Eisenberg Einklang Testbericht: Das magische Dreieck

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Eisenberg Einklang Testbericht

Eisenberg Einklang Testbericht

Was ist es?

Beim Eisenberg Einklang handelt es sich um ein virtuelles Instrument, das Klänge in vielen Schattierungen und Artikulationen erzeugen möchte und dennoch einfach zu bedienen sein will. Die Basisversion bringt 150 Klangfarben mit sich, während die Vollversion mit 510 Grundklängen aufwarten wird, darunter die erwähnten Basissounds und zusätzlich jeweils 120 Synthesizer-Leads, akustische Instrumente und Drones/Pads (also langanhaltende, atmosphärische Klangteppiche).

Für Windows und Mac OS X gibt es eine eigenständig lauffähige Version (»stand-alone«), darüber hinaus werden Plugin-Varianten des virtuellen Instruments für die Schnittstellen VST und ab Version 1.1 auch AU, RTAS und AAX mit nativer Unterstützung von 64 Bit geboten.

Der Preis der Basisversion betrug zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Artikels 95,- Euro, der der Vollversion 139,- Euro; diese Preise entsprachen Rabatten mit ungewisser Laufzeit von 50%. Darüber hinaus stehen über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo, über die das Projekt finanziert worden ist, weitere Angebote mit zusätzlichen Goodies bereit – bis hin zum Premiumangebot von 930,- Euro, bei dem Du eine nach deinen Vorstellungen gestaltete Programmoberfläche bekommst.


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Eisenberg Einklang Testbericht

Erster Eindruck

Beim Download kündigt sich Monumentales an – fast ein Gigabyte wollen gesaugt werden, um schließlich die Installation starten zu können. Die Setup-Prozedur verlief reibungslos, wobei Wahlmöglichkeiten bestehen, ob und in welches Verzeichnis welche Komponenten installiert werden sollen (32 & 64 Bit sowie Stand-alone-Version separat an- und abwählbar). Schade ist nur, dass lediglich das Registrierungsprogramm und die Schnellstartanleitung in das Verzeichnis meiner Wahl gepackt werden, während das Plugin selbst in /Programme/Vstplugins landete. Nun gut, kein Beinbruch. Das erwähnte Registrierungstool ist denkbar einfach gestaltet und die Aktivierung gelang nach einem Abgleich mit dem Server der Entwickler in wenigen Augenblicken.

Die Oberfläche des Eisenberg Einklang empfinde ich als ausgesprochen gut gelungen, doch dazu kannst Du dir anhand des Screenshots selbst eine Meinung bilden. Ich werde von einem ansprechenden GUI sehr maßgeblich auf die Arbeit mit einem Plugin eingestimmt und bin mir sicher, damit nicht alleine zu stehen.

Eisenberg Einklang Testbericht

Die graphische Oberfläche überzeugte im Eisenberg Einklang Testbericht

Alles beginnt mit der Wahl eines oder mehrerer Instrumentenklänge, mit denen Du die Ecke(n) des Dreiecks bestückst. Zur Verfügung stehen die Sounds praktisch aller gängigen akustischen Instrumente. Im aufklappenden Menü mit den Presets wird mir die Orientierung durch die kleinen, für jedes einzelne Instrument liebevoll erstellten Icons erleichtert.

Noch eine Anmerkung zur Bedienung: Die Entwickler folgten dem verbreiteten Standard, nach dem ein Regler nach einem Doppelklick auf seine Nullstellung springt. Schön.

Eisenberg Einklang Testbericht

Die Presets mit ihren schnuckeligen Icons

 

Grundsätzliche Klangerzeugung

Nun kannst Du die Zusammenstellung des Klangs aus den maximal drei gewählten Instrumenten stufenlos mischen. Die Übergänge erklingen fließend, Abstufungen sind nicht zu vernehmen. Wenn Du dir die drei MIDI-Parameter »MorphingA«, »MorphingB« und »MorphingC« schnappst, kannst Du die drei Vektoren mit dem Regler deiner Wahl an deinem MIDI-Controller bestimmen. Das Mischen macht mit echten Potis oder Fadern sowieso viel mehr Spaß. Bei der Gelegenheit: Nicht nur die genannte, auch alle anderen Parameter des Einklang sind automatisierbar.

Nun zu den drei Kontrollsektionen linkerhand. Eigentlich einleuchtend, in virtuellen Instrumenten aber dennoch nicht so häufig zu finden ist der Regler, mit dem Du die Dissonanz stufenlos erhöhen kannst. Je weiter der Regler aufgedreht wird, desto schiefer, zerzauster, gespenstischer klingt es. Ein ohnehin schon dissonanter Akkord wird dann zu einem echten Schocker – herrlich!

Zweitens: »Harmonicity«. Hier solltest Du von Anfang an den Regler voll aufdrehen, bevor Du die Instrumentenklänge wählst, sonst hört sich das Ganze nämlich an, als stecke ein Noise-Oszillator hinter dem Sound. Je weniger »Harmonicity«, desto stärker gleicht der Klang einem Rauschen, die Zwischenstufen ertönen wie flirrende, flimmernde Versionen des Ursprungsklangs. Es ist etwas unglücklich, dass sich die Entwickler entschieden haben, die Harmonicity in der Grundeinstellung der Plugin-Variante (die Starteinstellung nach dem Einbetten des Plugins in deine DAW) auf 0 zu setzen.


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Hüllkurvengenerator

Ungleich einer ADSR-Form oder noch komplexeren Hüllkurvengeneratoren kommt die Sektion zur Skulpturierung der Lautstärke mit Attack und Release aus; außerdem gibt es einen Regler, mit dem Du den Transienten oder dem Sustain-Anteil mehr Gewicht verleihen kannst.

Oh la la: Bei Release-Werten jenseits der »12-Uhr«-Marke verzeichnete ich eine extreme CPU-Belastung. Ich kann verstehen, dass es bei langgezogenen, überlagerten Klangflächen zu einer höheren Beanspruchung kommt, doch dass unsere dDAW 2012 derart ins Schwitzen kommt und die 100% flugs ausgereizt sind, hätte ich nicht gedacht. Vielleicht können die Entwickler hier noch etwas feilen.

 

Tonhöhenmodulation

Bei der Sektion mit den drei Reglern zur Modulation der Tonhöhe handelt es sich um einen LFO mit Dreieckswelle, bei dem sich Modulationsrate, Modulationstiefe und Portamento regulieren lassen. Will heißen: Die Geschwindigkeit der Schwingung, der Umfang der entstehenden Tonhöhenänderungen und die Geschwindigkeit, mit dem die Tonhöhe des gerade gespielten in die Richtung des neuen Akkords »gleitet«.

 

Klang

Erwähnenswert ist, dass die Wirkungsweisen der oben beschriebenen Parameter je nach Instrument unterschiedlich ausfallen können. Beispielsweise beeinflusst die Senkung der Tonhöhe das Timbre des Celloklangs völlig anders als das des virtuellen Waldhorns. Auch unterschiedliche Anschlaghärten und Tonhöhen wirken sich lebhaft auf den Klang aus. Das alles kommt der klanglichen Lebendigkeit zugute und ist nur zu begrüßen. Mit der zugrundeliegenden Technologie, die in den vergangenen Jahren entwickelt wurde, werden die Eigenheiten der aufgenommenen Instrumente gut reproduziert.

Es bleibt allerdings dabei, dass es nach wie vor große Unterschiede in der natürlichen Anmutung des Sounds im Vergleich zu echten Instrumenten gibt. Auch werden gewisse Sample Libraries, die sich auf bestimmte Instrumentengruppen spezialisiert haben, gegenüber dem Eisenberg Einklang die Nase vorn haben. Doch darum geht es beim Eisenberg Einklang nicht wirklich, vielmehr sollen hier Mischungen und ungewöhnlichere Klänge zustande kommen. Und das gelingt.

Mir gefällt, dass ich den Sound ein wenig sättigen kann, wenn ich die Dissonanz und/oder den Harmonicity-Regler nur ein ganz kleines Stück aufdrehe. Das Modulationsrad deines MIDI-Keyboards ist dem Dissonanz-Parameter standardmäßig zugewiesen.

Ab und an habe ich mir zumindest noch ein einfaches Filter gewünscht, um den Klang ausgefeilter zu formen. Freilich, das lässt sich jederzeit mit einem nachgeschalteten Plugin eines Drittherstellers realisieren, doch ein einfaches internes Filter hätte der einfachen Bedienung kaum einen Abbruch getan. Abgesehen davon empfand ich diesen virtuellen Klangerzeuger als eine runde Sache mit ausreichenden Möglichkeiten zur Feinabstimmung.

Die uns zur Verfügung stehende Version war im Umfang begrenzt, also konnten wir uns nicht alle Sounds zu Gemüte führen. Dennoch waren genug Klänge enthalten, um die bereits in diesem Eisenberg Einklang Testbericht getätigten Aussagen zu fundieren.

Anmerkung: Klangbeispiele werden wir hier demnächst noch einbinden.

 

Sonstiges zum Eisenberg Einklang Testbericht

Die eigenständige Version bietet alles Nötige zum Einrichten der Performance, natürlich auch die Möglichkeit, über den ASIO-Treiber zu spielen. Außerdem sind die Einstellmöglichkeiten für die MIDI-CC-Kanäle positiv zu erwähnen, siehe Bild.

Eisenberg Einklang Testbericht

Die MIDI-Einstellungen in der Stan-alone-Version

Die Plugin-Version sollte jedoch noch etwas überarbeitet werden, beispielsweise hätte ich auch hier gerne eine Möglichkeit, Presets und Bänke laden und speichern zu können – nicht jede DAW-Software bietet die Möglichkeit, FXP- bzw. FXB-Dateien zu im- und exportieren. Auch sorgt noch ein etwas nerviger Bug dafür, dass die Instrumentenauswahl stets auf das Akkordion springt, wenn keine Auswahl getätigt wird. Aber hey, es ist Version 1.0.0.0, in Anbetracht dessen läuft das Teil sehr gut.

Mit Studio One und Cubase konnten meine jeweiligen Testprojekte mit einer Instanz des Eisenberg Einklang geladen werden, mit REAPER war das leider nicht der Fall.

Übersicht Eisenberg Einklang Review

PRO

  • Einfaches, intuitives Interface
  • Verschiedenartige Variationen je nach Tonhöhe, Velocity etc.
  • Stufenlose Mischung der Klänge macht Spaß und klingt sauber
  • Bewusst einfaches Konzept geht auf

CONTRA

  • Manchmal extreme CPU-Belastung bei langem Release
  • Kein deutsches Handbuch

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Fazit zum Eisenberg Einklang Test

Ein schönes und schlichtes Interface macht Lust aufs Spielen eines virtuellen Instruments und der Eisenberg Einklang versteht es sehr gut, mit diesen Qualitäten zu locken. Alle Regler haben genug Platz, die Farbcodierung ist ein schöner Akzent im sonst vorherrschenden Understatement-Dunkelgrau und die Icons für die vielen Grundklänge in der Preset-Liste sind mit Liebe gestaltet. Die Bedienung ist entsprechend vergnüglich.

Die Grundklänge überzeugen einerseits durch ihre Klarheit, vor allem aber durch den Variationsreichtum in Abhängigkeit der verstellbaren Parameter wie der Anschlaghärte oder der Tonhöhe. Hier kommt die aufwändige hauseigene Technologie zum Tragen. Die verschiedensten Schattierungen der einzelnen Grundsounds sind bereichernd und sorgen für ein lebendiges Spiel.

Das prominenteste Feature stellt das Dreieck dar, in dem Du die Sounds mischen kannst. Die Mischung macht Laune, klingt sauber und lässt erst auf diesem Wege so richtig interessante Sounds entstehen – beste Voraussetzungen für das Live-Schrauben oder die Automatisierung des Mischverhältnisses mit den entsprechenden MIDI-CC-Werten.

Klar, die Bedienung und die Struktur der Klangerzeugung sind bewusst einfach gehalten, schließlich will wohl die Mehrzahl der Musiker einfach mit einem gutklingenden Instrument spielen und nicht frickeln oder dicke Handbücher wälzen. Mir haben dann doch ein paar liebgewonnene Funktionen gefehlt, etwa so ein grundlegendes Feature wie das Filter. Ein deutsches Handbuch wäre auch nicht schlecht gewesen (bei einem in Deutschland ansässigen Unternehmen möchte ich mir diese Kritik erlauben).

Ebenfalls tricky ist die in unserer Testversion noch sehr hohe CPU-Belastung während der Release-Phasen von einigen Klangteppichen mit langer Ausklangzeit. Typischer Fall für die demnächst anstehende oder eine der nächsten Programmaktualisierungen, wir sind zuversichtlich, dass die Entwickler da noch feilen werden.

Summa summarum gibt es im Eisenberg Einklang Testbericht auf delamar vier von fünf Punkten. Ein erfrischend schlichtes und klanglich fähiges virtuelles Instrument.

Inhaltsverzeichnis // Eisenberg Einklang Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

Mehr zum Thema:
      

GUT

Eisenberg Einklang Testbericht am 07.01.2013

Produkt:      Eisenberg Einklang
Hersteller:  Eisenberg

Preis:  95,00 Euro
UVP:    95,00 Euro

Kurzfazit

Multiinstrument mal anders. Sehr zugänglich gestaltetes virtuelles Instrument mit launigem Morphing aus drei Klängen.

Für wen

Alle, die gerne Klangalchemie betreiben und sich dabei auf wenige Parameter konzentrieren wollen.

Wichtige Merkmale
  • Virtuelles Multiinstrument
  • Windows & Mac OS X
  • Stand-alone & als Plugin
  • VST, demnächst AU, RTAS & AAX
  • Auch nativ für 64 Bit
  • Freie Mischung aus 3 von 150 bzw. 510 Grundklängen

 

Lesermeinungen (10)

zu 'Eisenberg Einklang Testbericht: Das magische Dreieck'

  • Jens K.   07. Jan 2013   11:59 UhrAntworten

    Wer diese Idee des "Soundmorphings" interessant findet, und ein iPad hat, kann sich auch mal die App "Tachyon" von Jordan Rudess anschauen, ohnehin, hat er auch ein paar andere bahnbrechende Musikerapps für iOs und eine für Android mit aufgebaut. Aber auf das Einklang VSTi werde ich ein Auge richten. Danke, Delamar!

  • Milo   09. Jan 2013   19:12 UhrAntworten

    Ich habe eine Frage ,
    Bei Cubase gibt es inzwischen nur VST3,
    kann ich es trotzdem nutzen?

  • Ludger Hesse   11. Jan 2013   16:27 UhrAntworten

    Hallo, mir kommt das alles sehr bekannt vor: Es erinnert an wolfgang Palms Plex von 2002. Kannst du hier nachschauen:
    drealm.info/Wolfgang_Palm/Plex2.html
    L.Hesse

  • thomas   15. Apr 2013   20:38 UhrAntworten

    hallo delis,
    habs mir gesaugt die demo und nach 15 min gleich wieder runter von der festplatte:(
    man wie langweilig war das denn,dabei sah und hörte sich alles so super toll an im test und der eigen werbung von eisenberg.
    tut mir leid jungs,nicht mal geschenkt möchte ich das haben!
    trotsdem danke an euch testern, ihr macht einen sehr guten job!!!
    lg
    thomas M.

  • Joerg   10. Jun 2013   23:10 UhrAntworten

    30 Euro Shareware-Produkt - ja.

    Der Sound klingt duenn, leblos, unspektakulär für 2013.

    Vll. nochmal 9 Jahre forschen und EU Gelder kassieren!

  • Wirgefuehl   28. Okt 2013   13:48 UhrAntworten

    Hmm.. Ich empfinde den Test ebenfalls als etwas zu wohlwollend. Letztlich bietet das Teil nix wirklich Neues und klingt noch nicht mal fett...

  • logomito   25. Nov 2013   18:17 UhrAntworten

    Bei dem VSTi PC kann man nicht mal Sounds laden und der Klang ist unterirdisch dünn :(

  • Schwockenzocker   29. Dez 2013   22:46 UhrAntworten

    Als Oscillator eines Synths bestimmt interessant, klingt aber als Instrument zu dünn.

  • rezleza   26. Jan 2014   09:33 UhrAntworten

    Kostet jetzt nur noch 39 Euro, also doch durchaus interessant :)

  • Beatpresse   27. Aug 2014   11:08 UhrAntworten

    Hallo,
    habe mir die Demo geladen, weil ich einen interessanten Synthie für meinen Bruder zum Geburstag gesucht habe. Es ist wirklich ein entäuschendes Instrument. Aber die Werbekampagne ist toll - da kann sich so mancher Marketinglehrling eine Scheibe abschneiden.

    Das Instrument klingt dünn, die Sounds empfinde ich als langweilig und mit den Gestaltungsmöglichkeiten kann man auch nicht mehr rausholen - Alternativ werde ich ein 2te Hand Waldorf V1 oder etwas von Arturia verschenken.

    Beste Grüße aus Berlin und Lübeck

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