Arturia Pigments 3 Test
Mächtiger Software Synthesizer

arturia pigments 3 test

Im Arturia Pigments 3 Test werfen wir einen Blick auf den mächtigen Nachfolger des Software Synthesizers.

Was ist es?

Der Name Arturia ist in aller Munde, wenn es um realitätsgetreue Emulationen analoger und digitaler Synthesizer vergangener Zeiten geht. Doch auch mit analogen Hardware Synthesizern und tollen Masterkeyboards konnte sich der französische Hersteller weltweit viele Fans erobern.

Nun steht mit Arturia Pigments 3 die dritte Evolutionsstufe des bekannten Software Synthesizers an, der erstmals 2018 das Licht der Welt erblickte.


Passend dazu


Arturia Pigments ist dabei erheblich vielfältiger als die meisten Konkurrenten und begeisterte schon in der Urversion mit mehreren Sound Engines (virtuell-analog plus Wavetable) und einer ausgeklügelten Modulationsmatrix, die ihresgleichen sucht.

In Version 2 erweiterte man das Konzept durch Samples und Granularsynthese, eine neue Modulationsmatrix und einen erweiterten Sequencer. Damit wurde Pigments 2 zu einem großartigen Werkzeug für Sounddesigner in den Bereichen Gaming oder Film. Das Erzeugen von sich bewegenden Sound-Landschaften wurde zum Kinderspiel.

Arturia Pigments 3 legt die Messlatte erneut höher und fügt additive Synthese hinzu sowie eine Utility Engine mit einem Sub-Oszillator und zwei Sample-basierten Noise Oszillatoren. Fleißige Rechner haben bereits erfasst, was es für den Klang bedeutet, all diese Klangerzeuger gleichzeitig einzusetzen.

5 Features zu Aturia Pigmets 3

  • Drei Sound Engines
  • Additive Synthese
  • Utility Engine mit Sub-Oszillator und zwei Sample-basierten Noise Oszillatoren
  • 80 neue Wavetables
  • Präzisere Hüllkurven, neue Filter-Routings und vier neue FX-Prozessoren

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Arturia Pigments 3 Testbericht

Arturia Pigments 3: Es lebt!

Während die Rekreationen analoger Schätze lange Zeit das Hauptgeschäft von Arturia waren (und weiterhin sind), wendet man sich mit Arturia Pigments 3 an Sounddesigner. Hier geht es weniger um die Sounds der Top 10, sondern um das Entdecken neuer Klangsphären und Klangwelten, die – um es in Anlehnung an StarTrek zu sagen – noch nie ein Mensch zuvor gehört hat.

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Erster Eindruck im Arturia Pigments 3 Test

Das wird auch sofort deutlich, hört man die umfangreiche mitgelieferte Preset Sound-Bibliothek durch. Wer hier ausschließlich nach Minimoog Leads oder Jupiter 8 Brass Sounds sucht, ist falsch und sollte sich lieber die Arturia V Collection näher anschauen. Obwohl Arturia Pigments einen virtuellen Analogsynth mit drei Oszillatoren und auch die berühmten Filtermodelle der genannten Synths enthält, liegt hier nicht der Schwerpunkt.

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Im Arturia Pigments 3 Test zeigt der Software Synthesizer auf Anhieb seinen Umfang.

Alles an Arturia Pigments 3 lebt! Wer beim ersten Anspielen die Tasten nur kurz anschlägt, verpasst die Hälfte. Der Sound entwickelt sich kontinuierlich, manchmal eine gefühlte Ewigkeit lang. Statisch war gestern. Arturia Pigments 3 ist wie gemacht für das Erstellen von Film-Scores oder Klanglandschaften für Filme.

Dabei helfen unter anderem die ausgeklügelte Modulationsmatrix, der Arpeggiator und der sehr flexible Sequencer. Letzter bietet mit 16 Schritten (Steps) und mit Parametern wie Tonhöhe, Oktavlage, Velocity, Gate Length und Slide Time sowie einer Randomierungsfunktion, die jeden dieser Parameter pro Step um einen einstellbaren Prozentsatz und einer ebenfalls einstellbaren Zeitspanne verändert, so ziemlich alles, was man für noch so verrückte Klangexperimente benötigt.

Arturia Pigments ist dabei erheblich vielfältiger

Arturia Pigments 3 Installation

Die Systemanforderungen für Arturia Pigments 3 sind nicht sehr hoch. Für Windows-Nutzer wird ein Computer mit Windows 10 (64 Bit) vorausgesetzt. 4 GB Ram und mindestens eine CPU mit 2.5 Gigahertz dürften die meisten Computer mitbringen. 1 GB freier Festplattenspeicherplatz und eine OpenGL 2.0 kompatible Grafikkarte sind außerdem erforderlich. Die gleichen Bedingungen an die Hardware werden für Apple Computer verlangt. Hier benötigst Du als Betriebssystem mindestens MacOS 10.13 (High Sierra).

Nach der Installation von Arturia Pigments 3 muss zunächst die Lizenz registriert werden. Das geschieht durch Eingabe der Seriennummer und des Unlock Codes im Arturia Account. Hat man noch keinen Account bei Arturia, muss dieser vorher erstellt werden. Nun lädt man noch das Arturia Software Center (ASC) herunter und installiert dieses. ASC gleicht die Lizenz mit der im Account hinterlegten Lizenz ab und sorgt auch gleich für eventuelle Software Updates. Das war’s schon. Wir können nun entweder Arturia Pigments 3 in der DAW unserer Wahl als VST, AU oder AAX Plug-in laden oder die Standalone-Version nutzen.

MIDI & Audio einrichten

Nach dem ersten Start der Standalone-Version bittet uns Arturia Pigments 3 um das Einstellen des Audio- und MIDI-Treibers. Insbesondere die Audio-Einstellungen sind wichtig, wenn wir Arturia Pigments 3 mit minimaler Latenz spielen möchten.

Im Testbetrieb habe ich auf meinem 15“ MacBook Pro mit i7 Quad-Core Prozessor ohne Probleme mit geringen Buffer-Einstellungen spielen können. Das kenne ich so auch von meinen anderen Arturia Plugins aus der Arturia V Collection. In der DAW nutzt das Plugin die Treiber Einstellungen der DAW. Gleiches gilt für die MIDI-Einstellungen. Nutzt man die Standalone-Version, fragt das Plugin beim ersten Start nach dem MIDI-Treiber und den gewünschten MIDI-Inputs. Alle installierten Treiber werden in einer Liste angezeigt. Nutzt man Arturia Pigments 3 als Plugin, gelten auch hier die Einstellungen der DAW. Einfach und nutzerfreundlich gelöst, so wünscht man sich das.

Erster Kontakt

Um sich einen Eindruck über die Leistungsfähigkeit des Plugins zu verschaffen, empfiehlt sich das Spielen mit den vielen Sounds der mitgelieferten Bibliothek. Diese können entweder nach Kategorien ausgewählt werden oder einfach nacheinander durchgesteppt werden.

Um Arturia Pigments 3 voll ausnutzen zu können, empfiehlt sich unbedingt ein MIDI-Keyboard mit Aftertouch. Die meisten Sounds reagieren auf Aftertouch-Befehle. Doch auch das Modulationsrad ist immer mit von der Partie. Außerdem gibt es für jeden Sound vier Macro-Regler, die umfangreiche Sound-Veränderungen mit nur einem Regler ermöglichen. Besonders fein raus sind natürlich Nutzer der Arturia eigenen Master Keyboards, da diese reichhaltig mit Reglern und Spielhilfen ausgestattet sind und natürlich besonders gut mit den hauseigenen Plugins harmonisieren.

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Die Sounds in der Bibliothek sind in Kategorien zu finden. Nutzer von Arturia-Hardware profitieren von besonders einfacher Integration.

Sound Library bei Arturia Pigments 3

Das Bibliotheks-Icon findet sich direkt links vom „Display“ mit dem gerade aktiven Patch-Namen. Drück man darauf, öffnet sich die Klangbibliothek mit allen Kategorien und einer sehr guten Suchfunktion. Gesucht werden kann in den Kategorien Types, Styles und Banks. Jeder Type besitzt eine Oberkategorie und mehrere Unterkategorien, die gewählt werden können. Zum Beispiel Bass und als Unterkategorien Bass Line, Hard Bass, Plucked Bass und Sub Bass. Hinter Styles verbergen sich die Kategorien Styles (z. B. Airy, Atmospheric, Mellow, Complex), Genres (z. B. 80s, 90s, Ambient, Electro) und Characteristic (z. B. Acoustic, Analog, FM, Granular). Banks bietet die drei Kategorien Factory, Pigments 2.0 und Pigments 3.0.

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Übersichtlicher Aufbau und intuitives Auswählen der Sounds auf der Benutzeroberfläche.

Des Weiteren lässt sich aus Arturia Pigments 3.0 heraus der Arturia Sound Store aufrufen. Ausgewählte Sounds der Preset Packs des Stores lassen sich direkt anspielen. Gefällt, was man hört, kauft man das Paket direkt im Plugin und es wird komplett installiert. Das ist super gelöst.

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Ein kleiner Einblick in den direkt angeknüpften Store. Kauf & Installation funktionieren nahtlos.

Weitere Punkte der Library sind „Recently Played“, „Liked“, „Saved Presets“ und „My Banks“. Außerdem lassen sich Playlists anlegen. Hier greifen Arturia auf die Erfahrungen der anderen Plug-ins zurück und wer diese kennt, wird sich schnell in der Bibliothek zurechtfinden. Vieles funktioniert per Drag & Drop. Natürlich lassen sich Presets und Playlists auch importieren und exportieren.

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Die Benutzeroberfläche von Arturia Pigments 3 bietet direkten Zugriff auf die wichtigsten Parameter.

Graphische Benutzeroberfläche

Die Benutzeroberfläche, die wir im Arturia Pigments 3 Test sehen, zieht alle GUI-Register des Jahres 2021: Viele Regler im schicken flachen Design mit vielen Graustufen. Farbe wird mit intensiven Farbtönen überall dort eingesetzt, wo etwas hervorgehoben werden soll oder sich etwas bewegt: Reglerpositionen, die Position innerhalb eines Wavetables, Regler, die über die Modulationsmatrix gesteuert werden, Modulationsmatrix, Envelopes und so weiter.

Dinge, die zusammengehören oder sich gegenseitig beeinflussen, tragen die gleiche Farbe. Auf diese Weise bietet Arturia Pigments 3 eine ungeahnt intuitive GUI, die man in dieser Form selten bei Software Synthesizern vorfindet.

Die Möglichkeiten sind unendlich

Sehr schön sind die kleinen „Scribble Strips“ innerhalb der Modulationsmatrix. Löst man eine Taste aus, wird in diesen sofort angezeigt, welches Event ausgelöst wurde und was es gerade macht. Gleiches gilt für die vier Macros. Auch das ist extrem gut gelöst.

Ein weiteres optisches und funktionelles Highlight sind für mich die Kurvendiagramme, die bei den Klangerzeugern eingeblendet werden. So kann man beim Wavetable Oszillator zum Beispiel zwischen einer 3D und einer 2D Darstellung des Wavetables bzw. der gerade ausgewählten Wellenform wählen oder beim additiven Synth die einzelnen Partials sehen und im Hintergrund die resultierende Wellenform.

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Die Wavetable-Ansicht kann in 3D und 2D angezeigt werden.

Über drei Buttons wählt man zwischen Synth, FX und Sequencer.

Zu den einzelnen Synth Engines gelangt man im Synth-Fenster über Tabs und kleine Ein- und Ausschalter aktivieren beziehungsweise deaktivieren die Engines.

Im FX-Fenster gibt es ebenfalls Tabs für FX A, FX B und AUX, diese sind aber vertikal angeordnet. Wählt man sie an, werden die jeweiligen Detailseiten eingeblendet. Jeder FX-Slot verfügt seinerseits über bis zu drei weitere Effekt-Slots. Diese lassen sich über kleine Drop-Down Menüs befüllen. Es steht eine reichhaltige Auswahl an Algorithmen bereit, darunter auch der beliebte Juno 6 Chorus. FX A und FX B lassen sich seriell nutzen (FX A > FX B oder FX B > FX A) sowie parallel (FX A || FX B). Zusammen mit dem stets parallel verschalteten AUX FX stehen somit die beiden Kombinationen zur Verfügung:

  1. FX A und FX B seriell und AUX FX parallel
  2. FX A und FX B parallel und AUX FX parallel
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Durch die Tatsache, dass FX A und FX B sowie AUX FX jeweils ihrerseits wieder drei seriell verschaltete Effekte tragen können, ergeben sich weitreichende Sound-Möglichkeiten.

Arpeggiator und Sequencer

Arpeggiator und Sequencer tragen neben der Modulationsmatrix zu einem wesentlichen Teil zum lebendigen Klangbild von Arturia Pigments 3 bei. Der Aufbau ist nahezu identisch:

Das Fenster besteht aus einer Tabelle mit horizontal bis zu 16 Schritten (Spalten) und vertikal sechs zu verändernde Parameter pro Schritt (Reihen). Durch Ziehen mit der Maus lässt sich die Anzahl der Schritte verringern oder vergrößern. Somit ist nicht nur eine gerade, sondern auch eine ungerade Anzahl an Steps möglich. Beim Arpeggiator ist die oberste Reihe inaktiv, weil die einzelnen Tonhöhen durch das gewählte Arpeggiator Pattern vorgegeben sind. Im Sequencer Modus hingegen kann hier die Tonhöhe pro Schritt eingestellt werden.

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Es stehen die üblichen Parameter eines Step Sequencers zur Verfügung: Pitch (nur Sequencer), Octave, Velocity, Gate Length (Notenlänge innerhalb eines Steps), Slide und Trig Probability.

Trig Probability erlaubt bereits eine gewisse Varianz innerhalb des sich ständig wiederholenden Patterns. Hier kann man in Prozent festlegen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Step tatsächlich abgespielt wird. Steht hier 100 Prozent, wird dieser garantiert immer gespielt, steht hier 0 Prozent, entsteht immer eine Pause.

Der wohl interessanteste Aspekt des Arturia Pigments 3 Arpeggiators/Sequencers ist die Random-Funktion und der damit verbundene Parameter „Set Randomize Amount“. Hier liegt die wahre Macht, denn die Resultate sind bei jedem Durchgang anders! Der Benutzer legt lediglich fest, wie stark die einzelnen Parameter von der Random-Funktion beeinflusst werden sollen. Die Möglichkeiten sind unendlich. Ich zitiere aus dem Benutzerhandbuch:

„Remember that you can use the Control key or right-click for finer adjustment of the Randomize amounts. It’s like having dice with 1000 sides for each track; every time you roll the dice, you might get any one of a sexnonagintillion combinations (that’s a 1 followed by 96 zeros.) That’s more than the number of visible particles in the universe, dark matter aside.“

In diesem Feature steckt also das Potential für verdammt viel garantiert unerhörte Musik!

Es gibt noch sehr viel mehr Features in dieser Sektion, auf die ich im Rahmen eines Testberichts gar nicht eingehen kann. Ich verweise hier auf das sehr gute englische Benutzerhandbuch. Dazu gehört zum Beispiel auch der PolyRhythm-Modus, der sehr interessante rhythmische Resultate ermöglicht, indem die einzelnen Reihen unterschiedlich viele Schritte besitzen können.

Modulationsmatrix von Arturia Pigments 3

24 Modulationsquellen stehen beliebig vielen Parametern in den Synth- oder FX-Sektionen gegenüber. Zu den Modulationsquellen gehören Hardware Controller wie Modulations- oder Pitch-Rad, Aftertouch, Velocity oder die Notennummer der gedrückten Taste, außerdem LFOs und Envelopes, komplexe Funktionen (Functions) oder zufällige Werte (wie Sample & Hold, Turing).

Erneut ist diese Sektion zu aufwändig, um sie hier komplett zu beschreiben und ich verweise auf die Bedienungsanleitung. Erwähnt werden sollen aber einige Besonderheiten:

Die Envelopes verfügen je über einen ADR (Attack, Decay und Release) und ADSR (Attack, Decay, Sustain, Release) Modus. Die LFOs besitzen einen Unipolar Modus, in dem entweder nur der positive oder der negative Anteil der Kurve durchlaufen wird anstelle eines vollen Durchgangs im bipolaren Modus. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn mit dem LFO Parameter gesteuert werden sollen, die entweder nur positiv oder negativ sein können/sollen.

Mit den drei Function-Generatoren lassen sich eigene Kurven erzeugen, die bis zu 64 Punkte mit unterschiedlichen Pegeln und verschiedenen Kurventypen/-Radien zwischen den einzelnen Punkten besitzen können. Damit man einen guten Eindruck von diesem mächtigen Tool bekommt, haben Arturia bereits einige Function Presets als Ausgangsmaterial geschaffen. Es empfiehlt sich, zunächst einmal etwas mit diesen zu experimentieren.

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Die Combination-Funktion dient dazu, eine Modulationsquelle auf Basis der Interaktion zwischen zwei anderen Modulationsquellen zu generieren. Dazu werden mathematische Formeln wie Multiplikation, Summierung, Differenz, Division und einige mehr genutzt.

Synthese Engines

Wie bereits erwähnt besitzt Arturia Pigments 3 verschiedene Synthese Engines:

  1. Analog
  2. Wavetable
  3. Sample
  4. Harmonic
  5. Utility

Näher eingehen möchte ich auf die beiden neuen Engines Harmonic und Utility.

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Die Harmonic Engine stellt die additive Synthese dar. Auch diese weiß im Arturia Pigments 3 Test zu überzeugen.

Harmonic Engine (Additive Synthese)

Wie funktioniert nun die Harmonic Engine in Arturia Pigments 3? Ein Klang kann aus bis zu 512 Partials (= Teiltönen) bestehen. Die einzelnen Partials werden dabei im Partials Viewer in der Mitte in Echtzeit angezeigt.

Die x-Achse stellt die Tonhöhe dar, die y-Achse die Amplitude der einzelnen Partials. Per Ratio bestimmt man das Intervall zwischen den einzelnen Teiltönen. Auch die Amplitude von Grundtönen und Partials lässt sich per Gain und Volume sowie Partials Limit definieren. Je mehr Partials per Partials Limit hinzugefügt werden, desto komplexer wird der Klang.

Indem man in der Modulator-Sektion der Harmonic Engine die Ratio per Frequenzmodulation verändert, entstehen bereits aus zwei bis drei Partials komplexe Klänge, die sofort an den Klang alter Transistororgeln erinnern.

Im folgenden Hörbeispiel starte ich mit dem Grundton und füge dann nach und nach Partials hinzu. Der Klang erinnert bereits deutlich an den einer Orgel. Man hört schön das Prinzip der additiven Synthese und die Klangveränderung durch das Hinzufügen der Partials.

Während des Spiels drehe ich zunächst am Volume-Regler des FM-Modulators, bei dem eine Sägezahn-Wellenform eingestellt ist. Der Klang wird dem einer Transistororgel immer ähnlicher. Anschließend demonstriere ich die drastischen Klangveränderungen, die sich durch das Verändern des Intervalls zwischen den Partials per Ratio-Regler ergeben.

Zum Abschluss reduziere ich dann bei aktivierter FM-Modulation die Anzahl der Partials auf Grundton plus ein weiteres Partial und man hört schön, dass sich bereits aus diesem einfachen Gebilde und etwas Hall eine passable Vox Continental Combo-Orgel nachbilden lässt, mit der man prima „Light my fire“ von den Doors interpretieren kann oder Springsteen’s „Glory Days“.

FAQ: Syntheseformen & Klangsynthese erklärt

Klangwelten in der Harmonic Engine

Doch natürlich kann die Harmonic Engine noch viel, viel mehr. Dieses Beispiel dient lediglich der Veranschaulichung der additiven Synthese. Verändert man die Wellenform des Modulators, ergeben sich weitere Klangwelten. Per Shape lässt sich der Anteil der geradzahligen und ungeradzahligen Vielfachen einstellen und überblenden. Im Prinzip ist das Ergebnis wie eine einfache Filterfunktion, indem bestimmte Obertöne beschnitten werden oder verstärkt.

Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt

Über die Spectrum-Sektion lassen sich dem Klang zwei Frequenzprofile aufprägen. Zwölf verschiedene Profile stehen zur Auswahl. Dadurch wird der Klang noch einmal drastisch verändert. Einstellbar ist, welchem Teiltonbereich die Spektren aufgeprägt werden sollen. Außerdem gibt es einen Morph-Regler, um zwischen den beiden Spektren überzublenden. Depth bestimmt, wie stark die Spektren die Partials beeinflussen. Zusätzlich gibt es auch ein Highpass und ein Lowpass Filter. Klanglich kann man sich das im Beispiel unseres einfachen Orgel-Sounds so vorstellen, als würden verschiedene Zugriegel-Presets aufgerufen.

Hier noch einmal der Klang unserer einfachen Combo-Orgel mit 8 Partials. Ich aktiviere nacheinander die zwölf verschiedenen Frequenzprofile von Spektrum 1:

Erneut demonstriert dieses Beispiel, was sich bereits mit einfachen Strukturen und acht Partials anstellen lässt. Dies multipliziere man nun entsprechend der übrigen Möglichkeiten und stelle sich das mit bis zu 512 Partials vor. Die resultierenden Klänge erinnern stark an das Synclavier und FM-Synthesizer und ergänzen damit sehr gut das übrige Klangrepertoire aus den anderen Engines.

Utility Engine

In der Utility Engine finden wir weit mehr als der Name vermuten lässt. Gleich drei Oszillatoren verbergen sich hinter diesem Synth: Ein einfacher „analoger“ Oszillator mit vier Wellenformen sowie zwei Sample-basierte Noise Oszillatoren. Während sich der analoge Oszillator prima als Sub-Oszillator einsetzen lässt, kann man mit den beiden Noise-Oszillatoren für mehr Schmutz oder Texturen im Klangbild sorgen. Die Samples lassen sich mit fest definierter Tonhöhe oder über die Tastatur chromatisch spielen. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

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Drei Oszillatoren stecken in der Utility Engine von Arturia Pigments 3.

Ein einfaches Low Pass-/High Pass-Filter sorgt für eine einfache klangliche Gestaltung. Samples können zudem als Loop abgespielt werden oder im One Shot-Modus die Sample-Länge verändert. Natürlich lassen sich die Samples auch stimmen.

Arturia Pigments 3 richtet sich an Sound Designer und Tüftler, an Musiker, die Spaß am stundenlangen Erforschen von Klangwelten haben

Das reicht noch nicht? Warum dann nicht die drei Oszillatoren getrennt voneinander durch Filter 1 oder Filter 2 schicken? Oder durch beide oder einem beliebigen Verhältnis? Per Filter-Mix kein Problem. Allein mit der Utility Engine und einigen Effekten lassen sich bereits tolle Ambient Sounds kreieren.

Filter-Sektion in Arturia Pigments 3

Die Filter-Sektion steht allen Klangerzeugern zur Verfügung. Zwei Filter-Slots (Filter 1 und 2) können getrennt, gemeinsam oder in einem vom Benutzer festzulegenden Anteil zueinander den Klang bearbeiten. Auch die serielle Schaltung der beiden Filter ist möglich, wobei der Ausgang von Filter 1 dann direkt auf den Eingang von Filter 2 geführt wird.

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Die Filter können für alle Klangerzeuger angewendet werden.

Folgende Filtertypen stehen zur Verfügung:

  1. Multimode (analoges Filtermodell mit 12 Modes)
  2. SEM (Modell des Oberheim SEM Filters aus den 1970er-1980er Jahren)
  3. Matrix 12 (Modell des Oberheim Matrix 12 Filters)
  4. Mini (Modell des Minimoog 24 dB/Oktave Ladder Filters)
  5. Jup-8 (Modell des Roland Jupiter 8 Filters)
  6. Surgeon (extrem steilflankiges 64 dB/Oktave Filter)
  7. Comb (Kammfilter)
  8. Phaser Filter
  9. Formant
  10. Low Pass Gate

Arturia Pigments 3: Praxis

Wie eingangs bereits erwähnt empfiehlt es sich, zunächst einmal die vielen Presets durchzuhören, um einen Eindruck der Klanggewalt des Arturia Pigments 3 Synthesizers zu bekommen. Nutzer von Pigments 2 werden sich vermutlich sofort auf die neuen Features stürzen und diese ausprobieren. Allen anderen sei angeraten, sich Sektion für Sektion vorzuarbeiten und zunächst die einzelnen Klangerzeuger, die Filtersektion, die Effekte und die vielen Modulationsmöglichkeiten auszuprobieren.

viele Klänge verändern sich über eine längere Zeitspanne stark

Für den Praxistest habe ich oft interessante Presets erst angespielt und dann nach und nach die einzelnen Klangbausteine aus- und wieder eingeschaltet, um zu analysieren, wie das Patch aufgebaut ist. Durch die wahnsinnig vielen Möglichkeiten erfordert das Erlernen von Arturia Pigments 3 in all seinen Facetten viel Zeit. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass die einmal getätigte Investition in den Synthesizer für viele Jahre Spielspaß und frische Sounds garantiert, wenn man sich ausgiebig mit ihr beschäftigt.

Und genau dafür ist Arturia Pigments 3 gedacht: Der Synth richtet sich nicht an die Gelegenheitsnutzer von Ambient Sounds. Diese sind mit Samples besser bedient und würden am Ende nur die Presets nutzen. Arturia Pigments 3 richtet sich an Sound Designer und Tüftler, an Musiker, die Spaß am stundenlangen Erforschen von Klangwelten haben. Wer einfach nur einen Synth zum Drauflosspielen sucht, ist mit diesem Synthesizer nicht gut beraten. Hier würde ich dann lieber Arturia Analog Lab V empfehlen, eine Sammlung der besten Sounds aus allen Arturia Plug-ins, darunter auch aus Pigments.

Allen anderen empfehle ich das Studium der guten Bedienungsanleitung, die alle Parameter und Funktionen gut beschreibt. So kann man beim ersten Durchhören der Presets damit beginnen, einzelne Funktionen auszuprobieren. Wie erwähnt lohnt es sich, die angeschlagenen Tasten mal mehrere Sekunden lang festzuhalten, denn viele Klänge verändern sich über eine längere Zeitspanne stark – eine der Stärken von Arturia Pigments 3. Auch das Spiel mit Aftertouch und Modulationsrad bringt den einen oder anderen Aha-Effekt.

In der Kürze des Testzeitraums ist es mir deshalb auch nicht gelungen, alle Presets einmal durchzuhören. Hier deshalb eine kleine Auswahl an Presets, die mir besonders gut gefallen haben und nur ein winziger Querschnitt dessen sind, was Arturia Pigments 3 zu leisten vermag:

Fazit zum Arturia Pigments 3 Test

Arturia Pigments 3 ist extrem vielseitig und trotzdem, wie schon die beiden Vorgänger, kein Synthesizer für jedermann. Wer tief in Synthese eintauchen möchte und eine möglichst große Klangvielfalt sucht, berauschende Klangwelten erzeugen möchte oder lebendig klingende Sequencer Parts, der ist bei Arturia Pigments 3 genau an der richtigen Adresse. Eigentlich braucht man dann nur dieses Instrument.

Reine Preset-Spieler oder Gelegenheitsschrauber werden sich schwer tun, denn die Lernkurve ist angesichts der extrem großen Fülle an Features entsprechend steil. Hat Arturia Pigments 3 den Spieler einmal in den Bann gezogen, kommt man so schnell nicht wieder davon los. Die sich entfaltenden Klangwelten sind bisweilen so ausladend, dass der Druck einer einzigen Taste über mehrere Sekunden ausreicht, um vollkommen darin zu versinken.

Mir ist nur ein Instrument bekannt, das ähnlich komplex ist: Spectrasonics Omnisphere. Hier gibt es Parallelen, doch auch einen gewaltigen Unterschied: Der Preis und die Hardware-Anforderungen von Omnisphere sind um ein Vielfaches höher. Musiker, die auch live mit Software spielen, werden die sehr moderaten Hardware-Anforderungen von Arturia Pigments 3 begrüßen. Ich empfehle allen, die sich gerne als Klangforscher betätigen, sich Arturia Pigments 3 einmal näher anzuschauen. Doch Vorsicht, hohe Suchtgefahr!

Arturia Pigments 3 Features

  • drei Sound Engines gleichzeitig nutzbar
  • vier Synthese-Typen (Analog, Wavetable, Sample, Harmonic)
  • neu: Utility Engine mit zwei Noise-Samplern und einem Oszillator
  • neu: Additive Synthese (Harmonic)
  • drei Hüllkurven
  • drei LFOs
  • drei Function, drei Random und drei Combinate Modulatoren
  • vier Makros
  • Granular-Modus
  • viele Filtertypen aus der Arturia V Collection
  • serielle und parallele Filterschaltung
  • Arpeggiator & Sequencer
  • Effektsektion mit Insert & Send Routing-Möglichkeit
  • große Modulationsmatrix
  • 2D & 3D Darstellung von Wavetables
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Arturia Pigments 3 Test

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