RME Fireface 800 Testbericht: Bewährtes Audio Interfaces für Profis

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RME Fireface 800 Testbericht

Ein Klassiker: Die RME Fireface 800

Was ist es?

Das RME Fireface 800 ist ein Audio Interface zum Einbau in ein 19-Zoll-Rack, das über breitgefächerte Anschlussoptionen für ADAT, S/PDIF, MIDI I/O, Mikrofone, Line-Geräte sowie eine E-Gitarre oder einen E-Bass verfügt. Mit diesem Audio Interface, das über FireWire 400 oder 800 kommuniziert, sind bei 44,1 oder 48 kHz jeweils 28 Kanäle zur Aufnahme und Wiedergabe möglich. Die Sampling-Rate der Wandler reicht hinauf bis 24-bit/192 kHz.

Die Mixer-Software TotalMix, deren zugrundeliegende DSP-Technologie aus der Hammerfell-Serie stammt, zeigt alle Eingänge, Playback-Kanäle und physikalischen Outputs auf einen Blick an und ermöglicht das freie Routing aller Kanäle, wobei sich bis zu 14 unabhängige Stereo-Submixe erstellen lassen.

RME Fireface 800 Testbericht

Ein Klassiker: Die RME Fireface 800

Dieser Test soll eine Einordnung liefern, wie sich das Fireface 800 stolze acht Jahre nach seiner Markteinführung im Vergleich zu aktuellen Audio Interfaces schlägt.


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RME Fireface 800 Testbericht

Eingänge

  • 8 x Line (Stereoklinke 6,3 mm, servosymmetrisch)
  • 4 x Mikrofon (XLR, servosymmetrisch)
  • 1 x Instrument (Monoklinke 6,3 mm, unsymmetrisch)
  • 2 x ADAT optisch / SPDIF optisch & SPDIF koaxial (kompatibel mit AES/EBU)
  • MIDI (5-Pol DIN)
  • WordClock

Ausgänge

  • 8 x Line (Stereoklinke 6,3 mm, servosymmetrisch, DC-gekoppelter Signalpfad)
  • 1 x Line (Stereoklinke 6,3 mm, unsymmetrisch)
  • 2 x ADAT optisch / SPDIF optisch & SPDIF koaxial (kompatibel mit AES/EBU)
  • MIDI (5-Pol DIN)
  • WordClock

 

Verarbeitung

Das Metallgehäuse zum Rack-Einbau ist gut konstruiert und zusammengesetzt. Anders als die XLR-Anschlüsse von Neutrik sind die Klinkenbuchsen jedoch leider nicht fest mit dem Gehäuse verschraubt.

Die Potikappen sitzen fest auf den Drehgebern und der Rotationswiderstand ist gut austariert.
Der An-/Ausschalter ist stabil und die zwei »Henkel« taugen dazu, das Gerät einfacher aus dem Rack ziehen zu können; als netter Nebeneffekt verhindern sie einen Kontakt mit dem Fußboden oder der Tischplatte, wenn Du das Interface einmal mit dem Frontpaneel nach unten aufrecht stellen solltest.

Insgesamt bleibt ein guter Eindruck von diesem Gerät. Allerdings wird das Gerät im Betrieb ziemlich heiß.

 

Vorderseite

Ganz links befindet sich der hochohmige Instrumenteneingang für E-Gitarren und E-Bässe nebst Drehregler für die Eingangsverstärkung. Dieser Eingang hat’s in sich: Ein Soft-Limiter mit weichem Übergang der Transferkurve und gezielter Obertonanreicherung ist für die Komprimierung des Eingangssignals zuständig. Auch Verzerrungen mit röhrenartigem Klang sind möglich. Eine Lautsprecheremulation lässt sich zuschalten.

RME Fireface 800 Testbericht

Die Vorderseite beim RME Fireface 800 Testbericht

Daneben folgen vier identisch ausgestattete Input-Sektionen, die jeweils über einen im analogen Schaltungsteil diskret aufgebauten Klinkeneingang für symmetrische Line-Signale, einen verriegelbaren symmetrischen XLR-Anschluss für Mikrofone (ebenfalls diskret verschaltet, Class-A-Technik, zuschaltbare Phantomspeisung von 48 Volt), einen Gain-Regler (+10 bis +60 dB) und drei LEDs zur Anzeige von Phantomspeisung, Clipping und Signalzufuhr verfügt. Hier lässt sich eine per Software schaltbare Anpassung des Referenzpegels (-10 dBV, +4 dBu, HiGain) realisieren.

Halbrechts hätten wir noch eine kleine Ansammlung von LEDs zur Visualisierung diverser Zustände. Für den Input sowie den Output werden jeweils Hi Gain, die Verstärkung um +4 dBu sowie die Absenkung um -10 dBV angezeigt. Des Weiteren: Word Clock, Time-Code-Modul (optional erhältlich), S/PDIF, MIDI I/I, MIDI I/O, ADAT 1 & 2 sowie eine Anzeige für die funktionierende Anbindung mit dem Treiber.

Am rechten Rand findet sich der regelbare Kopfhörerausgang. Prima: Der Verstärker liefert auch hochohmigen Kopfhörern ausreichend Saft.

 

Rückseite

Auf der Rückseite links findest Du die Buchse für den Netzstecker, gleich daneben die zwei fünfpoligen MIDI-Buchsen (In und Out), anschließend einen Eingang für FireWire 400 (6-Pin) sowie zwei FireWire-800-Ports (9-Pin). Es folgen Bajonettanschlüsse für den Eingang und Ausgang der Word Clock.

RME Fireface 800 Testbericht

Die opulent bestückte Rückseite des RME Fireface 800

Nun sind die Audioschnittstellen an der Reihe. Zwei optische ADAT-Ein- und Ausgangspaare ermöglichen den Anschluss und das Einschleifen externer Effektgeräte, Konnektivität für Mischpulte oder den Anschluss externer Wandler. Mit zusätzlichen Wandler des Typs ADI-8 DS bzw. Mikrofonvorverstärkern vom Typ OctaMic D stünden also insgesamt 26 analoge Eingänge und Ausgänge zur Verfügung, bei 96 kHz immerhin noch 18 an der Zahl.

Der koaxiale, vollständig mit AES/Ebu kompatible SPDIF I/O lässt sich ebenfalls mit bis zu 192 kHz nutzen – bei maximaler Sample-Frequenz stehen zehn analoge In- und Outputs plus zwei digitale I/Os zur Verfügung. Nicht zu vergessen: Jeweils acht Klinkeneingänge und -ausgänge, ohne die wäre kein Audio Interface komplett.


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Software

Bis auf die Pegel der Mikrofonvorstufen und des Kopfhörerausgangs steuert die Software des Fireface 800 sämtliche Geräteeinstellungen.

Im DSP-Mixer TotalMix findet sich ein Matrix-Mixer, mit dem Du alle Ein- und Ausgänge frei miteinander verschalten und mischen kannst. So kannst Du beinahe latenzfreie Monitor-Mixe für eine komplette Band mit individuellen Mischungen für jeden Musiker umsetzen. Bis zu 14 vollständig unabhängige Stereo-Submixe lassen sich erstellen. Zudem stehen Features wie Talkback, Mono-Schalter für die Hautpausgänge und mehr zur Verfügung. Dabei kannst Du acht Presets speichern, um oft genutzte Setups schnell abrufen zu können.

RME Fireface 800 Testbericht

Die Mixer-Software TotalMix

Die Bedienelemente sind sehr klein, selbst auf großen Bildschirmen könnte die Erkennbarkeit bei entsprechend hohen Auflösungen leiden. Andererseits hast Du damit stets alles auf einen Blick.

 

In der Praxis

Die kumulierte Latenz (Summe aus Eingangs- und Ausgangslatenz) liegt auf unserem Testrechner (Intel Core2 Quad Q6600 mit 2,4 GHz pro Kern) ohne Prozessorbelastung laut unserer Messsoftware bei 17 Millisekunden, ganz selten gab es einen kurzen Ausschlag bis zu 22 Millisekunden hinauf. Beim sehr CPU-hungrigen Praxistest mit PreSonus Studio One 2 und einer Signalqualität von 44,1 kHz und 32 Bit waren Werte von rund 3,9 ms Input- und 5 ms Output-Latenz möglich, ohne dass es zu Fehlern kam.

Die Stabilität der Treiber ist bei RME stets vorbildlich gewesen. Ich hatte in den etlichen Jahren, die ich das Fireface 800 schon mein eigen nenne, diesbezüglich praktisch nie Probleme.

Bei unseren Messwerten schneidet die Fireface 800 fast durchweg makellos ab, der Rauschabstand und Linearität des Frequenzgangs sind vorbildlich.

Die Preamps sind prima, auch der D/A-Wandler ist zu loben, allerdings sind im Vergleich zur brandneuen Fireface UCX Unterschiede zu hören, die nicht wegzudiskutieren sind – die UCX klingt einfach noch ein Stück feiner aufgelöst und impulstreuer.

Gleichzeitig stelle ich fest, dass der Kaufpreis des Fireface 800 auch heute noch gerechtfertigt ist, wenn man die Klangqualität zugrunde legt – es wurde deutlich, dass weitaus jüngere Interfaces wie das Avid Mbox Pro oder das MOTU Audio Express, bei der man durchaus eine vergleichbare Wandlerqualität vermuten darf, nicht gegen die Fireface 800 anstinkt.

Übersicht RME Fireface 800 Review

PRO

  • Gute Wandler und Vorverstärker
  • Hohe Verarbeitungsqualität
  • Ausgesprochen stabile Treiber
  • Hochflexibles Routing und Monitoring

CONTRA

  • D/A-Wandler mittlerweile technisch überholt

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Fazit zum RME Fireface 800 Test

Auch nach circa acht Jahren ist das RME Fireface 800 noch ein sehr gutes Audio Interface, das den Ansprüchen von Profis gerecht wird. Die schiere Zahl und Vielfalt der Anschlüsse dürfte für fast alle Produktionen ausreichen und die Ein- und Ausgänge für die WordClock sorgen für das passende Timing. Die Verarbeitungsqualität ist größtenteils hoch, allerdings wird das Gerät im Betrieb recht heiß.

Die Mixer-Software TotalMix ist ein Musterbeispiel in Sachen Flexibilität bei Routing und Monitoring. Gerade die Anzeige der in einem Submix belegten Kanäle ist sehr nützlich. Um ein geflügeltes englisches Wort zu verwenden: Die Treiber sind »rock solid« – stabil und zuverlässig wie kaum ein Angebot eines anderes Herstellers.

Bei der Qualität der Wandler und Vorverstärker gibt es praktisch nichts auszusetzen, allerdings hat RME mit der Fireface UCX jetzt ein noch klangstärkeres Pferd im Stall – in unserem Hörtest stellte sich deutlich heraus, dass die Fireface 800 nicht mehr ganz mithalten kann, was die Separation der Instrumente im Klangbild und die Impulstreue angeht. Dennoch, rein von der Wandlerqualität betrachtet ist der Kaufpreis angemessen, denn so junge und drahtige Herausforderer wie die Avid Mbox Pro reichen nicht an die Qualität der Fireface 800 heran.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt: Wenn Du das Gerät nach einigen Jahren wieder verkaufen willst, wirst Du sicher noch ein ordentliches Sümmchen dafür bekommen.

Alles in allem gibt es in unserem RME Fireface 800 Testbericht für dieses Gerät, das kaum in die Jahre gekommen ist, viereinhalb von fünf Punkten.

Inhaltsverzeichnis // RME Fireface 800 Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

Mehr zum Thema:

SEHR GUT

RME Fireface 800 Testbericht am 09.02.2012

Produkt:      RME Fireface 800
Hersteller:  RME

Preis:  1.159,00 Euro
UVP:    1.486,47 Euro

Kurzfazit

Anschlussfreudiges Audio Interface. Dieses umfangreich ausgestattete FireWire 800 Interface erlaubt sehr flexibles Monitoring und Mixing mit sehr stabilen Treibern.

Für wen

Anspruchsvolle Produzenten großer Bands

Wichtige Merkmale
  • FireWire Audio Interface
  • 24-bit/192 kHz
  • Bis zu 28 Eingänge / 28 Ausgänge
  • ADAT, S/PDIF
  • MIDI I/O
  • WordClock I/O

 


Lesermeinungen (6)

zu 'RME Fireface 800 Testbericht: Bewährtes Audio Interfaces für Profis'

  • feelKlang / Steffen Brucker   09. Feb 2012   19:25 UhrAntworten

    Kann ich nur bestätigen, man kann sich auf die Treiber von RME voll und ganz verlassen !

    Ich habe das FF 800 seit kurzem im Studio, ausgetauscht gegen ein FF 400. Endlich kann ich wieder 8 Stereo Kanäle über ADAT summieren. Für das Monitoring kommt ein Lake People DAC über SPDIF zum Einsatz um die eingeschränkten DAC des FF 800 zu umgehen.

    Es läuft rundum rund - sogar über das FireWire 400 Interface !

  • SchwarzKopf Mo-d   09. Feb 2012   21:46 UhrAntworten

    wie ist der woltte ich mir auch holen?

  • Thomas Supersynthesized   15. Feb 2012   12:22 UhrAntworten

    Danke für den tollen Bericht. Ich stehe selbst gerade vor der Entscheidung welches Interface ich kaufen soll. Verkaufst du deines jetzt Carlos?!

    lg
    Thomas

    • feelKlang / Steffen Brucker   15. Feb 2012   16:17 UhrAntworten

      Es gibt ja mittlerweile für jeden Anwendungsfall ein Face, also ich würde eines von RME nehmen. Und mit den digitalen Anschlüssen kannst Du später immer noch mit den Wandlern variieren.

  • Sogyra   19. Feb 2012   22:22 UhrAntworten

    Grundsätzlich ein recht gutes Audiointerface, aber es gibt auch Schattenseiten.

    rme-audio.de/forum/viewtopic.php?id=13677

    recording.de/Community/Forum/Hardware_und_Software/Audio-Interfaces_und_Soundkarten/158038/Thema_1.html

    Bin selber im Besitz eines FF800 mit 2 weiteren ADAT-Wandlern. Aber ich denke aufgrund des kundenunfreundlichen Fehlverhaltens seitens "RME" bzw "Synthax" ernsthaft nach, auf ein anderes System umzusteigen.

    • Carlos San Segundo (delamar)   19. Feb 2012   23:22 UhrAntworten

      Ich warte auch noch darauf, dass ich meine angerosteten Patch-Kabel ersetzt bekomme. Wie dem auch sei, das Interface an sich ist sehr gut.

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