Audio-Editor – Die besten Programme für Audiobearbeitung & Mastering

17
SHARES

Mit einem Audio-Editor kannst Du Audiodateien (WAV, AAC, WMA, FLAC & Co.) exakt beschneiden, in der Lautstärke verändern, ein- und ausblenden, restaurieren und mehr. Hier findest Du kompakte Portraits der wichtigsten und besten Programme in dieser Kategorie. Alle funktionieren mit Windows, die allermeisten mit Mac OS, eins mit Linux und ein weiteres auch auf einem iPad.

Audio-Editor – Funktionen

Der Audio-Editor ist neben der DAW-Software eines der wichtigsten Musikprogramme. Zunächst kannst Du damit entweder Klänge über ein Audio Interface aufnehmen oder vorhandene Audiodateien laden. Dann folgt die Bearbeitung – hierauf ist ein Audio-Editor spezialisiert.

Samples schneiden, normalisieren, Rauschen tilgen, …

Klassische Anwendungen: die Entfernung von stillen (oder mit belanglosem Hintergrundrauschen gefüllten) Passagen direkt vor und nach aufgenommenen Instrumenten- bzw. Gesangsparts. Oder das Umkehren von Audiodateien, damit sie rückwärts abgespielt werden. Noch ein typisches Beispiel: die Konvertierung in eine andere Sample-Rate bzw. Bit-Tiefe. Auch Restaurationen (z.B. Rauschen, Kratzer und Knackser in Audiomaterial entfernen) können meist schon mit den Bordmitteln in einem Audio-Editor erledigt werden.

Die letztgenannten Beispiele fallen auch in den Aufgabenbereich des Masterings, bei einem guten Audio-Editor lässt sich die Grenze zur Mastering Software eben nicht klar ziehen. Typische Funktionen entsprechend spezialisierter Programme werden im zweiten Teil dieses Artikels beleuchtet.

Ein Audio-Editor bietet sich vornehmlich für destruktive Audiobearbeitung an. Deren Ergebnisse werden in den Audiodateien selbst abgespeichert, quasi »eingebrannt«. Bei den Audiospuren in einer DAW ist es hingegen so, dass Effekte und andere Bearbeitungen während des Abspielens in Echtzeit berechnet und förmlich »darübergestülpt« werden, während die originalen Audiodaten unangetastet bleiben.

Abstecher: Programm zum Musik schneiden » gesucht?

 

Audio-Editor - WaveLab 9

Steinberg WaveLab  

Der etablierte Audio-Editor unterstützt Windows 10 und Mac OS X 10.11, jeweils auch für 64-Bit. Auf einzelne Clips können in der Vollversion jeweils bis zu zehn verschiedene Effekte gelegt werden. Dank Stapelverarbeitung lassen sich Arbeitsschritte automatisieren und auf beliebig viele Audiodateien anwenden. Ein kompletter Arbeitsbereich bietet Werkzeuge zur Erstellung und Veröffentlichung von Podcasts, auch mit direkter Veröffentlichung auf iTunes.

Alle Erkenntnisse im WaveLab 9 Pro Testbericht »

Fenster lassen sich in ihrer Größe anpassen, gruppieren und frei verschieben. Ein Arbeitsbereich mit Analysewerkzeugen und -anzeigen kann auf Wunsch separat auf einem zweiten Computermonitor angezeigt werden. Neu seit Version 9 sind die Registerkarten (wie die Tabs in einem Browser) für einen schnellen Zugang zu verschiedenen Bereichen. Die wichtigsten Parameter lassen sich mit bis zu vier verschiedenen MIDI-Controllern ansteuern, wobei MIDI-Learn die Konfiguration bequemer gestaltet.

Wer bescheidenere Ansprüche an einen Audio-Editor hat, greift zur erheblich günstigeren Version WaveLab Elements. Die Unterschiede liegen beispielsweise in der maximalen Sample-Rate (384 vs. 96 kHz), den parallel nutzbaren Audiospuren (>1.000 vs. 3) und den mitgelieferten Plugins (41 vs. 18). Für alle, die ihre altes Vinyl und Kassetten digital archivieren wollen, sind aber in beiden Editionen Restaurationswerkzeuge von Sonnox enthalten.

579,- Euro / 99,99 Euro (Elements)

 

 

Audio-Editor - Magix Sound Forge Pro 11

Magix Sound Forge

Mit diesem Audio-Editor für Windows lassen sich bis zu 32 Kanäle gleichzeitig mit maximal 64 Bit & 192 kHz aufzeichnen. Neben dem Support beliebiger VST-Plugins sind zwölf Effekte enthalten – unter anderem der Vocal-Multieffekt iZotope Nectar Elements, Time-Stretching per zplane élastique sowie hauseigene Tools zur Analyse, Restauration und Konvertierung. Umfassende Werkzeuge für das Recording mehrerer Takes und die Arbeit mit Events sind an Bord. Eigene Interface-Konfigurationen für einen oder mehrere Bildschirmen lassen sich speichern.

Mit der nahtlosen Integration von SpectraLayers Pro können beliebige Bereiche zur Spektralanalyse und -editierung geöffnet, bearbeitet und dann automatisch und Sample-akkurat an den Audio-Editor Sound Forge Pro zurückgeschickt werden.

Das Bundle »Audio Master Suite« umfasst Sound Forge Pro 11 und das erwähnte SpectraLayers Pro 4. Auch ist mit »Audio Studio 10« ein abgespeckter, günstigerer Ableger der Vorgängerversion 10 zu haben:

Alle Erkenntnisse im Sony Sound Forge Audio Studio 10 Testbericht »

Hier fehlen etwa die Effekt-Plugins von iZotope und zplane, die Profiwerkzeuge für Analyse, Restauration etc. sowie diverse fortgeschrittene Funktionen. Zudem wird »nur« eine Wortbreite von 32 Bit unterstützt.

Sound Forge Pro: 399,- Euro
Sound Forge Audio Studio: 59,99 Euro
Audio Master Suite: 599,- Euro

 

 

Audacity - Audio-Editor

Audacity   

Dieser kostenlose, quelloffene Audio-Editor ist sowohl für Windows-Rechner und Macs als auch für Linux-PCs erhältlich. Eine deutsche Übersetzung liegt vor. Bei entsprechend ausgestatteter Hardware sind Mehrspur-Aufnahmen mit bis zu 24 Bit und 384 kHz möglich. Unter anderem lassen sich Dateien der Formate WAV, AIFF, AU, FLAC, Ogg Vorbis importieren und exportieren, über weitere Komponenten wird zudem der Im- und Export von MP2, MP3, AC3, M4A/M4R (AAC) und WMA ermöglicht.

Neben den für eine Audio Editing Software üblichen Arbeitsschritten wie Schneiden, Erstellung von Hüllkurven etc. können Änderungen unbegrenzt rückgängig gemacht oder wiederhergestellt werden. Essentielle und fortgeschrittene Effekte wie Normalisierung, Tonhöhenänderung, Time-Stretching, EQ, Filter, Kompressor, Delay, Phaser, Reverb und mehr werden mitgeliefert. Die Stapelverarbeitung erlaubt es, beliebig viele Dateien automatisiert zu bearbeiten.

Plugins der Formate VST, AU, LADSPA und Nyquist können in diesem kostenlos erhältlichen Audio-Editor genutzt werden. Zu guter Letzt finden sich auch hier Werkzeuge zur Audioanalyse wie ein Spektrogramm. Audacity ist nicht so umfangreich wie die kommerziellen Editoren, doch für ein Gratisprogramm sind die Funktionen äußerst zahlreich. Außerdem lässt sich damit sehr einfach der gesamte Windows Sound aufnehmen – cool.

kostenlos [Download]

 

 

Audio-Editor - Celemony Melodyne 4

Celemony Melodyne  

Keine Mastering Software und zumindest kein klassischer Audio-Editor, sondern ein spezialisiertes Audiowerkzeug, das vor einigen Jahren Neuland betrat: Melodyne erkennt Tonhöhen in Audiodateien, also die Noten, die in einer Aufnahme gesungen bzw. gespielt wurden. Angezeigt werden diese in einer Kombination aus Wellenformen und einer gewöhnlichen Pianorolle, wie Du sie wahrscheinlich schon aus einer DAW-Software kennst.

Die so erstellten Schnipsel, hier »Blobs« genannt, kannst Du beliebig verschieben, dehnen und stauchen, um die Tonhöhen, das Timing und die Abspielgeschwindigkeiten der Einzelklänge ganz nach Wunsch verändern. So können auch die Intonation korrigiert und mehrstimmige Parts aus zuvor einstimmigen Klängen erzeugt werden.

Die Vollversion Melodyne editor umfasst sämtliche Features. Bei Melodyne assistant wird unter anderem auf die Bearbeitung mehrstimmigen Materials verzichtet, der Workflow bleibt jedoch gleich. Melodyne essential ist auf die Basisfunktionen für Tonhöhe und Timing beschränkt, wobei ein vergünstigtes Upgrade auf die zuvor genannten größeren Editionen möglich ist. Mit Melodyne studio erhältst Du schließlich die volle Packung mit sämtlichen Funktionen.

Melodyne editor: 399,- Euro
Melodyne essential: 99,- Euro
Melodyne assistant: 249,- Euro
Melodyne studio: 699,- Euro

 

 

Mastering Software – Funktionen

Mit Mastering Software kannst Du beispielsweise alle Tracks eines Albums auf ein einheitliches Lautstärkeniveau bringen oder klangliche Ungereimtheiten beheben, die beim Abmischen (dem »Mixdown«) übersehen wurden. Weitere Ziele sind eine gemeinsame »Handschrift« im Klangcharakter aller Stücke oder die Gewährleistung einer ähnlichen Klangqualität auf unterschiedlichen Abspielgeräten.

Die Grenze zum Audio-Editor ist fließend

Ein wichtiger Teilbereich ist die Restauration, bei der Rauschen, Kratzer, Knacken und sonstige Störgeräusche aus Aufnahmen von Schallplatten, Tonbändern & Co. entfernt werden. Weiterhin zu nennen ist das Remastering von älteren Musikstücken, die noch mit analogen Masterbändern produziert wurden und nun für eine Neuauflage aufpoliert werden sollen.

Oft das Audio- vom technischen Mastering getrennt betrachtet – Letzteres umfasst die Erstellung eines Glasmasters zur Produktion von CDs bzw. einer Matrize für die Vinylpressung von Schallplatten.

Alternativ zu eigenständigen Audio-Editoren mit entsprechenden Funktionen erscheinen mehr und mehr Plugins, also virtuelle (Multi-)Effekte zur Einbindung in die DAW-Software. Sie beinhalten zahlreiche Funktionen zum Audio-Mastering.

Ohne die nötige Erfahrung und mit vergleichsweise günstigen Programmen kannst Du als Musiker oder Produzent natürlich nicht alle Aufgaben in der Qualität bewältigen, die ein professioneller Mastering-Ingenieur abliefert. Dennoch kannst Du schon einiges bewirken, beispielsweise um einem Demo den letzten klanglichen Feinschliff zu verpassen.

 

iZotope Ozone - Audio Editor & Mastering Software

iZotope Ozone  

Hier werden etwa ein Dutzend Audio-Effekte in einem Plugin für Windows & Mac OS vereint – diverse Equalizer und Dynamikeffekte aller Art sowie ein Tool zur Stereobearbeitung, eine virtuelle Bandmaschine und mehr. Das Mehrzweck-Dynamikwerkzeug, einer der EQs und die Stereotools erlauben separate Einstellmöglichkeiten für mehrere Frequenzbänder. Hunderte von Presets bieten Ausgangspunkte, um schneller selbst Hand anlegen zu können.

Alle Erkenntnisse im iZotope Ozone 7 Advanced Testbericht »

Obwohl die Effekte mit der genannten Reihenfolge einem logischen Verlauf der Signalverarbeitung folgen, besteht die Möglichkeit, die einzelnen Module per Drag & Drop beliebig umzuordnen, also das sog. »Routing« zu verändern. Weiterhin kannst Du Einstellungen rückgängig machen oder wiederherstellen, die A/B-Vergleichsmöglichkeit nutzen und in fünf der Module eine separate Mitten/Seiten-Bearbeitung vornehmen.

Die professionell ausgerichtete Version Ozone 7 Advanced ist um diverse Effekt- und Metering-Module reicher, zusätzlich werden diese als Einzeleffekte in Form von separaten Plugins mitgeliefert. Auch stehen mehr Funktionen in den Standardmodulen zur Verfügung und schließlich gibt es eine Handvoll konfigurierbarer Analysewerkzeuge und Tool zum Metering nach Bob Katz‘ K-System, ITU-R BS.1770-2, EBU R128, True Peak und RMS.

iZotope Ozone Standard: 229,- Euro
iZotope Ozone Advanced: 499,- Euro

 

 

Audio-Editor & Mastering Software - Vengeance Mastering Suite

Vengeance Mastering Suite  

Diese erschwingliche Lösung des Entwicklers, der für den renommierten Synthesizer Nexus verantwortlich zeichnet, besteht aus fünf Plugins, mit denen sich hauptsächlich die M/S-Stereofonie bearbeiten lässt – mittlerweile ein wichtiger Bereich im Mastering.

Das einfachste Tool ist der Stereo Splitter zur separaten Regelung des Mitten- (0 bis 125%) und des Seitensignals (0 bis 400%). Ähnlich schlicht ist der M2S Expander, der mit einem von 3 – 15 ms verstellbaren Delay arbeitet, um den Stereoeffekt zu erzielen. Der M2S Shifter ist ein unorthodoxes Plugin für frequenzabhängige Stereoerweiterungen mit Kurvenformung per Maus.

Das vierte separate Plugin stellt das Stereobild wahlweise per Goniometer, durchlaufender Wellenform, FFT-Spektrogramm oder »Spektralwolke« dar. Dazu kommen Pegelanzeigen für den Mitten- und den Seitenanteil sowie das finale Stereo-Ausgangssignal.

Das »Stereo Bundle« vereint die vier Basismodule schließlich auf einer Oberfläche. Dabei gibt es jeweils für die Mitten- und Seitenanteile zusätzliche EQs, Panning-Regler, Gain-Potis und mehr, außerdem ist ein Stereobus-Kompressor an Bord.

Die Formate: VST, VST3, AU, AXX & RTAS, bis auf Letztgenanntes auch für 64 Bit. Ein eLicenser-Dongle ist erforderlich.

99,- Euro

 

 

Mastering Software & Audio-Editor - IK Multimedia T-RackS CS

IK Multimedia T-RackS CS  

Das Grundmodul dieser Mixing & Mastering Software besteht aus einem kostenlosen Standalone-Programm bzw. Plugin, in dem von Haus aus bereits zwei Werkzeuge integriert sind – ein parametrischer 6-Band-Equalizer und die Metering Suite zur Analyse.

Nach Bedarf kannst Du weitere Module direkt in T-RackS CS erwerben und einbinden bzw. als separate Plugins verwenden. Zur Verfügung stehen zahlreiche EQs, Dynamikprozessoren, Reverbs, ein Delay und eine Erweiterung zur Stereobearbeitung. Schließlich lassen sich damit bis zu 12 Effektmodule füllen und beliebig miteinander verketten. Im einem verwandten Testbericht auf delamar haben wir übrigens viele der Effekte unter die Lupe genommen:

Alle Erkenntnisse im IK Multimedia T-RackS 3 Deluxe Testbericht »

Unterstützt werden maximal 32 Bit & 192 kHz. Dank Oversampling lässt sich die Qualität der Signalbearbeitung potentiell erhöhen. Im Standalone-Betrieb lassen sich unter anderem mehrere Dateien stapelverarbeiten, wobei für Input & Output die Formate WAV, AIFF, SD2, Apple CAF, FLAC und MP3 nutzbar sind. Die Schnittstellen VST, AU, AAX und RTAS werden unterstützt, jeweils auch im nativen 64-Bit-Format.

kostenlos mit EQ & Metering, Erweiterungen kostenpflichtig

 

 

Audio-Editor & Mastering Sogtware - Roland R-Mix

Roland R-Mix   [auch für iPad]

Fernab von Mastering Software oder einem Audio-Editor im klassischen Sinne betritt R-Mix Neuland: Hier kannst Du einen kompletten Stereo-Mix in »Wolken« aus Lautstärke und Frequenz darstellen lassen, um direkt darin gewisse Regionen mit einem elliptischen oder rechteckigen Auswahlwerkzeug zu selektieren und zu bearbeiten.

So lassen sich einzelne Instrumente aus einer Aufnahme tilgen oder Playalongs bzw. Karaoke-Versionen erschaffen, wenn die Du die Quelldaten mit dem Mehrspur-Arrangement nicht (mehr) zur Hand hast.

Alternativ nimmst Du zwei fertige Tracks und blendest jeweils nur die unerwünschten Komponenten aus, um die verbleibenden Signale wieder zu einem Track zusammenzumischen. Auch ist der Einsatz als Übungswerkzeug denkbar, etwa um ein Gitarrensolo zu isolieren und für einfacheres Nachspielen zu verlangsamen. Die Restauration ist ebenso möglich, indem die Pegel einzelner Instrumente angepasst und Nebengeräusche reduziert werden.

Weiterhin kannst Du die Position der ausgewählten Elemente im Stereopanorama justieren, ihnen Effekte zugweisen sowie deren Tonhöhe und/oder Geschwindigkeit unabhängig voneinander regulieren. Bis zu zwei Stereodateien (WAV oder AIFF, 16 Bit) können geladen werden.

99,- Euro

 

Von Felix Baarß