Akkorde bestimmen
So findest Du heraus, welcher Akkord es ist

Akkorde bestimmen

Wie Du Akkorde bestimmen kannst, auch wenn Du sie nur hörst, erfährst Du hier im Ratgeber. Außerdem erfährst Du ganz viel Wissenswertes rund um Akkorde und wie Sie sich zusammensetzen.

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Akkorde bestimmen anhand von Intervallstrukturen

Sehr empfehlenswert ist es sich mit den Intervallstrukturen von Akkorden auseinanderzusetzen. Mit etwas Übung lassen sich so nämlich nicht nur Akkorde bestimmen, sondern können auch selbst in völlig neuartigen Formen hergeleitet werden. Akkordtabellen adé.

Grundvoraussetzung hierfür ist eine grobe Kenntnis über die Intervalle, also die musikalischen „Bausteine“. Jeder Akkordtyp hat seine eigene Intervall-DNA. Es folgt eine Übersicht für die 12 Intervalle sowie eine Übersicht der Formeln für die einzelnen Akkorde.

Intervallübersicht

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Kenntnis über die Intervalle ist Grundvorraussetzung zum Akkorde bestimmen

Ein Intervall bezeichnet immer den Abstand von zwei gleichzeitig oder nacheinander klingenden Tönen. Der erste Ton ist hierbei immer die Prime, also der Grundton. Spiele ich z.B. gleichzeitig zur Prime 5 Halbtonschritte höher erklingt eine Quarte. Jeder Intervall hat einen komplett eigenständigen und markanten Sound, den man sich gut einprägen sollte. Denn Akkorde sind nichts anderes als eine bestimmte Kombination von Intervallen.

Welche Kombinationen bzw. Formeln es bei Drei- und Vierklängen gibt, stellen wir dir in den folgenden beiden Unterkapiteln vor.

Mehr zu Intervallen: Tutorial zum Akkorde lernen »

Dreiklänge

Das Grundgerüst von Dreiklängen besteht aus einer Prime (Grundton), einer Terz und einer Quinte. Während der Grundton konstant ist, gibt es bei den Terzen und Quinten Unterschiede bei den unterschiedlichen Dreiklangstypen.

Bei einem Mollakkord ist die Terz klein (3 Halbtonschritte zum Grundton) während sie bei dem entsprechenden Durakkord groß ist(4 Halbtonschritte)

Dieser Unterschied von einem Halbtonschritt ist in der Musik elementar wichtig.

Dieser Unterschied von einem Halbtonschritt ist in der Musik elementar wichtig. Nehmen wir beispielsweise ein A als Grundton im Bass und spielen darüber abwechselnd ein C und ein C#, macht uns das den Moll/Dur Unterschied bewusst.

Die Quinte hat dagegen bei den Moll und Dur-Dreiklängen eher eine stützende Funktion und ist konstant rein.

Moll-Dreiklang

Prime, kleine Terz, Quinte

Dur-Dreiklang

Prime, große Terz, Quinte

Das sieht jedoch bei verminderten bzw. übermäßigen Dreiklängen wieder anders aus.

Der verminderte Dreiklang gleicht dem Moll Dreiklang, aber hat dabei eine erniedrigte (verminderte) Quinte (b5)

Verminderter-Dreiklang

Prime, kleine Terz, verminderte Quinte

Dagegen hat der Übermäßige Dreiklang wiederum die Dur-typische große Terz und eine erhöhte Quinte (#5)

Übermäßiger-Dreiklang

Prime, große Terz, übermäßige Quinte

Sus2 und Sus4 Akkorde gehören ebenfalls zu der Familie der Dreiklänge. Diese Akkorde haben neben der Prime und der reinen Quinte anstatt der Terz entweder eine große Sekunde (Sus2) oder eine Quarte (Sus4) substiuiert.
Die tongeschlechtsbestimmenden Terzen sind bei diesen eigenständigen Akkorden also „außer Kraft gesetzt“ also „Suspended“.

Sus2

Prime, große Sekunde, Quinte

Sus4

Prime, Quarte, Quinte

Vierklänge

Bei Vierklängen kommt zu dem klassischen Dreiklangsgrundgerüst noch die Septime hinzu. Der Klang der Akkorde ist hierdurch komplexer. Diese Septakkorde sind wichtige Komponenten im Jazz. , jedoch findet sich der Dominant7 Akkord in so gut wie jeder Musikrichtung wieder. Er hat die entscheidene Funktion Spannung aufzubauen und sich zum Grundakkord (Tonika) aufzulösen.

Diese fünf Konstellationen werden dir am häufigsten begegnen.

Maj7

Dur-Dreiklang (Prime, große Terz, Quinte) + große Septime

Min7

Moll-Dreiklang (Prime, kleine Terz, Quinte) + kleine Septime

Dominant7

Dur-Dreiklang (Prime, große Terz, Quinte) + kleine Septime

Achtung! Dominant7 Chords sind im Jazz auch gern zusätzlich mit alterierten Intervallen angereichert z.B C7b5, C7#5, C7b9, C7#9 (die 9, auch None, entspricht einer oktavierten Sekunde. Bei Grundton C also Db [b9] bzw. D [9])

Min7b5

Verminderter Dreiklang (Prime, kleine Terz, verminderte Quinte) + kleine Septime

MinMaj7

Moll-Dreiklang (Prime, kleine Terz, Quinte) + große Septime

Praxis

Akkorde anhand der Intervallstruktur zu bestimmen, ist immer dann möglich, wenn dir der Akkord visuell vorgegeben ist und Du seinen Namen erörtern willst. Mit dem Heraushören von Akkorden beschäftigen wir uns in den folgenden Kapiteln, wobei auch hier die Intervallkenntnis sehr hilfreich ist.

Desweiteren bist Du mit dieser Vorgehensweise in der Lage deine eigenen Akkorde zu bilden. Hierbei können oft wesentlich interessantere Voicings entstehen als bei den geläufigen Standard-Akkorden (Im folgenden Hörbeispiel habe ich ein C#min7 Akkord gebildet und dabei die Intervalle möglichst weit von aneinander verteilt- Instant Holdsworth Sound)

Um einen Akkord anhand der Intervallstrukur zu analysieren, nehmen wir zunächst an, dass der tiefste Ton in deinem gespielten Akkord der Grundton (die Prime) ist. Setze nun jeden weiteren im Akkord vorkommenden Ton nach und nach ins Verhältnis zu diesem Grundton bis Du alle Intervalle ermittelt hast. Intervalle die als Oktaven mehrfach vorkommen, um den Akkord aufzufetten, können wir ignorieren.

Versuche dir Töne, die sehr weit vom Grundton entfernt sind „zurückzuoktavieren“, um sie dir näher an den Grundton heranzuholen und so besser ins Verhältnis setzen zu können.

Die Intervallzusammensetzung sollte nun einer der besprochenen Formeln entsprechen und Du weißt, um welchen Akkord es sich handelt. Da es aus Platzgründen nicht möglich ist alle Akkorde abzudecken, können natürlich auch völlig andere Konstellationen entstehen, die aber eher in progressiven, jazzigen Genres zu Hause sind.

Ist der tiefste Ton nicht der Grundton, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Akkordumkehrung. Die Vorgehensweise ist etwas mühseliger aber ebenfalls zielführend. Betrachte hier jeden vorkommenden Ton nacheinander als Grundton und analysiere jeweils die Intervallbeziehung, bis Du auf eine sinnvolle Formel stößt.

Akkorde bestimmen durch diatonische Eingrenzung

Zu wissen in welcher Tonart das Stück steht ist Gold wert, denn jede Tonart, auch „Key“ genannt, besteht aus 7 Akkorden, die eine harmonische Gemeinschaft bilden (Diatonik). Die Akkordkonstellation bleibt dabei von Tonart zu Tonart gleich. Nur die Grundtöne variieren. Am einfachsten verschaffen wir uns hier mittels des Quintenzirkels einen Überblick.

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Eingekreist ist hier nun die Tonart G-Dur mit ihren 7 Stufenakkorden

Wenn Du dich jetzt z.B. in der Tonart G-Dur befindest, lauten deine Stufenakkorde der Reihe nach G, am, bm, C, D, em, f#°.

In A-Dur wären es hingegen A, bm, c#m, D, E, f#m, g#°

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Eingekreist ist hier nun die Tonart A-Dur mit ihren 7 Stufenakkorden

Wenn dir die Tonart des Stückes, das Du heraushören willst oder das Du selbst schreibst, bekannt ist, kannst du also einen Rahmen setzen, da theoretisch nur diese sieben Akkorde vorkommen können Durch ausprobieren kannst Du die Akkorde jetzt relativ schnell bestimmen.

Ist dir die Tonart unbekannt gibt es mehrere Möglichkeiten:

Im Idealfall ist sie durch die Vorzeichenangabe am Anfang des Stückes dokumentiert.

Desweiteren ist der erste Akkord im Stück sehr oft (aber eben nicht immer) die Tonika und somit ein Indikator für den Key. Startet das Stück also mit G ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch das G-Dur auch die Tonart ist.

Wenn du in dem Stück einen spannungsgeladenen Dominantakkord (z.B. D7) lokalisieren kannst, hilft das auch bei der Tonartermittlung. Der Dominantakkord löst sich nämlich fast immer um einen Schritt gegen den Uhrzeigersinn im Quintenzirkel zur Tonika auf. D7 würde also auf die Tonart G-Dur schließen lassen.

Jedoch hilft uns die Kenntnis über den diatonischen Rahmen nicht immer derart effizient beim Akkorde bestimmen. Wenn es sich um ein komplexeres Stück handelt, in dem viele Tonartwechsel (Modulationen) stattfinden oder Akkorde aus anderen Tonarten geliehen werden („Modal Interchange“) wird es schwieriger. Populäre Genres wie Rock und Pop sind jedoch meist sehr diatonisch komponiert und nur vereinzelt harmonisch aufgepeppt.

Akkorde bestimmen anhand von klanglichen Assoziationen

Es kann anfangs sehr hilfreich sein sich die verschiedenen Akkordsounds über klangliche Assoziationen zu merken

Es kann anfangs sehr hilfreich sein, sich die verschiedenen Akkordsounds über klangliche Assoziationen zu merken. Entweder ein generelles Feeling, welches der Akkord in dir erweckt oder aber ein prominentes Beispiel aus einem vertrauten Song. So wirst Du mit etwas Übung schnell in der Lage sein den Akkordetypus zu bestimmen und musst ihn dann nur noch auf den richtigen Grundton transponieren!

Es folgt eine Aufstellung von Assoziationen zu den gängigen Akkorden.

Dur-Akkord

Klangassoziation: fröhlich, hell
Beispielsongs:

Jimi Hendrix – Hey Joe (Hauptprogression besteht ausschliesslich aus Dur-Akkorden)
Guns n‘ Roses – Paradise City (Intro besteht ausschliesslich aus Dur-Akkorden)

Moll-Akkord

Klangassoziation: traurig, dramatisch, dunkler als Dur Akkord
Beispielsongs:

No Doubt – Don’t Speak (erster Akkord)
The Animals – House of the Rising Sun (erster Akkord)

Verminderter Akkord

Klangassoziation: spooky, Dissonant, klassisch, spannungsgeladen (verlangt nach Auflösung)
Beispielsongs:

Maroon 5 – This Love (Vierter Akkord in Intro und Verse)
Michael Jackson – Thriller (Letzter Synth-Akkord im Intro bevor Rest einsetzt)

Übermäßiger Akkord

Klangassoziation: spacey, labil, Auflösungsbedarf
Beispielsongs:

Beatles – Oh Darling (erster Akkord)
Oasis – Let there be Love (zweiter Akkord im Intro und im Verse)

Sus2 Akkord

Klangassoziation: offen, verträumt
Beispielsongs:

Tom Petty – Free Fallin‘ (in jedem Part der zweite Akkord)
The Police – Every Breathe you Take (dritter und vierter Akkord in Intro und Verse)

Sus4 Akkord

Klangassoziation: interessant, unaufgelöst

Beispielsong:

Queen – Who wants to live Forever (Verse bei „Away“ dann Auflösung zu D-Dur)
Soundgarden – Black Hole Sun (Verse bei „Sun“)

Major7 Akkord (Dur7)

Klangassoziation: schwebend, luftig, „jazzig“
Beispielsongs:

Antônio Carlos Jobim – Girl from Ipanema (erster Akkord)
Red Hot Chili Peppers – Under the Bridge (Verse Ende)

Minor7 Akkord (Moll7)

Klangassoziation: Wie Moll-Akkord, nur softer und „jazziger“
Beispielsong:

Roberta Flack – Killing me Softly (Instrumental Break bei ca. 00.32)
Paul Gilbert – Six Billion People (die ersten drei Akkorde sind alle Minor7)

Dominant7 Akkord

Klangassoziation: spannungsgeladen, auflösungsbedarf, Blues
Beispielsong:

Louis Armstrong – What a wonderful World (über „Wonderful“)
Chuck Berry – Rock and Roll Music (Bluesprogression, alle Chords sind Dominant7)

Min7b5 Akkord

Klangassoziation: Ähnlich dem verminderten Dreiklang aber etwas entschärfter
Beispielsongs:

Luiz Bonfa – Black Orpheus (zweiter Akkord, typisch in jeder minor II-V-I Progression auf der II. Stufe)
Joseph Kosma- Autumn Leaves (fünfter Akkord)

MinMaj7 Akkord

Klangassoziation: mysteriös, spannungsgeladen
Beispielsongs:

Beatles – Something (Don’t wanna leave her NOW)
John Barry – James Bond Theme (letzter Akkord im Stück)

Raushören

Vorab ein wichtiger Tipp:

Wenn Du die Möglichkeit hast, dann erstelle dir einen Loop von dem rauszuhörenden Akkord und verlangsame auch das Tempo etwas. Das vereinfacht dir das bestimmen der Akkorde ungemein.

Beim Raushören von Akkorden macht es Sinn systematisch vorzugehen.

Der pregnanteste Intervall ist immer der Grundton. Dieser liegt bei nicht umgekehrten Chords immer im Bass und ist daher am einfachsten zu verorten. Hast Du den Grundton ermittelt wird es eigentlich nur noch einfacher, vorrausgesetzt Du kennst dich mit der Intervallstruktur von Akkorden aus.

Als nächstes kannst Du zum Grundton abwechselnd die kleine oder große Terz spielen und hören welche davon „einrastet“ bzw. eher dissonant klingt. Hast Du das Gefühl, dass weder die kleine noch die große Terz passt, könnte es sich um einen Sus-Akkord handeln, bei dem die Terz durch eine große Sekunde (Sus2) bzw. durch die Quarte (Sus4) ersetzt wird. Probiere in diesem Fall also diese beiden Intervalle abwechselnd.

Als nächstes ermitteln wir die Quinte, indem wir ebenfalls die Optionen durchgehen (b5, 5 oder #5)

Da verminderte bzw. übermäßige Akkorde in der Populärmusik eher spärlich eingesetzt werden, wird es sich hier meist um die reine Quinte handeln. Ansonsten erkennt ihr die Exoten vielleicht auch daran, dass sich dir die Nackenhaare aufstellen. (siehe Klangassoziationen)

Haben wir es dagegen nur mit einer Kombination aus Prime und Quinte zu tun, handelt es sich natürlich um einen Powerchord.

Im Universum der Dreiklänge sollte deine Odyssee nun bereits zu Ende sein. Befinden sich jedoch noch weitere Intervalle in dem Akkord, haben wir es mit einem Vierklang bzw. Fünfklang zu tun. Hier müssen wir nun noch zusätzlich die möglichen Septimen und Alterationen ausprobieren (Siehe Intervallstruktur Vierklang)

Fazit

Die zahlreichen Akkordtypen und Variationen können sehr verwirrend sein. Doch mit unserem Ratgeber knackst Du jeden Akkord „DNA-Code“! Mach dich mit ihren klanglichen Eigenheiten sowie ihrer Struktur vertraut und schule dein Ohr um Intervallverhältnisse schnell analysieren zu können. Gehörbildung braucht seine Zeit doch es lohnt sich früh damit zu beginnen. Ein gutes Ohr öffnet dir völlig neue musikalische Horizonte!

Mit etwas Training wirst Du die Intervalle mit der Zeit schneller ermitteln können. Zum einen wird durch das bewusste Hören dein Gehör (mit der Zeit) besser und du kannst schon am Klang erkennen, um welchen Intervall es sich handelt. Hier empfehlen sich auch Gehörbildungs- Apps, in denen du gezielt Intervalle erkennen musst. Zum Anderen wirst du dir die Intervalle mit der Zeit auch visuell einprägen und musst dann gar nicht mehr groß überlegen oder hören!

Gute Intervallkenntnis kommt dir übrigens auch beim Komponieren von Melodien oder beim Improvisieren sehr zu Gute!

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