Die 14 Geheimnisse der Musikproduktion, die jeder wissen sollte

Geheimnisse der Musikproduktion

Worüber man lieber schweigt: die Geheimnisse der Musikproduktion.

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Geheimnisse der Musikproduktion, über die keiner spricht

Leider ist es nicht (immer) so einfach wie der Kauf einer neuen Gitarre oder eines besseren Audio Plugins. Einen geilen Sound aus einer Produktion rauszukitzeln ist harte Arbeit und bedarf einer gewissen Erfahrung. Genau wie bei einem Instrument musst Du üben und irgendwann auch effektiv üben.

Dir die richtigen Skills anzueignen, kann sich als schwierig erweisen. Viele von uns lernen über Fachmagazine wie delamar oder Videos im Internet. Diese sind voller erstklassiger Informationen, doch das Lernen geschieht nicht wie in einem Buch nach Lehrplan – sondern eher in zufälliger Reihenfolge.

Und dann fehlt meistens auch noch ein Mentor, der die wichtigen von den weniger wichtigen Lektionen für dich unterscheidet. Deswegen findest Du im Folgenden einige Geheimnisse der Musikproduktion, die jeder wissen muss – aber über die nicht immer gesprochen wird.

Mastering kommt zum Schluss

Das Audio Mastering ist eine Kunst für sich und kann eine Menge Glanz für eine Musikproduktion erzeugen. Gleichzeitig ist es keine Magie, die aus allem Gold zu schaffen wüsste.

Doch mir geht es um etwas anderes – das Mastering ist die letzte Phase in der Musikproduktion, es kommt erst nach dem Mixing. Und selbst wenn dein Rechner voll von grandiosen Mastering Plugins sein sollte: Du musst stark sein und dir diese aufheben, bis der Song tatsächlich fertig ist.

Großartiger Sound kommt von der Quelle

Wer ein Kätzchen aufnimmt, darf sich nicht wundern, wenn auf der Aufnahme kein Löwe zu hören ist. Und auch später keiner mehr durch Effekte daraus wird.

Ich möchte darauf hinaus, dass Du bereits in deinem Aufnahmeraum darauf achten musst, dass es großartig klingt. Keine Kompromisse beim Sound der Gitarre, der Drums oder der Positionierung des Sängers im Raum. Achte gleich beim Recording darauf, dass es großartig klingt und dann kannst Du es später sogar noch polieren.

Du brauchst kein Arsenal an Mikrofonen

Als echter Mikrofon-Liebhaber fällt es mir sehr schwer, diesen Punkt niederzuschreiben. Wahr bleibt er dennoch.

Es ist fantastisch, wenn Du auf viele Mikrofone und deren unterschiedlichen Klangcharakter zurückgreifen kannst. Doch das ist nicht notwendig. Ein einziges Mikrofon reicht aus, um (am bestens nacheinander) eine ganze Band aufzunehmen. Und die Ergebnisse lassen sich hören.

Für den Anfänger ist es sogar kontraproduktiv, zu viele Optionen zur Auswahl zu haben. Es braucht eine Zeit, um ein Mikrofon und seinen Charakter zu hören und den Einsatz zu erlernen. Besser ist es, zunächst ein Mikrofon an möglichst vielen unterschiedlichen Schallquellen zu erproben.

Dasselbe gilt für Plugins

Es gibt ein Plugin für jeden Zweck. Und es gibt dazu noch eine Fantasielliarde an Free VST Plugins, die wir am liebsten alle ausprobieren wollen würden. Jetzt. Sofort. Nein.

Im Kern geht es uns doch darum, geile Musik zu machen. Und das Ausprobieren von zu vielen Werkzeugen erschwert es uns, das richtige Tool zu finden – oder überhaupt zu wissen, wie es richtig eingesetzt wird.

Wäre es da nicht viel besser, wenn wir die Zeit dazu nutzten, das eine Plugin richtig einzusetzen?

Mono ist dein bester Freund

Es ist schwer genug, ein Mikrofon richtig aufzustellen. Wenn Du Stereoaufnahmen machen möchtest, wird es deutlich schwieriger. Denn dann muss das Talent nicht nur richtig vor den Mikrofonen positioniert werden, Du musst auch noch die Mikrofone richtig zueinander positionieren. Wenn Du später etwas mehr Erfahrung damit gesammelt hast, kannst Du (falls überhaupt notwendig) auf Stereomikrofonierung umschwenken.

Aber auch beim Mixing kannst Du zunächst mit einem Monomix beginnen, um die richtige Lautstärkenbalance zu finden. Halleffekte müssen ebenfalls nicht alle in Stereo daherkommen…

Lies auch: Amp Mikrofonierung & Recording

Schneller zum Ziel mit der Bedienungsanleitung

Ich bin ein impulsiver Mensch und wenn ich ein neues Tool habe, dann drehe ich gleich an allen Reglern, drücke die Knöpfe und probiere alles aus. Du auch? Nun, wir beide sind echte Rebellen. Und es macht ja auch mehr Spaß, die Dinge selbst zu entdecken.

Aber: Es braucht wesentlich länger, alles selbst auszuprobieren und herauszufinden, wozu der kryptisch beschriftete Knopf da ist oder welchen Effekt ein Regler hat. Zeit sparen kannst Du, wenn Du die Bedienungsanleitung liest – geht schneller. Und das bedeutet mehr Zeit, um mti dem neuen Tool echte Musik zu machen.

Pro-Tipp: Ich kenne einen Musiker, der ein eigenes schwarzes Büchlein besitzt, in das er die wichtigsten Tipps zur Bedienung von Plugins und Hardware reinschreibt. Zur Referenz, damit er später schneller darauf zurückgreifen kann, falls es ihm entfallen ist.

Widerstehe dem Marketing der Hersteller

Ah…diese/r/s eine Plugin, Tool, Instrument, Musiksoftware – Du würdest schwören, dass das einen riesigen Unterschied für deine Produktion machen würde. Vergiss es, Du solltest widerstehen. Vermutlich wird es keinen großen Unterschied machen, geschweige denn, dass der Musikhörer sich dafür interessieren würde.

Nutze deine Zeit und deine finanziellen Ressourcen lieber dazu, deine Skills zu verbessern.

Lernen braucht Zeit

Apropos Skills verbessern – dafür solltest Du dir eigene Zeitblöcke reservieren, in denen es nur um das Erlernen neuer Techniken oder Know-Hows geht. Hier kannst Du -frei von Erfolgsdruck- neue Dinge probieren, neue Tools checken oder dir Input von anderen Musikern und Tontechnikern holen. Vor allem brauchst Du dir in diesen Zeitblöcken zum Lernen keine Sorgen darüber zu machen, ob Du irgendwelche Fehler machst.

Dazu kommt, dass das reine Tun irgendwann an eine Art Obergrenze stößt, an der es nicht vorbeigeht. Hier helfen dedizierte Sessions zum Lernen aus, um die Grenzen immer weiter nach oben zu bewegen.

Recording ist nicht Mixing

Ein guter Weg, um sich als One-Man-Show nicht heillos zu verlaufen, ist das Aufteilen der einzelnen Produktionsschritte: Songwriting, Recording, Editing, Mixing und am Ende Mastering. Während Du einen Song aufnimmst, brauchst Du dich nicht um den Mixdown oder das Polieren der Spuren zu kümmern. Genausowenig ist jetzt der Zeitpunkt, um ein Vocal Comping durchzuführen – das zieht nur Zeit und Energie von der eigentlichen Aufgabe ab.

Je besser Du dich auf eine Aufnahmesession fokussieren kannst, desto besser werden die Ergebnisse werden – technisch und von der Performance.

Lies auch: Ablauf einer Musikproduktion

Zu viel des Guten

In den Interviews mit Produzenten werden immer die spannenden Geschichten erläutert – wie eine Gitarre 20fach gedoppelt wurde, dass der Hall mit einem alten Kassettenrecorder im Treppenhaus der Schule aufgenommen wurde oder wie der Synthesizer-Sound aus einer komplizierten Matrix von Patchkabeln und Euroracks stammt. Das sind coole Geschichten und eignen sich bestens für das Marketing.

Die anderen Spuren und Songs wurden aber gewöhnlich bis langweilig in alter und einfacher Manier aufgenommen bzw. produziert. Wenn Du also deine eigene Musik mischst, masterst oder gerade aufnimmst, kannst Du gerne bei den althergebrachten Methoden bleiben. Was zählt ist am Ende der Song und wie das Ergebnis klingt: nicht wie es zustandekam.

Equalizer, Kompressor, Delay und Hall

Zum Abmischen eines Songs reichen diese vier Effekte in der Regel dicke aus. Mit ihnen kannst Du den Großteil des Sounds erreichen. Natürlich gibt es noch zig andere, supergeile Effekte. Gerade zu Beginn solltest Du aber sehr konservativ mit den Effekten umgehen und nicht in eine typische Amateur-Falle für Musiker tappen: Einen Song zu überproduzieren. Oder noch schlimmer, ihn klanglich gänzlich kaputtzumachen.

Kein Maggi-Fix für den Mix

Nein, im Mix kann der Fehler leider nicht korrigiert werden – auch moderne Musiksoftware ist keine Kläranlage. Shit in, Shit out. Wenn Du beim Recording mit dem Grundsound, der Performance oder dem genutzten Preset nicht zufrieden bist, dann ändere es jetzt und nimm die Passage neu auf.

Wenn etwas nicht richtig ist, dann mach es erneut. Und richtig.

Organisation ist das halbe Leben

Ich habe meine Eltern und ihre Worte noch gut im Ohr…wie wichtig doch Aufräumen und Organisation sei. Nun, es hat sich rausgestellt, dass sie recht hatten. Wer seine Projekte gut organisiert und plant, kommt a) überhaupt zum Ziel, b) schneller zum Ziel und c) meistens sogar mit besseren Ergebnissen. Und ja, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wer seine Spuren in der DAW-Software gruppiert, in Ordner packt und alle gleichen Instrumente (jeweils Spuren von Drums, Bass, Gitarren) hübsch mit Farben markiert, findet sich besser zurecht. Und wer sich gut zurecht findet, sucht weniger und hat damit mehr Zeit, den Song zu polieren.

Und das gilt natürlich nicht nur für das Mixing, sondern für jeden einzelnen Arbeitsschritt.

Referenz-Tracks & Ohr-Reset

Vielleicht wird nicht offen darüber gesprochen, aber auch die Profis nutzen Referenz-Tracks. Es geht hier nicht um das Kopieren. Es geht darum die eigenen Ohren an Referenzmaterial zu kalibrieren. Ansonsten denken wir nämlich immer, wie unheimlich geil unsere Musik klingt – bis wir einen Track aus dem Radio hören.

Am besten legst Du immer mal wieder eine Pause ein, um in einen Referenz-Track zu hören und auf dich wirken zu lassen. Das hilft sowohl beim Songwriting als auch beim Mixing und Mastering. So lernst Du, was das Musikgenre oder einen geil klingenden Mixdown ausmacht.

Lies auch: Referenz-Tracks: Die geheime Zutat beim Mixen und Mastern

Das wichtigste Geheimnis der Musikproduktion: Es ist nie zu spät!

Du bist nie zu alt, um etwas Neues zu lernen. Einige haben mit 15 angefangen, andere wurde mit 50 erfolgreich. Heute ist ein guter Tag, um etwas Neues zu lernen und einen neuen Song zu beginnen.

Wenn Du also Musik produzieren möchtest, dann starte heute damit.

Nicht morgen. Jetzt!

Welches Geheimnis der Musikproduktion habe ich vergessen? Schreib mir in die Kommentare!

Lesermeinungen (9)

zu 'Die 14 Geheimnisse der Musikproduktion, die jeder wissen sollte'

  • Christoph Schütz   13. Jan 2019   10:13 UhrAntworten

    Gut zusammengefasst!

  • He Maegz   13. Jan 2019   11:52 UhrAntworten

    Basics, die es auf den Punkt bringen!

  • Wolfgang Lonien   13. Jan 2019   11:58 UhrAntworten

    Sehr schöner Artikel - am besten haben mir das Kätzchen und der Löwe gefallen - ist auch gut zur Selbstreflektion: bin ich Kätzchen sollte ich vielleicht gar nicht erst versuchen wie ein Löwe zu klingen (und Kätzchen sind süß).

    Schön so etwas an einem Sonntagmorgen lesen zu können - danke!

  • Silvio   13. Jan 2019   12:00 UhrAntworten

    Halte deine Sample Libary klein. Lege dir einen Ordner zurecht in dem du deine Lieblings Sounds anlegst. Sonst verschwendest du Unmengen an Zeit mit suchen.

  • Sascha Steezy   13. Jan 2019   12:27 UhrAntworten

    Man sollte natürlich dennoch experimentieren und sich auch gewisser Maßen weiterentwickeln. Abgesehen davon finde ich es gar nicht so einfach, erstmal das wirklich für sich passende Equipment zu finden. Das braucht meines Erachtes Zeit und resultiert aus viel Erfahrung, da Plugs sowie Synths doch irgendwie eine eigene Charakteristik besitzen und man sich gerne von jedem Teller, das für sich beste Kekslein nimmt :)

    • Roman Hirade   14. Jan 2019   05:35 UhrAntworten

      Ich glaube das schaffst du gar nicht. Es gibt zu viel von allem - und es wird täglich mehr. Ich würde mich auf die Basics konzentrieren. Ich denke nur schon mit Stock Plugins ist (fast) alles zu erreichen was man will. Ob ich nun den neusten Fabfilter EQ nehme (der kann wirklich extrem viel, viel zu viel), oder einen einfachen Stock EQ - wenn der Source Track gut aufgenommen ist, reicht der Stock völlig. Meine Meinung. Das A und O ist ein gut aufgenommener Track, da gibt's meist fast nichts zu "verbessern".
      Suchen und ausprobieren kann man, aber das gehört für mich in die Freizeit, und eher als Zeitvertreib und Sachinteresse. (ich habe ein Tonstudio und muss vom Ertrag leben, darum die Trennung Arbeit / Freizeit)

  • Lutz Otto   14. Jan 2019   12:00 UhrAntworten

    Ich habe immer das Problem aus lesen nicht schlau zu werden ! Es gibt ja drei Lerntypen ! Die Leser , die Praktiker und die Seher ! Ich tuh mich immer schwer damit wie z.b. Mixing , was und welche Art der Musikarbeit gemeint ist ! Das arbeiten am Rechner mit einer DAW wie Cubase Artist 8,5 und Plugins wie Nexus V2 oder Hive , Dune , vanguard , Electra , Icarus u.s.w ! Oder das Mixing vom einspeisen analoger Akustik wie Gitarre , Bass von mir aus auch eine Flöte 🤗! Ich persönlich wäre ersteres ! Ich würde mich freuen wenn es Tutorial geben würde die auf speziel die Machart der Musik eingeht und am Bild einer DAW wie z.b. Cubase Artist einem gezeigt wird wie und was und warum man was machen sollte ☝️!

  • Hannes Fritzsche   14. Jan 2019   23:23 UhrAntworten

    Hallo zusammen!

    Wow, das Mastering kommt zum Schluss?! Gut, dass mir das endlich mal jemand sagt! 😁

    Aber Spaß beiseite: eigentlich bin ich auch ein großer Fan von Ordnung und Strukturierung. Aber wie heißt es so schön: der ärgste Feind der Theorie ist die Praxis, und nach der Aufnahme der ersten paar Spuren und Overdubs war die Planung meist schon so gründlich durcheinandergebracht, dass man wieder mal nur noch vom kreativen Chaos sprechen konnte. Die Idee von Ordnung in der Musikproduktion habe ich schon vor Jahrzehnten aufgegeben.

    Aber zumindest eine gedankliche Ordnung sollte man einhalten, damit immer klar ist, wohin die Reise gehen soll. Macht Euch am besten eine Checkliste der wichtigsten Kriterien, die Eure Musik erfüllen soll. Diese Checkliste kann sehr lang sein und-zig Punkte umfassen, und sie kann je nach Genre sehr unterschiedlich ausfallen:

    z.B.:

    - "Verwendungszweck": dieser Punkt klingt ein bisschen nach Beamtendeutsch, aber kann ganz wichtig sein. Stellt Euch die Frage, bei welcher Gelegenheit Euer Song überhaupt gespielt werden wird, passt er ins Auto, oder in Eure Stammkneipe, oder würde er von einem DJ aufgelegt werden? Wenn Ihr merkt, dass der Song eigentlich nirgendwo richtig hinpassen würde und nur Eurem eigenen Ego dient, stellt sich natürlich die Frage, ob Ihr die Mühen und Kosten der Produktion überhaupt auf Euch nehmen solltet.

    - "Outstanding": sticht Euer Song wirklich aus der Masse heraus?

    - "angesagt": glaubt ihr, dass Euer Song wirklich bei Eurem Zielpublikum ankommt, dass er "hip" ist?
    (hier fragen mich oft viele junge Produzenten, ja was denn nun, soll der Song "angesagt" klingen, also so wie alle anderen klingen, oder soll er "outstanding" sein?!
    Dann sage ich immer: "Tja, beides! Das ist eben der Spagat, den Ihr hinkriegen müsst!")

    Wie auch immer, das sind nur ein paar Beispiele für eine Checkliste, und die kann je nach Genre und persönlichen Zielen sehr verschieden ausfallen. Ich will damit nur sagen, werdet Euch darüber im Klaren, was ihr wollt und wohin die Reise gehen soll. Wenn Ihr nicht weiter wisst, fragt die A&R Leute Eurer Plattenfirma; es wird viel billiger und leichter, wenn die schon im Vorfeld der Produktion etwas dazu sagen können.

    Im Artikel wurde das Thema "Referenzhören" angesprochen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig das ist! Nehmt Euch einen anerkanntermaßen guten Weltklasse-Song und vergleicht ihn in jeder Phase Eurer Produktion mit Eurem eigenen Stück! Ich benutze im Studio sogar ein ganz einfaches kleines DJ-Mischpult mit zwei Fadern, so dass ich jederzeit meinen eigenen Song mit dem Referenzstück abgleichen kann. Das mache ich seit vielen Jahren. Natürlich ist es nicht die Lösung aller Probleme, aber es hat sich absolut bewährt.

    Der schwedische Produzent Max Martin hat mal gesagt: "Be ready to kill your babies!" Was sich hier auf Anhieb brutal und unmenschlich anhört, ist in bezug auf die Musik aber völlig richtig. Wenn ein Song, ein Text, eine Aufnahme oder ein Mix nicht Deinen Kriterien oder Zielen entspricht: weg damit, auch wenn's weh tut!

    Ich bin dann auch mal weg!

    Schöne Grüße,

    Hannes Fritzsche

  • Guido   29. Jan 2019   12:17 UhrAntworten

    Ohhh, das kenn ich! Wie oft stand ich schon vor einer Idee, hab die Gitarre immer und immer und immer wieder, via Metronom eingespielt (Man will ja die perfekte Aufnahme haben und hört dabei Flöhe husten, und 3 Stunden später habe ich mich selber dabei ertappt, das ich schon seit über 2,5 Stunden eigentlich nix anderes mache wie Spuren zu doppeln und Plugins zu laden, um hier noch ein bisschen Delay und dort noch ein wenig Hall drauf zu ballern. IR Cabs zu laden, Drums zu editieren, damit es ordentlich groovt und auf die Drums noch nen Kompressor drauf zu legen und die Toms zu pannen, A/B zu hören und und und. Am Ende kommt der Moment wo mir selber der ganze Sch… nicht mehr gefällt, es schon wieder Abend ist und man eigentlich lieber TV sehen möchte. Doch seit neustem habe ich MEINE Methode gefunden. Ich habe in meiner DAW (Reaper) ein Preset gebastelt, dass gleich beim neuen Projekt alle Grundspuren beinhaltet und lädt, die ich brauche. Also, Gitarre 1 (L), Gitarre 2 (R), Gitarre Solo, Bass, Synthis, Drums, Vocals, Backgroundvocals, . Mit den dazugehörigen Plugins. Weitere Plugins dürfen NICHT(!) geladen werden. Zudem ist das Preset so aufgebaut das in "Blöcken" gearbeitet wird. Block 1,2,3,4...etc. Block 1 steht zum Beispiel für das Intro. Block 2 für die erste Strophe. Block 3 für den ersten Refrain. Block 4 für die zweite Strophe. Block 5 für eine Bridge, Block 6 wieder für Refrain. Block 7 für Sologitarre. Block 8 für Refrain inkl. Fadeout (fast klassischer Aufbau eines Rocktitels). Damit ich aber "freier bin" und mich nicht selber unter Druck setzte bzw. immer in die gleichen Muster falle, nenne ich sie mit Absicht "Block" und nicht Strophe oder Refrain etc. Weiter, die Auflage für mich selber war, jede Spur für jeden Block wird genau 1mal (!) eingespielt. KEINE Wiederholung. Habe ich die Aufnahme vermurkst, ist sie eben vermurkst. EGAL! Somit erkenne ich erst mal, an welcher Stelle wie was arrangiert werden muss und ich bekomme erst mal eine grobe Übersicht über das Stück. So entsteht auch ein Lied über die gesamte Länge. Fehler bei der Aufnahme werden lächelnd ignoriert. Nachdem das Grundgerüst also Gitarre, Bass, Drums eingespielt sind, beginnt das Ping-Pong Verfahren heißt, die schrecklichste Spur wird als erstes neu eingespielt. Also im Beispiel, Vermurkste Gitarrenspur 2 - neu. Diese muss immer noch nicht perfekt sein, nur besser wie der erste Versuch. Ist sie besser wird z.B. der Bass neu eingespielt, im gleichen Verfahren. So tausche ich neue (bessere) Aufnahme gegen alte (schlechte) Spur aus. Dann noch mal eben zwei Grundsätzliche Dinge. Vieles von dem was wir heute als "Klassiker" bezeichnen und wir als Stilikone auserkoren haben, Stücke von denen wir Überzeugt sind und sie gerne hören, haben ihren Charme durch kleine Fehler. Ein Beispiel. In der Orig. Aufnahme von "Sloop John B" von den Beachboys, hört man das Kickpedal so dermaßen laut quitchen,...das würde heute selbst in einer Homerecording Situation niemand akzeptieren. Aber (!) es wurde sogar ein Welterfolg. Also so kleine Unperfektheiten machen viele Stücke erst interessant und ja, human. Die glattgebügelten Stücke empfindet man schneller als "steril", fast künstlich und ich lasse die, nennen wir sie mal "Musikalische Notiz" reifen. Es kann durchaus passieren das ich HEUTE ein Riffe irre gut finde und mich 2-3 Tage später frage, was ich bei der Aufnahme genommen habe.Zweitens betrifft das mischen und/oder spielen mit den Plugins. Man sollte sich immer die Frage stellen, :"Tut das meinem Stück gut, was ich da gerade mache?". "Unterstütz es das was ich sagen will oder ist es einfach nur ein Effekt?". Es gibt ja diese Scherzfrage :"Warum lecken sich Hunde an den Eiern? - weil sie es können!" Dieses Prinzip wäre hier genau kontraproduktiv. Also nicht: "Ich setze hier den Effekt/das Plugin ein, weil ich es kann, es habe und teuer bezahlt habe"...naja...nur mal so ein Gedankengang.

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