Line 6 Variax JTV-69 Testbericht: Eine Gitarre – 25 Sounds

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Was ist es?

Bei den Modellen der Serie Line 6 James Tyler Variax handelt es sich um Gitarren, die eine eingebaute Modeling-Technologie mit an Bord haben. Sie lassen sich wahlweise als normale Gitarre über die eingebauten magnetischen Tonabnehmer spielen oder Du kannst das Modeling nutzen, um den Klang eines von 19 Gitarrenmodellen (unter anderem Akustikgitarren) zu spielen.

Die Modeling-Schmiede Line 6 wagte sich schon vor einigen Jahren an den Bau einer E-Gitarren-Serie, welche auf den Namen „Variax“ getauft wurde. Zwei Modelle gab es seinerzeit von diesem Instrument, die Variax 600 und die Variax 700 . Beide verkauften sich nach Markteinführung zwar wie warme Semmeln, mussten sich jedoch auch vereinzelter Kritik stellen.

Ich selbst hatte vor Jahren das Vergnügen, eine Variax 700 in einem Musikladen anzutesten und war damals von den technischen Möglichkeiten dieses Instruments sehr angetan. Die diversen Gitarrenmodelle, die in der Variax 700 zur Verfügung standen, klangen schon damals sehr authentisch. Der Körper selbst sah aber gewöhnungsbedürftig aus, allein schon wegen der fehlenden Pickups.

Auch die Bespielbarkeit der Variax 700 war nicht optimal und ich ließ sie seinerzeit zurück im Ausstellungsraum. Es blieb der Eindruck, dass da im Bereich des Gitarren-Modeling aus dem Hause einiges machbar und im Gange ist, wie sich dann mit der neuen Line 6 James Tyler Variax bewahrheitet hat.


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Line 6 Variax JTV-69 Testbericht

Einleitung

Im Frühjahr 2010, auf der Musikmesse 2010 in Frankfurt, wurde ein Prototyp einer neuen Gitarrenserie vorgestellt. Obwohl unter dem Namen „Variax“ gehandelt, stellte sich schnell heraus, dass dieses komplett neu gestaltet und konstruiert wurde, ein Neuanfang sozusagen. Hierzu kooperierte man mit dem bekannten amerikanischen Gitarrenbauer James Tyler, der schon für diverse Künstler Signature-Gitarren gebaut hatte (u.a. für Prince, Michael Anthony von Van Halen, Michael Landau etc.).

Der Hersteller hat mir für diesen Test eine Line 6 James Tyler Variax zum ausgiebigen Testen zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle schon einmal herzlich bedanken möchte.

Line 6 James Tyler Variax

Der Korpus

Drei Modelle der Line 6 James Tyler Variax

Die James Tyler Variax liegt in drei unterschiedlichen Modellen und jeweils in verschiedenen Lackierungen vor:

  • die JTV 59 mit einem an die Gibson Les Paul angelehnten Korpus in den Lackierungen Black, Cherry Sunburst und 3-Tone Sunburst,
  • die JTV-69 mit einem an eine Fender Stratocaster angelehnten Korpus in den Lackierungen Black, 3-Tone Sunburst, Apple Candy Red und Lake Placid Blue und
  • die JTV 89 mit einem an Ibanez angelehnten, modernen Superstrat-Korpus mit reversed Headstock in den Lackierungen Black und Blood Red.

Die verwendete Modeling-Technologie ist bei allen Modellen dieselbe.

 

James Tyler Variax JTV-69

Zum Testen stand mir (auf Wunsch) die JTV-69 in Candy Apple Red zur Verfügung. Dieses Modell wurde jüngst mit dem MIA-Award als beste Gitarre des Jahres 2011 gekürt. Hier die Details:

  • Die JTV-69 hat einen massiven Erlenkorpus mit einem Candy-Apple-Red Finish, einem ebenso massiven, aufgeschraubten Ahornhals (auf der Rückseite unlackiert) mit einem 22-jumbo-bündigen Palisandergriffbrett.
  • Wie ihr Strat-Vorbild verfügt die JTV-69 über eine Mensur von 648 mm (25,5 Zoll) und hat eine Sattelbreite von 41 mm.
  • Die versiegelten Stimmmechaniken weisen eine 16:1-Übersetzung auf und sind als sogenannte Lock-Mechaniken konstruiert: Die Saiten werden nicht aufgewickelt, sondern sehr bequem im Schaft festgeklemmt.
  • Beim Sattel handelt es sich um einen schwarzen Graph Tech TUSQ XL.
  • Die JTV-69 hat eine Tyler Custom Tremolo-Brücke, die mit Piezotonabnehmern vom Typ L.R. Baggs Radiance Hex ausgestattet ist. Der Tremolohebel wird gesteckt und mit einem (mitgelieferten) Mini-Imbus arretiert.
  • Die komplette Mechanik der JTV-69 ist in Chrom gehalten.
  • Die Gitarre besitzt zwei Tonabnehmer (James Tyler Vintage Single-Coil) in Hals- und Mittenposition sowie einen James Tyler PAF Humbucker in der Brückenposition.
  • Die JTV-69 hat einen 5-Weg-Schalter, einen Lautstärke- und einen Tonpoti. Darüber hinaus besitzt die Gitarre einen Poti zur Auswahl der verschiedenen Gitarrenmodelle und einen eingelassenen Drehschalter zum Auswählen der verschiedenen Gitarrenstimmungen.
  • Neben dem handelsüblichen Klinkeneingang zum Anschluss an den Verstärker hat die JTV-69 einen sogenannten VDI-Anschluss (Variax Digital Interface).
  • Ausgeliefert wird die JTV-69 in einem edlen und sehr robusten Gigbag. Im Lieferumfang befinden sich ein Lithium-Ionen-Akku, eine USB-Interface, ein USB-Kabel sowie ein Netzwerkkabel zum Verbinden der Gitarre mit dem PC oder Mac.

Als Gitarrist in einer Coverband muss ich klangtechnisch unterschiedliche Musikstile zugleich bedienen können. In Sachen Gitarrensound erweist sich dieser Stilmix als ein kaum lösbares Equipment-Desaster. Da wäre das altbekannte Geldproblem. Rein aus finanzieller Sicht kann man mal eben nicht drei, vier oder mehr Gitarren kaufen, soll es sich dabei gerade nicht um Billigstausführungen aus Fernost oder sonst woher handeln. Verstärkertechnisch bietet nicht zuletzt Line 6 selbst diverse Modeling-Lösungen an.

Line 6 James Tyler Variax

Der Übergang zwischen Hals und Korpus

Die neue James Tyler Variax ist also allein für Cover-Musiker betrachtet sehr interessant: 25 unterschiedliche Gitarren in einem Korpus. Hinzu kommen elf frei programmierbare Gitarrenstimmungen, die sofort via Poti zur Verfügung stehen. Ein Traum für jeden Gitarristen, der stilistisch polyvalent sein muss – zu schön, um wahr zu sein? Wir werden sehen…oder besser hören.

 

Der Test

Über zwei Monate hatte ich für diesen James Tyler Variax Testbericht Zeit. Die mir zur Verfügung gestellte JTV-69 begleitete mich in den Proberaum und auch auf die Bühne. Mehr als genug Gelegenheit, die James Tyler in natürlicher Umgebung auf Herz und Nieren zu prüfen.

Schon beim Auspacken fällt mir die gute Verarbeitungsqualität auf. Die Gitarre besteht den ersten unmittelbaren Seh- und Fühltest sofort – optisch wie haptisch lässt sich nichts bemäkeln. Keine Dings und Dongs, keine scharfen Kanten. Ein rundum sehr gut bespielbares Instrument mit Top-Saitenlage, ohne Scheppern und Schnarren. Das ist nicht selbstverständlich. Es kann direkt an den Amp gehen.

Ebenfalls sofort auffällig ist das doch hohe Gewicht der Gitarre. Da ich in meiner Sammlung überwiegend schwer ausfallende Gitarren mein Eigen nenne, hinterlässt das bei mir keinen negativen Eindruck. An dieser Stelle sei trotzdem darauf hingewiesen.

Genial finde ich die Locking-Mechaniken: Die Saiten werden bei der JTV-69 nicht auf die Schäfte gewickelt, sondern mittels Klemmmechanik in die Schäfte gesteckt und festgeklemmt. Erstens sorgt das für eine bessere Stimmstabilität und zweitens sind die Saiten ruckzuck aufgezogen bzw. gewechselt und wieder in Stimmung gebracht. Auf der Bühne eine entgegenkommende Eigenschaft der Line 6 James Tyler Variax JTV-69.


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Im Vergleich mit ihrem Vorgänger besitzt dieses Modell magnetische Tonabnehmer. Von dieser Warte aus betrachtet ist sie damit zunächst einmal eine ganz normale E-Gitarre und als solche auch vollkommen unabhängig von der Modeling-Technologie zu spielen.

Rein optisch betrachtet mag es für den einen oder anderen Anlass zum kritischen Nasenrümpfen geben. So sorgt das eigenwillig und vom Vorbild abweichend gestaltete Schlagbrett mit Sicherheit für viele Hingucker, nicht nur im positiven Sinne. Während ich persönlich damit kein Problem habe, frage ich mich jedoch schon, warum von drei Tonabnehmern zwei weiß und einer, nämlich der Humbucker, schwarz ist. Meiner Meinung nach hätte der Humbucker auch weiß sein dürfen.

 

Die magnetischen Tonabnehmer

Das Testen und Bewerten von Tonabnehmern ist so eine Sache. Der Gesamtsound einer Gitarre ist von vielen unterschiedlichen Komponenten des Instruments abhängig, die nur im Zusammenspiel zu betrachten sind. Deshalb sei hier nochmals angemerkt, dass das Vorbild der JTV-69 in Korpusform einschließlich Hals und Mensur sowie den verwendeten Hölzern einer Stratocaster nachgebaut ist. Das beeinflusst den Klang der Gitarre magnetischer Pickups enorm.

Line 6 James Tyler Variax

Drehregler und Schalter

Der PAF Humbucker in der Stegposition klingt für mich sehr ausgewogen und rund. Du darfst hier kein brutales Metal-Brett erwarten, er klingt wie er in einer Stratocaster nun mal klingt: rockig und fetzig. Wer grundsätzlich einen dickeren Sound möchte, sollte vielleicht zur JTV-59 greifen, die in Korpusform und -hölzern ja an eine Les Paul angelehnt ist. Der Humbucker in der Line 6 James Tyler Variax JTV-69 hätte für meinen Geschmack ein bisschen mehr Output vertragen können.

Die beiden Singlecoils in der Mitte und am Hals klingen fantastisch. Wie man es von einer guten Stratocaster gewohnt ist, glocken die Tonabnehmer so richtig fröhlich vor sich hin.

 

Klangbeispiele James Tyler Variax

Ich spiele die JTV-69 über ein Marshall JVM 410 Top mit einer 2 x 12 Box, die mit Lautsprechern vom Typ Celestion V 30 bestückt ist. Abgenommen habe ich die Box mit einem Shure SM 57 (Off-Axis). Meine Audioschnittstelle stammt auch aus dem Hause Line 6. Es handelt sich dabei um den Studio TonePort KB 37.

Du findest hier alle Dateien im Format WAV zum Download.

 

Modeling

Technisch wird das Gitarren-Modeling durch die in der Brücke verbauten Piezotonabnehmer L.R. Baggs Radiance Hex ermöglicht. Diese greifen die Saitenschwingungen ab und schicken sie in die Elektronik der Variax. Dieser Vorgang ist bei allen drei Modellen JTV-59, der JTV-69 und der JTV-89 gleich.

An der JTV-69 wird die komplette Modeling-Sektion einschließlich des Virtual Capo (mehr dazu später) durch den mittleren Potentiometer, einem versenkten Drehregler oberhalb der Saiten und mit dem 5-Wege-Schalter gesteuert. Die Elektronik wird durch Drücken des mittleren Potis aktiviert. Dabei werden die magnetischen Pickups stummgeschaltet und die Piezotonabnehmer aktiviert. Du hörst dann nur den modellierten Sound der Variax.

Alle Modelle der James Tyler Variax kommen mit insgesamt 25 Gitarrenmodellen daher. Deren Vorbilder sind:

  • 1960er Fender Telecaster Custom
  • 1968er Fender Telecaster
  • 1968er Fender Telecaster Thinline
  • 1959er Fender Stratocaster
  • 1958er Gibson Les Paul Standard
  • 1952er Gibson Les Paul Goldtop
  • 1961er Gibson Les Paul Custom (die mit den drei Pickups)
  • 1956er Gibson Les Paul Junior
  • 1955er Gibson Les Paul Special
  • 1976er Gibson Firebird V
  • 1959er Gretsch 6120
  • 1956er Gretsch Silver Jet
  • 1968er Rickenbacker 360
  • 1966er Rickenbacker 360-12
  • 1961er Gibson ES-335
  • 1967er Epiphone Casino
  • 1957er Gibson ES-175
  • 1953er Gibson Super 400
  • 1959 Martin D-28
  • 1970er Martin D 12-28
  • 1967er Martin O-18
  • 1966er Guild F212
  • 1995er Gibson J-200
  • 1935er Dobro Alumilite
  • Danelectro 3021
  • Coral/Dano Electric Sitar
  • Gibson Mastertone Banjo
  • 1928er National Style 2 Tricone

An dieser Stelle kann es jetzt natürlich nicht darum gehen, diese Nachempfindungen klangtechnisch mit ihren Vorbildern im Detail zu vergleichen. Hierzu fehlt schlichtweg die Referenz.

Ich werde mich auf die Stratocaster-, Telecaster-, Les-Paul- und die Akustikgitarrenmodelle beschränken, da ich hier über eigene Erfahrungen in puncto Sound verfüge. Festhalten möchte ich allerdings, dass die Semiakustik- und Jazzgitarrenmodelle der JTV wie Semiakustik- bzw. Jazzgitarren klingen. Auch das gemodelte Banjo klingt wie ein Banjo und die Sitar wie eine Sitar – keine Frage.

 

Stratocaster

Wie bereits in der Aufzählung erwähnt, wurde für die Stratocastermodelle der JTV-69 eine Fender Stratocaster aus dem Jahre 1959 modelliert. Gitarrenkennern unter Euch wird dabei das Wasser im Munde zusammenlaufen, denn eine 59er Strat ist DIE Strat! Selbstverständlich gibt es hierzu einige Hörproben, das Aufnahmesetup wie oben beschrieben.

59er Strat, Singlecoil Steg:

59er Strat, Singlecoil Steg und Mitte:

59er Strat, Singlecoil Mitte:

59er Strat, Singlecoil Hals und Mitte:

59er Strat, Singlecoil Hals:

In meinen Ohren klingt sie top, der charakteristische Sound einer Strat ist da. Im Strat-Modus ist die JTV-69 auch exakt wie eine echte Stratocaster zu bedienen. Das heißt: die Verschaltung am 5-Weg-Switch entspricht exakt der Verschaltung einer Stratocaster. Auch hier fühlt sich der Strat-Spieler sofort zu Hause und muss sich nicht umgewöhnen.

Absolut erstklassig spricht die JTV-69 sehr dynamisch auf die Einstellungen am Volumendrehregler an. Mit ein wenig Übung hast Du hier ein Overdrive-Pedal anliegen. Für etwas weniger Zerrung bis fast ganz Clean wird der Lautstärkenpoti einfach zurückgedreht. Für mehr Zerrung vice versa.

 

Les Paul

Ich stelle hier exemplarisch die simulierte 1952er Gibson Les Paul „Goldtop“ vor. Eine echte hat den Wert eines Kleinwagens. Das Aufnahmesetup ist wie oben beschrieben. Allerdings fahre ich den Marshall hierbei im Overdrive-Channel, mit nicht ganz so viel Gain (ca. auf 10 Uhr).

Hier lässt sich schon vorweg greifen: es klingt einfach super! Eine fette Paula auf Knopfdruck.

52er Gibson Les Paul Goldtop, Humbucker Steg:

 

Telecaster

Auch hier möchte ich Euch exemplarisch für alle Modelle der Telecaster nur eines vorstellen. Es handelt sich dabei um eine 1960er Fender Telecaster Custom. Das Aufnahmesetup ist dasselbe wie bei der Paula.

60er Fender Telecaster, Singlecoil Steg:

Tja, was soll ich sagen … einfach grandios. Es handelt sich zweifelsohne um eine Telecaster. Wie schon bei der Fender Strat spricht die simulierte Telecaster unglaublich präzise auf die Einstellungen des Volume-Reglers an.

 

Akustikgitarren-Modelle

Sämtliche Hörbeispiele der modellierten Akustikgitarren in der JTV-69 habe ich DI eingespielt, also direkt ins Audiointerface (TonePort KB 37). Die Ergebnisse klingen allesamt spitze, gerade die beiden 12-Saiter (Martin D 12-28 und Guild F212) finde ich besonders gut gelungen.

1959er Martin D-28:

1970er Martin D 12-28:

1967er Martin O 18:

1966er Guild F212:

1995er Gibson J-200:

Stimmung auf Knopfdruck

Die James Tyler Variax ist darüber hinaus noch mit einem sogenannten Virtual Capo (ein virtuelles Kapodaster sozusagen) ausgestattet. Ab Werk sind elf unterschiedliche Stimmungen für deine Gitarre vorprogrammiert und auf Knopfdruck abrufbar:

  • Standard-Tuning
  • Drop D
  • Eb
  • Drop Db
  • D
  • DADGAD
  • Open D
  • Blues G
  • Reso G
  • Open A
  • Bariton

Diese Voreinstellungen lassen sich alle frei anwählen und auf den Custom-Banks lassen sich auch noch ganz frei programmierte Tunings abspeichern. Hierfür verwendest Du am besten die mitgelieferte Software (Workbench), denn die Programmierung an der Gitarre selbst ist fummelig geraten.

Wie schon bei den Gitarrenmodellen selbst kann ich beim Einsatz der verschiedenen Tunings keine hörbare Latenz feststellen und das selbst bei den Akustikgitarren. Das ist wirklich gelungen!

 

Luthier sein – Gitarrenbauer an Bord

Line 6 setzt jetzt noch einen drauf. Mit der mitgelieferten Software Variax Workbench kannst Du deine eigenen Gitarrenmodelle zusammensetzen. Eine Les Paul mit Singlecoils gefällig? Kein Problem! Einfach virtuell zusammenbauen, auf die Variax übertragen und los kann es gehen.

Line 6 Variax Testbericht Workbench Editor

Line 6 Variax Testbericht Workbench Editor

In der Praxis mit dem James Tyler Variax JTV-69 Testbericht

Ich hatte die JTV-69 zweimal mit auf der Bühne. Beim ersten Gig hatte ich die Gitarre für gut ein Drittel der Setliste in Betrieb. Den zweiten Gig habe ich komplett, also gute dreieinhalb Stunden mit ihr gespielt.

Technisch lief alles einwandfrei. Der Akku hält über 10 Stunden Dauerbetrieb aus, für ausreichend Strom ist also bestens gesorgt. Sehr praktisch ist, dass sich die JTV-69 automatisch in einen Standby-Modus versetzt, sobald man den Lautstärkeregler auf Null dreht. Das Kabel muss nicht extra herausgezogen werden, wie ich das sonst bei vielen Gitarren mit aktiven Pickups kenne.

Spielerisch ist die JTV-69 auch während längerer Gigs sehr gut einzusetzen. Das vergleichsweise hohe Gewicht machte mir persönlich nichts aus. Die Gitarre ist alles andere als kopflastig, so dass sie immer sehr bequem über den Schultern hängt keine Kraft aufwendet werden muss, um sie in einer spielfähigen Position zu halten.

Auch soundtechnisch ist die JTV-69 einfach eine Wucht. Unser Tonmischer war hellauf begeistert und konnte die Modeling-Gitarre problemlos in das klangliche Gesamtbild unseres Bandsounds einordnen.

Besonders praktisch ist im Live-Einsatz natürlich das Virtual Capo. Während mein Kollege an den anderen sechs Saiten mehrmals seine Klampfe umstimmen oder hierfür gar seine Gitarre wechseln musste, ging das bei mir und der JTV-69 auf Knopfdruck. Das ist einfach fantastisch und als Cover-Musiker fängst Du sehr schnell an, allein deshalb die James Tyler Variax zu lieben.

Praxistest bestanden.

Übersicht Line 6 Variax JTV-69 Review

PRO

  • Hochqualitativ verarbeite, toll klingende und enorm flexible Gitarre
  • 25 unterschiedliche Gitarrenmodelle
  • 11 programmierbare Stimmungen
  • Einfache Bedienung der Elektronik über Software

CONTRA

  • Schwarzer Humbucker bei weißen Singlecoils
  • Etwas mehr an Output für den Humbucker wünschenswert
  • Ton bei gedämpften Saiten (Palm Muting) im Model-Betrieb

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Fazit zum Line 6 Variax JTV-69 Test

Mit der Line 6 Tyler Variax JTV-69 liefert Line 6 hier ein echt fettes Teil ab. Allein ohne die Modeling-Abteilung ist dieses Instrument in Sachen Ton und Spielgefühl schon eine sehr gute E-Gitarre. Mit der Modeling-Sektion wird die JTV-69 dann schon fast zur berühmten eierlegenden Wollmilchsau.

Kombinierst Du das Gitarren-Modeling der Line 6 Variax mit dem auf dem Markt erhältlichen Amp-Modeling, dann bist Du mit einem virtuellen Lastwagen voll von hochwertigem Equipment versorgt. Nie war es einfacher, alle erdenklichen Musikstile zu bedienen und sich zu einem höchst variablen und polyvalenten Gitarristen zu entwickeln – das entsprechend spielerische Knowhow und Können natürlich vorausgesetzt.

Bei all dem Lob lassen sich auch kleinere Kritikpunkte an der JTV-69 ausfindig machen. Dabei geht es nicht um das berühmte Haar in der Suppe, sondern um kleinere optische Makel und zwei akustische Schnitzer. Optisch hätte der Humbucker definitiv in weiß sein dürfen, ja vielleicht gar sein müssen. Akustisch hätte er nach meinem Geschmack noch ein wenig mehr an Output vertragen können. Last but not least: Mir gefallen das Handling und der Sound bei abgedämpften Saiten in Verwendung der modellierten Gitarrensektion nicht so sehr. Hier muss man sich ausgehend vom Betrieb der magnetischen Pickups und der hierzu nötigen Spieltechnik sehr umgewöhnen, so jedenfalls mein persönlicher Eindruck.

Noch bevor ich diesen Test beendet und den Bericht geschrieben hatte, wurde die JTV-69 mit dem MIA-Award zur besten Gitarre 2011 gekrönt. Einen herzlichen Glückwunsch an Line 6 und James Tyler. Meinerseits kann sich die hervorragende Qualität mitsamt ihrer technischen Innovation dieses Instruments nur bestätigen.

Auch in unserer hauseigenen Bewertungsskala rangiert die JTV-69 ganz weit oben und bekommt von mir viereinhalb von fünf Punkten. Jetzt lasst mich bitte noch ein Weilchen mit der JTV-69 alleine. Sie will Gassi und ich auch. Rock on!

Inhaltsverzeichnis // Line 6 Variax JTV-69 Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

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SEHR GUT

Line 6 Variax JTV-69 Testbericht am 29.01.2012

Produkt:      Line 6 Variax JTV-69
Hersteller:    

Preis:  1249,00 Euro
UVP:    1249,00 Euro

Kurzfazit

Üppig ausgestattete Modelling-Gitarre. Zahllose Klangmöglichkeiten, Stimmungen und ein eigener Luthier auf Knopfdruck.

Für wen

Gitarristen in Cover-Bands.

Wichtige Merkmale
  • ST-Style
  • Erlekorpus, Ahornhals
  • Palisandergriffbrett
  • Mensur: 648 mm
  • 22 Medium Jumbo Bünde

 

Lesermeinungen (4)

zu 'Line 6 Variax JTV-69 Testbericht: Eine Gitarre – 25 Sounds'

  • Olaf   29. Jan 2012   16:30 UhrAntworten

    Oh !!! Der Variax-Bericht ist endlich da ... ;-)

    • Carlos San Segundo (delamar)   29. Jan 2012   19:54 UhrAntworten

      Mit sagenhaften 45 zusätzlichen Dateien zum Hören, Sehen und selbst ausprobieren...praktisch die neue Kinderüberraschung! ;)

  • christos   30. Jan 2012   13:43 UhrAntworten

    Hi super testbericht, die akustischen Gitarren klingen allerdings sehr sehr bescheiden, das kann nix.

  • Georg   20. Jun 2012   16:21 UhrAntworten

    Hallo Gitarrenfreaks! Als erstes Mal großes Lob an diese Seite: komme immer wieder gerne und lese neues und vor allem Interessantes!!

    Jetzt hat es mich aber doch in den Fingern gejuckt, selbst einmal einen Kommentar zu schreiben. Als Coverband-Gitarrist stehe ich auch vor den beschriebenen Problemen, die es zu lösen gilt. Daraufhin habe ich flugs die Gitarre bei Thomann bestellt, wobei ich mich für das Les-Paul-Modell entschieden habe. Meine Erfahrungen kann ich auf einen Punkt zusammenfassen: enttäuschend. Vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen, aber die Modelling-Abteilung ist nach meinem Empfinden wirklich sehr dürftig. Die Gitarre ist sehr hochwertig gebaut, sehr gut spielbar, da gibt es nichts zu diskutieren!!! Als Stand-Alone sicher sehr zu empfehlen. Aber wenn es ans Modelling geht, hört der Spaß auf. Über weite Bereiche klingen die gemodellten Modelle muffig und stumpf. Die Akustik-Gitarrensounds klingen selbst über einen AER mehr als bescheiden. Zudem fällt auf, dass einige Modelle deutlich Trackingspuren zeigen. Ich möchte mich hier nicht weiter ausbreiten, vielleicht klingt das Teil mit Line-6 Verstärkern oder dem Pod besser, aber da bin ich dann genauso weit, dass ich wieder Teile dazukaufen muss. Bei allem Respekt, den ich Line 6 zolle, ein gründliches Testen der Gitarre macht sehr viel Sinn.

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