HEDD Type 20 Test
Hören, was Phase ist

HEDD Type 20

Der HEDD Type 20 Test dreht sich zu großen Teilen um etwas, das hier nicht zu sehen ist: die Software zur frequenzspezifischen Phasenkorrektur. Und die leistet Erstaunliches ...

Was ist es?

Der HEDD Type 20 ist ein aktiver Studiomonitor für das Nah- und Mittelfeld. 3 Wege sind verbaut – ein 7,2″ großer Woofer, ein 4,7″ großer Mitteltöner und ein Bändchenhochtöner (hier: »Air Motion Transformer«). Alle drei Töner werden mit jeweils bis zu 300 Watt versorgt.

Der Hersteller bietet mit dem »Lineariser« eine Software (PC & Mac, Standalone oder Plugin), die die Phasenlage bei Bedarf über den gesamten Frequenzbereich angleicht. So wird eine zeitrichtige Wiedergabe mit akkurateren Transienten ermöglicht. Welche klanglichen Verbesserungen dadurch tatsächlich auftreten, erfährst Du hier im Review.

An Bord sind analoge Eingänge in Form von XLR- und Cinch-Buchsen. Es gibt einen Steckplatz für optionale Erweiterungskarten, die digitalen Input via USB 2.0 & AES67, Dante und AES3 ermöglichen.

Überblick: HEDD Type 20 – Features

  • Aktiver Studiomonitor für Nahfeld & Midfield
  • Tief-/Mitteltöner: 7,2″
  • Mitteltöner: 4,7
  • Hochtöner: 2″ (AMT)
  • Übertragungsbereich: 32–50.000 Hz
  • Low-Shelf-Filter (2.000 Hz)
  • Eingänge: XLR & Cinch
  • Optionale Steckkarten für digitalen Input (USB 2.0 & AES67 / AES3 / Dante)

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HEDD Type 20 Testbericht

Erster Eindruck

Der HEDD Type 20 kommt deutlich kompakter daher als die Fotos vermuten lassen. Diese Würfel finden auf jedem Studiotisch und jeder Meter Bridge Platz. Dank der verbauten Class-D-Verstärkers sind keine hinten überstehenden Kühlrippen nötig, obwohl satte 3 x 300 Watt zu Buche stehen.

Durchweg tadellose Verarbeitung darf man in dieser Klasse erwarten und bekommt sie hier. Prima: Die Oberfläche ist matt gummiert, was hübsch aussieht und für eine außerordentlich rutschfeste Ablage sorgt.

Ein- und Aufstellung

Die Regler für Verstärkung (-30 bis +6 dB) sowie Low- und High-Shelf-Filter (siehe unten) haben keine Kappen. Sie sind im Gehäuse versenkt und weisen einen kleinen Schlitz zum Justieren per Schraubendreher auf. Alle drei rasten in der ±0-dB-Position ein, was den Abgleich zweiter Exemplare vereinfacht.

Rückseite des Studiomonitors - HEDD Type 20 Erfahrung

Links ist der verblendete Slot für eine der HEDD Bridges zu sehen

Für optimalen Sound ist eine horizontale Ausrichtung (liegend) anzuraten. Insofern ist bei der Lautsprecher-Aufstellung eine erhöhte Position zu beachten – insbesondere der AMT-Hochtöner sollte bei normaler Sitzposition auf Ohrenhöhe sein). Wie angesprochen, sollte also eine entsprechende Ablage auf dem Studiotisch bzw. eine Meter Bridge vorhanden sein. Alternativ ein Stativ mit einer großen Ablage (an der Unterseite der Box findet sich kein Gewinde).

Modulare Inputs beim HEDD Type 20

Analog hinein geht es wahlweise via XLR oder Cinch, ein Schalter dient zur Quellenwahl. Digitale Eingänge bekommst Du mit dem Zukauf der Erweiterungskarte (»HEDD Bridge«):

  • USB (der HEDD Type 20 wird quasi zum USB 2.0 Audio Interface)
  • AES3
  • AES67/DANTE

Ich mag diese Modularität. In meinem ambitionierten Homestudio brauch ich aktuell keine digitalen Inputs und würde dafür auch ungern draufzahlen wollen. Dennoch könnte ich irgendwann aufrüsten – gegebenenfalls auch mit weiteren Modulen des Herstellers für andere, in Zukunft relevante Standards.

HEDD Bridges - HEDD Type 20 Review

Die erhältlichen Erweiterungskarten für den HEDD Type 20

Filter

Mit den Low- und High-Shelf-Filtern lassen sich viele raumakustische Ungereimtheiten weitgehend ausbügeln. Die Regelwege von ±4 dB reichen dafür locker aus. Als Grenzfrequenzen wurden 200 und 2.000 Hz gewählt.

Gerne gesehen hätte ich eine Möglichkeit für gezieltere Eingriffe in die Höhen (ohne dass wie hier die Mitten schon ab 2 kHz betroffen werden). Nach meiner Erfahrung ist in vielen Räumen mit suboptimaler Akustik eine kleine Reduktion angebracht

Lineariser – Die Geheimwaffe des HEDD Type 20

Ein besonderes Schmankerl ist die kostenlos herunterladbare Software »Lineariser«. Ihr Hauptzweck: Die Angleichung der abweichenden Phasenlagen (Verzögerungen) bestimmter Frequenzbereiche gegenüber anderen, weniger stark verzögert am Ohr ankommen. Bei einer kleinen Handvoll anderer hochwertiger Studiomonitore geschieht das durch interne DSP-Technik, während hier Einfluss auf das Signal im Audiorechner vor der Wandlung genommen wird.

Nutze den Lineariser als eigenständiges Programm (»Standalone«) unter Windows und Mac OS oder binde ihn als Plugin (VST2, VST3, AAX, AU) in deine DAW-Software ein.

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Phasenkorrektur in der Praxis

In der Software wähle ich zunächst die passende Betriebsart für den Type 20. Wenn nun die Phasenkorrektur in vollem Umfang wirkt (gleich mehr zu den alternativen Modi), tritt durchaus Erstaunliches zutage:

Als würde sich ein subtiler Schleier vom Audiomaterial lüften, erklingen halbwegs gut gemischte Stücke noch transparenter, klarer und detaillierter. Transienten bekommen noch klarere Konturen – der durch die Membranträgheit mehr oder minder verlängerte Ausklang von Instrumentenschlägen verschwindet. Naturgemäß wird der Bass um einen Hauch schlanker, aber er hat letztlich doch mehr Punch. Vor allem wird sonnenklar, dass Songs besser abgemischt und beurteilt werden können.

Drei Modi der Phasenkorrektur

Der erste Modus (»Linear full range«) knöpft sich das gesamte Frequenzspektrum vor. Für das bestmögliche Ergebnis beim Mixing, Mastering und Musikgenuss. Hier ist die zusätzliche Latenz von bis zu 100 ms, die durch eine derart die gründliche Phasenkorrektur unweigerlich auftritt, praktisch egal.

Einen Kompromiss aus Latenzerhöhung (max. 5 ms) und Klangoptimierung ist der zweite Modus, bei dem nur oberhalb von 500 Hertz linearisiert wird. Arbeitet dein Audio Interface mit sehr geringer Latenz, bleibst Du am Ende wohl immer noch im grünen Bereich und hörst keine Verzögerungen beim Einsingen/Einspielen mit Effekten im Monitoring-Signal.

Schließlich lässt sich die Phasenkorrektur komplett deaktivieren (das Plugin verursacht dann nur höchstens 2 ms Latenz). Hier ist nur noch die im Folgenden beschriebene Funktion aktiv …

Anpassung des Frequenzgangs

Du hast die Wahl zwischen zwei Frequenzkurven:

  1. Optimiert für normale Abhörumgebungen – etwas basskräftiger und weniger steril (ein höherer Spaßfaktor in engen Grenzen ist nicht verkehrt)
  2. Abgestimmt auf die neutrale Umgebung eines schalltoten Raumes

Welche Kurve Du wählst, ist einerseits Geschmackssache, andererseits abhängig von der Raumakustik. Als Alternative zu einem leichten Boost des analogen Low-Shelf-Filters habe ich Modus 1 sehr gerne genutzt.

Klang des HEDD Type 20

In ihrer Preisklasse punkten die 20er mit hervorragendem Sound, ob im Frequenzgang oder in puncto Dynamik sowie der daraus resultierenden Transparenz und Räumlichkeit. Profis können zugreifen, wenn sie einen sehr kompakten, aber kräftig und akkurat aufspielenden Studiomonitor bis in den Nahfeldbereich hinein suchen. Bevor wir ins Detail gehen, sei noch das geringe Grundrauschen gelobt – in einem Meter Abstand verschwindet es schon bei flüsterleisem Abhörpegeln.

Übertragungsbereich & Frequenzgang

Die Herstellerangabe von 32 Hertz (ohne Dezibel-Toleranz) stimmt mit dem überein, was meine Erfahrung in Sachen Studiomonitore-Vergleich sagt: Der Bass reicht angemessen tief hinab für einen gut sieben Zoll durchmessenden Woofer. Satter Full-Range-Sound ist gegeben. Nur hochanspruchsvolle Produzenten von elektronischer Musik, Hip-Hop & Co. könnten mit einem Subwoofer liebäugeln.

Der Air Motion Transformer liefert den gewohnt sauberen, ermüdungsfreien Hochtonsound, der schon das Aushängeschild der Adam-Monitore war.

Wie man in dieser Güteklasse erwarten darf, zeigt sich der Frequenzgang ausgewogen. Keine nennenswerten Anhebungen oder Absenkungen kennzeichnen das Klangbild, alles wird mit der gebotenen Nüchternheit reproduziert.

Frequenzgang - HEDD Type 20 Testbericht

Der Frequenzgang insgesamt und für die drei Töner des HEDD Type 20

Räumlichkeit

Dich erwarten klar voneinander separierte Schallereignisse in der Tiefenstaffelung und in der Breite. Ersteres sorgt für klare Kontraste zwischen »vorne« und »hinten«, etwa bei trockenen Klängen in der Gegenüberstellung mit deren Hallfahnen. Letzteres ermöglicht eine punktgenaue Platzierung im Stereopanorama, wobei die Monomitte immer deutlich als solche greifbar ist.

Das gilt gerade insbesondere bei aktivierter Phasenkorrektur per Lineariser im Full-Range-Modus.

Impulstreue

Die Quelle der überzeugenden Räumlichkeit und Transparenz ist die herrlich straffe, trockene, klar umrissene Dynamik. Gerade bei Anschlägen einer Kick-Drum und bei Bassläufen, aber auch bei perkussiven Ereignissen in höheren Frequenzbereichen ist das zu spüren. So eine Detailtreue ist sonst eher ein Steckenpferd von Monitoren mit geschlossenen Gehäusen.

Abermals sei der Einsatz des Linearisers stark ans Herz gelegt, um die knackige Dynamik voll ausreizen zu können.

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Fazit zum HEDD Type 20 Test

Der HEDD Type 20 ist ein hervorragender Studiomonitor für das Nah- und Mittelfeld. Nirgends muss er sich vor den Mitbewerbern verstecken, vielmehr wird in vielen Aspekten die Performance von teureren Modellen erreicht.

Der Sound ist spätestens beim Einsatz der Software-Geheimwaffe »Lineariser« sehr transparent, räumlich differenziert und vorbildlich in der Dynamik. Die Phasenkorrektur, die hier schon in der digitalen Domäne des Audio-PCs vorgenommen wird, führt im Full-Range-Modus naturgemäß zu einer hohen Latenz (bis zu ~100 ms). Beim Mixing, Mastering und Musikhören ist das jedoch irrelevant und zum Recording mit Effekten auf dem Abhörsignal gibt es Modus 2, der den Bereich unter 500 Hertz ausspart.

Nicht zu vergessen: Der Frequenzgang ist ausgewogen, die Basspotenz ist mehr als angemessen für einen 7,2-Zoll-Woofer und das Grundrauschen ist erstaunlich leise für die kräftigen Verstärker.

Das erfrischend kompakte Gehäuse erweist sich als gut verarbeitet und sehr rutschfest. Wer neben den analogen Inputs (XLR & Cinch) mehr will, greift zu den Erweiterungskarten (»HEDD Bridge«) für Dante, AES3, USB & Co.

Höchstens die sehr kleinen, kappenlosen Potis für Pegel und Filterung hätten etwas bequemer bedienbar gemacht werden können.

Doch das ist nur ein Staubkorn auf dem Gesamtbild, das unser Kandidatenpaar im HEDD Type 20 Test hinterlässt. So gibt es die volle Punktzahl für einen analytisch starken Studiomonitor, der dennoch Spaß macht und spürbaren Feinschliff per Software ermöglicht – der Preis ist mehr als angemessen.

HEDD Type 20 Features

  • Aktiver Studiomonitor für Nahfeld & Midfield
  • Tief-/Mitteltöner: 7,2"
  • Mitteltöner: 4,7
  • Hochtöner: 2" (Air Motion Transformer)
  • Wichtige technische Daten
    • Verstärkerleistung: 300 W (LF) + 300 W (MF) + 300 W (HF)
    • Trennfrequenzen: 250 Hz / 2.500 Hz
    • Übertragungsbereich: 32–50.000 Hz
  • Filter
    • Low-Shelf-Filter: ±4 dB < 200 Hz
    • High-Shelf-Filter: ±4 dB > 2.000 Hz
  • Audioeingänge
    • Analog: XLR & Cinch
    • Digital: USB 2.0 & AES67, AES3 oder Dante über optionale Steckkarten
  • Eingangsverstärkung von -30 bis +6 dB regelbar
  • Maße: 280 x 358 x 338 mm
  • Gewicht: 15 kg
Hersteller: HEDD Audio
Produkt:

HEDD Type 20 Test

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