferner habe ich festgestellt, dass die klanglichen Abweichungen bei variierenden Einsprechwinkeln und -entfernungen sehr gering sind.

So ist es nicht nötig, beim Recording wie festgenagelt an einer Stelle zu stehen, um einen weitestgehend gleichbleibenden Sound zu erzielen.

Klang des Royer R-122 MKII

Einen guten Eindruck vom zu erwartenden Sound verschafft der Graph des Frequenzgangs:

Royer R-122 MKII Testbericht

Bei deaktiviertem Hochpassfilter ist eine dezente Betonung im Tiefbass zu verzeichnen, zudem steigt die Kurve ab ~1 kHz an und hält ihr Plateau bis etwa 10 kHz. All das passiert in einem Spielraum von etwa ±3 dB, bedeutende Ausreißer erlaubt sich das Royer R-122 MKII nicht.

Der Filter greift bei 100 Hz und die Flankensteilheit liegt bei moderaten 6 dB/Oktave. Es hilft, den basslastigen Nahbesprechungseffekt bzw. Körper- und Trittschall einzudämmen. Die Auswirkung des Filters auf den Frequenzgang wird im Graphen oben durch die rote Linie dargestellt.

Im Vergleich zu vielen Kondensatormikrofonen fällt die gelassene, natürlicher anmutende Abbildung des Präsenzbereichs auf. Da, wo Vocals und Instrumente mehr Durchsetzungskraft bekommen, aber schnell mal unangenehm »quäkend« klingen können – diese Zurückhaltung ist sehr angenehm.

Die zwei Seiten der Medaille

Wenn Du mit der Seite aufnimmst, wo die Pad- und Filter-Schalter sitzen, erwartet dich ein merklich höhenreicherer, »luftigerer« Sound. Zumindest bei Abständen von einem Meter und weniger. Eine kleine Prise der erwähnten Präsenzbetonung und etwas mehr Funkeln können vielen Aufnahmen gut zu Gesicht stehen, gerade Vocals vertragen oft etwas mehr Höhen.

Schön, diese Flexibilität in der Hinterhand zu haben und das Mikro dafür nur einmal kurz um 180° drehen muss.

À propos 180°: Die Rückseite transportiert das Signal in umgekehrter Polarität, so dass gegebenenfalls die Phasenumkehr am Vorverstärker oder in der DAW aktiviert werden muss.

Impulstreue

Als außerordentlich gut erweist sich die Impulstreue des Royer R-122 MKII. Transienten werden piekfein eingefangen, was zu »offeneren« Höhen und sehr disziplinierten, klar umrissenen Bassanschlägen führt. Der Sound ist insgesamt sehr hoch aufgelöst und »verschwimmt« nie. Besonders beim Anreißen von Gitarrensaiten und bei kurzen, trockenen Kickdrums tritt diese Genauigkeit zutage.

Übersicht Royer R-122 MKII Review

PRO

  • Sehr natürlicher Sound mit gut präsentem Bass
  • …und einer Prise mehr Luftigkeit bei Aufnahmen von der anderen Seite
  • Exzellente Impulstreue
  • Filter und Pad für mehr Flexibilität
  • Sehr hoher Output – wenig zusätzliche Vorverstärkung nötig
  • Extrem robust

CONTRA


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Fazit zum Royer R-122 MKII Test

Das Royer R-122 MKII ist ein in allen Belangen gelungenes Bändchenmikrofon für hohe Ansprüche. Generell ist der Sound als gelassen, erdig und mit guter Tieftonunterfütterung zu bezeichnen. Eine Präsenzbetonung findet nicht statt. Ganz wunderbar finde die Möglichkeit, die »Rückseite« der Achter-Charakteristik (auf der Seite ohne Logo) zu nutzen, um einen luftigeren Sound und dadurch dezent präsenteren Sound zu bekommen.

Royer R-122 MKII Testbericht

Wie gut schlug sich der Kandidat im Royer R-122 MKII Testbericht auf delamar?

Die Ergebnisse sind in jedem Fall besser als der nachträgliche Equalizer-Einsatz. Im Verbund mit der hohen Schalldruckresistenz wird dieses Mikrofon bei praktisch allen Instrumenten und Stimmen eine gute Figur machen.

Spätestens bei der Impulstreue zeigt sich, dass der Hersteller zu den besten seines Fachs zählt. Die klare, ungetrübte Dynamik tritt zutage. Bässe klingen so knackig wie sie klingen sollen und die Höhen gehen förmlich auf im direkten Vergleich mit weniger impulstreuen Mikrofonen.

All das gilt bereits für das Original, doch dem MKII-Modell wurden zwei neue Features spendiert: Der Pad-Schalter dämpft das Signal um 15 dB, was für noch mehr Headroom bei Klangquellen mit hohem Schalldruck sorgt. Weiterhin gibt es jetzt einen Hochpassfilter zur Unterdrückung von Trittschall oder zum rein künstlerischen Gebrauch, wenn ein weniger basskräftiger Klang gewünscht wird.

Dank der aktiven Elektronik – befeuert durch Phantomspeisung – findet schon eine Verstärkung des Signals im Mikrofon statt. Die typische Einschränkung vieler Bändchenmikrofone entfällt also und die Gain-Regler an Interface, Mischpult & Co. müssen weit weniger stark aufgedreht werden – weniger Rauschen und ein potentiell noch feinerer Sound sind möglich.

Schließlich muss die erstklassige Verarbeitung gelobt werden. Materialien und Fertigungsqualität sind dem Preis angemessen, auch die feine Holzschatulle und die praktische »Mikrofonsocke« sind gern gesehen.

Es gibt aus meiner Warte nicht das Geringste zu beanstanden, also gibt es im Royer R-122 MKII Testbericht exzellente fünf von fünf Punkten. Wer auf höchstem Niveau aufnehmen will, wird die Investition nicht bereuen.

Inhaltsverzeichnis // Royer R-122 MKII Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

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EXZELLENT

Royer R-122 MKII Testbericht am 15.10.2015

Produkt:      Royer R-122 MKII
Hersteller:  Royer Labs

Preis:  2.259,00 Euro
UVP:    2.688,00 Euro

Kurzfazit

Hochwertiges Bändchenmikrofon mit aktiver Elektronik. Eine exzellente Wahl für anspruchsvolle Studiobetreiber – Abnahmequalität, Vielseitigkeit und Verarbeitung sind auf höchstem Niveau angesiedelt.

Für wen

Studioausstatter, die ein vielseitig verwendbares, für hohe Schalldrücke taugliches Bändchenmikrofon suchen.

Wichtige Merkmale
  • Bändchenmikrofon
  • Aluminiumbändchen (2,5 µm dünn)
  • Phantomspeisung (48 V) nötig
  • Richtcharakteristik: Acht
  • Übertragung: 30-15.000 Hz (±3 dB)
  • Empfindlichkeit: -36 dB (re. 1V/Pa ±1 dB)
  • Pad: -15 dB
  • Hochpassfilter: 100 Hz (6 dB/Oktave)
  • Ersatzgeräuschpegel: <18 dB
  • Ausgangsimpedanz: 200 Ω, symmetrisch
  • Anschluss: XLR
  • Empfohlene Lastimpedanz: min. 1 kΩ
  • Max. Schalldruckpegel: 135 dB @ 30 Hz
  • Maße: 206 x 25 mm
  • Gewicht: 309 g
  • Lackierung: Poliertes Satin-Nickel (optional: mattschwarz, Chrom)
  • Zubehör: Holzschatulle, Mikrofonsocke

 

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