Rap-Beats selber machen: Anleitung

Rap Beats selber machen

Einfach mal Rap Beats selber machen? Hier ist dein einfacher Einstieg ins Beat Making.

Welcher Typ darf es sein beim Rap-Beats selber machen?

Rap ist eine komplexe Musikrichtung mit vielen verschiedenen Stilen und deshalb solltest Du immer bereits am Anfang darüber entscheiden, welche Art von Rap-Beat Du erstellen möchtest.

Die Grundlagen sind oft sehr ähnlich – aber es macht einen gewaltigen Unterschied, ob Du einen Boom Bap Beat basteln möchtest oder das Ganze eher in die Richtung Crunk/Dirty South gehen soll.

Fast alle Hip-Hop Instrumentals nutzen einen 4/4 Takt und ein Tempo zwischen 75 und 110 BPM. Bei diesem Beat habe ich mit 87 BPM gearbeitet.

Die Rap-Parts werden meistens auf 16 (sich wiederholenden) Bars gemacht, während die Hook (der Refrain) jeweils 8 Takte in Anspruch nimmt.

Um das Tutorial simpel zu halten, werden wir einen klassischen Rap-Beat mit selber bauen und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Wenn Du die Basics des Beatbauens erst einmal verinnerlicht hast, kannst Du bald sämtliche Arten von Rap-Beats selber erstellen.

Welche DAW-Software eignet sich am besten zum Rap-Beats erstellen?

Dies ist wohl die am häufigsten gestellte Frage von angehenden Beat-Produzenten. Doch zur Verwunderung Vieler gibt es keine richtige Antwort darauf.

Ob Du Fruity Loops, Cubase oder gar eine MPC benutzt, spielt überhaupt keine Rolle. Achtung, Spoiler: Für Rap-Beats brauchst Du weder teure Audio Plugins noch sonstige Extras. Viel wichtiger ist dagegen, dass Du mit deiner Musiksoftware vertraut bist.

Es gibt Hit-Produzenten, die mit billigstem Equipment wahre Hits erstellen. Und andere, die -trotz teurer Ausstattung- keine Qualität liefern. Letztendlich zählt nur deine Kreativität.

Womit beginnen beim Rap-Beats selber machen?

Es gibt keine feste Regel, womit Du den Rap Beat beginnen solltest. Die meisten Rap Beat Maker bevorzugen die Drums zuerst. Du kannst auch zuerst eine Melodie kreieren, doch diese Vorgehensweise ist in der Regel etwas schwieriger.

Wie die einzelnen Patterns programmiert werden, zeigen wir dir anhand eines Rap-Beats, den ich in Logic X mit dem Plugin Battery 4 erstellt habe.

Das funktioniert analog hierzu in jeder anderen DAW und jedem Musikprogramm.

Lies auch: Beats selber machen (Special)

Drums auswählen & programmieren

Zunächst einmal ist es wichtig, die jeweiligen Drum Samples für deinen Rap-Beat herauszusuchen. Du hast dabei die Möglichkeit, auf kostenlose Sample-Packs zurückzugreifen oder sampelst selbst von Schallplatten (oder anderen Quellen).

Wenn Du auf vorgefertigte Samples zurückgreifst, ist wahrscheinlich, dass bereits jemand anders genau den gleichen Sound verwendet hat. Du solltest das jeweilige Sample daher zumindest etwas mit dem EQ oder anderen Effekten bearbeiten.

Das Drum-Kit in diesem Rap Beat besteht aus Kick Drums, Snares und Hi-Hats aus unterschiedlichen Quellen. Teilweise gesampelt und neu gemixt, teilweise zusammengestellt.

Rap Beats selber machen: Snare

Hier siehst du die Snare. Sie befindet sich stets auf der 2 und auf der 4 im Raster.

Am Anfang war die Snare

Wir fangen mit der Snare Drum an. Diese liegt grundsätzlich immer auf der 2 und auf der 4 bei einem 4/4 Takt (1-2-3-4).

In unserem Beispiel handelt es sich jedoch nicht um eine einzige Snare, sondern um drei verschiedene. Diese werden gleichzeitig mit unterschiedlicher Lautstärke und spezifischen EQ-Einstellungen abgespielt, sodass ein individueller und lebhafter Klang entsteht.

Die Velocity (Anschlagsstärke) habe ich durchgehend auf dem Maximum von 127 belassen.

 

Rap Beats selber machen: Kick

Zwei unterschiedliche Kick Drums die abwechselnd gespielt werden.

Kick Drum im Rap-Beat platzieren

Ebenso wichtig ist die Kick Drum oder Bass Drum. Die sorgt für dafür, dass der Rap-Beat vorangetrieben wird und ordentlich Druck macht. Bei unserem Instrumental verwenden wir zwei unterschiedliche Samples für die Kick Drum.

Die oberen Kicks landen (mit einer Ausnahme) auf den ungeraden Zählzeiten – 1, 3, 6 usw. Das sind die starken oder betonten Zählzeiten. Die unteren Kicks liegen dagegen etwas verstreuter im Beat.

Grundsätzlich sollte die erste Kick Drum immer auf der 1 liegen. Eine Kick Drum sollte sich auch niemals mit der Snare Drum überschneiden bzw. gleichzeitig getriggert werden. Ansonsten hast Du freie Hand und kannst die Kick Drum so spielen, wie sie dir am besten gefällt.

Wenn Du ein wenig mit den Werten der Velocity experimentierst, kannst Du mehr Dynamik in den Rap Beat bringen. In diesem Fall habe ich lediglich die einzelnen Drums in Battery 4 gelayert und angepasst.

 

Rap Beats selber machen: HiHats

Die Hi-Hats werden mit unterschiedlicher Velocity, regelmäßig abgespielt.

Hi-Hat für den Rap-Beat

Mit Kick und Snare haben wir bereits ein Gerüst. Um dem Ganzen Rhythmus und Gefühl zu verpassen, muss eine passende Hi-Hat her.

Wir verwenden einen herkömmlichen Sound, den wir aus einer offenen und einer geschlossenen Hi-Hat gemischt haben.

Im 4/4 Takt landet die Hi-Hat schließlich auf jedem zweiten Step, wobei im Verlaufe des Beats weitere Variation eingebaut werden sollten.

Du kannst auch auf den 8-teln und/oder auf den 16-tel ein Cymbal oder eine Tamburin einbauen, doch bei diesem Rap-Beat hat das nicht allzu gut gepasst.

Sehr wichtig bei der Hi-Hat ist die Velocity. Diese verleiht einen natürlichen Groove. Deswegen stellen wir das so ein, dass jede zweite Note eine geringere Anschlagsstärke als die Note zuvor hat.

 

Rap Beats selber machen: Bass

Die Bassnoten können ganz nach Belieben eingespielt werden. Die Anschlagsstärken sollten jedoch etwas geringer sein als bei den restlichen Instrumenten.

Wir brauchen Bass für unser Rap Instrumental

Die Drums sind soweit im Kasten und das Ganze klingt auch schon nach etwas, doch ohne Bass wirkt unser Beat ziemlich fad und leer.

Es gibt unzählig viele Möglichkeiten, um einen Bass-Teppich zu erstellen. Manchmal reicht es aus, die Kick Drum mit einem dezenten Bass-Sample zu unterlegen.

Für diese Anleitung zum Rap-Beat selber machen nutzen wir eine Bassline, die ich mit dem Keyboard einspiele. Als Synthesizer nutze ich das virtuelle Instrument TAL Bassline 101.

Die Noten sind nach Gefühl gespielt, folgen keinem Muster. Gute Ergebnisse erzielst Du, wenn die erste Note der Bass-Line auf der 1 liegt. Du solltest darauf achten, dass Bass und Kick Drum miteinander harmonieren und klanglich zueinander passen.

Die Lautstärke einzelner Bassnoten sollte stets geringer sein als die der anderen Instrumente.

 

Rap Beats selber machen: Melodie

Die Melodie besteht aus kurzen Samples, die in einer gewissen Reihenfolge abgespielt werden.

Eine passende Melodie

Wir kommen unserem selbstgemachten Instrumental immer näher – alles was noch fehlt ist eine eindringliche und groovige Melodie.

Die meisten klassischen Rap-Beats verwenden dafür Samples, also Stücke aus anderen Liedern. Diese können dann entweder alle vier Takte wiederholt (geloopt) oder in kleinere Teile zerschnitten (gechoppt) und neu arrangiert werden.

Bei diesem Beat nutze ich die Chopping-Technik. Insgesamt kommen vier unterschiedliche Samples zum Einsatz.

Leider gibt es kein Patentrezept für diesen Schritt. Letztendlich kommt es auf den Rhythmus, den Geschmack des Beat Makers und die verwendeten Samples an. Auf die Suche nach einem Sample solltest Du entsprechend viel Zeit aufwenden.

Lies auch: Free Samples: Melodien, Effekte und mehr

Rap Beats selber machen: Vocal Cuts

Die Vocal Cuts dienen dazu, dem Beat zweitweise mehr Abwechslung zu verleihen.

Variationen im Song-Arrangement

Ein Rap-Beat, der sich lediglich alle vier Take wiederholt, wird ziemlich schnell langweilig. Deswegen brauchen wir kleine Veränderungen bzw. Variationen.

Du kannst ein zusätzliches Instrument, eine veränderte Tonfolge oder auch Pausen einbauen – Du entscheidest.

Bei diesem Instrumental habe ich Vocals aus einem anderen Musikstück ausgeschnitten. Diese wurden gepitcht (in der Tonhöhe verändert), mit dem Equalizer bearbeitet und daraufhin neu eingespielt.

Die Noten sind dabei allesamt leicht verschoben und weisen unterschiedliche Velocity-Werte auf. Mit etwas Friemelarbeit passen sie sich in das Gefüge ein und verfeinern das Instrumental.

Rap Beats selber machen: Hook

Nicht nur Rap-Beats benötigen eine Hook. Sie ist das Herz eines jeden Musikstücks.

Hook – was hängen bleibt

Das Schwierigste kommt immer zum Schluss und das ist in diesem Fall der Refrain, Chorus oder die Hook. Sie sollte eingänglich sein, aber nicht den Rest des Beats in den Schatten stellen. Unzählige Rap Beat Maker haben hiermit so ihre Problemchen.

Manchmal reicht bereits ein zusätzliches Instrument mit wenigen Noten. In anderen Fällen werden einfach Scratches oder Vocal-Cuts hinzugefügt.

Für unsere Rap-Beats selbermachen Anleitung habe ich eine neue Melodie erarbeitet. Die Samples stammen von der gleichen Quelle wie die der Melodie, doch sie unterscheiden sich deutlich im Klang.

Insgesamt handelt es sich um acht unterschiedliche Samples, die passend zum restlichen Instrumental abgespielt werden.

 

Swing beim Rap-Beats selber machen

Nun, da wir mit dem Rap-Beat selber bauen fast fertig sind, können wir exportieren und rappen, oder? Ja, eigentlich schon. Aber es fehlt noch eine wichtige Sache – der Swing, der Groove, das Feeling.

Baust Du deine Beats nach dem Raster und platzierst jede Note genau auf der Zählzeit, klingt dein Instrumental meist maschinell.

Natürlich könntest Du deine Samples etwas ungenauer schneiden oder einzelne Parts ohne Quantisierung einspielen, doch es gibt eine einfache Möglichkeit, um dem Beat mehr Leben einzuhauchen: Der Swing-Parameter deiner DAW.

Je nach Musikprogramm heißt das Swing oder Quantisierung und sind unterschiedlich aufgebaut. Als guten Einstiegswert kannst Du Swing-Werte zwischen 55 bis 69 % für Rap-Beats verwenden.

Am besten ist es, mit den Einstellungen herumzuspielen und dich dabei auf dein Gehör zu verlassen. Mit der Zeit wirst Du ein Gefühl für den richtigen Groove entwickeln.

Tipp zur Quantisierung

Nimm ruhig unterschiedliche Swing-Werte für Kick und Snare oder die Hihats.

Plugins & Effekte für den selbstgemachten Beat

Wenn dein Instrumental soweit fertig ist und richtig swingt, bleibt lediglich der Feinschiff übrig.

Das wichtigste Werkzeug ist dabei der Equalizer. Diesen verwendest Du auf den Einzelspuren und stellst ihn individuell ein.

Um den Drums mehr Biss zu verleihen kann ein Kompressor verwendet werden, denn dieser verleiht vor allem der Kick mehr Druck und Power. Allerdings ist dies nicht immer angebracht und er sollte dezent eingesetzt werden.

Für die Melodie wird wiederum gerne ein leichter Reverb benutzt, da dieser für breiteren und fülligeren Klang sorgt.

Weitere beliebte Tools zum Rap-Beats selber bauen sind Bit Crusher und Vinyl-Plugins.

Mehr dazu: Musik-Effekte erklärt

Fazit: Rap-Beats selber machen

Du verfügst nun über das nötige Grundwissen, um Rap-Beats selber machen zu können. Am besten setzt Du dich direkt hin und baust unseren Beat oder einen ähnlichen nach. Welche Musiksoftware Du verwendest, ist dabei nicht wichtig. Du wirst mit allen ans Ziel gelangen.

Schwierig wird es lediglich bei den Samples. Sie sind nicht immer einfach zu finden und Du benötigst eine Genehmigung des Urhebers, um sie für kommerzielle Zwecke oder zur Veröffentlichung im Internet zu nutzen.

Selbstverständlich haben wir in dieser Anleitung viele Dinge ausgelassen, die dir ebenfalls beim Rap-Beats selber machen behilflich sein können, doch für den Anfang reicht das bisherige Wissen bestens aus.

Wenn Du mehr zum Thema Producing erfahren möchtest, findest Du auf unserer Webseite viele weitere Workshops und Anleitungen, mit deren Hilfe Du dich weiterbilden kannst.

Weiterführende Links

Beat-Programmierung

Beat-Programmierung – Buchtipp

Lesetipp für ambitionierte Produzenten: Das Buch »Beat-Programmierung« von Maya Consuelo Sternel erklärt dir weitere technische Grundlagen und viele Details zum Thema Rap-Beats selber bauen. Hier lernst Du nicht nur, welche Tools Du nutzen kannst, sondern wir Quantisierung, Effekte und das Setzen von Noten im Detail funktioniert.

» Hier geht es zum Buch auf Amazon