Musik erstellen Ratgeber: So geht’s

Musik erstellen - Ratgeber

Musik erstellen am eigenen Rechner ist einfach wie nie - hier sind die ersten Schritte.

Was brauche ich für meinen ersten Song?

Wenn dich die Materie überfordern sollte, ist das nicht ungewöhnlich. Lass dich davon nicht entmutigen. Musikproduzent, Tontechniker oder Musiker wird niemand über Nacht. Du kannst bei deinem ersten Song noch nicht alles perfekt machen. Wichtig ist nur, dass Du überhaupt loslegst mit dem Song erstellen. Deswegen fangen wir am Besten ganz vorne an.

In diesem Ratgeber erwartet dich eine umfangreiche Anleitung zum Musik erstellen. Anhand dieser kannst Du dich entlanghangeln und absolvierst deine ersten Schritte mit Bravour.

Erfahre mehr darüber, welches Musikprogramm geeignet ist, welche Geräte Du für dein Homestudio brauchst und wie Du das alles richtig verkabelst – damit dein Start gelingt.

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Welches Programm zum Musik erstellen?

Wenn Du an deinem Computer Musik erstellen willst, brauchst du zuerst einmal ein geeignetes Programm, eine Prozessorleistung, die dieses stützt, sowie genügend freien Speicher auf der Festplatte.

Die Schaltzentrale zum Musik erstellen ist heutzutage das Musikprogramm, auch DAW (Digital Audio Workstation) genannt. Jede Musiksoftware hat ihre eigenen Vor- und Nachteile oder eignet sich besonders gut für die ein oder andere Musikrichtung.

Die relevantesten Programme zum Musik erstellen:

Reaper (Tipp!)

Vollwertiges Programm. Gut geeignet für alle Genres, in denen Instrumente und Vocals aufgenommen werden (Rock, Pop, etc.). Sehr günstig bei einem Einstiegspreis von 50 Euro. Für das Producing müssen Plugins dazugekauft werden.

FL Studio (Tipp!)

Eine gut ausgestattete Produktionsumgebung, die von vielen belächelt wird. Im Bereich EDM und Hiphop bietet sie einen sehr einfachen Einstieg und eine freundliche Community, die gerne weiterhilft.

PreSonus Studio One

Diese DAW kommt mit Rückenwind und wird von Version zu Version ausgereifter. Es handelt sich hier um einen Allrounder, der sich durch eine sehr schöne Oberfläche und exzellente Bedienung hervortut. Auch der Preis liegt unter dem der alteingesessenen.

Logic Pro

Wer nur mit einem Mac arbeitet, kann sich an Logic Pro von Apple halten. Es handelt sich hierbei um einen echten Allrounder, der von Rock bis EDM alles bewältigt und von Haus aus sehr gut ausgestattet wurde. Größtes Manko: Keine Windows-Version.

Ableton Live

Dieses Musikprogramm verfolgt einen anderen Ansatz als die anderen – looporientiert. Gerade für elektronische Musikrichtungen eignet es sich sehr gut, um aus einem Loop einen ganzen Song zu basteln. Für Pop, Rock und eher handgemachte Musik würden wir eher auf was anderes zurückgreifen. Manko: Sehr teuer.

Cubase

Ein Programm zum Musik erstellen der ersten Stunden, allerdings komplex gestaltet. Die Pro-Version ist verhältnismäßig teuer, kommt dafür aber bestens ausgestattet, um alle Genres abzudecken. Ein guter Allrounder für Mac & PC

Pro Tools

Diese DAW ist der ehemalige Standard in Tonstudios, verliert aber zunehmend an Land. Es eignet sich gut für handgemachte Musik wie Rock, Pop, etc. – ist allerdings auch sehr teuer in der Anschaffung und Unterhaltung.

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Welche Musiksoftware ist nun die richtige?

Für welche DAW-Software Du dich entscheidest, solltest Du von deinen persönlichen Vorlieben und dem angepeilten Musikstil abhängig machen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, dich an deinen Freunden zu orientieren. Diese können dir dann im Zweifelsfall bei Fragen helfen.

Auch der Support für die jeweiligen Programme ist wichtig – so haben Reaper und FL Studio eine sehr zuvorkommende Community, während der Hersteller von Cubase durchaus auch mal mehrere Wochen benötigt, um auf eine Support-Anfrage zu antworten.

Solltest Du noch keinerlei Vorerfahrungen auf dem Gebiet der Musikbearbeitungsprogramme haben, empfehle ich dir, dich mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen auseinander zu setzen und dich zuerst an 2-3 abgespeckten Versionen auszuprobieren.

Tipp: Wenn Du dir einen Mac zugelegt hast, ist GarageBand vorinstalliert. Der Einstieg ist sehr, sehr einfach und Du hast in Nullkommanix deinen ersten Track eingespielt. Gefällt dir die Arbeitsweise, kannst Du auf den großen Bruder Logic Pro umsteigen.

Lesetipp: DAW Software Vergleich

Brauche ich ein Audio Interface zum Musik erstellen?

Interface (englisch) heißt übersetzt: Schnittstelle. Hier werden zwei sonst inkompatible Geräte durch elektronische Anpassung des Signals/der Signale miteinander verknüpft.

Beim Musik selber machen müssen analoge Signale erst digitalisiert werden, damit sie vom Computer gelesen und verarbeitet werden können. Das übernehmen die Analog/Digital Wandler des Audio-Interfaces.

Genauso übernimmt das Interface die umgekehrte Wandlung: Der Computer sendet ihm ein digitales Signal, welches deine Monitorboxen und/oder Kopfhörer nicht verarbeiten können. Also entsteht ein analoges Signal, welches dann von den jeweiligen Speakern in Schallwellen transformiert und ausgegeben wird.

Lies auch: Audio Interface Kaufberatung

Musik erstellen - Ratgeber

Mit einem anständigen Audio-Interface bekommst Du sehr passable Audio-Aufnahmen hin.

Was brauche ich sonst noch?

Was Du sonst noch brauchst, hängt sehr von der Art der Musik ab, die Du aufnehmen möchtest.

Ein anständiges Kondensatormikrofon anbietet sich an, wenn Du Vocals oder Rap aufnehmen möchtest. Beim ersten Mal Musik erstellen, reicht auch ein günstiges dynamisches Mikrofon.

Die Instrumente solltest Du natürlich nicht vergessen. Soll deine Gitarre frisch klingen, spendiere ihr neue Saiten und benutze hochwertige Kabel.

Eine teure Abhöre und professionelle Studiokopfhörer sind kein Muss für den Einstieg.

Am Anfang können es ruhig die PC-Lautsprecher und die HiFi-Kopfhörer sein. Achte bei dem, was Du als Signal in das Interface schickst darauf, dass es qualitativ hochwertig ist und möglichst störungsfrei dort ankommt.

Mehr Tipps: Homestudio einrichten

Musik erstellen = Musikproduktion?

Unter einer Musikproduktion versteht man im Allgemeinen die Herstellung eines musikalischen Werks. Sie wurde früher mit einer Vinyl-, Kassetten- oder CD-Herstellung abgeschlossen, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist.

Musik streamen, die Möglichkeit gab es vor wenigen Jahren noch nicht. Allein schon wegen der Alternativlosigkeit hatte Musik auf den gängigen Audio-Speichermedien deswegen noch einen wesentlich höheren Stellenwert. Dieser schwindet allerdings Jahr für Jahr, denn auch umsatztechnisch wurde die CD bereits vom Streaming abgehängt.

Viele Solokünstler und Bands entscheiden sich daher gegen die Herstellung und den Vertrieb von CDs oder gar Vinyls.

Musik erstellen – Erster Schritt: Recording

Eigentlich könnte man noch früher anfangen und sagen, dass eine Skizze oder eine Vorproduktion bereits zur eigentlichen Musikproduktion dazu gehört. Immerhin besitzen die verschiedenen Bearbeitungsschritte für das spätere Endergebnis auch eine Relevanz.

Beim eigentlichen Recording wird aber oftmals alles auf Null gestellt und das Einspielen und Einprogrammieren der Spuren von vorne gestartet.

„Recording“ heißt – wörtlich aus dem Englischen übersetzt – nichts anderes, als „Aufnahme“. Bei der Aufnahme kannst Du ferner unterscheiden zwischen einer Audio- und einer MIDI-Aufnahme.

Das analoge Audiosignal wird bei der Aufnahme in ein recht kompliziertes digitales Signal umformatiert und lässt sich deswegen schwerer bearbeiten, als ein MIDI-Signal.

Ein MIDI-Signal wird in einem sogenannten Sequencer gespeichert und entwickelt erst in Verbindung mit einer Sounddatenbank seine Komplexität. Dabei kann das Ursprungssignal, die Sequenz, immer wieder nach Belieben bearbeitet werden.

Achte bei der Aufnahme deiner Audiospuren unbedingt darauf, dass das Eingangssignal gut ausgepegelt ist. Ist es zu laut, verursacht es unschönes Clipping. Das bedeutet, dass Ausschläge, die über den Eingangsbereich hinausgehen, abgeschnitten werden. Ist der Pegel zu niedrig, werden Störgeräusche (etwa durch schlecht abgeschirmte Kabel) besser wahrgenommen und die Klarheit nimmt ab.

Tipps für Einsteiger ins Recording

Fast schon eine Wissenschaft: Editing

„Editing“ (englisch) bedeutet Bearbeitung und meint im musikalischen Kontext die Bearbeitung von Audio- und MIDI-Spuren. Bearbeitet werden können dabei die Parameter Pitch (Tonhöhe), Timing (Zeit) und Lautstärke.

Folgende Schritte gehören u.a. zum Editing:

  • Im Editing-Prozess werden Audiosequenzen freigestellt. Das bedeutet, dass vor und nach den entsprechenden relevanten Signalen Störgeräusche ausgeschnitten und damit eliminiert werden. Freistellen kannst Du die entsprechenden Stellen mit dem Werkzeugeditor deiner jeweiligen DAW.
  • Um einen groovigen Beat als Basis zu erstellen, muss dieser „in time“ sein – also perfektes Timing haben. In der Musiksoftware gibt es hierfür Transienten-Erkennung und automatisiertes Zurechtrücken.
  • Geliebt und verschrien ist AutoTune in der Stimmbearbeitung. Die oft sehr artifiziell anmutenden Tonreitereien sind gerade im HipHop sehr beliebt und eine Folge extremer Einstellungen.
Musik erstellen - Ratgeber

Kein seltenes Bild: Beim Editing werden Sequenzen in Schnipsel zerteilt und dann wieder zusammen geklebt.

Wichtig ist, dass Du sauber und minutiös beim Editing arbeitest. Vor jede Audiosequenz gehört ein Fade-In, an ihr Ende ein Fade-Out. Dazwischen muss es auch oft mal ein sogenannter Crossfade sein. So vermeidest Du ungewollte Knack-Geräusche.

Wenn Du deine Musik nicht selbst mischen möchtest: Alle Spuren müssen „auf eine Länge“ gebracht und korrekt benannt werden. Der Mixing-Engineer bekommt deine Multitrack-Dateien in der Regel einzeln und ohne Positionsvorgaben aus deinem Projekt.

Lesetipp: Audiobearbeitung

Mixing beim Musik erstellen

Beim Mixing (Abmischen) werden die Tonspuren zu einer klanglichen Einheit zusammengefasst. Es wird darauf geachtet, dass das Endresultat bzgl. der Verhältnisse zwischen Vorder- und Hintergrundinstrumente, sowie des Stereopanoramas ausgewogen und natürlich klingt. Es geht um die Balance aller Instrumente zueinander.

Der ein oder andere sieht das Abmischen von Songs gar als ganze Philosophie. So oder so: Beim Mixing musst Du Rücksicht auf das jeweilige Genre nehmen. Wenn Du die Kick Drum bei Metal oder HipHop ruhig richtig laut machen darfst, würde dich das beim Jazz Kopf und Kragen kosten.

Was gehört zum Abmischen?

Auch Lautstärkeanpassungen innerhalb einzelner Spuren gehören in diesen Arbeitsschritt beim Musik erstellen. Zum Einen wechseln Instrumente während eines Stückes auch mal ihre Funktion und treten vom Hintergund in den Vordergrund oder umgekehrt. Mit deiner Mixer-Software kannst kannst Lautstärkeänderungen im Verlaufe des Songs anlegen (entweder aufnehmen oder einprogrammieren).

Ein Mix wird klarer, je freigestellter die Instrumente in sich sind. Equalizer bieten dir die Möglichkeit, Störfrequenzen zu eliminieren und die relevanten Bereiche durch Lautstärkeanpassungen herauszustellen. Dadurch wird die Spur besser herausgearbeitet und freigestellt.

Oft vergessen, aber wichtig für die Natürlichkeit ist der Nachhall. Hier sollte deine Software entsprechende Audio Plugins mitbringen. Tipp: Viele verschiedene Hallräume lassen den Mix unnatürlich klingen.

Bei einer Bandaufnahme wäre es sehr unüblich, wenn bspw. der Drummer in einer Kathedrale spielt, der Gitarrist in einem kleinen Club und der Keyboarder in einer Tropfsteinhöhle. Schon etwas erfahrenere Produzenten schicken die einzelnen Instrumente über einen Bus in einen gemeinsamen Hallraum.

Lesetipp: Mixing Tutorials

Am Ende kommt das Mastering

Ursprünglich ging es beim Audio Mastering darum, die Songs für das Pressen auf CD vorzubereiten. Im Homestudio-Bereich geht es aber eher um das lauter machen eines Songs und die Anpassung des klanglichen Gesamteindrucks an Hörgewohnheiten.

Spätestens beim Mastering ist es empfehlenswert, auf externe Expertise zu vertrauen. Mastering-Engineers spezialisieren sich auf die klangliche Angleichung und Verbesserung des Gesamteindrucks. Dementsprechend unterscheidet sich ihre Hard- und Software auch von der der Mixing-Engineers.

Das vorrangige Ziel des Masterings besteht darin, den Gesamtklang des jeweiligen Tracks so zu bearbeiten, dass er auf jedem technischen Endgerät gut klingt. Aber auch untereinander dürfen bspw. die verschiedenen Album- oder Compilation-Tracks nicht zu verschieden anmuten.

Dabei geht es vor Allem um eine genauere Betrachtung und ggf. um eine Bearbeitung der verschiedenen Gesamtfrequenzen, der Ausgewogenheit des Stereobildes und der Mono-Kompatibilität.

Bei der Produktion von mehreren zusammenhängenden Songs geht es zuletzt außerdem noch um eine Anpassung der Pausen zwischen den einzelnen Nummern, um eventuelle Fades, Pegelanpassungen und Entrauschungen.

Für deine ersten Songs brauchst Du kein professionelles Mastering. Ein Limiter auf der Summe sollte hier schon ausreichen.

Mehr dazu: Unterschied zwischen Mixing und Mastering

Schnelldurchlauf: Musik erstellen

  • einen leistungsstarken Rechner
  • freien Festplattenspeicher
  • eine DAW, mit der Du umgehen kannst
  • ein Audio-Interface
  • ein Mikrofon für Gesangs-Aufnahmen
  • Instrumente zum Einspielen
  • hochwertige Kabel
  • frische Gitarrensaiten
  • Kopfhörer und/oder Lautsprecher
  • eventuell Adapter

Hast Du deinen ersten Song bereits produziert? Hat alles geklappt oder gab es Schwierigkeiten? Stelle uns einfach deine offenen Fragen und wir helfen gerne.