Avid Artist Transport Testbericht: Kleiner DAW-Controller ganz groß

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Avid Artist Transport Testbericht

Bild des baugleichen Euphonix-Modells für den Avid Artist Transport Testbericht

Was ist es?

Der Avid Artist Transport ist ein DAW-Controller, der sich auf die Fernsteuerung der Transport-Sektion spezialisiert hat. Er kann im Standalone-Modus (eigenständig) oder in Kombination mit anderen Controllern der Serie Artist Control eingesetzt werden.

Zu den Hauptmerkmalen gehört das gewichtete Jog-Wheel (Datenrad), um das ringsherum ein Shuttle-Ring angebracht ist. In direkter Nähe sind sieben größere, länglich-ovale Tasten angebracht, darüber weitere sechs in runder Form. Weiterhin findet sich ein OLED-Display für die Darstellung von Timecode und Parameternamen oder –werten auf der Oberfläche.

Wie schon der vormals getestete Avid Artist Control lässt sich diese Hardware über HUI, EUCON und Mackie Control in die meisten DAWs einbinden, darunter Pro Tools, Logic und Cubase. Die Verbindung mit dem Rechner geschieht per Ethernet, also über ein Netzwerkkabel.

Avid Artist Transport Testbericht

Bild des baugleichen Euphonix-Modells für den Avid Artist Transport Testbericht


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Avid Artist Transport Testbericht

Erster Eindruck

Wie schon beim großen Bruder macht auch der Avid Artist Transport eine gute Figur auf dem Schreibtisch. Er sieht gut aus und ist nur etwas höher als eine Tastatur, wenn Du die auf der Unterseite angebrachten Füße ausklappst.

Ein schönes Feature aller Controller dieser Serie sind die abnehmbaren Seitenteile am Gehäuse. Diese werden abgeschraubt und dann können zwei Geräte aus der Serie miteinander fest verbunden werden. Das spart nicht nur Platz auf dem Schreibtisch, sondern erweist sich auch als recht praktisch, wenn die Geräte mal auf dem Arbeitsplatz verschoben werden müssen.

In Sachen Verarbeitungsqualität hat der amerikanische Hersteller auch hier nichts anbrennen lassen. Jog- und Shuttle-Wheel sind absolut hochwertig und sitzen sehr gut im Gehäuse. Sie sind zudem leichtgängig und auch alle Tasten sind bestens verarbeitet, wie der Praxistest gezeigt hat. Was die Haptik angeht, merkst Du sofort, dass dieses Gerät der Premiumliga entspringt.

 

Elemente auf der Oberfläche

Ganz oben rechts befindet sich der Netzschalter, der genau wie die sechs Soft-Keys (runde Hardware-Tasten) aussieht, die sich unterhalb der LED-Anzeige befinden. Alle runden Tasten sind gelb hintergrundbeleuchtet, um deren aktiven Status anzuzeigen.

Auf der LED-Anzeige findest Du den Timecode sowie einige Informationen zur aktuellen Einstellung des Avid Artist Control. Ein Schloss-Symbol zeigt mir beispielsweise an, dass der Controller derzeit fest an meine DAW-Software gekettet ist – auch wenn ich die Applikation in Windows wechseln sollte, bleibt das Gerät als Fernsteuerung bestehen (es können alle Programme in Windows gesteuert werden).

Rechts daneben befindet sich ein (fast) komplettes Keypad, das beispielsweise für numerische Eingaben genutzt werden kann. So ist das sechste Soft-Key mit dem Befehl »Go To Position« belegt und die Position wird dann einfach über das Zahlenfeld eingegeben. Die Taste mit dem Augensymbol dient dazu, sich die Funktion der anderen Tasten über das LED anzeigen zu lassen – sehr praktisch, wenn man mal die Zweitbelegung vergessen haben sollte.

Rund um Jog- und Shuttle-Wheel befinden sich sieben längliche Tasten, die von Haus aus als Transport-Tasten belegt sind. Sie sind hintergrundbeleuchtet, die Farbe kann aber im Gegensatz zu den kleinen runden Tasten über die mitgelieferte Software EUControl selbst festgelegt werden. So ist es ein Einfaches, die Farbgebung der DAW-Software zu übernehmen oder Signalfarben für wichtige Funktionen zu vergeben.

Unterhalb der beiden großen Räder, zu denen ich gleich noch ein Wort verlieren werde, befinden sich nochmals links und rechts je eine runde Taste. Die auf der linken Seite dient dazu, zwischen Anwendungen auf dem Host-Computer zu wechseln (wie Alt+Tab). Die auf der rechten Seite ist die Shift-Taste, mit der die Zweitbelegung der Bedienelemente abgerufen werden kann. Genau wie auch bei der Avid Artist Control kann die Shift-Taste mit einem Druck auf diese auch dauerhaft angeschaltet werden. Sehr nützlich.


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Die Wheels

Die beiden Räder (bzw. das Rad und der umgebende Ring) sind das Herzstück des Avid Artist Control und wirklich groß dimensioniert. Es macht Spaß, mit diesen beiden durch ein Projekt zu spulen und die genaue Stelle in der Timeline zu finden. Erst mit einem DAW-Controller wie diesem ergeben die Funktionen Jog und Shuttle aus der Musiksoftware überhaupt einen Sinn.

Auf der Oberfläche des Jog-Wheels befindet sich eine Vertiefung, die für deinen Finger gedacht ist. Mit dieser wird es dir sehr einfach gemacht, auch längere Zeit durch das Projekt zu »joggen«: Einfach Finger dran und drehen. Das Shuttle-Wheel (besser: Ring) umrundet das Jog-Wheel und ist genau wie dieses aus Metall gefertigt. Die Oberfläche wurde für eine besseres Handling leicht nach innen weisend abgeschrägt und zudem noch gummiert. Sehr fein, haptisch toll gelöst.

 

Personalisierung

Einen echten Trumpf können die DAW-Controller dieser Serie mit der Option ausspielen, sie nach eigenem Gusto zu personalisieren. Fast alle Bedienelemente lassen sich mit der Software EUControl den eigenen Präferenzen entsprechend einer beliebigen Funktion in der Musiksoftware zuordnen.

Die hierfür genutzte Software nennt sich EUControl und ist für alle Geräte des Herstellers gleichsam zuständig. Mit Ausnahme der Strom-, Shift- und Application-Tasten kannst Du selbst aussuchen, welche Funktion das jeweilige Bedienelement haben soll.

Zur Verfügung stehen dir praktisch alle Funktionen der DAW, die über EUCON verfügbar sind, sowie beliebige Tastenkombinationen oder interne Funktionen der Software EUControl (wie beispielsweise das Laden oder Speichern eigener Layouts).

Eine bemerkenswerte Option ist es auch, ausgefuchste Makros zu programmieren. Das heißt, dass dir nach Wunsch auch ganze Befehlsabfolgen auf einen einzigen Tastendruck hin zur Verfügung stehen können. Ein Beispiel: Neues Projekt erstellen, Audiospur erstellen, Abspeichern – alles mit einer einzigen Taste.

 

Layouts & Workstations

Da ich in meinem Avid Artist Control Testbericht nur am Rande auf diese Funktionalität eingegangen bin, möchte ich hier einen kleinen Absatz dazu loswerden. Unter Layouts verstehen sich unterschiedliche Konfigurationen des Geräts. So wäre es beispielsweise denkbar, dass sich zwei Musiker einen Arbeitsplatz teilen und unterschiedliche Präferenzen im Workflow mit dem Avid Artist Control haben.

Jetzt kann sich ein jeder von beiden ein eigenes Layout mit personalisierten Tasten und Bedienelementen anlegen, benennen und abspeichern. Das Umschalten der Layouts geschieht entweder in der mitgelieferten Software EUControl oder über eine entsprechende Zuweisung im DAW-Controller selbst.

Avid Artist Transport Testbericht

Der Avid Artist Transport lässt sich mit dem Artist Control verkoppeln

Genauso wäre es auch denkbar, sich für unterschiedliche Arbeitsschritte wie das Komponieren, Abmischen oder Mastering maßgeschneiderte Layouts zu erstellen. Übrigens hat jede Software, die das EUCON-Protokoll unterstützt, eigene Layouts vordefiniert. Beim Umschalten zwischen zwei Anwendungen werden diese dann automatisiert umgeschaltet, falls der Controller nicht einer Anwendung fest zugewiesen wurde. Das ist beispielsweise dann nützlich, wenn Du zwischen einem Audio Editor und einem Sequenzer hin- und herwechselst.

Letztlich bleibt mir nur noch, darauf hinzuweisen, dass mit diesem DAW-Controller auch andere Audio Computer ferngesteuert werden können. Da das Gerät über Netzwerk angeschlossen ist, kann es einem beliebigen Rechner mit installierter EUControl-Software zugewiesen werden. Zwar ist das eher ein Feature, das professionelle Tonstudios interessieren dürfte, interessant ist es allemal.

Übersicht Avid Artist Transport Review

PRO

  • Ganz flache Lernkurve
  • Eigene Layouts und Makros einfach umsetzbar
  • Fernsteuerung für andere Rechner
  • Verbindung mehrerer Controller am Gehäuse möglich

CONTRA

  • Umständliche Inbetriebnahme bei Verwendung mit Cubase 6 (siehe Avid Artist Control)

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Fazit zum Avid Artist Transport Test

Wenn es um die Fernsteuerung der Transportsektion geht, ist der Avid Artist Transport eine exzellente Lösung, die mit einem aktuellen Straßenpreis von 399,- Euro zu Buche schlägt. Das Herzstück – das zweiteilige Rad für Jog- und Shuttle-Modus in der Mitte – wurde vom Hersteller schön groß dimensioniert und bietet somit eine fantastische Auflösung für das genaue Bewegen in der Timeline deiner Projekte. Die Haptik der Hardware ist ebenfalls sehr gut gelungen, es macht Spaß damit zu arbeiten.

Von Haus aus kommt der DAW-Controller mit einer durchaus sinnvollen Belegung der einzelnen Bedienelemente – doch erst durch die Möglichkeit, das Gerät nach eigenem Gusto zu personalisieren, blüht es auf. So lassen sich fast alle Bedienelemente vom Rad über die Tasten bis zum Ziffernblock mithilfe der mitgelieferten Software EUControl einstellen und in Layouts sortieren.

Von meiner Seite aus gibt es volle fünf von fünf Punkten im Avid Artist Control Testbericht – ich kann mir kaum vorstellen, was noch besser gelöst hätte werden können. Einen Tipp noch ganz zum Schluss für Kurzentschlossene: Wer jetzt schnell handelt, kann sich den baugleichen Euphonix MC Transport für hundert Euro günstiger im Fachhandel holen.

Inhaltsverzeichnis // Avid Artist Transport Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

Mehr zum Thema:
    

EXZELLENT

Avid Artist Transport Testbericht am 09.05.2012

Produkt:      Avid Artist Transport
Hersteller:    

Preis:  399,00 Euro
UVP:    399,00 Euro

Kurzfazit

Luxuriöser Transport-Controller. DAW-Controller für die Transportsektion für die professionelle Anwendung.

Für wen

Ambitionierte und professionelle Tonstudios.

Wichtige Merkmale
  • Transportkontrolle für DAWs
  • EUCON, HUI und Mackie Control
  • Jog-Wheel, Shuttle-Ring, Transportkontrollen, Knöpfe und Zifferntasten

 

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