Modal Electronics Cobalt8 Test

Modal Electronics Cobalt8 Test

Im Modal Electronics Cobalt8 Testbericht wartet ein mächtiges Tool für Sounddesigner auf uns.

Was ist es?

Im Modal Electronics Cobalt8 Test betrachten wir einen virtuell-analogen Synthesizer. Er orientiert sich an der subtraktiven Synthese, wie wir sie von unzähligen analogen Klassikern her kennen und lieben. Durch ein ausgefeiltes Konzept für die Oszillatoren und Filter, sowie eine umfangreiche Modulationsmatrix geht der Modal Electronics Cobalt8 jedoch einen gewaltigen Schritt weiter und ermöglicht so Sounds, wie sie mit den meisten klassischen Analogsynthesizern niemals möglich wären. Gepaart mit einem Arpeggiator und Sequencer ergeben sich wahre Sound-Welten.

Modal Electronic Cobalt8: 5 Features

  • 8 Stimmen
  • 2 Oszillatorgruppen mit 34 Algorithmen und 4-Pol Ladder-Filter mit Morphing
  • Realtime/Step Sequencer mit 512 Noten
  • Programmierbarer Arpeggiator
  • 37 Tasten Keyboard mit Aftertouch

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Modal Electronics Cobalt8 Testbericht

Prolog zum Modal Electronics Cobalt8 Test

Nach dem nach einem Edelgas benannten Wavetable Synthesizer Argon8 folgt nun der virtuell-analoge Cobalt8. Dieses Mal hat man sich das Schwermetall Cobalt als Namensgeber ausgesucht, welches in verschiedenen Verbindungen für seine herrliche blaue Farbe bekannt ist, die heute allgemein als kobaltblau bezeichnet wird.

Der klanglich äußerst wandlungsfähige Modal Electronics Cobalt8 lässt jedenfalls Sounddesigner aufhorchen

Das seltene Metall Cobalt ist vielfältig einsetzbar und spielt in vielen verschiedenen Industriezweigen eine große Rolle. Ob Modal Electronics von den vielfältigen Eigenschaften von Cobalt inspiriert wurden? Der klanglich äußerst wandlungsfähige Modal Electronics Cobalt8 lässt jedenfalls Sounddesigner aufhorchen und in dieser Disziplin kaum Wünsche offen. Schauen wir uns die Architektur doch einmal genauer an.


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Erscheinungsbild

Optisch erinnert der Modal Electronics Cobalt8 sofort an den Wavetable Synth Argon8: Fatar-Tastatur mit 37 Tasten und Aftertouch, kleines OLED-Display in der Mitte, jede Menge Encoder und Taster sowie ultra-helle LEDs. Ein Metall-Joystick lädt zum Modulieren ein, das natürlich kobaltblaue Aluminiumgehäuse sorgt für ein edles Aussehen und macht den Synthesizer zu einem Blickfang auf jedem Keyboardstativ.

Modal Electronics Cobalt8 Test

Ein echter Hingucker mit erstklassiger Verarbeitung: Der Modal Electronics Cobalt8 Synthesizer

Anschlüsse

Auf der Rückseite des Synthesizers finden wir eine wahre Flut von Anschlussmöglichkeiten: Neben dem Eingang für das externe 9 Volt Netzteil springen zunächst die zwei MIDI DIN-Buchsen für MIDI In und Out sowie die mit USB MIDI bezeichnete USB-Buchse ins Auge.

Es folgen direkt daneben drei Miniklinken-Buchsen für Audio In, Sync Out und Sync In. Während erstere dafür sorgt, dass externes Audio durch die Effekte des Synths geleitet werden kann, bieten die 3,5 Millimeter Sync-Buchsen Kontakt zur mittlerweile vielfältigen analogen Synth-Welt, um alle Geräte im Gleichschritt marschieren zu lassen.

Im 6,35 Millimeter Format kommen hingegen die beiden asymmetrischen Audioausgänge sowie der Kopfhörerausgang. Externe Spielhilfen in Form eines Sustain und Expression Pedals finden ebenso Anschluss an den Cobalt8.

Modal Electronics Cobalt8 Test

Alles drin, alles dran: Die Rückseite des Modal Electronics Cobalt8 Synthesizers.

8 Voice Extended Virtual-Analogue Synthesizer

Schon der Aufdruck neben dem Produktnamen verrät, dass es sich um einen Synthesizer mit acht Stimmen handelt, der das Prinzip eines analogen Synthesizers in einem digitalen Rahmen abbildet. Sogenannte virtuell-analoge Synthesizer sind schon lange bekannt. Synthesizer, wie der Access Virus oder der Nord Lead, haben die Musik der letzten 25 Jahre extrem beeinflusst.

Modal Electronics Cobalt8 mit subtraktiver Synthese

Virtuell-analoge Synthesizer bilden dabei eigentlich fast immer das Modell der subtraktiven Synthese digital ab. Der Klang wird von einem oder mehreren Oszillatoren erzeugt, durch ein Filter in seiner Obertonstruktur reduziert (deshalb subtraktive Synthese) und mit Hüllkurven, die meistens dem klassischen ADSR-Prinzip (Attack, Decay, Sustain, Release) folgen weiter geformt. Die Hüllkurven haben dabei in der Regel Einfluss auf das Filter (Filter EG), die Amplitude (Amplitude EG) und die Tonhöhe (Pitch EG). Über Low Frequency Oszillatoren (LFOs) wird weiter in das Geschehen eingegriffen und verschiedene Parameter des Synths moduliert. Im Gegensatz zu den alten Analogsynthesizer, die maximal mit einem Chorus als Effekt ausgestattet waren, liefern virtuell-analoge Synthesizer meistens diverse Effekte von Modulationseffekten wie Chorus, Flanger, Phaser bis hin zu Raumeffekten wie Reverb oder Delay. Oft ist außerdem ein Arpeggiator und/oder Sequencer zu finden.

Modal Electronics Cobalt8 Test

Alle Bedienelemente sind weit genug voneinander entfernt, um den Synth gut bedienen zu können.

Oszillatoren

Der Modal Electronics Cobalt8 bietet all das und noch viel mehr. Nun kommt das Wort „Extended“, also „erweitert“ ins Spiel.

mächtig wird der Modal Electronics Cobalt8 aber durch das Morphing zwischen den Wellenformen und den Oszillator Drift

Modal Electronics haben dem Cobalt8 nämlich nicht nur zwei Oszillatoren, sondern zwei Oszillatorgruppen spendiert. Für die Praxis bedeutet das, dass jede der acht Stimmen des Cobalt8 bis zu acht Oszillatoren besitzt, was insgesamt maximal 64 klingende Oszillatoren macht, wenn alle acht Stimmen gespielt werden.

Die Oszillatorgruppen bieten dabei einmal die klassischen Wellenformen wie Sinus, Dreieck, Sägezahn oder Rechteck. Hinzu kommen die 34 Algorithmen, die komplexe Wellenformen erzeugen wie Pulsweitenmodulation oder Crossmodulation (wie zum Beispiel Sync, Ringmodulation). Außerdem gibt es Noise und Bit Crushing. Richtig mächtig wird der Modal Electronics Cobalt8 aber durch das Morphing zwischen den Wellenformen und den Oszillator Drift. Letzterer sorgt durch seine Schwebungen dafür, dass aus einem digital klingenden Synth ein analog klingendes Instrument wird. Per Width lässt sich dazu noch die Stereobreite des Klangs beeinflussen.

Der Mix-Parameter blendet zwischen den beiden Oszillatorgruppen über und stellt sozusagen einen Panoramaregler zwischen den beiden Oszillatoren dar: Bei Linksanschlag ist nur Gruppe 1 zu hören, bei Rechtsanschlag nur Gruppe 2. In der Mittelposition sind beide Gruppen gleich laut und natürlich lässt sich jede Position dazwischen wählen.

Modal Electronics Cobalt8 Test

Das helle und gestochen scharfe OLED Display zeigt trotz der geringen Größe alle wichtigen Parameter.

Morphing Filter

Das 4-Pole Kaskadenfilter des Modal Electronics Cobalt8 Synthesizers besitzt vier morphbare Filtertypen:

  • Resonant Low Pass
  • Balanced Low Pass
  • Balanced High Pass
  • Balanced Phase

Die Balanced Filtertypen sorgen dafür, dass der Bass auch dann größtenteils erhalten bleibt, wenn mit hohen Resonanzeinstellungen gearbeitet wird. Bei vielen anderen Synthesizern leidet das Bassfundament durch hohe Resonanzeinstellungen. Der Sound wird dünn. Beim Cobalt8 kann man dem durch die Wahl eines Balanced-Typs entgegenwirken. Erreicht wird dies durch eine leichte Abmilderung der Resonanz beim Sweep in die tieferen Cutoff-Frequenzen. Das Gesamtergebnis wirkt stimmig.

Durch das Drehen des Morph-Reglers verändern sich die Filtertypen stufenlos je nach ausgewähltem Typ entweder über einen Bandpass zu einem 1-Pole Tiefpass oder über einen Notch-Filter zu einem 1-Pole Hochpass. Ist das Balanced Phase Filter als Typ ausgewählt, verändert der Morph-Regler die Breite der beiden Notches.

Ansonsten arbeitet der Modal Electronics Cobalt8 mit den beiden wichtigen Parametern Cutoff und Resonanz.

Hüllkurven

Drei verschiedene Envelopes (Hüllkurven) für Filter, Verstärker und Modulation sorgen für die weitere Sound-Formung. Die Hüllkurven sind vierstufig und entsprechen dem klassischen ADSR-Aufbau. Die Hüllkurvenparameter können negativ sein und ein Depth-Parameter ermöglicht das Einstellen des Anteils, den die eingestellte Hüllkurve als Modulator auf das Signal hat.

Wieder in die „Expanded“-Kategorie fallen die acht Hüllkurventypen, die zur Auswahl stehen. So gibt es extrem schnelle Hüllkurven für perkussive Sounds oder gemächlichere Hüllkurven für Pads. Außerdem gibt es „Long“-Varianten mit einer extralangen Release-Phase von bis zu 10 Sekunden!

Modulation

Für die Modulation stehen drei LFO (Low Frequency Oscillator) zur Verfügung. Die drei LFOs können zur MIDI-Clock oder zum am Synth eingestellten Tempo synchronisiert werden. Erreicht wird dies durch negative Werte der Rate-Einstellung. Auswählen lassen sich dann zum Beispiel verschiedene Notenwerte wie Sechszehntel, Achtel, Viertel, Triolen oder auch Takte. Ist der Rate-Parameter mit einem positiven Wert versehen, schwingt der LFO frei vom Tempo. Sieben LFO-Wellenformen bietet der Modal Electronics Cobalt8, darunter Sinus, Rechteck, Dreieck, Sägezahn, Sample & Hold und andere. Drei Trigger-Modi stehen zur Auswahl:

  • Free: Der LFO läuft vor und nach dem Tastendruck frei weiter
  • Retrigger: Der LFO wird mit jedem Tastendruck neu gestartet
  • Single: Der LFO wird einmal durchlaufen und nur dann neu gestartet, wenn die ihn auslösende Taste losgelassen wurde. Weitere gespielte Tasten triggern den LFO nicht, wenn die ihn auslösende Taste weiterhin gedrückt wird.

Eine weitere Besonderheit ist, dass die LFOs 2 und 3 polyphon ausgelegt sind, das heißt, sie werden für jede Stimme des Synths neu berechnet und abgespielt. Monophone LFOs beeinflussen hingegen immer alle Stimmen eines Klangerzeugers gleichermaßen.

Der Modal Electronics Cobalt8 Synthesizer besitzt für das Zuweisen von Modulationsquellen zu Modulationszielen sogenannte Modulationsslots. Vier Modulationen sind fest geroutet und acht Slots können frei belegt werden. Es stehen insgesamt 12 Modulationsquellen und 55 Modulationsziele zur Verfügung. Sind alle Modulationsslots belegt, gibt der Cobalt8 Rückmeldung darüber, sobald man versucht, ein weiteres Routing anzulegen.

Modal Electronics Cobalt8 Review

Der Joystick des Modal Electronics Cobalt8 besteht aus Metall und ist gut zu bedienen.

Effekte

Der Cobalt8 verfügt über drei Effekt-Prozessoren, denen jeweils verschieden Effekte zugewiesen werden können. Als Algorithmen stehen zur Verfügung:

  • Reverb
  • Chorus
  • Flanger (pos)
  • Flanger (neg)
  • Phaser
  • Tremolo
  • LoFi
  • Rotary
  • Stereo-Delay
  • Ping Pong-Delay
  • X-Over Delay

Pro Effekt stehen verschiedene Parameter für die Anpassung des Algorithmus zur Verfügung. Insgesamt können bis zu sechs Parameter pro Algorithmus editiert werden. Nicht alle Algorithmen stellen sechs Parameter bereit. So sind es beim Tremolo Effekt nur vier, bei LoFi, Rotary, Stereo Delay und X-Over Delay fünf Parameter, die man verändern kann.

Jeder FX-Algorithmus kann nur einmal geladen werden. Versucht man zum Beispiel, den Reverb-Algorithmus FX1 und FX2 zuzuweisen, wird dieser bei FX2 durchgestrichen dargestellt.

Drückt man die drei Taster für FX1, FX2 und FX3 gleichzeitig, gelangt man zum FX Preset Menü, in dem man Presets für alle drei Prozessoren laden und speichern kann.

Arpeggiator und Sequencer

Im Modal Electronics Cobalt8 Test dürfen diese zwei leistungsfähige Tools nicht fehlen: Ein Arpeggiator mit 32 Schritten und Pausenfunktion und ein polyphoner Sequencer (Realtime & Step) mit 512 Noten und aufnehmbaren Parameteranimationen.

Im Step Sequencer Modus zeigen die LEDs über den unteren 4 x 4 Tastern den gerade aktiven Schritt an. Bis zu 64 Schritte sind möglich mit bis zu acht Noten pro Schritt. Auch hier gibt es eine Pausenfunktion und bis zu vier Spuren für Parameteranimationen. Im Realtime Modus erleichtert ein Metronom die Aufnahme. Sogar eine Quantisierungsfunktion (Eingangsquantisierung) steht zur Verfügung.

Für die Steuerung von Sequencer und Arpeggiator kann entweder die interne Clock oder eine externe Clock, die über MIDI oder die Sync-Buchse zugespielt wird, ausgewählt werden.

Noten können über die Tastatur oder MIDI in den Arpeggiator eingegeben werden. Leider werden diese nicht mit dem Patch gespeichert und sind nach dem Ausschalten verloren. Ansonsten bietet der Arpeggiator die üblichen Funktionen wie Division für die rhythmische Unterteilung des Taktes, Arp Gate für die Notenlänge, eine Swing-Funktion, den Oktavbereich und die Richtung des Arpeggios. Ein Latch-Modus entspricht dem Hold-Modus anderer Synthesizer und erlaubt das Halten von Noten oder Akkorden nach dem Tastenanschlag bis zum nächsten Tastenanschlag.

Arpeggiator und Sequencer sind recht leistungsfähig und tragen gemeinsam mit den Modulatoren dazu bei, dass der Sound des Cobalt8 sehr lebendig ist. Die Möglichkeit, den Modal Electronics Cobalt8 zu anderen analogen Geräten über den Sync In und Out zu synchronisieren, macht ihn zu einem mächtigen Werkzeug für alle Elektronikmusiker, die noch über keinen Sequencer verfügen oder mehrere Sequencer und Arpeggiatoren parallel einsetzen möchten.

Modal Electronics Cobalt8 Testbericht

Modulationsmöglichkeiten ohne Ende bei fest sitzenden und sehr gut verarbeiteten Reglern.

Modal Electronics Cobalt8 Test: Und sonst?

Der Modal Electronics Cobalt8 Synthesizer bietet verschiedene Spielmodi, die zum Teil zu einem sehr „fetten“ Sound beitragen können:

  • Mono: der Synth arbeitet als monophoner Synthesizer mit vier Oszillatoren/Stimme
  • Poly: der Synth arbeitet als polyphoner Synthesizer mit acht Stimmen
  • Unison: mehrere Stimmen werden gegeneinander verstimmt abgespielt, um einen besonders breiten und mächtigen Klang zu erreichen. Zur Auswahl stehen Unison-2, Unison-4 und Unison-8
  • Stack: ähnlich wie Unison, aber als polyphoner Modus ausgelegt. Zur Auswahl stehen Stack-2 und Stack-4. Je nach Auswahl verändert sich die maximale polyphonie des Synths.
  • Chord: es kann ein Akkord gespeichert werden, der dann durch einen einzelnen Tastendruck wieder abgerufen werden kann.
  • Chord Invert: Der Synth analysiert den gespielten Akkord und invertiert ihn beziehungsweise versetzt einzelne der gespielten Töne in der Oktavlage. Das führt zu interessanten Ergebnissen und lässt sich zum Beispiel einsetzen, um verschiedene Drop-Voicings zu erzeugen.

Der Joystick sendet gleichzeitig X- und Y-Daten und ist standardmäßig auf Pitch Bend (X) und MIDI-Modulation CC1 (Y) geroutet. Das feste Routing lässt sich global deaktivieren.

durch die direkte Einbindung in eine DAW per VST3 oder AU ist der Workflow im Studio perfekt

Der Synth verfügt über mehrere Gain-Stufen. Die erste befindet sich auf der Patch-Ebene und dient der Lautstärkeanpassung der Patches untereinander. Global lässt sich per Gain-Boost der durchschnittliche Ausgangspegel erhöhen und die Dynamik beeinflussen. Dies geschieht unter anderem durch einen Limiter mit Sättigungsfunktion. Drei Dynamikstufen für die volle Dynamik, eine erhöhte Ausgangslautstärke und Sättigung mit reduzierter Dynamik stehen zur Auswahl. Zuletzt geht es dann in den Main-Out und den Kopfhörer-Out, die dann gemeinsam in der Gesamtlautstärke geregelt werden können.

Polychain

Der Modal Electronics Cobalt8 kann mit einem weiteren Cobalt8 zu einem 16-fach polyphonen Synth per Polychain gekoppelt werden. Die Einstellungen des Masters werden dann automatisch auf den Slave übertragen.

MIDI Polyphonic Expression (MPE)

Der Cobalt8 Synthesizer ist MPE-kompatibel, was bedeutet, dass über einen MPE-Controller alle Parameter einer gespielten Note getrennt übertragen werden können, um so ein sehr ausdrucksstarkes Spiel zu ermöglichen. MPE-Controller zeigen ein dreidimensionales Verhalten auf der x-, y- und z-Achse. Der Cobalt8 interpretiert x-Werte als Tonhöhe, y-Werte als Modulation und z-Werte als Aftertouch-Modulation. Der Nutzung des Cobalt8 mit einem MPE-Controller zum Beispiel dem Roli Seaboard oder Keith Mcmillen K-Board Pro 4 steht also nichts im Wege.

Modal Electronics Cobalt8 Testbericht

Besonders komfortabel und kostenlos für alle Plattformen: Die ModalApp, mit der Du ebenfalls vollumfänglich Editieren und Modulieren kannst.

MODALapp

Neben der Programmierung des Synthesizers am Hardware-Instrument gibt es die Möglichkeit der kompletten Steuerung per App. Diese steht für alle gängigen Plattformen zur Verfügung:

  • MacOS (ab MacOS 10.10)
  • Windows (ab Windows 8)
  • iOS (ab iOS 12)
  • Android (ab Android 6)
  • VST3 (ab MacOS 10.10/Windows 8)
  • AU (MacOS 10.10)

Die App kommt in einem herrlich flachen und edlem Design, das mich etwas an Ableton Live erinnert und alle Parameter des Modal Electronics Cobalt8 Synthesizers übersichtlich darstellt. Was am Instrument bisweilen etwas versteckt ist, ist hier nur einen Mausklick oder Finger-Touch auf das Display entfernt. So macht Sounddesign Spaß. Die App wertet in meinen Augen den Synthesizer noch weiter auf und durch die direkte Einbindung in eine DAW per VST3 oder AU ist der Workflow im Studio perfekt.

Modal Electronics Cobalt8 in der Praxis

Schon beim ersten Auspacken und Anfassen fällt die hochwertige Verarbeitung des Instruments auf. Das Instrument hat nichts mit den Plastiktischhupen zu tun, die man bisweilen in der Preisklasse unter 1.000 Euro vorfindet. Beim aktuellen Verkaufspreis reibt man sich verwundert die Augen und fragt sich unweigerlich, wie das möglich ist? Alle Taster haben einen deutlichen Druckpunkt, das Display ist gestochen scharf, die Encoder sind schön griffig. Besonders gut gefällt mir auch der Joystick aus Metall, der sich einfach gut anfühlt.

Die Preset-Programmierer haben einen sehr guten Job gemacht

Die Fatar-Tastatur spielt sich sehr gut und klappert erheblich weniger als man es von anderen Instrumenten dieser Preisklasse kennt. Die 37 normalgroßen Tasten sind dabei ein großer Vorteil gegenüber den klapprigen Minitasten manches Mitbewerbers.

Nach dem Einschalten dauert es nur drei bis vier Sekunden und der Cobalt8 ist spielbereit. Das ist für ein heutiges digitales Instrument eine Rekordzeit. Benutzer eines Roland Fantom können hingegen in der Zwischenzeit einen Kaffee kochen. Natürlich besitzen andere Instrumente mehr Funktionen, müssen Samples laden und, und, und. Dennoch ist es einfach wohltuend, ein schnell einsatzbereites Instrument zu haben.

Presets

Also los, Kopfhörer einstecken und loslegen. Am Anfang stehen die über 300 Presets des Modal Electronics Cobalt8. Diese zeigen sofort, was Sache ist. Präsentiert wird vor allem und fast ausschließlich, was Modal Electronics unter „Extended Virtual-Analog“ verstehen. Man möchte eigentlich gar nicht von Sound sprechen, sondern eher von Klangcollagen. Die meisten Sounds machen reichlich Gebrauch vom Arpeggiator, den umfangreichen Modulationsmöglichkeiten und Effekten wie dem Stereo-Delay.

Unter den 300 Sound Presets sind vielleicht 10 Prozent der Presets der Kategorie „klassischer analoger Synth Sound“ zuzuordnen. Übliche Pad, Bass oder Synth Lead Sounds sind hier weniger präsent.

Preset-Kategorien am Instrument gibt es nicht. Es bleibt der Weg über den Preset/Edit Encoder.

Die wirklich üppigen Presets haben fast alle folgende Gemeinsamkeiten:

  • Stereopanorama wird voll ausgenutzt
  • Presets kommen mit viel Bewegung in den Sounds
  • Eindrucksvolle Kombinationen
  • Sehr viel „Action“ & viele Klanglandschaften

Die Preset-Programmierer haben einen sehr guten Job gemacht, die Möglichkeiten des Cobalt8 allumfassend zu präsentieren. Hier wird kaum ein Feature ausgelassen. Sounddesigner, die den Synth für Film oder Game Music nutzen wollen, werden ihre wahre Freude an den Presets haben.

Es klingt alles bereits breit und druckvoll

Presets klassischer analoger Synth-Sounds, wie man sie zuhauf in den Presets anderer VA Synthesizer findet, sucht man hingegen länger. Das bedeutet nicht, dass der Modal Electronics Cobalt8 diese nicht kann. Ganz im Gegenteil, er kann sie sehr, sehr gut. Sie sind bei den Werks-Presets lediglich etwas unterrepräsentiert. Hier ist Selbermachen angesagt und genau das habe ich getan.

Preset Klangbeispiele






Synthesizer Programmierung an der Hardware

Ich empfehle jedem Interessenten, am Synthesizer ein Init-Patch zu laden und bei Null anzufangen. Es erklingt beim Drücken der Tasten ein einfacher Sinuston. Wir beginnen mit der Auswahl einer Wellenform für die Oszillatorgruppe 1. Es empfiehlt sich, in Ruhe einmal alle Algorithmen durchzugehen und am Regler A1 zu drehen.

Dieser morpht durch die verschiedenen Wellenformen innerhalb des Algorithmus. Hier zeigt sich die wahre Macht des Modal Electronics Cobalt8 mit seinen Oszillatorgruppen. Es klingt alles bereits breit und druckvoll. Man hat schon fast einen fertigen Sound. Hier macht es sich bezahlt, dass gleich mehrere Oszillatoren innerhalb einer Gruppe aktiv sind.

Noch eindrucksvoller werden die Möglichkeiten der Oszillatorsektion präsentiert, dreht man am Drift/Width-Regler und schaltet zwischen den Poly/Unison/Mono und Stack Modi um. Schon mit einer simplen Sägezahl-Wellenform schiebt sich eine Klanggewalt in den Gehörgang, die sich vor keinem anderen Synth verstecken muss. Und das alles mit nur einer einzigen Oszillatorgruppe.

Modal Electronics Cobalt8 Test

Im Modal Electronics Cobalt8 Test macht das Programmieren an Hard- und Software jede menge Spaß. Hier offenbart sich der ganze Umfang des Synthesizers.

Ich bleibe bei einer einzelnen Gruppe und wechsele zur Filter-Sektion. Ein Balanced-LP Filter mit etwas Resonanz und den Cutoff und schon drückt ein sehr Moog-ähnlicher Bass Sound aus den Membranen. Nun noch spiele ich mit den Einstellungen der Filter und Amp Envelopes herum und fertig ist der erste eigene klassische Synth Bass Sound.

Es lohnt sich, zwischen den verschiedenen Hüllkurventypen umzuschalten. Manche Ergebnisse sind eher subtil, andere sehr deutlich.

Programmierter Synth Bass Sound

Synth-Programmierung mit der Software

Weiter geht es mit einem Synth Pad Sound. Als Vorlage soll der Song „Dancing in the Dark“ dienen. In diesem Fall nutze ich den Software Editor. Bei den Wellenformen werde ich schnell fündig. Algorithm 1 mit der Spread Saw und Algorithm 2 mit dem VA Sweep mit Shape auf 16 und Spread auf 80 beigemischt bilden die Grundlage.

Modal Electronics Cobalt8 Test

Die Software lässt sich ebenso intuitiv bedienen, wie die Hardware.

Nun spiele ich noch etwas mit dem Filter, regele die Cutoff Frequenz herunter und der Sound ist schon sehr nahe dran. Das Original hat im Attack noch den Charakter eines Hornklangs. Dies lässt sich prima mit der Filter Envelope generieren. Noch etwas Tweaking der Amp Envelope und fertig ist der „Dancing in the Dark“ Sound.

Von da ausgehend lässt sich der Sound zum Lead Synth weiter bearbeiten, mit dem sich prima Pink Floyd’s „Shine On You Crazy Diamond“ spielen lässt. Wie Du merkst, das Programmieren im Modal Electronics Cobalt8 Test macht richtig Spaß!

Synthesizer Pad

Weiteres Klangbeispiel zum Synthesizer Pad (im Juno-Stil)

Live-Einsatz des Modal Electronics Cobalt8

Für den Liveeinsatz des Synthesizers gibt es etwas zu beachten: Durch länger ausklingende DSP-Effekte, die beim Programmwechsel mit neuen Parametern versehen werden, kann es zu Artefakten kommen. Im Live-Betrieb sollte man deshalb nicht einfach ein Programm wechseln, sondern erst abwarten, bis der gerade gespielte Klang komplett verklungen ist.

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Fazit zum Modal Electronics Cobalt8 Test

Der Modal Electronics Cobalt8 Synthesizer sehe ich beim Sounddesigner im Studio. Die erweiterte virtuell-analoge Synthese des Modal Electronics Cobalt8 ist extrem mächtig und verleiht durch die vielen Oszillatoren innerhalb einer Oszillatorgruppe dem Klang viel Schubkraft. Durch die Modulationsmöglichkeiten, das Morphing und den Arpeggiator/Sequencer gelingen tolle Klanglandschaften, die man von analogen Synthesizern so nicht kennt.

Hier wurde mit der VA-Synthese nicht nur einfach ein bestimmtes analoges Vorbild oder der Aufbau eines klassischen analogen Polysynthesizers nachgebildet, sondern ein eigenständiges Instrument geschaffen, das hinsichtlich seiner klanglichen Möglichkeiten seinesgleichen sucht. Gute Alternativen in der gleichen Preisklasse zu finden, ist sehr schwer.

Dank der App ist der Synthesizer schnell zu bedienen und gute Ergebnisse lassen nicht lange auf sich warten. Tipp für das Antesten im Laden: Nicht nur die Presets anspielen. Diese sind zwar eindrucksvoll, bilden aber längst nicht die ganze Klang-Dimension des Synthesizer ab. Es sollten unbedingt auch eigene Gehversuche mit der VA-Synthese des Modal Electronics Cobolt8 unternommen werden, wie hier im Testbericht.

Modal Electronics Cobalt8 Features

  • Erweiterte VA-Klangerzeugung
  • Achtstimmige polyphonie
  • Bis zu acht Oszillatoren pro Stimme
  • Zwei Oszillatorgruppen mit Morphing zwischen den VA Waves und 34 Algorithmen
  • Oszillator Drift
  • Resonanzfähiges 4-Pol Ladder Filter mit Morphing
  • Drei Hüllkurven für Amp, Modulation und Filter
  • Polyphoner Realtime-Sequencer mit 512 Noten und vier Parameteranimationen
  • Polyphoner Step-Sequencer mit acht Noten pro Schritt und 64 Steps
  • Arpeggiator mit 32 Steps
  • Drei FX-Enginges mit Effekten wie Hall, Delay, Chorus, Flanger, Phaser, LoFi usw.
  • 37 Tasten Keyboard von Fatar mit normalgroßen Tasten, Aftertouch und Anschlagdynamik
  • 29 Encoder und 24 Buttons
  • 4-Achsen Joystick für Modulationen und Pitch
  • Keyboard Modes: Mono, Poly, Unison 2, Unison 4, Unison 8, Stack 2 und Stack 4
  • Glide/Portamento
  • Chord-Funktion mit Chord Invert
  • Stabiles Stahl- und Aluminiumgehäuse
  • 1.54“ OLED Display
  • Externes 9V, 1.5 A Netzteil
  • Editor-Software für Windows/MacOS/iOS/Android
  • Maße: 555 x 300 x 100 mm (Länge x Breite x Höhe)
  • Gewicht: 5,6 Kg
Hersteller: Modal Electronics
Produkt:

Modal Electronics Cobalt8 Test

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