AKG K812 Testbericht: Offener Kopfhörer der Spitzenklasse

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AKG K812 Testbericht

Was ist es?

Beim AKG K812 handelt es sich um einen dynamischen Kopfhörer in offener Bauweise mit umschließenden Polstern. Als Spitzenmodell des Herstellers, das in Wien individuell handgefertigt wird, möchte es unter anderem mit dem höchsten Dynamikumfang aller AKG-Kopfhörer überzeugen. Das selbstjustierende Kopfband, ein hauseigenes Markenzeichen, ist hier nicht mit von der Partie, stattdessen lässt es sich auf beiden Seiten um gut zwei Zentimeter verstellen. Alle Ausstattungsmerkmale und Spezifikationen findest Du wie gewohnt in unserem Infokasten auf der rechten Seite in diesem AKG K812 Testbericht.

AKG K812 Testbericht

Hereinspaziert, hereinspaziert – hier ist unser AKG K812 Testbericht

Der Straßenpreis im deutschen Fachhandel beläuft sich auf 1.490,- Euro (inkl. MwSt.).


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AKG K812 Testbericht

Verarbeitung & Tragekomfort

Das Design erinnert in seinen Grundzügen an die Klassiker, kommt aber moderner und mit feiner ausgearbeiteten Details daher. Sehr schnittig das Ganze, zudem nicht so klobig wie etwa der Sennheiser HD 800. Erwartungsgemäß ist verarbeitungstechnisch alles bestens. Die teils edlen Materialien, sauber gefertigten Komponenten und die insgesamt sehr gute Konstruktion überzeugen.

Die Ohrpolster sind mit luftdurchlässigem Echtleder bespannt. In Verbindung mit der offenen Bauweise macht sich das bei langen Sessions insofern angenehm bemerkbar, als die Wärmeentwicklung erstaunlich niedrig ausfällt. Zudem passt sich die Polsterfüllung sehr zurückhaltend an die Kopfform an, genau wie die Ohrmuscheln. Das Kopfband ist aus einem atmungsaktiven Netzstoff gefertigt, was weiterhin zum angenehmen Tragegefühl beiträgt. Auch der Anpressdruck ist sanft, aber fest genug für einen stabilen Halt.

Einzig das Gewicht von 390 Gramm (ohne Kabel) ist sehr hoch im Vergleich mit den meisten anderen Kopfhörern, auch der Sennheiser HD 800 bringt vergleichsweise mäßige 330 Gramm auf die Waage.

AKG K812 Testbericht

 

Zubehör

In der stoffbespannten, magnetisch verschließenden Box findet sich ein elegant geschwungener Kopfhörerständer aus schick gemasertem Holz. Es handelt sich um einen Sieveking Omega – ein schönes, praktisches Accessoire mit einem Straßenpreis von alleine knapp 100,- Euro.

In einem Schubfach steckt das drei Meter lange glatte Kabel, das ausreichend stark ummantelt und an den Übergängen zu den Steckern recht knickresistent erscheint. Wie üblich, ist es mit einem vergoldeten kleinen Klinkenstecker und einem schraubbaren 6,3-mm-Adapter ausgestattet.

Auf der anderen Seite wartet eine Überraschung: Die Steckverbindung zum Anschluss an die linke Ohrmuschel liegt nicht in Form von Mini-XLR vor, stattdessen wurde hier eine dreipolige Push-Pull- Verbindung des Herstellers Lemo verbaut. Diese sonst in hochwertigem Equipment aus Messwesen, Medizintechnik & Co. verwendeten Stecker und Buchsen muten sehr stabil an.


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Klang

Ähnlich wie beim bisherigen Spitzenmodell AKG K712 PRO wurde der Trend des kräftigeren Basses fortgesetzt – gut so, denn die anderen gehobenen Studiokopfhörer von AKG waren in meinen Ohren etwas zu zurückhaltend. So gibt es ein gediegenes, aber nie überbetontes oder verfärbendes Fundament.

Die tiefen Frequenzen liegen nicht im Clinch mit den unteren Mitten, wie es bei einigen anderen bassstarken Kopfhörern der Fall ist. So verläuft der Frequenzgang in den gerne vernachlässigten Mitten über die gesamte Breite hinweg ruhig und ausgeglichen, die natürliche Fülle des Klangs und nicht zuletzt die Sprachverständlichkeit ist ohne Einschränkung gegeben.

Die Höhen reichten laut Datenblatt bis zu geradewegs surrealen 54.000 Hertz hinauf. Selbst wenn dieser Gipfel erklommen wird, ist das nur für Fledermäuse von Belang; was festzustellen bleibt, sind die bis ans Ende des hörbaren Spektrums ausgewogenen Klanganteile ohne nennenswerte Ausreißer in bestimmten Frequenzbereichen. Sibilanten werden absolut unaufgeregt, höchste Höhen ohne eine Spur von künstlich überzeichneter Brillanz transportiert. So werden alle klanglichen Details offengelegt, führen aber nicht zu Ermüdungserscheinungen bei langen Sessions.

AKG K812 Testbericht

Interessanter sind für mich die Qualitäten abseits des Frequenzgangs. Was Stereopanorama und Tiefenstaffelung, also die räumlichen Darstellung angeht, bietet der 812er ein etwas anderes Bild als das mir am geeignetsten erscheinende Vergleichsmodell Sennheiser HD 800. Der AKG-Primus ist in der Breite weniger ausladend, die virtuelle Bühne erstreckt sich nicht so weit, dafür spielt er ein wenig direkter, unmittelbarer auf.

Wer den kleineren Raum als Minuspunkt einschätzt, könnte in der Abhörpraxis eventuell durch die außerordentlich klar voneinander getrennten Klänge entschädigt werden. Unglaublich, wie knallhart separiert hier alle Einzelschallereignisse ertönen. Alles hat seinen Platz und lässt sich mit unübertroffener Präzision orten – darauf kommt es letztlich an, wenn ein Mixdown beurteilt werden soll.

Die Impulstreue ist ebenso beeindruckend. Außerordentlich »trocken« und nüchtern erklingen alle Anschläge, nirgend ziehen Sounds einen Schweif nach sich. Besonders schön macht sich das bei Kickdrums bemerkbar, die vorbildlich kontrolliert daherkommen.

Alles in allem wird ein praktisch ungeschöntes Bild der Musik gezeichnet – die Tauglichkeit als Studiokopfhörer zum Abhören von Abmischungen und Masterings ist in vollem Umfang gegeben. Du wirst kleinste Schwachstellen in Frequenzgang, Dynamik und Räumlichkeit entdecken.

Für reine Musikgenießer mag dieser Kopfhörer durch seine Nüchternheit nicht perfekt sein – ein gewisses Glattbügeln von Ungereimtheiten und das »Versüßen« des Klangs führt ja oft zu einem etwas gefälligeren Sound, den Du beim gnadenlos nüchternen K812 nicht vorfinden wirst. Andererseits ist diese Ehrlichkeit gerade im Tonstudio von Interesse, vielleicht auch bei so manchem zwanglosen Musikhören genau nach deinem Geschmack. Zudem wird das gute Stück durch den einen Röhrenverstärker gewiss etwas nachgiebiger.

Übersicht AKG K812 Review

PRO

  • Weiter und weitestgehend ausgewogener Frequenzgang
  • Klar separierte, exakt lokalisierbare Einzelschallereignisse
  • Sehr hohe Impulstreue für einen »trockenen« Sound
  • Direktes Klangbild mit hoher Sprachverständlichkeit
  • Perfekt verarbeitet mit feinen Materialien
  • Langes Kabel mit hochwertigem Push-Pull-Stecker
  • Sehr bequem, auch bei langen Sessions
  • Nobles, eigenständiges Design mit traditionellen Anklängen
  • Eleganter Kopfhörerständer im Lieferumfang

CONTRA

  • Relativ hohes Gewicht

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Fazit zum AKG K812 Test

Der AKG K812 setzt sich klar an die Spitze des Unternehmensportfolios und zählt auch herstellerübergreifend zur Elite im Bereich der Premiumkopfhörer. Mit seiner weitgehend neutral verlaufenden Frequenzkurve, den außerordentlich deutlich voneinander getrennten Einzelklängen in einem Ensemble und der fabelhaften Impulstreue tönt der Neuling so nüchtern und differenziert wie kaum eine zweite Abhöre. Der Sound ist dabei vergleichsweise direkt, aber doch zur Genüge unaufgeregt, wie es sich für einen Studiokopfhörer ziemt.

Bei einem Gerät dieser Preisklasse darf man getrost höchste Ansprüche an Verarbeitungsqualität und Tragekomfort stellen. In beiden Kategorien erzielt der 812er Bestnoten – mit einer kleinen Einschränkung, die gleich noch erwähnt wird. Einen willkommenen Bonus stellt der hölzerne Kopfhörerständer dar. Zusammen mit dem markanten, filigranen Design des Kopfhörers selbst wird diese Combo in jedem Wohnzimmer zum Augenschmaus.

Bei einem Straßenpreis von knapp 1.500 Euro hätte ich aber schon noch ein weiteres Kabel und/oder ein Paar Ersatzohrpolster im Lieferumfang erwartet. Hier zu knausern, halte ich nicht für gerechtfertigt. Außerdem ist das Gewicht in der Klasse der dynamischen Kopfhörer relativ hoch, was dem Tragekomfort einen leichten Dämpfer verpasst.

Summa summarum haben wir es hier mit einem vor allem für den Studioeinsatz hervorragenden Kopfhörer zu tun. Allerdings möchte ich auf die Frage »Lohnt sich die Anschaffung?« mit einem sehr vorsichtigen »Unter Umständen.« antworten. Dieser Studiokopfhörer richtet sich zweifellos an alle Profis und Liebhaber mit höchsten Ansprüchen. Der Sennheiser HD 800, den ich als annähernd gleichwertig einschätze, ist derzeit allerdings deutlich günstiger im Einkauf, kommt dafür aber auch ohne den schicken Ständer daher.

Die Preisfrage bleibt dem geneigten Leser überlassen. Für sich genommen haben wir hier ein exzellentes Produkt vor uns. Daher verbleiben wir im AKG K812 Testbericht auf delamar mit voller Punktzahl.

Inhaltsverzeichnis // AKG K812 Test

  1. Was erwartet dich?
  2. Review
  3. Pro & Contra
  4. Fazit
  5. Wertung

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EXZELLENT

AKG K812 Testbericht am 04.03.2014

Produkt:      AKG K812
Hersteller:    

Preis:  1.490,00 Euro
UVP:    1.590,00 Euro

Kurzfazit

Offener Kopfhörer der Referenzklasse. Der dynamische Studiokopfhörer erzielt Spitzenwerte in Klang- und Verarbeitungsqualität, auch der Komfort ist sehr gut. Der Preis ist ebenfalls High-End.

Für wen

Anspruchsvolle Tonprofis & HiFi-Enthusiasten.

Wichtige Merkmale
  • Dynamischer Kopfhörer
  • Offenen, ohrumschließend
  • Nennimpedanz: 36 Ω
  • Frequenzgang: 5 bis 54.000 Hz
  • Schalldruck: 110 dB SPL/V
  • Einseitige Kabelführung
  • Gewicht (ohne Kabel): 390 g
  • 1 glattes Kabel (3 m)
  • Schraubadapter (3,5 → 6,3 mm)
  • Kopfhörerständer aus Holz
  • Gepolsterte Kiste

 


Lesermeinungen (7)

zu 'AKG K812 Testbericht: Offener Kopfhörer der Spitzenklasse'

  • Franz – Hermann Schmidt   05. Mrz 2014   10:29 UhrAntworten

    Hallo, und nicht böse sein, aber mal eine Frage diesbezüglich.

    Wen wollt Ihr erreichen , mit dem Vorstellen so eines teuren Kopfhörers ?

    Macht doch mal was für den durchschnittlichen Home Recordler
    mit etwas schmalerem Budget.
    Da würde glaube ich mehr zuspruch kommen.

    LG Condor

    • Felix Baarß (delamar)   05. Mrz 2014   10:37 UhrAntworten

      Hallo Franz-Hermann,

      günstigere Modelle haben wir doch auch zu Genüge im Programm, sowohl im Bereich der News als auch bei den Testberichten. Hier mal die Auflistungen nach einigen der wichtigsten Hersteller sortiert: AKG, beyerdynamic, Sennheiser, Shure, Audio-Technica.

      Gruß,
      Felix

  • Peter C.   05. Mrz 2014   15:21 UhrAntworten

    Auch Hi-End muss unter die Lupe genommen werden.
    Alleine deswegen schon, um einen Eindruck und Vergleich im Semi-Pro Sektor zu haben, in wie weit dort die Kopfhörer nicht auch schon eventuell völlig ausreichend sind und Hi-Ends vielleicht nicht nur ein Sache der Prestigefrage sind.

    Ich benutze den AKG K272 HD und was mich ein wenig an ihm stört, ist das die Stereobreite und Tiefe etwas zu eng bemessen ist und das dadurch direktere Signal auch nicht wirklich ganz das wiedergibt, was tatsächlich im Gesamtbild passiert. Oftmals sind Drums und Gesang über einen Premix mit dem 272 eine deutliche Prise zu laut.

    Am Testbericht des K812 kann ich nun erlesen, bzw. davon ausgehen, das dies auch hier der Fall zu sein scheint und ich davon ausgehen kann, das ich mit dem Hi-End Hörer keinen sinnvollen Zugewinn machen würde.

    (Deswegen sind Tests in der Hi-End Klasse auch wichtig und wertvoll, um das Verhältnis zwischen Sinn&Zweck einer solchen Investition durch vorhandene Peripherie besser abwägen zu können und auch zu einem Urteil zu kommen, dass das eigene Equipment nun nicht schlechter ist, bzw. Hi-End nicht zwangsläufig besser.)

  • Alex M   22. Apr 2014   19:43 UhrAntworten

    Naja, K272 und K812 zu vergleichen ist wie einen Mercedes Sprinter (Transporter) mit einem Maybach zu vergleichen. Ja, beide sind von Mercedes, haben aber sonst nichts vergleichbares. Ich habe beide Hörer im Studio. Der K272 als komplett geschlossener Hörer ist nicht zum abmischen gemacht und auch nicht geeignet. Er ist geschlossen, wird bei mir daher für Aufnahmen verwendet. Er dämpft gut ab, lässt keine ungewollten Töne nach außen (in andere Mikros übersprechen) klingt für ein geschlossenes Teil sehr gut und muted (der K271), wenn man ihn vom Kopf nimmt (wieder eine Sicherheit, wenn er im Aufnahmeraum bei den Mikros hängen bleibt). Der K812 ist ein offenes Design. Bringt den Klang weit aus dem Kopf raus und klingt einfach umwerfend detailgetreu, analytisch, ohne zu färben. Eben ein Master- und Mixing-Werkzeug im ganz oberen Segment, zum aufnehem aber wegen des Spills nach außen und der Dämmung nach innen ungeeignet. Aber zum Abhören hält kaum ein anderer mit zur Zeit. Man kann ihn (im Gegensatz zum 272er) lange tragen ohne ihn zu bemerken.
    Generell ist es üblich einen "guten" (meist mittelteuren) KH zu kaufen, der dann alles können soll. Ich finde das eine falsche Strategie. Wenn ich 200 EUR ausgeben kann, dann stecke ich persönlich lieber 49-59 in einen günstigen geschlossenen Hörer für die Aufnahmen (gibt es von allen Herstellern, AKG, Sennheiser, Sony, Pinoeer, und diversen Eigenmarken der großen Händler) und lege lieber 140-150 für einen halboffenen, oder offenen Hörer zum Mischen drauf. Klar, da reden wir nicht vom K812er, aber K240, ein günstiger Beyer DT440, DT 990, oder eine AKG 612er. Da habe ich fürs gleiche Geld zwei Spezialisten ...

  • Michael Bytner   02. Nov 2014   17:00 UhrAntworten

    Meine Freude ist Grenzenlos!!!
    AKG hat endlich dem Sennheiser HD 800 ein kräftigen Paroli geboten.
    Das Sennheiser HD 800 ist aus meiner Sicht reine Abzocke-Instrument.
    Die HD 800 Kopfhörer haben schlechtes Verarbeitung, nach wenigen Wochen abgeplatzte Lackstellen usw.
    Und Preisgestaltung bei Zubehör ist gerade zu kriminell, Ersatzkabel 200 Euro!!!
    Habe seit Jahren das AKG K712 und K271 Model und bin kompromisslos zufrieden.
    Weihnachten wird es wohl ein K812 geben :)
    Vielen Dank für das Review, Michael.

  • Enttäuschter   21. Mai 2015   23:07 UhrAntworten

    Hab mir den K-812 gekauft und bin vom Klang her enttäuscht, weil mein 150€ AKG-Kopfhörer eigentlich genauso klingt. Im Blindtest könnte man sie kaum unterscheiden. Von besonderes ausgeprägter Räumlichkeit kann man auch nicht sprechen. Denn diese ist nicht anders als bei den günstigen AKG's. Ich habe bisher Popmusik getestet und betreibe den K-812 an einem sehr hochwertigen Techniks Receiver der frühen 90er, welcher damals 1000DM gekostet hat. Kann es sein, dass ich den besonderen Klang erst durch nen Kopfhörer-Verstärker bekomme?

  • Enttäuschter   22. Mai 2015   07:13 UhrAntworten

    Nachtrag:
    Ich habe gerade nochmal über eine originale Demonstrations-CD ne professionelle, herausragende Tiefenstaffelung angehört und muss leider sagen, dass keinerlei Unterschied zwischen meinem günstigen 'AKG 271 Studio' und dem teuren K-812 zu hören ist !! Die feinen Nuancen, die mir im K-812 aufgefallen sind, konnte ich genauso über den günstigen wahrnehmen. Wer den 'AKG 271 Studio' (ca.150€) hat, kann das ja mal vergleichen. Im Blindtest fallen da keine Unterschiede auf.

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