EVE Audio SC205 Testbericht: Kompakter Studiomonitor für Ästheten

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Eve Audio SC205 Testbericht

Im Eve Audio SC205 Testbericht hieß es vor allem »Ohren auf«, doch ist uns die adrette, wohnzimmergerechte Optik dieses aktiven Studiomonitors freilich nicht entgangen ...

Was ist es?

Der EVE Audio SC205 ist ein kleiner aktiver Lautsprecher, der auch und gerade für den Einsatz als Studiomonitor konzipiert wurde. Ebenso denkbar ist jedoch die Nutzung an einem Schnittplatz – dank bequemer Bedienung und hübschem Design auch am Multimedia-Arbeitsplatz oder im Wohnzimmer.

Es ist ein klassisches 2-Wege-System mit Tief- und Hochtöner. Bei Letzterem handelt es sich um eine spezielle Art von Bändchenhochtöner (»air motion transformer«). Die integrierten Verstärker liefern jeweils 50 Watt Spitzenleistung für den Tief- und den Hochtöner.

Die Lautstärke lässt sich mit einem vorderseitigen Regler kontrollieren, außerdem finden sich Filter zur Anpassung an die Raumakustik und/oder persönliche Klangvorstellungen.

Ein Exemplar dieses Lautsprechers ist zum Straßenpreis von 399,- Euro (inkl. MwSt. & Versandkosten) bei deutschen Musikalienhändlern zu haben.


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EVE Audio SC205 Testbericht

Video vom EVE Audio SC205 + anderen Modellen der Serie

Erster Eindruck & Verarbeitung

Das gediegene Design des EVE Audio SC205 wird sich auf den meisten Schreib- und Studiotischen gut machen. Dafür sorgen schöne Details wie das magnetisch festgehaltene Wabengitter zum Schutz des Hochtöners oder der LED-Kranz rings um den Lautstärke- und Filterregler (siehe unten).

Weiterhin finden sich ein gutes deutsches Handbuch und ein Kaltgerätekabel in der Packung. Auch an kleine aufklebbare Gummifüße wurde gedacht. Sie gewährleisten eine minimale akustische Entkopplung und ermöglichen einen rutschfesten, oberflächenschonenden Stand. Hierfür sind jedoch eher Absorberplatten aus Schaumstoff zu empfehlen. Diese ermöglichen überdies eine angewinkelte Aufstellung auf dem Schreib- oder Studiotisch, damit der Schall direkt auf die Ohren zielt.

Die Verarbeitungsqualität ist tadellos, die Materialien und deren Zusammensetzung (mit sehr kleinen, gleichmäßigen Spaltmaßen) machen einen feinen Eindruck. Kurzum: Verarbeitung, Lieferumfang und Design sind gut.

Lautstärke- und Filterregler

Rechts unten an der Vorderseite des EVE Audio SC205 sitzt ein Drehregler, der einerseits zum An- und Ausschalten, andererseits zur Justierung der Lautstärke und der Filter dient. Die schon erwähnten LEDs – leuchtstark in freundlichem Orange – zeigen an, wie laut die Box aufgedreht ist bzw. wie die Filter eingestellt sind. Letztere möchte ich jetzt kurz beleuchten:

  • »Low« – tiefer Kuhschwanzfilter (low shelf) < 300 Hz
  • »High« – hoher Kuhschwanzfilter (high shelf) > 3.000 Hz
  • »Desk« – Peak-Filter: wahlweise Cut bei 180 Hz oder Boost bei 80 Hz

Mit dem Desk-Filter sollen die beim Einsatz auf Schreibtischen/Mischpulten eventuell zu dominanten Bässe abgemildert werden können. Alternativ taugt es zum Verstärken der tiefen Bässe, was eher auf persönliche klangästhetische Vorlieben als auf eine Korrektur der Raumakustik abzielt. Es handelt sich um digitale Filter, die entsprechend punktgenau arbeiten (es gibt keine Fertigungstoleranzen). Der vorgeschaltete A/D-Wandler aus dem hohen Hause Burr-Brown arbeitet mit 24 Bit & 192 kHz.

Die Bedienung dieses multifunktionalen Reglers geht nach kurzer Eingewöhnung gut von der Hand und ich empfinde die Filterfrequenzen als sinnvoll gewählt.

Anschlüsse & Dip-Schalter

EVE Audio SC205 Testbericht

Die Rückseite des EVE Audio SC205

Mit einer XLR-Buchse steht der etablierte Tonstudio-Standard zur Übertragung von Audiosignalen zur Verfügung. Hiermit ist eine symmetrische Übertragung und damit ein potentiell »saubereres« Signal (ohne Störgeräusche) möglich. Für das DJing, das reine Musikhören und andere Felder jenseits der (semi-)professionellen Musikproduktion findet sich noch eine Cinch-Buchse.

Eine vernünftige Kombination, wie ich finde. Viele Studiomonitore warten zusätzlich noch mit einer großen Klinkenbuchse auf, doch die ist dank XLR nur ein netter Bonus.

Ansonsten finden sich an der Rückseite nur noch drei kleine Dip-Schalter (einige Kollegen nennen das gerne »Mäuseklavier«). Mit ihnen kann die Lautstärke- und/oder Filterjustierung gesperrt werden.

Klang des EVE Audio SC205

Mein Kurzfazit: Toller Raumklang, fein ziselierte Dynamik und klangfarblich ausgewogen – der EVE Audio SC205 ist ein kleiner Könner. Mit seinem 5-Zoll-Tieftöner klingt er freilich nicht so voluminös wie größere Modelle, ansonsten haben wir es mit einem erstklassigen Monitorlautsprecher in der Preiskategorie zu tun. Gehen wir weiter ins Detail …

Grundrauschen & Klang bei hohen Pegeln

Das Eigenrauschen ist erfreulich gering. Aus einem Dreiviertelmeter Entfernung ist es im Leerlauf noch nicht mal zu erahnen. Näher wirst Du der Box in der Praxis wohl nicht kommen. Perfekt.

Blicken wir ans andere Ende des Pegelspektrums. Den 205er kannst Du durchaus mal lauter aufdrehen, um voll in die Produktion einzutauchen oder diese Kunden/Freunden/Bekannten vorzuspielen. Partylautstärke ist mit so einer kleinen Box zwar möglich, geht aber mit spürbar höherem Klirrfaktor und nervös flatternden Bässen einher. Dies nur der Vollständigkeit halber – es ist praktisch irrelevant für einen Studiomonitor oder Multimedia-Arbeitsplatzbeschaller.

Basspotential

In puncto Übertragungsbereich ist vor allem der Bassbereich interessant. Praktisch alle Hochtöner moderner Lautsprecher überflügeln schließlich die Grenzen des menschlichen Hörvermögens. Ein satter Bass ist hingegen nur mit entsprechend großen Tieftönern möglich ist. Meiner Erfahrung nach sollten es im Durchmesser mindestens sechs Zoll sein.

Beim EVE Audio SC205 sind es fünf. Und dafür spielt er sehr respektabel auf: Die untere Grenzfrequenz liegt laut Datenblatt bei 53 Hz (-3 dB). Das erscheint mir realistisch, wenn ich an etliche Studiomonitor-Testberichte zum Vergleich zurückdenke.

In der Praxis heißt das: Der Sound ist recht füllig und weitgehend »komplett«, doch als alleinige Abhöre zur Musikproduktion würden mir diese Boxen nicht reichen. Gibt es denn ein Genre, in dem Bässe unter 53 Hertz kaum eine Rolle spielen?

Ein Subwoofer müsste her – zum Beispiel der hauseigene EVE Audio TS108, der bis 33 Hz (-3 dB) hinabreicht. Oder man greift gleich zu einem der größeren 2-Wege-Geschwister EVE Audio SC207 oder SC208 mit Bassgrenzen von 44 bzw. 36 Hz.

Frequenzgang

Sofern eine vernünftige Raumakustik herrscht, ist der Frequenzgang weitgehend neutral. Sprich: Kein Frequenzbereich drängelt sich nennenswert stark vor, nichts wird übertüncht. Das gilt für die gesamte Wegstrecke von den Bässen bis zu den Höhen. Die sehr fein aufgelösten Höhen und die nicht überbetonten Sibilanten sorgen zudem für ein über lange Sessions hinweg ermüdungsfreies Abhören.

Für mich ist das nach wie vor einer der wichtigsten Aspekte eines Studiomonitors, auch wenn man durch Gewöhnung und Erfahrung kleineren Abweichungen im Mix entgegenwirken kann.

Stereopanorama & Tiefenstaffelung

Die räumliche Darstellung ist herausragend gut. Zwischen ganz links/rechts, der Monomitte als Phantomschallquelle und einem beliebigen Punkt dazwischen ist die Unterscheidbarkeit (Separation) ohne Wenn und Aber gegeben. Im Umkehrschluss heißt das, dass Du beim Abmischen einzelne Elemente sehr klar hörbar im virtuellen Raum verteilen kannst. Wie auf einer Bühne.

Auf der zweiten Raumachse – in der Tiefenstaffelung – geht es ebenso differenziert zu. So kannst Du beispielsweise den Hall eines hintergründigen Sounds A perfekt abschmecken, um einen Kontrast zu einem »trockenen«, vordergründigen Sound B zu schaffen. Das hat übrigens viel mit dem folgenden Aspekt zu tun …

Impulstreue

Der EVE Audio SC205 überzeugt auch in seiner »Pünktlichkeit«. Knackig-kurze, perkussive Pegelausschläge im zugeführten Audiosignal werden (annähernd) genauso zackig vertont und »verschwimmen« nicht im Abgang.

EVE Audio SC205 Testbericht

Der Air Motion Transformer
des EVE Audio SC205

In den oberen Frequenzregionen macht sich hier der Air Motion Transformer bemerkbar. Diese Art von Schallwandlern hat im Allgemeinen einen leichten Vorsprung vor den üblichen Kalottenhochtönern, was die Akkuratesse in der Darstellung der Dynamik angeht. Doch auch der Tieftöner produziert hinreichend straffe Töne.

Alles in allem ergibt sich ein sehr plastischer, transparenter Sound. Zarte Details werden offenkundig und ein schlechter Mix wird gnadenlos bloßgestellt. Umgekehrt klingt ein guter Mix geradezu göttlich. Kurzum: Bis auf den größenbedingt schwachen Tiefbass spielt der EVE Audio SC205 ganz oben mit.

Übersicht EVE Audio SC205 Review

PRO

  • Ausgewogener Frequenzgang
  • Ausgezeichnetes Stereopanorama und tolle Tiefenstaffelung
  • Hohe Impulstreue
  • Extrem niedriges Grundrauschen
  • Frontseitiger Lautstärke- und Filterregler mit leuchtstarkem LED-Kranz
  • Praxistaugliche Filter
  • Edles, wohnzimmertaugliches Design

CONTRA

  • Kein automatischer Standby-Modus

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Fazit zum EVE Audio SC205 Test

Der EVE Audio SC205 ist klanglich voll auf der Höhe. Das gilt für Mixing und Mastering im hochambitionierten Homerecording bzw. in Projektstudios … für Komposition, Videoschnitt und das Musikhören, Spielen oder Filmschauen noch viel mehr.

EVE Audio SC205 Testbericht

Der EVE Audio SC205 klingt wirklich edel – und so sieht er auch aus

Dich erwarten ein ausgewogener Frequenzgang, ein hervorragendes Raumbild in Tiefe und Breite, eine feine Dynamik und ein insgesamt höchst transparenter Sound. Bonus: Das Grundrauschen ist in der üblichen Praxis (Hörentfernung ab ~0,75 m) vollkommen unhörbar.

Was diesen kompakten Lautsprecher von den meisten seiner Mitbewerber (im Studioumfeld) abhebt, sind die bequeme Bedienung und das adrette Design. So findet sich ein kombinierter Lautstärke- und Filterregler mit kräftig strahlendem LED-Kranz an der Vorderseite der Box. Zweitens: Die Optik ist toll für das Wohnzimmer oder den schicken PC-Arbeitsplatz – aber urteile selbst anhand der Produktbilder.

Nur eine Standby-Automatik fehlt mir in dieser Preisklasse. Das ist heute schon fast Standard und hätte gut zu diesem ansonsten so smarten Gerät gepasst.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis geht vor allem dank der klanglichen Leistung schwer in Ordnung. Zugegeben, es gibt für exakt 399 Euro pro Stück auch schon ähnlich fein aufspielende, aber größere und damit deutlich basskräftigere Modelle. Zum Beispiel die ebenfalls mit Air Motion Transformer ausgestatteten PreSonus R65 [Testbericht] und Monkey Banana Baboon 6 [Testbericht]. Derart Wohnzimmer- oder Schreibtisch-tauglich sind die indes nicht.

So verbleibe ich bei sehr, sehr guten viereinhalb von fünf Punkten im EVE Audio SC205 Testbericht auf delamar. Richtig tolle kleine Monitore.

Inhaltsverzeichnis // EVE Audio SC205 Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

Mehr zum Thema:
    

SEHR GUT

EVE Audio SC205 Testbericht am 27.04.2017

Produkt:      EVE Audio SC205
Hersteller:  

Preis:  399,00 Euro
UVP:    480,00 Euro

Kurzfazit

Kompakter aktiver 2-Wege-Lautsprecher mit Air Motion Transformer. Klangqualitativ haben wir es mit einem der besten Studiomonitore dieser Größe und Preisklasse zu tun, da gibt es keinen Zweifel. Zudem ist die Funktionalität bemerkenswert und die attraktive Optik lockt alle, die ihr Wohnzimmer bestücken wollen.

Für wen

Fortgeschrittene bis Profis im anspruchsvollen Homestudio, Projektstudio, für Videoschnitt, das audiophile Wohnzimmer und mehr.

Wichtige Merkmale
  • Aktiver 2-Wege-Lautsprecher
  • Tief-Mitteltöner: 5"
  • Hochtöner: Air Motion Transformer
  • Übergangsfrequenz: 3.000 Hz
  • Verstärkung: 100 Watt (50 W LF + 50 W HF)
  • Übertragungsbereich: 53 – 21.000 Hz (-3dB)
  • Max. Schalldruck: 101 dB SPL @ 1 m
  • Limiter
  • Filter
    • High-Shelf Filter > 3 kHz
    • Desk Filter Boost @ 80 Hz
    • Desk Filter Cut @ 180 Hz
    • Low-Shelf Filter < 300 Hz
  • Lautstärkeregler an der Vorderseite
  • Lautstärke- und Filterfixierung
  • Anschlüsse: XLR & Cinch
  • Gewindeaufnahme für rückseitige Montage & Mikrofonständer
  • Gewicht: 5 kg

 


Lesermeinungen (2)

zu 'EVE Audio SC205 Testbericht: Kompakter Studiomonitor für Ästheten'

  • Moritz   04. Dez 2016   04:34 UhrAntworten

    Ich besitze selber diese Monitore seit 9 Monaten und kann nur sagen, das sie das vergleichbare Modell von Adam absolut in den Schatten stellt, von de rRäumlichkeit reichen sie zwar nicht an die KleinHummel 610 ran, aber das war wohl auch nicht Absicht des Emtwicklers Roland Stenz, er hat finde ich das beste paar Monitore für unter tausend Euro entwickelt. Vom Bass her könnte es mehr sein, hierfür wird dann ein passender 7 oder 8 Zoll Sub nötig der auch nochmal mit 500-600 zu Buche schlägt, notwendig.

    Die Boxen kommen vom neutralen Klanmg so wirklich sehr nah an die Referenz ran. Was kann noch zu diesen Monitoren sagen, wer exellente linear ausgelegte Boxen mit guter IImpulstreue für die Postproduktion sucht kommt hier voll auf seine Kosten, die Ortbarkeit ist gut, sie haben einen wesentlich breiteren Sweetspot als vergleichbar teure Monitore mit gewöhnlicher Kalottenkonsruktion und neigen ab einer gewissen Lautsstärke wie von Felix beschrieben zum Übersteuern. Ich habe mir ergänzend einen Subwoofer selbst gebaut, der aber leider bei 100Hertz getrennt wird, was einen leicht spürbaren Abfall der Dynamik bei den SC205 zur Folge hat. daher ist es bei diesen Boxen mit einem günstigeren Subwoofer zur Ergänzung leider nicht getan. Wer aber zum abmischen des Bass ehedem wegen seiner Raumsituation und Lautstärke keinen zusätzlichen Bass nehmen kann, der sollte mit guten Kopfhörernm den Bassbereich wärmstens Empfehlen.

    Fazit
    Fünf Sterne, ich habe vorher noch nei einen solch guten Monitor für so kleines Geld gehört, die mit ihrer analytischen Art eben nicht die Ohren ermüden, bzw. dazu verführen zuviel Höhen weg zu filtern.

  • Dirk   07. Dez 2016   19:42 UhrAntworten

    Man sollte sich auf jeden Fall auch einmal die SC307 - das zweitkleinste 3-Wege-System von Eve anhören. Zusammen mit der C55 von KS Digital sicherlich einer der besten 3-Wege-Monitore für (unter) 1000,- Euro Stückpreis.

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