Nord Drum 2 Test: Percussion & Drum Synthesizer

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Nord Drum 2

Die kompakte Klangkiste im Nord Drum 2 Test - erfahre hier, was dieser Drum Synthesizer so alles kann, wie gut er das schafft und ob er sich für deine Vorstellungen von Klang eignet ...

Was ist es?

Der Nord Drum 2 ist ein waschechter Percussion & Drum Synthesizer, dessen Klänge ohne jegliche Drum Samples erzeugt werden. Das geschieht auf bis zu sechs Kanälen, die sich mit dem separat erhältlichen Nord Pad 6 oder über die sechs großen Klinkeneingänge triggern lassen.

Pro Kanal lassen sich separate Effekte nutzen. Neben den erwähnten Trigger-Eingängen gibt es fünfpolige Buchsen für MIDI In & Out sowie einen Stereoausgang (2x große Klinke) und einen Kopfhöreranschluss (kleine Klinke).


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Nord Drum 2 Testbericht

Verarbeitung und Lieferumfang

Sofort fällt die sehr kompakte und bestens verarbeitete Hardware auf. Die metallenen Gehäuseteile der Nord Drum 2 sind gut miteinander verschraubt, zudem werden alle Klinkenanschlüsse durch Manschetten gestützt, die fest an die Rückwand geschraubt sind. Der Poti für den Kopfhöreroutput sitzt erstklassig und läuft butterweich, die Buttons und der große Drehregler zur Parameterjustierung reagieren tadellos.

Nord Drum 2 Testbericht - Rückseite

Die Rückseite der nord Drum 2 beherbergt sämtliche Buchsen

Im Lieferumfang: ein mit vier beiliegenden Schrauben zu befestigender Stativhalter (Rohrdurchmesser 23 mm) und vier kleine Gummiauflagen mit selbstklebenden Rückseiten – stecke Letztere flugs an die Unterseite, um das Gerät rutschfester und oberflächenschonender zu machen.

Das Kabel des mitgelieferten Netzteils misst 1,20 Meter, es hätte gerne etwas mehr sein dürfen. Zudem gibt es leider keinen An/Aus-Schalter, das Gerät startet gleich nach der Netzverbindung und zum Ausschalten muss der Stecker gezogen werden.

Das PDF-Handbuch – leider ist es noch nicht auf Deutsch erhältlich – punktet mit sehr leserlichem Schriftsatz und verständlichen Abbildungen. Es gibt Links im Inhaltsverzeichnis zu den Kapiteln, Infos zu den Neuerungen für Nutzer des Vorgängermodells und einen Index.

Grundfunktionen und Bedienung

Sechs Sounds kannst Du unabhängig voneinander formen; beim Vorgänger waren es noch vier, was für meinen Geschmack zu wenig war. Fein, dass der Hersteller hier nachgelegt hat. Die für viele Drummer so grundlegende Funktion der Mute-Gruppen ist an Bord, Du kannst also bestimmte Klänge durch das Triggern anderer Klänge verstummen lassen.

Nord Drum 2 Test - Bedienoberfläche

Die Bedienoberfläche bietet viele dedizierte Buttons und kommt mit einem Segment-Display vollkommen aus

Nützlich: Die Systembefehle umfassen etwa Copy & Paste zum Übertragen von bestimmten Parameterwerten in ein anderes Preset oder einen »Panik«-Knopf, der alle noch spielenden Klänge augenblicklich stoppt. Der SysEx-Import und -Export von Presets ist auch möglich, so kannst Du deine Kreationen archivieren.

Ich hätte mir sechs Tasten zur gezielten Anwahl eines Klangs gewünscht. Auch die alternativen Funktionen per Shift-Knopf oder die Taste zum Umschalten der Parameterzeile auf der Nord Drum 2 ergeben ein eher indirektes Bediengefühl. Entlastend muss aber angemerkt werden, dass das Bedienpaneel dadurch wesentlich aufgeräumter gestaltet werden konnte, als wenn zwölf (!) weitere Tasten darauf prangen würden.

Klangerzeugung und Parameter

Die Klangformung spielt sich hauptsächlich in drei Kategorien ab:

  • Noise – Filter mit Hüllkurvenregelung und Resonanz
  • Tone – Wellenformen, Tonhöhe, Timbre, Ausklangdauer etc.
  • Click – impulsive Transienten am Beginn des Klangs

Nord Drum 2 Test - Synthese

Hier nur ein Ausschnitt aus der Optionsvielfalt: Beim Filter gibt es Hoch-, Tief- und Bandpass plus Resonanz- und Hüllkurvenregelung. Die Ausklangdauer eines Sounds kannst Du abhängig von der Anschlaghärte variieren lassen. 33 Wellenformen sind an Bord, formbar durch Timbre- und Spektralparameter. Ich will es kurz machen: Es ist alles an Bord, was zum Erzeugen von ausgefeilten synthetischen Kick Drums, Pauken, Snares, Hihats, Shakern, Klicks, Toms, glockenartigen Klängen und mehr nötig ist.

Nord Drum 2 Review - Tone

In der Sektion »Channel« werden abschließende Bearbeitungsschritte realisiert – die drei beliebig zuschaltbaren und konfigurierbaren Effekte Verzerrung, EQ und Echo sowie Lautstärke und Panning. Der Drive-Modus des Verzerrers gefällt mir sehr gut und sorgt für eine gewisse Raubeinigkeit.

Review der Nord Drum 2 - Channel

Prima: Ein dedizierter Parameter erlaubt das schnelle Schrauben zwischen dem einen Extrem »nur Noise« und dem anderen, »nur Tone«. Derartige Komfortfunktionen der Nord Drum 2 sind Gold wert, denn so kannst Du dir die Kleinarbeit der Justierung einzelner Parameter häufig sparen.

Klang

Das Signal, das aus den Klinkenausgängen kommt, ist sehr sauber – mit sehr niedrigem, praktisch immer unhörbarem Rauschen, sehr weitem Frequenzgang und impulstreu. Nur etwas lauter hätte es sein dürfen. So können wir die technischen Aspekte der Nord Drum 2 zufrieden hinter uns lassen.

Zur Flexibilität der Synthese habe ich bereits ein positives Urteil abgegeben – gut, dass die 200 ab Werk enthaltenen Kits dies trefflich demonstrieren. Für überwiegend elektronische Musik mit Beats aller Art, aber auch Pop, Indie-Rock und mehr sind die Kits jeweils allumfassend mit Bass bzw. Kick Drum, Snare oder Clap, Hihat-artigen Sounds, Toms und sonstigen perkussiven Elementen bestückt, bilden also stets eine kleine Welt für sich mit allen nötigen Komponenten für einen Beat.

Klangbeispiele von der Nord Drum 2




Die Klänge sind meist extrem tight und staubtrocken im positiven Sinne, die virtuellen Paukenschläge beeindruckend und es gibt viele stark elektronisch geprägte Kits mit experimentell-minimalistischen Sounds. So satt und in gewohnter Manier »tanzbar« wie etwa die 808 sind nicht viele der fertigen Kits, aber das ist auch Geschmackssache und als findiger Sounddesigner könntest Du das ohnehin weitestgehend korrigieren.

Sonstiges im Nord Lead 2 Test

Die Trigger-Eingänge sind sehr praxistauglich einstellbar, da sich der Schwellenwert und die Empfindlichkeit regulieren lassen. Die sechs Kanäle werden über die separaten MIDI-Kanäle 1-6 getriggert – so steht für jeden Sound jeweils der gesamte Tonhöhenspielraum zur Verfügung.

Schade, dass es noch immer keine Einzelausgänge gibt, über die ich die sechs Sounds mit meinen Lieblingseffektgeräten oder Plugins separat weiterbearbeiten könnte. So wird alles zusammengemischt und an den Stereoausgang gesendet. Abermals kann man entgegenhalten, dass in einem so kompakten Gerät schlicht kein Platz für Einzelausgänge bleibt.

Nord Drum 2 Review - die passende iPad App heißt »Nord Beat«

Mit »Nord Beat« gibt es eine kostenlose iPad App mit klarem Layout. Die Rhythmuskreation ist sofort zugänglich dank dem sechsspurigen Step-Sequenzer und den großen virtuellen Drum Pads mit verschiedenen Trefferzonen für variable Anschlaghärten. So wird ein erfrischend spielerischer Zugang zum Gerät geschaffen.

Übersicht Nord Drum 2 Review

PRO

  • Äußerst flexible, gut strukturierte Syntheseoptionen
  • Stereo-Mix-Ausgang
  • Sechs Sounds spielbar
  • 200 vielfältige, gut ausgearbeitete Kits ab Werk
  • Hochdynamischer, sauberer Klang
  • Fein konfigurierbare Trigger-Eingänge für Signale aller Art
  • Sehr kompakt gebaut und bestens verarbeitet
  • Kostenlose iPad App für Jamming und Beatprogrammierung

CONTRA

  • Keine Einzelausgänge
  • Bedienung mit kleinen Umwegen

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Fazit zum Nord Drum 2 Test

Die Vielfalt und Reichweite der Syntheseoptionen im Nord Drum 2 ist hervorragend. Es ist alles an Bord für ausgefeiltes Sounddesign in elektronischer Musik, Indie-Rock, Pop und allen Genres, in denen sich synthetische Trommeln und Perkussionsinstrumente wohlfühlen. Die kleine Kiste für die Bühne oder das Tonstudio setzt noch einen auf seinen Vorgänger drauf – dankenswerterweise ist nun ein Stereoausgang implementiert und passend dazu kannst Du die sechs Sounds (vormals waren es nur vier) beliebig im Stereopanorama verteilen. Stolze 200 gekonnt programmierte Drum Kits erwarten dich, sie decken die ganze klangliche Bandbreite des Geräts ab.

Nord Drum 2

Im Nord Drum 2 Test kam eine erfreulich flexible Drum-Synthese ans Licht

Doch nicht nur die künstlerischen Ressourcen sind sehr gelungen, auch die technischen Qualitäten des Klangs ragen heraus – der Sound kommt sehr sauber und mit hohem Dynamikumfang aus den Outputs. Mindestens ebenso viel Lob verdienen sich die Trigger-Eingänge, die mit so ziemlichen allen Signalen sinnvoll gespeist werden können. Dabei sind Empfindlichkeit und Schwellenwert regulierbar.

Dieser Percussion & Drum Synthesizer ist nach wie vor sehr kompakt gebaut, er ist kaum größer als ein »Lustiges Taschenbuch«, die Du vielleicht aus deiner Kindheit noch kennst. Die exakten Maße findest Du übrigens rechts im Infokasten und einige der Produktfotos vermitteln einen guten Eindruck. Die Verarbeitung ist durchweg sehr gut – dafür bin ich immer zu haben.

Was die Software angeht, ist zunächst die kostenlos erhältliche iPad App hervorzuheben. Sie ist kurzweilig und mit respektablen Möglichkeiten zur Beat-Programmierung bzw. zum Jammen zwischendurch bestückt. Und ich möchte noch mit Freude anerkennen, dass der Hersteller kürzlich ein Betriebssystem-Update vorgelegt hat, das nicht nur kleinere Fehler bereinigt, sondern auch neunen Content birgt (frische Wellenformen, ein Ringmodulator etc.).

Schade, dass es immer noch keine Einzelausgänge zur gezielten externen Bearbeitung der sechs separaten Sounds gibt. Klar, bei einem derart kompakten Gerät ist das nicht möglich, aber für eine so gewichtige Erweiterung würde ich mich auch mit einem größeren Gehäuse anfreunden. Mein zweiter Kritikpunkt ist die teils indirekt gelöste Bedienung über die zwei Parameterzeilen und die Kanalwahl mit den Links/Rechts-Buttons.

Alles in allem stehen im Nord Drum 2 Test viereinhalb Punkte zu Buche – ein selbstbewusstes »Sehr gut« hat sich das kleine Kraftpaket verdient. Ich empfehle es allen, die einen hochflexiblen, technisch feinen, gut ansteuerbaren Percussion & Drum Synthesizer für elektronische Beats suchen.

Inhaltsverzeichnis // Nord Drum 2 Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

Mehr zum Thema:
        

SEHR GUT

Nord Drum 2 Testbericht am 18.07.2014

Produkt:      Nord Drum 2
Hersteller:    

Preis:  475,00 Euro
UVP:    593,81 Euro

Kurzfazit

Percussion & Drum Synthesizer in kompakter Bauform. Starke Syntheseoptionen auf sechs Kanälen, versammelt in einem superkompakten und robusten Gerät mit gut konfigurierbaren Trigger-Inputs.

Für wen

Fortgeschrittene und Profis, die einen umfassenden Drum Synthesizer ohne Einzelausgänge suchen.

Wichtige Merkmale
  • Percussion & Drum Synthesizer
  • 6 Kanäle & 6 Stimmen
  • Tonhöhe, Timbre, Filter, Hüllkurven & mehr editierbar
  • Distortion, EQ, Echo
  • 6 Trigger-Eingänge (6,3 mm)
  • Stereoausgang (2x 6,3 mm)
  • Kopfhörerausgang (6,3 mm)
  • MIDI In & Out (DIN)
  • Ethernet-Buchse für Nord Pad
  • Maße: 222 x 43 x 140 mm
  • Gewicht: 695 g

 


Lesermeinungen (4)

zu 'Nord Drum 2 Test: Percussion & Drum Synthesizer'

  • Waldemar   24. Jan 2015   20:36 UhrAntworten

    Hallo Felix,

    danke für den Bericht, wirklich klasse.
    Was mich dabei noch interessiert, kannst Du auch diesen für Techno empfehlen?
    Ich weiss das ist subjektiv, aber groove das Teil?
    Ich selber habe die Jomox 888 gehört, fand ich zu hart, die Volca Beats ging schon in die richtige Richtung, mir fehlte aber der letzte Druck (bei der kleinen Kiste aber trotzdem absolut positiv), den Rytm, der Bass war richtig richtig, fand ich aber letztendlich zu teuer.

    Bei der ND2 gefällt mir die Größe, das Konzept un der Preis ;-)

    Danke für eine Antwort.

    Gruss

    waldemaR

    • Felix Baarß (delamar)   24. Jan 2015   21:30 UhrAntworten

      Hallo Waldemar,

      für meinen Techno- und House-Geschmack wäre das Gerät wahrscheinlich nur teilweise geeignet, aber was soll das schon heißen? Pardon, Fragen nach der Eignung für Genre X (innerhalb dessen es unzählige Spielarten gibt, die noch zum persönlichen Geschmack dazukommen) sind für mich immer wie eine Pistole auf der Brust - auch, weil ich als testender Redakteur das Gerät naturgemäß nicht so in- und auswendig kennenlernen kann.

      Daher verweise ich einfach nochmal auf unsere Klangbeispiele hier im Test. Die stellen einen kleinen, halbwegs repräsentativen Ausschnitt dar.

      Na gut, um doch noch den Versuch einer hilfreichen Einschätzung zu wagen: Für Minimal-Techno und alles »Klöppelnde«, »Trockene«, wo die Sounds nicht ganz so klassisch 808-mäßig klingen sollen, ist die Nord Drum 2 prima. (Pass auf, jetzt kommen bestimmt gleich die ersten Kommentatoren, die dem empört widersprechen. :/)

      Die anderen Geräte, die Du nennst, habe ich leider nicht genutzt und kann keine Vergleiche ziehen. Bleibt mir nur, dir nur empfehlen, das 30-oder-X-Tage-Rückgaberecht eines Musikalienhändlers in Anspruch zu nehmen, um das Gerät intensiv selbst zu testen.

      Gruß,
      Felix

  • Waldemar   25. Jan 2015   09:22 UhrAntworten

    Hallo Felix,

    super danke dafür.

    Natürlich gibt es die 30- oder X- Tage Rückgaberecht. Will nur diese aber als letzte Option machen.
    Ich denke letztendlich werde ich den ND2 bestellen um bei mir Vorort ihn zu hören.

    Gruss

    waldemaR

  • Waldemar   01. Feb 2015   09:19 UhrAntworten

    Hallo Felix,

    habe das Gerät hier und muss sagen, das wie Du es persönlich beschrieben hast trifft voll zu.
    Tolles Gerät, aber es trifft auch nicht mein persönlichen Geschmack, deshalb wird es zurück gehen.
    Ich bin aber froh es hier gehabt zu haben, da Soundbeispiele leider nicht meine eigene Räumlichkeiten wieder spiegeln können.
    Jetzt die nächste Frage welches Gerät könnte das?
    Hast Du ein PERSÖNLICHEN Tipp für mich, oder was konntest Du schon ausprobieren?

    Vielen Dank für eine Antwort.

    Gruß und eine schönen Tag wünscht

    waldemaR

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