Manley Reference Silver Test: Modernes Röhrenmikrofon

Manley Reference Silver

Im Manley Reference Silver Test erfährst Du alles Wichtige zu diesem Großmembranmikrofon.

Was ist es?

Das Manley Reference Silver ist ein Röhrenmikrofon mit Großmembran-Kondensatortechnik. Typisch für ein solches Mikrofon: Die Richtcharakteristik lässt sich stufenlos verstellen, hier zwischen Kugel (omnidirektional) und Niere.

Die von David Josephson handgefertigte Kapsel – und damit der Klangcharakter – ist an das legendäre Sony C-37A aus den 1950er-Jahren angelehnt. Eine 5670-Röhre und ein hauseigener Ausgangsübertrager mit Nickelkern kommen zum Einsatz.


Passend dazu


Unterschied zu Reference Gold & Cardioid

1990 brachte der Hersteller die Schwestermodelle Reference Gold und Reference Cardioid auf den Markt. Die Schaltung des Manley Reference Silver unterscheidet sich von diesen modernen Klassikern: Hier wird das hochohmige Signal der Kapsel per FET vorverstärkt und mit der Röhre auf eine stabilere Spannung für den Ausgangsübertrager gebracht.

Der Übertragungsfaktor ist etwas geringer, was besser für die Abnahme von sehr lauten Schallquellen wie Gitarrenverstärkern oder einigen Schlaginstrumenten (z.B. Snares und Toms) ist.

Weitere Eigenschaften, wichtige technische Daten und den Lieferumfang findest Du gleich im Anschluss aufgelistet sowie in unserem Infokasten.

Lies auch: Mikrofon-Test mit über 100 Modellen

Manley Reference Silver Features

  • Röhrenmikrofon mit Großmembran-Kondensatorkapsel
  • Richtcharakteristik stufenlos verstellbar von Kugel bis Niere
  • Max. Schalldruckpegel: 150 dB SPL
  • Übertragungsbereich: 10-30.000 Hz
  • Hochpassfilter schaltbar
  • Gehäuse aus eloxiertem Aluminium mit geätztem Silber
  • Gewicht (Mikrofon): ~680 g
  • Größe (Mikrofon inkl. Spinne): 51 x 246 x 114 mm
  • Lieferumfang u.a. mit Spinne, Netzteil, Stromkabel und Koffer

Manley Reference Silver
Video vom Hersteller 🎬


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Manley Reference Silver Testbericht

Erster Eindruck

Das Design ist markant – gut möglich, dass der eine oder andere Künstler dadurch besonders motiviert wird. Der Mikrofonkorb könnte allerdings robuster sein, unter moderatem Druck lässt er sich leicht eindellen. Ansonsten zeigt sich die weitestgehend metallische Konstruktion tadellos. Inklusive Spinne liegt das Gewicht bei 708 Gramm, was für ein Röhrenmikro eher leicht ist.

An Zubehör findest Du ein Kabel zur Verbindung des Manley Reference Silver mit seinem Netzteil, einen ledernen Kapselschutz und immerhin drei Ersatzschnüre für die Spinne.

Mikrofonspinne

Am oberen und unteren Korpusende ist je ein dicker Metallring installiert. Darin sitzen fünf Schrauben zur Befestigung der kleinen Gummischnüre, die die Verbindung zur mitgelieferten Mikrofonspinne schaffen.

Die ab Werk installierte elastische Halterung hat die Form eines zylindrischen Gestells. Mit ihren vertrauenerweckend dicken Streben macht sie den Eindruck, als könne sie mehr als ein ganzes Studioleben überdauern.
Sie verrichtet ihren Job zuverlässig – Körperschall wird hinreichend abgeschwächt.

Manley Reference Silver Review - Mikrofon und Netzteil

Das Manley Reference Silver mit dazugehörigem Schaltnetzteil

Netzteil

Das international einsetzbare Schaltnetzteil ist verblüffend leicht und akkurater verarbeitet als das Exemplar in unserem Manley Reference Cardioid Test. Es hat einen großen Tragegriff und ist dank seinen vier Gummifüßen äußerst rutschfest.

Nur ein An/Aus-Schalter ist zu finden, denn die Richtcharakteristik wird am Manley Reference Silver selbst eingestellt. Dafür brauchst Du den kleinen, hübsch verzierten Vierkantschlüssel, der sich auf dem Manley-Logo oben am Netzteil magnetisch »ankleben« lässt. Ein schönes Detail – spätestens jetzt verdient das Manley Reference Silver eine Nominierung zum »Sexiest Microphone Award«.

Ausstattung des Manley Reference Silver

Ganz unten am Korpus findet sich ein kleiner Stiftschalter (er sieht aus wie eine Bleistiftmine) – hier aktivierst Du das Hochpassfilter. Dieses erreicht -3 dB bei 55 Hertz, packt also sehr weit unten zu. Zum Eindämmen des Nahbesprechungseffekts und zum allgemeinen Verschlanken des Sounds ist er also nur bedingt geeignet, vielmehr soll er nur zum Eindämmen von Körperschall sorgen.

Ein Pad-Schalter zur Vorabschwächung des Pegels ist nicht an Bord. Kein Problem, denn das Manley Reference Silver ist ohnehin etwas unempfindlicher als seine Geschwister – bestens gerüstet für weit aufgerissene Gitarrenverstärker und andere laute Quellen.

Einstellung der Richtcharakteristik

Eher unorthodox für ein Röhrenmikrofon: Die Richtcharakteristik – stufenlos von Kugel bis Niere – lässt sich am Manley Reference Silver selbst justieren, also nicht an dessen Netzteil. Noch ungewöhnlicher ist die Mechanik, denn anstelle einer doppelten Membran gibt es lediglich eine, deren Pattern sich über das Öffnen oder Schließen einer Luftkammer verstellen lässt.

Manley Reference Silver Test - Richtcharakteristik

Stufenlose Einstellung der Richtcharakteristik

Zu diesem Zweck gibt es eine in den Drahtkorb eingearbeitete drehbare Manschette. Schiebe einen kleinen Vierkantschlüssel hindurch, bis er in einer Vertiefung innen an der Kapsel steckt. Drehe den Stift, bis die Endpunkte oder die gewünschte Zwischenposition erreicht sind.

Das Ganze wirkt ein wenig rudimentär (auch weil die Kapsel elastisch aufgehängt ist), aber es funktioniert.

Klang des Manley Reference Cardioid

Vocal – Niere

Vocal – Kugel

Shaker A – Niere

Shaker A – Kugel

Shaker B – Niere

Shaker B – Kugel

Grundrauschen

Das Grundrauschen ist nicht der Rede wert – auch sanfte Passagen einer Vocal- oder Instrumental-Performance, Drum-Ambience und dergleichen werden nicht übertüncht. Nur in Spiel-, Sprech- und Gesangspausen schimmert es durch – und hier lässt es sich problemlos mit einem Noise Gate im Mix entfernen. Das ist eine der erfreulichen Weiterentwicklungen von röhrenverstärkten Mikrofonen der letzten Jahre.

Maximaler Schalldruck

Bereits das Reference Cardioid wusste in unserem Check durch eine erstaunlich hohe Schalldruckresistenz für ein Kondensatormikrofon zu überzeugen. Das Silver setzt noch einen drauf – 150 dB SPL verursachen eine gesamte harmonische Verzerrung von 0,5%.

So eignet es sich voll und ganz für das Close Miking von voll aufgerissenen 100-Watt-Verstärkern für Gitarre und Bass, Blasinstrumenten und mehr.

Frequenzgang

Das Manley Reference Silver klingt hinreichend neutral für eine authentische Reproduktion der Schallquelle, gleichzeitig aber im besten Sinne warm und brillant nach Röhrenart. Die Wärme im Bassbereich ist auch bei der Nahbesprechung niemals aufdringlich resonant und sorgt für einen ausgesprochenen Wohlfühlfaktor.

Die Mitten sind voll präsent, wobei keine Maskierung durch das wonnige Tieftonfundament stattfindet. Nicht zuletzt dieser Aspekt sorgt für beste Sprachverständlichkeit. Sibilanten erscheinen perfekt austariert – zu 100% vorhanden, aber nie zu scharf. Die Höhen sind glasklar und deutlich, aber nicht ganz so akzentuiert wie bei vielen anderen Großmembran-Kondensatormikrofonen.

Damit erinnert mich das Manley Reference Silver stellenweise an ein hochklassiges Bändchenmikrofon, ohne dass es im Geringsten matt klingt –
eine perfekte Balance. Ganz stark: Die Höhen werden durch die Röhrensättigung nicht »verschmiert«, sondern subtil veredelt.

Manley Reference Silver Test - Kapsel

Hier schön zu sehen – die Großmembran-Kondensatorkapsel des Manley Reference Silver

Kugel vs. Niere

Die Timbre-Unterschiede zwischen Niere und Kugel sind subtil – mit der Kugel kommt auch bei der Nahbesprechung nur ein Hauch weniger Bass zum Vorschein. Die Höhen werden ebenfalls weniger stark gedämpft als erwartet.

Bei Vocals funktioniert die Niere für mich nach wie vor am besten, doch mit der Kugel wird hier ein sehr ähnlicher Sound geboten. Gut für Duette mit vollem, kräftigen Sound oder zur Linderung der nierentypisch überbordenden Bässe bei extremer Nahbesprechung.

Off-Axis-Verhalten bei der Niere

Beim Abweichen von der Hauptachse der Niere verläuft die Klangänderung (überwiegend eine Bassabsenkung) sehr gleichmäßig. So lassen sich Timbre-Änderungen gezielt herbeiführen und später leicht reproduzieren.

Dabei gibt es genug Bewegungsspielraum rund um die Hauptachse, bevor der Klang sich nennenswert ändert. Es ist nicht nötig, bei der Performance wie angewurzelt vor dem Mikrofon zu stehen.

Impulsverhalten

Die Mikrodynamik ist hervorragend für ein Großmembran-Kondensatormikrofon. Transienten werden akkurat reproduziert und feinste Details treten zutage.

Im Verbund mit der angesprochen hohen Schalldrucktoleranz wird klar, dass das Manley Reference Silver auch für Instrumentenmikrofone eine exzellente Wahl ist.

Übersicht Manley Reference Silver Review

PRO

  • Entspannter, perfekte ausbalancierter Sound – allround-tauglich
  • Subtile Röhrenwärme mit sauberen Höhen
  • Hohe Impulstreue
  • Gutmütig bei Off-Axis- und Nahbesprechung
  • Außerordentlich hoher maximaler Schalldruckpegel
  • Niedriges Grundrauschen
  • Robuste, zuverlässige Spinne

CONTRA

  • Etwas hakelige Justierung der Richtcharakteristik

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Fazit zum Manley Reference Silver Test

Beim Manley Reference Silver fällt zunächst der gekonnt ausbalancierte Frequenzgang positiv auf. Potente, stets kontrollierte Bässe treffen auf voll präsente Mitten und glasklare Höhen, die dennoch eine gewisse Milde ausstrahlen und ohne jegliche Schärfe in den Sibilanten daherkommen. Dabei ist die Röhrenwärme durchaus präsent, aber so vornehm im Hintergrund, dass das obere Ende des Spektrums transparent bleibt.

À propos Transparenz: Die Impulstreue ist stark für einen Großmembraner mit Röhrenverstärkung. Die hohe mikrodynamische Akkuratesse macht das Manley Reference Silver sehr interessant für die Instrumentenabnahme.

Beim Abweichen von der Hauptachse der Niere oder bei der Nahbesprechung trennt sich die Spreu vom Weizen. Unser Kandidat erweist sich hier als ungemein gutmütig, gleichmäßig im Übergang und klar reproduzierbar.

Ungewöhnlich hohe Schalldruckpegel verkraftet unser Proband ebenso – ein weiteres Puzzleteil im Bild des Allrounders für Stimmen und Instrumente aller Couleur. Am anderen Ende des Dynamikbereichs ist das niedrige Grundrauschen zu loben.

Die gut integrierte, robuste Mikrofonspinne überzeugt, auch die Konstruktion des Mikrofons. Etwas robuster hätte der Mikrofonkorb allerdings ausfallen können und die Mechanik zum Verstellen der Richtcharakteristik mutet etwas rudimentär an.

Summa summarum

4.000 Euro sind angemessen für die schiere Konstanz der klanglichen Spitzenleistungen. Kaum ein Mikrofon ist so durchgängig stark aus der Vogelperspektive auf alle Aspekte des Sounds: Frequenzgang, Verhalten bei Off-Axis- und Nahbesprechung, Impulstreue, Schalldrucktoleranz und Rauschen.

Da die konstruktionstechnischen Eigenheiten nicht wirklich ins Gewicht fallen, verbleibe ich bei sehr starken viereinhalb von fünf Punkten im Manley Reference Silver Test auf delamar.

(M)eine Alternative

Ich persönlich würde lieber mit ein, zwei Einschränkungen von anderen hochklassigen, aber deutlich günstigeren Mikrofonen leben wollen. Ich denke da etwa an das Mojave MA-1000. Mit Bedacht eingesetzt, kann ich damit ähnliche Resultate erzielen. Und der Klangcharakter gefällt mir mindestens ebenso gut.

Inhaltsverzeichnis // Manley Reference Silver Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

SEHR GUT

Manley Reference Silver am 16.10.2018

Produkt:      Manley Reference Silver
Hersteller:  Manley

Preis:  3.999,00 Euro
UVP:    4.759,00 Euro

Kurzfazit

Röhrenmikrofon mit Großmembran-Kondensatorkapsel und variabler Richtcharakteristik. Das Manley Reference Silver ist klangtechnisch kaum zu schlagen. Überall gibt es Bestnoten: Abstimmung des Frequenzgangs, Nahabnahme- und Off-Axis-Verhalten, Impulstreue, Grundrauschen und maximaler Schalldruckpegel. All das wird in subtilem, höhentransparentem Röhrensound präsentiert. Das starke Komplettpaket auf diesem Niveau macht den Preis nachvollziehbar.

Für wen

Hochanspruchsvolle Tonstudios

Wichtige Merkmale
  • Großmembran-Kondensatormikrofon mit Röhrenverstärkung
  • Membran: 1″ Ø, 5 µm dünn, goldbedampft
  • Richtcharakteristik stufenlos verstellbar von Kugel bis Niere
  • Kapsel auf der Basis des Sony C-37A, handgefertigt von Josephson Audio
  • Vorverstärkerstufe mit Röhre vom Typ 5670
  • Konstante Stromquelle für die Röhre zur Minimierung von Nebengeräuschen
  • Handgewickelter Ausgangsübertrager mit Nickelkern
  • Übertragungsfaktor: 7 mV/Pa
  • Max. Schalldruckpegel: 150 dB SPL
  • Übertragungsbereich: 10-30.000 Hz
  • Hochpassfilter zuschaltbar: -3 dB @ 55 Hz
  • Gesamte harmonische Verzerrung: <0,05 % THD+N @ 1 kHz & 1 kΩ
  • Typisches Rauschen des Vorverstärkers: -108 dBV (A-gewichtet)
  • Ausgangsimpedanz: 30 Ω
  • Stromverbrauch: 15 Watt
  • Gehäuse aus eloxiertem Aluminium mit geätztem Silber
  • Gewicht (Mikrofon): ~680 g
  • Größe (Mikrofon inkl. Spinne): 51 x 246 x 114 mm
  • Lieferumfang
    • Manley Reference Silver
    • Mikrofonspinne (»X-Cradle«)
    • Kapselschutzüberzug
    • Schaltnetzteil
    • Kabel (~7 m) zur Verbindung von Mikro und Netzteil
    • 3 Ersatzschnüre für die Mikrofonspinne
    • Koffer

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