Palmer Daccapo Testbericht: Reamping Box

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Palmer Daccapo Testbericht

Was zum Geier ist das? Unser Palmer Daccapo Testbericht klärt auf.

Was ist es?

Um Audiosignale in möglichst guter Klangqualität aufzunehmen, müssen die Impedanzen von Eingang und Instrumentenausgang angepasst werden. Und genau eine solche Impedanzanpassung ist das, was dir die passive Hardware Palmer Daccapo für dein Homerecording Tonstudio bietet. Passiv bedeutet hier, dass ein Netzanschluss oder eine Batterie für den Betrieb nicht notwendig sind. Mit dieser Box kannst Du beliebige bereits im Computer vorhandene Audiosignale an die Impedanz einer Gitarre (oder eines Basses) anpassen, um sie in einen Gitarrenverstärker oder ein anderes Gerät mit Hi-Z-Eingang zu speisen.

Palmer Daccapo Testbericht

Was zum Geier ist das? Unser Palmer Daccapo Testbericht klärt auf.


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Palmer Daccapo Testbericht

Warum überhaupt Palmer Daccapo?

Wenn Du eine Gitarre aufgenommen hast, die dir zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr gefällt oder die sich nicht mehr so recht in den fertigen Mix einfügen möchte, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kannst Du die Gitarrenspur einfach neu einspielen, wobei das nicht nur umständlich ist, sondern auch oftmals schlicht nicht mehr möglich – beispielsweise wenn die Band das Equipment schon lange abgebaut hat.

Gut wenn Du dann beim Recording bereits darauf geachtet hattest, parallel eine saubere Aufnahme mit einer DI-Box zu machen. Mit den sauberen Aufnahmen kannst Du dann entweder eine Gitarren-Software bemühen oder, wenn dir das klanglich nicht reicht, ein echtes Reamping anstreben und dabei die Aufnahmen in einen Gitarrenverstärker speisen und diesen wieder mit einem Mikrofon abnehmen.

Und genau hier kommt die kleine Palmer Daccapo ins Spiel, denn sie soll sich um alle denkbaren Probleme dabei kümmern. Sie wandelt die Impedanz der Aufnahmen im Audiorechner in ein hochohmiges Signal um, das Du problemlos wieder mit dem Amp aufnehmen kannst.

 

Details

Die gelb gehaltene Box Palmer Daccapo ist mit 125 x 80 x 45 Millimetern in etwa so groß wie die Bodeneffekte von Ibanez oder Boss, hat dabei aber eine größere Basis. Auf der Oberseite prangen nicht nur das Herstellerlogo und die Typenbezeichnung, auch alle Elemente sind hier beschriftet, so dass sie bequem von oben gelesen werden können ohne die Box auch nur anfassen zu müssen. Fein.

Auf der von oben gesehen linken Seite befindet sich eine symmetrische XLR-Buchse von Neutrik, die fest mit dem Gehäuse verschraubt ist und zudem einen Verschluss bietet, damit das angeschlossene Kabel nicht versehentlich herausrutschen kann. Diese Buchse ist der Eingang, über den Du die Audiosignale einspeist. Links neben ihr findest Du einen grauen Druckschalter, mit dem Du wählen kannst, ob das anliegende Signal mit +4 dBu (typischerweise im Tonstudio) oder -10 dBV (Consumer) anliegt.

Palmer Daccapo Testbericht

Die Anschlüsse zu beiden Seiten der Palmer Daccapo

Rechts neben der Buchse findet sich dann ein weiterer Druckschalter für die Masse. Im Gehäuse verbaut ist ein Trenntrafo, der ohnehin schon für eine galvanische Trennung von Eingang und Ausgang sorgt. Mit beiden zusammen kannst Du zuverlässig etwaige Brummschleifen entfernen, die daraus resultieren, dass das Signal durch zwei verstärkende Einheiten geschickt wird.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Palmer Daccapo findest Du schließlich den unsymmetrischen Ausgang, der wie üblich in Form einer 6,3-mm-Klinkenbuchse vorliegt. Auch diese Buchse wurde mithilfe einer Manschette fest mit dem Gehäuse verbunden, so dass auch auf dieser Seite eine lange Lebensdauer erwartet werden kann.

Daneben befindet sich noch ein kleiner Drehregler, mit welchem Du die Lautstärke des unsymmetrischen Audiosignals anpassen kannst. Dieser Poti ist mit vielleicht einem halben Zentimeter Durchmesser zwar wirklich klein gehalten, doch er lässt sich dennoch gut bedienen. Zudem dürfte dieser nicht so anfällig für ruppige Behandlung sein wie seine größeren Kollegen.

Insgesamt ist die Hardware sehr gut verarbeitet, wenn auch in den Details nicht ganz auf dem Niveau des Mitbewerbers Radial. Ins Auge fällt mir da insbesondere die Unterseite mit ihren vier Schrauben, die mir die Oberfläche meines Studiotischs zerkratzt haben. Im Lieferumfang enthalten sind zwar vier aufklebbare Gummifüße, doch die Lösung vom Mitbewerber mit einer drei Millimeter starken Schicht Moosgummi auf der Unterseite ist dann doch etwas nobler – und vorinstalliert. Und im Gegenzug dafür auch deutlich kostenintensiver für den Geldbeutel.


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In der Praxis

Für die Tests habe ich einige Aufnahmen mit der Palmer Daccapo Reamping Box gemacht. Der Anschluss ist denkbar einfach. Der Ausgang des Audio Interface wird mit dem Eingang der Box verbunden und auf den richtigen Pegel (in unserem Fall +4 dBu) eingestellt. Auf der anderen Seite wird der Ausgang mit einem möglichst kurzen Kabel an den Gitarrenverstärker angeschlossen. Symmetrische Audiosignale wie das, das aus dem Audio Interface kommt, sind weniger anfällig für Störgeräusche als das unsymmetrische Signal, das aus einer Gitarre oder der gelben Box herauskommt.

Zum Vergleich habe ich drei Aufnahmen gemacht, um mir einen Eindruck von der Klangqualität und der Arbeitsweise zu verschaffen. Im Mediaplayer findest Du die nachstehend beschriebenen Audiodateien.

Die erste Aufnahme ist das Original, das mit einer Gibson Les Paul direkt in das Audio Interface gespielt wurde. Das zweite Beispiel ist die oben beschriebene Reamping-Aufnahme mit der Palmer Daccapo. Die Kette bestand aus dem MXR Wylde Overdrive, einer Reußenzehn-Endstufe mit Röhren vom Typ EL34 und einer Marshall 1960A aus den 90er-Jahren. Aufgenommen wurde mit einem Shure SM57. Dieselbe Kette stand auch für die dritte Aufnahme zur Verfügung, bei der allerdings nicht die gelbe Box zum Reamping herhalten musste, sondern unser Avid Eleven Rack, das ebenfalls diese Funktion bietet. Die vierte Aufnahme schließlich ist am besten zum direkten Vergleich von Audiosignal vor und nach der Box geeignet. Hier habe ich das Reamping genutzt, um erneut in den Gitarreneingang am Audio Interface zu gehen.

Gegenüber dem Originalsignal verliert die Bearbeitung etwas an Druck, was aber selbst im direkten Vergleich gar nicht so stark zu hören ist. Welcher Komponente (Box, Kabel, Audio Interface) der Klangunterschied zuzuschreiben ist, vermag ich nicht endgültig zu sagen. Jedenfalls ist klar, dass die mit der Palmer Daccapo gemachten Aufnahmen sehr gut und vor allen Dingen rein klingen, was besonders im Vergleich zum Eleven Rack deutlich wird.

Les Paul direkt

Les Paul Daccapo SM57

Les Paul Eleven Rack SM57

Daccapo RME In/Out

Übersicht Palmer Daccapo Review

PRO

  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Gute Verarbeitung
  • Guter Klang

CONTRA

  • Hervorstehende Schrauben auf der Unterseite

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Fazit zum Palmer Daccapo Test

Für einen aktuellen Straßenpreis von 79,- Euro erhältst Du mit der Palmer Daccapo eine sehr gut verarbeitete und robuste Box für das Reamping von Gitarrenaufnahmen. Alle Schalter und Buchsen machen einen hochwertigen Eindruck und sind im Falle der Buchsen fest mit dem Gehäuse verschraubt. Bei dieser Hardware brauchst Du keine Bedenken haben, dass sie irgendwann dem rauen Alltag nicht standhalten könne.

Was die Funktionsweise und den Klang angeht, verspricht der Hersteller nicht zu viel. Die von mir gemachten Aufnahmen mit der kleinen gelben Box sprechen für sich. Es sind keinerlei Nebengeräusche zu verzeichnen, etwaige Brummschleifen lassen sich bestens entfernen und mit der Anpassung von professionellen und Consumer-Pegeln kann das Gerät auch mit Audio Interfaces aus der Einsteigerklasse bestens betrieben werden.

Einzig eine Kleinigkeit bietet Anlass zur Kritik: Die vier scharfkantigen Schrauben auf der Unterseite des Gehäuses hätten nicht sein müssen. Wahrscheinlich hätte es gereicht, wären die Füße vorinstalliert. Vielleicht aber denkt Palmer ja mal über die oberflächenschonende Moosgummischicht nach.

Wer in seinem Tonstudio ein Reamping anstrebt, ist bestens mit dieser Hardware bedient. Und so beschließe ich diesen Palmer Daccapo Testbericht mit viereinhalb von fünf möglichen Punkten. Well done.

Inhaltsverzeichnis // Palmer Daccapo Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

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SEHR GUT

Palmer Daccapo Testbericht am 05.08.2012

Produkt:      Palmer Daccapo
Hersteller:  

Preis:  79,00 Euro
UVP:    90,00 Euro

Kurzfazit

Hardware für das Reamping. Mit dieser kleinen gelben Box kannst Du Audiosignale aus deinem Audio Interface in einen Gitarrenverstärker schicken.

Für wen

Tonstudios und Produzenten, die ihre Gitarren mithilfe von Reamping erneut aufzeichnen wollen.

Wichtige Merkmale
  • Reamping Box
  • Wandlung: Line → Hi-Z
  • Gewicht: 290 g

 


Lesermeinungen (2)

zu 'Palmer Daccapo Testbericht: Reamping Box'

  • Jens Fischer   02. Jan 2013   17:25 UhrAntworten

    Hallo Carlos,

    dein Testbericht zum Palmer Daccapo ist wirklich sehr hilfreich, danke!

    Viele Grüße aus St. Pauli
    Jens

  • Finn   02. Dez 2014   11:32 UhrAntworten

    Ebenfalls vielen Dank für diesen Test. Was ich allerdings bei solchen Testaufnahmen schwierig finde (ich weiß, dass das nicht der reguläre Anwendungsfall ist): es sind soviele Komponenten an der Übertragungskette beteiligt, dass man die Klangqualität des getesteten Gerätes, hier also der Reamp Box, kaum beurteilen kann. Das cleane ReRecorden in den Instrumenten-Eingang am Audio Interface geht genau in die richtige Richtung. Dich auch dabei weiß man nicht, wie groß der Anteil des getesteten Geräts an der Klangveränderung ist bzw. wie groß der Anteil des Instrumenteneinganges. Ich persönlich kann am meisten aus vergleichenden Tests verschiedener Geräte (hier also z.B. verschiedene passive ReAmp Boxen) in ansonsten identischen Setups und ohne dominante Klangbeeinflussungen wie zum Beispiel massiver Verzerrung heraushören.

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