Raumakustik verbessern: Dein Ratgeber + Video für feine Akustik im Studio

Raumakustik verbessern

Raumakustik verbessern - auch in Homestudios lässt sich viel optimieren. Alle Tipps gibt's hier im Video.

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Die Verbesserung der Akustik im Raum – So geht’s

Wir haben diversen Experten für Studiobau und Raumakustik unsere Fragen gestellt. Aus den Antworten konnten wir die wichtigsten Erkenntnisse für eine bessere Akustik destillieren und in einem Video kompakt für dich zusammenstellen.

Es geht vor allem darum, welche Akustikelemente Du warum und wofür an Decke, Wänden & Co. einsetzen kannst, um die Akustik zu optimieren. Konkret handelt es sich um diese:

  • Diffusor – zweidimensional
  • Bassfalle – großer Absorber für alle vier Ecken im Raum
  • Absorber – mit 100 m dickem Akustikschaumstoff

Alles über Akustikelemente »

Video Tutorial
7 Tipps zur Verbesserung der Raumakustik 🎬

Alle Details zur Optimierung der Raumakustik

Warum Akustik optimieren?

Damit deine Mixe besser werden, solltest Du dich als Musiker oder Produzent mit der Verbesserung der Akustik im Raum beschäftigen. Wie deine Lautsprecher klingen, wird stark vom Raum beeinflusst. Die besten Studiomonitore der Welt verfehlen in einer akustisch schlechten Regie ihren Zweck.

Ein typisches Beispiel: Du findest die tiefen Frequenzen noch nicht wuchtig genug, also verpasst Du ihnen einen Boost … und beim Abhören des Stücks im Auto hörst Du plötzlich nur noch Bass. Mit guter Akustik wird deine Musik hingegen im Autoradio, in der Küche oder in der Disco genauso gut klingen wie im Studio.

Auch beim Recording kommt’s drauf an

Noch wichtiger ist die Raumakustik für die Aufnahme. Das Mikrofon nimmt nicht nur den Schall des Instruments auf, sondern auch die Umgebung und die Reflexionen von den Wänden. Häufig hat die Akustik im Raum einen größeren Einfluss auf Qualität und Charakter der Aufnahmen als das verwendete Mikrofon.

Mischst Du über Kopfhörer? Dann ist die Akustik im Raum egal. Wir können allerdings nicht empfehlen, ausschließlich Kopfhörer zum Mixen zu verwenden. Mehr dazu hier in unserem Lesetipp …

Der ultimative Ratgeber: Abmischen im Kopfhörer »

Bau- versus Studioakustik

Die Studio- bzw. Raumakustik verbessern zu wollen, hat nichts mit der sogenannten Bauakustik zu tun. Sie verfolgt das Ziel, dass der Nachbar so wenig wie möglich mitbekommt – Schalldämmung ist das Stichwort. Die Maßnahmen reichen von einer Verstärkung der Türen bis hin zu einer Raum-in-Raum-Konstruktion.

Mehr zum Thema: Studiobau & Bauakustik »

Hier geht es uns nur darum, wie Du die Studioakustik bzw. generell die Raumakustik verbessern kannst, um ausgewogene Abmischungen zu erzielen. Dazu nutzen wir Akustikelemente. Zunächst klären wir aber die unterschiedlichen Philosophien für die Optimierung von …

Regieraum vs. Recording

Die Akustik in deiner Regie – wo die Abhöre steht – unterscheidet sich im besten Fall maßgeblich von jener im Raum zur Aufnahme.

Regieraum

Hier soll Musik so neutral wie möglich klingen, damit Du genau beurteilen kannst, ob und welche Eingriffe sinnvoll sind. Wichtig sind diese beiden Aspekte:

  • Neutraler Frequenzgang – ausgewogenes Verhältnis von Bässen, Mitten & Höhen
  • Kontrollierte Nachhallzeit des Raumes

Alle Frequenzen (Tonhöhen) sollen an deiner Abhörposition gleichlaut sein und eine ähnlich lange Nachhallzeit mitbringen.

Recording

Hier hast Du durch eine veränderbare Raumakustik die Möglichkeit, unterschiedliche Mikrofonierungstechniken zu nutzen. So ist etwa für Gesang eine kürzere Nachhallzeit zu empfehlen als bei der Aufnahme von Akustikgitarre oder Percussions.

Du kannst mit mobilen, leicht auf- und abbaubaren Stellwänden, Vorhängen oder Diffusoren arbeiten. Schiebe dir die Raumakustik für die entsprechende Aufnahmesituation zurecht.

Nachhall im Raum

Parallele Wände können zu sogenannten Flatterechos führen – schnelle, wiederholte Schallreflexionen von Wand zu Wand.

Dagegen hilft zum Beispiel ein Breitbandabsorber, der die Nachhallzeit über ein breites Spektrum an Frequenzen hinweg eindämmt. Zusätzlich kann darin steckender Akustikschaumstoff vor allem hohe Frequenzen abmildern.

Gleichmäßiger Nachhall statt Schalltod

Wohlgemerkt: Wir wollen den Nachhall nicht komplett entfernen: Abgesehen davon, dass schalltote Räume auf Menschen sehr unangenehm wirken, ist das Fehlen jeglicher Schallreflexionen ein unnatürlicher Zustand. Wer die Musik später hört, tut das auch nicht in einem derart reflexionsarmen Raum. Stattdessen trachten wir nach einem möglichst neutralen Frequenzgang und eine dezente, in allen Tonhöhen weitgehend gleichmäßige Nachhallzeit.

Diffusor (zweidimensional) - Akustik im Raum optimieren

Mit zweidimensionalen Diffusoren klingt der Nachhall im Raum homogener

Dazu setzen wir sogenannte Diffusoren ein. In unserem Fall ist es ein zweidimensionalen Diffusor – mit vertikal und horizontal unterschiedlichen Vertiefungen, die die auftreffenden Schallwellen in verschiedene Richtungen reflektieren. Dadurch wird der Nachhall gleichmäßiger.

Zweidimensionale Diffusoren werden an der Decke montiert. Eindimensionale Exemplare, die den Nachhall nur in eine Richtung brechen, können an den Wänden hinter und/oder seitlich von dir angebracht werden.

Problemzone Bassbereich – Tiefe Frequenzen zähmen

In kleinen Räumen (20-40 m², Deckenhöhe 2,5 m) besteht in den tiefen Frequenzen meist der größte Bedarf nach einer Akustik-Optimierung. Hier gibt es oft erhebliche Unregelmäßigkeiten im Frequenzgang unter 600 Hz.

Beispiel: Ein elektronischer Bass erklingt je nach Tonhöhe unterschiedlich laut. Beispielsweise sind das G oder das D sehr präsent, E und C aber viel leiser. Die Ursache sind sogenannte Raummoden, die sich überlagern und Frequenzschwankungen um bis zu 20 oder gar 30 dB erzeugen können.

Bassfallen (Absorber) - Riefe Frequenzen im Raum zähmen

Bassfallen (engl.: »bass traps«) machen genau das, was ihr Name verspricht

Hiergegen helfen Bassfallen – eine Spezialform des Absorbers. Sie brauchen viel Platz und werden normalerweise in die vier Ecken des Raumes gestellt. Es handelt sich auch hier um Breitbandabsorber, doch durch ihr großes Volumen schlucken sie noch tiefere Frequenzen. Manche Bassfallen sind zudem so konstruiert, dass sie oberhalb von 1 kHz weniger stark absorbieren als die oben erwähnten Breitbandabsorber.

Mit den vier Bassfallen werden Lautstärkeabweichungen je nach Tonhöhe reduziert oder komplett eliminiert.

Erstfreflexionen

Direktschall ist der, der aus dem Lautsprecher kommt und auf direktem Wege dein Ohr erreicht. Erstreflexionen sind hingegen Schallwellen, die spätestens nach 20 Millisekunden einmal von Wand/Fußboden/Decke oder einem Objekt (Studiotisch, Mischpult etc.) reflektiert wurden.

Lesetipp: Lautsprecher aufstellen »

Wenn sich Direktschall und Erstreflexionen überlagern, entstehen Interferenzen. Der Sound wird teilweise (in bestimmten Frequenzlagen) abgeschwächt oder verstärkt. Womöglich tritt ein Kammerfiltereffekt auf.

Erneut können Breitbandabsorber aus der Patsche helfen: Erstreflexionen können gedämpft werden, so dass (fast) nur das Direktsignal hörbar bleibt. Nun lassen sich unter anderem einzelne Schallereignisse im Stereopanorama des Mixes besser orten.

Akustikschaumstoff (Absorber) - Raumakustik verbessern

Der Akustikschaumstoff in den von uns verwendeten Absorbern ist 100 mm dick und schluckt dadurch auch verhältnismäßig tieffrequenten Schall. Betrachte die dunkelblaue Kurve – schon bei knapp 500 Hertz wird die volle Wirkstärke erreicht.

So findest Du die richtigen Stellen

Den richtigen Platz für diese Akustikelemente findest Du mit einem Spiegel. Lege ihn auf den Tisch und verschiebe ihn so lange, bis Du den Lautsprecher von deiner normalen Abhörposition aus sehen kannst. Wenn möglich, legst Du an genau diese Stelle den Absorber, damit er den vom Tisch reflektierten Schall schluckt. Nach demselben Prinzip, aber mit der Hilfe einer zweiten Person entdeckst Du mögliche Stellen an der Wand/Decke.

Fazit: Raumakustik verbessern mit System

Wer seine Raumakustik verbessern möchte, kann laut Experten 70% bis 80% des Optimums bereits mit vorgefertigten Akustikelementen erzielen. Die restlichen Prozente gelingen nur mit einer maßgeschneiderten Lösung, für die grob 5.000 Euro zu veranschlagen sind.

Soweit unsere 7 Tipps, mit denen Du relativ einfach deine Raumakustik verbessern kannst. Jetzt bist Du am Zug …

Wie steht’s um deine Akustik?

Wie hast Du deine Raumakustik optimieren können? Welche Tipps kannst Du den anderen Lesern mitgeben? Welche Fragen bleiben offen? Wir freuen uns auf dein Feedback!

Wenn dir das Video und dieser Raumakustik-Ratgeber geholfen haben, freuen wir uns über das Teilen in deinen sozialen Netzwerken und die Weiterempfehlung von delamar. Danke! :)

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Lesermeinungen (4)

zu 'Raumakustik verbessern: Dein Ratgeber + Video für feine Akustik im Studio'

  • Timmie   02. Mrz 2016   19:18 UhrAntworten

    "Im Idealfall ist dein Homestudio in einem quadratischen Raum." Klingt zwar auf den ersten Blick richtig, bei genauerer Berachtung ist die Aussage aber leider falsch, da ein Raum (wie auch im Video angesprochen) mit quadratischen oder auch vielfachen Raumdimensionen (Breite, Höhe, Tiefe), z.b. doppelt so lang wie breit, am meisten den Klang verfärbt. Optimal ist ein Verhältnis der einzelnen Dimensionen von ca. 1,618 da hier fast keine Resornanzen auftreten.
    Soweit zu meinem Kentnissstand :)

  • Joachim   03. Mrz 2016   08:07 UhrAntworten

    Über die Aussage, dass ein quadratischer Raum optimal sei, habe ich mich auch sehr gewundert. Widerspricht er doch allem, was ich bislang gelesen habe.

    • Carlos San Segundo (delamar)   03. Mrz 2016   08:43 UhrAntworten

      Hallo Joachim,

      das ist im Gespräch vielleicht etwas untergegangen, aber quadratisch ist natürlich alles andere als optimal.
      In einem solchen Raum sind die Moden kaum zu kontrollieren.

      Herzliche Grüße
      Carlos

  • Katja   07. Mrz 2016   11:11 UhrAntworten

    I'm sooo sorry, Jungs. Natürlich meine ich einen rechteckigen Raum. Wer weiß woran ich beim Schreiben gedacht habe. Vielen, vielen Dank für den Hinweis. Ich will ja keinem falsche Infos weitergeben. Danke, dass ihr so aufmerksam wart.

    Liebe Grüße
    Katja

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