Fritz Fey über die Verkabelung von Tonstudios

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Fritz Fey Interview - Tonstudio Verkabelung

Die Verkabelung von Tonstudios - darüber weiß Fritz Fey als Mastering Engineer und Chefredakteur des Studio Magazin in unserem Interview viel zu berichten ...

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delamar: Erzähl mal kurz etwas von dir: Wie lange betreibst Du dein Studio bzw. das Studio Magazin?

Fritz Fey: Ich habe mein ganzes bisheriges Leben, genau gesagt ab 1974, mit Pro Audio verbracht. Nach meiner relativ kurzen Assistentenzeit war ich zunächst für viele Jahre freiberuflicher Toningenieur in den verschiedensten Studios. In dieser Zeit entstand auch die Idee, das Studio Magazin aus der Taufe zu heben, das Ende 2017 vierzig Jahre alt wird.

Ab Mitte der 80er Jahre entwickelte ich Ideen für Regieraum-Konzepte und rutschte durch eine Verkettung von Zufällen in die Rolle eines Studioplaners für Bau- und Raumakustik, in erster Linie deshalb, weil ich als Toningenieur damit zu kämpfen hatte, dass jede Regie, in der ich arbeitete, irgendwie anders »falsch« klang. Ich habe mich damals immer gefragt, wieso der Produzent erst in seinem Auto bewerten konnte, ob der Mix OK ist, obwohl ich in der Regie mit Studiotechnik im Wert von mindestens einer Million D-Mark umringt war? [lacht] Aber das ist ein anderes Thema, das hier viel zu weit führen würde.

Ich habe also schon viele Jahre lang drei Jobs und das ist bis heute so geblieben. Den Traum von einem eigenen Studio erfüllte ich mir im Jahr 2000. Was zunächst »nur« ein Teststudio für die Studio Magazin Redaktion werden sollte, entwickelte sich parallel zum Testbetrieb relativ schnell zu einem professionellen Mastering-Studio, in dem ich meine Leidenschaft für die Musikproduktion ausleben kann. Das Studio ist in den letzten 10 bis 12 Jahren technisch immer weiter gereift, so dass ich heute auf sehr viel gutes Spielzeug und eine optimale Abhörsituation zurückgreifen kann.

Auf welches Equipment legst Du besonderen Wert, wenn es um dein Mastering-Studio geht?

Das wichtigste Equipment in meinem Studio sind die Raumakustik, das Abhörsystem und die AD/DA-Wandler. Hier brauche ich absolute Neutralität und Entscheidungssicherheit. Wenn ich nicht genau hören kann, was ich tue, brauche ich eigentlich gar nicht anzutreten. Die Wandler sollen so neutral und vollständig wie möglich übertragen, sowohl in meine analoge Mastering-Kette hinein, als auch aus ihr heraus zurück in den Rechner.

Alles, was dazwischen liegt, macht die Farbe und den Sound, den ich mir vorstelle und der die Musik, die ich gerade bearbeite, »schöner« und emotional stärker inszenieren soll.

Double-D Mastering Studio von Fritz Fey

Fritz‘ Studio »Double-D Mastering« n Oberhausen

Du hast dich für eine Verkabelung mit Sommer Cable entschieden. Welche Kabel hast Du gewählt und warum?

So ganz stimmt das nicht, aber die meisten Kabelmeter in meinem Studio stammen inzwischen tatsächlich von Sommer Cable. Ich nutze für bestimmte Anwendungen aber auch TPR von Grimm Audio und Vovox-Kabel. Die ganze Pultverkabelung meiner ADT Audio C-Serie Analog-Konsole erfolgte 2001 noch mit Perivox, und das bleibt auch so.

Auf Kabeldiskussionen lasse ich mich nicht mehr so gerne ein, denn die Lager der Gläubigen und Ungläubigen schlagen sich permanent gegenseitig die Köpfe ein. Es ist sinnlos, oder, wenn man so will, gefährlich, sich in diesem Umfeld über die Übertragungsqualität von Kabeln zu äußern.

Wie hat dein Weg zur Entscheidung ausgesehen?

Kabel haben, neben ihren Übertragungseigenschaften als »Bauteil« zwischen einem Eingangs- und Ausgangsverstärker, auch mechanische Eigenschaften, wozu auch die XLR-Stecker, deren Lötstellen und die Kontaktqualität des Steckersystems an sich gehören. Für mich ist auch wichtig, wie gut sich ein Kabel auslegen lässt. Ist es steif und störrisch oder fließt es »wie Gummi«. Natürlich entscheidet am Ende auch immer das, was ich über eine Kabelstrecke höre.

Wenn ich aber hier behaupte, Material von Sommer Cable aus klanglichen Gründen zu verwenden, fällt eine ganze Horde von Verschwörungstheoretikern über mich her. [lacht] Es gibt leider nicht »das beste Kabel der Welt«. Man muss immer betrachten, was es miteinander verbindet, denn eigentlich ist es ein Bauteil in einer Studioinstallation, so wie auch Entwickler bestimmte Widerstandstypen, Kondensatoren oder Übertrager bevorzugen.

Warum wurde das Studio neu verkabelt?

Um meine Analogkette so flexibel wie möglich zu gestalten, wollte ich unbedingt ein Steckfeld, damit ich Auswahl und Reihenfolge der Geräte in der Kette beliebig bestimmen kann. Es gibt einige sehr gute analoge Umschalter für diesen Zweck. Das funktioniert sehr komfortabel und sogar speicherbar. Nur leider haben diese Umschalter oder elektronischen Patchbays nicht genügend Kanalkapazität. Ich habe mittlerweile an die zwanzig Analoggeräte gesammelt. Zusammen mit den A/D-D/A-In- und Outputs brauche ich also mindestens 24 konfigurierbare Wege.

Gelöst habe ich das Problem mit einem so gut wie neuwertigen, gebrauchten Lemo-Steckfeld mit 96 Steckpunkten (2 x Stereo 24 Ins und Outs). Hier laufen nun alle Ein- und Ausgänge meiner Analoggeräte und die analogen Wandler-In/Outs zusammen. Das ist ein Haufen Kabelmaterial, also wirklich 96 XLR-Strecken in drei, vier und fünf Metern Länge, die zu Kabelbäumen zusammengebunden von den Racks zum Steckfeld geführt sind. Dementsprechend wichtig waren die mechanischen Eigenschaften, wie sich das Kabel verlegen und binden lässt.

Steckfeld am Pult und Kabel - Fritz Fey Interview - Fritz Fey im Interview über die Verkabelung von Tonstudios

Maximale Flexibilität bietet nur ein solches großes Steckfeld

Entschieden hab ich mich für das hochflexible SC-Club Series Mk II mit 0.34 mm Leiterquerschnitt und geringer Kapazität, das mir eine professionelle Übertragungsqualität sichert, und damit meine ich jetzt kein Voodoo. Lemo-Steckverbindungen haben einen sehr sicheren, großflächigen Ring- und Stiftkontakt, so dass es hier zu keinerlei Übertragungsproblemen kommen kann.

Die platzsparende TT-Lösung (»Tiny Telephone«) kam für mich nicht in Frage, denn hier ist die Kontaktberührung unendlich klein und damit auch wenig zuverlässig. Mein Pult hat ein recht großes TT-Steckfeld, so dass ich darüber eine Qualitätsaussage machen kann. Schon nach einigen Jahren gab es die ersten Kontaktaussetzer und damit verbundene Störgeräusche, die man meistens nicht einmal auf Anhieb bemerkt. Ich will so etwas nicht als Qualitätskriterium meiner Mastering-Sessions zulassen. Alles, was ich ausspiele und aufnehme, läuft ausschließlich über sichere Steckkontakte.

Macht es einen Unterschied, ob ich ein Homestudio oder ein professionelles Tonstudio ausstatte?

Rein technisch betrachtet, nein. Es sollte auch keine Frage des Geldes sein, denn so teuer ist gutes Kabelmaterial nicht. Im Homestudio, das ja heute meistens »in the box« arbeitet, ist der Verkabelungsaufwand eh nicht so hoch. Warum sollte ich also an ein paar Metern professioneller Kabelqualität sparen?

Was macht die Länge der Kabel aus? Gilt das auch für sehr kurze Kabel?

In der professionellen Studiotechnik sind alle Mikrofon- und Leitungspegelwege symmetrisch ausgelegt. So lange man nicht von 100 Metern und mehr Kabelweg spricht, sind keine nennenswerten Auswirkungen auf die Übertragung durch das Kabel selbst zu erwarten, beziehungsweise dann kann ein »schlechtes« Kabel sehr leicht hörbare Auswirkungen mit sich bringen, zum Beispiel Höhenverluste durch hohe Kapazitäten. Hörbare Unterschiede bei Kabeln, auch auf kürzere Distanzen, sind nicht zu verallgemeinern und haben auch mit der Art der beteiligten Ein- und Ausgangsverstärker zu tun.

Ich habe zu diesem Thema meine eigenen Erfahrungen gesammelt. Die von mir ausgesuchten Kabel stecken dort, wo sie stecken, aus gutem Grund. Pragmatischer betrachtet kommt es also mehr auf die Kontakte an. Gute Stecker sollte man sich leisten und natürlich auch saubere Lötkontakte. Gutes Kabelmaterial kostet ein paar Euro pro Meter.

Viele Studios verbraten ihr Geld heute mit unzähligen Plug-Ins, die alle versprechen, dass man durch den Kauf zu einem besseren Tonmann wird. Das ist wirklich Unfug. Das Geld ist viel besser in einen guten Raum, gute Lautsprecher und neutrale Wandler investiert. Und natürlich auch in gutes Kabelmaterial. Diese Entscheidungsreihenfolge hilft dann auch, das Geld, was danach noch übrig ist, sinnvoll oder besonnen zu investieren.

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Lesermeinungen (2)

zu 'Fritz Fey über die Verkabelung von Tonstudios'

  • Degu   09. Nov 2017   15:02 UhrAntworten

    Danke für den netten Bericht.
    Gerne hätte ich mehr über die Verkabelung des Studio´s erfahren.
    Also Signalwege und -ketten.
    Hätte gehofft, zB. mehr über den Einsatz von Patchbays zu lesen.
    Ich habe mir vor kurzem eine Patchbay gegönnt, um die Vielzahl an Synths ganz variabel mit den Effektgeräten, dem Eurorack, oder dem AuxIn mancher Synths zu verbinden.
    Obwohl es für mich funktioniert, bin mir bis heute nicht sicher ob mein Aufbau der "typische" ist.
    Gibt es überhaupt eine typische Verkabelung der Patchbay´s in Studio´s?
    Ich denke in Zeiten wie diesen, wo Synths wieder an Beliebtheit gewinnen und diese dann auch noch so vergleichsweiße günstig sind, passt diese Thematik perfekt.
    Wohl nicht nur ich bin einer gewissen Sammelwut :D entfallen.
    Und die lieben Geräte wollen ja schließlich, ohne unnötigen Umweg ihren Weg in den Mix schaffen.

    Interessant fand ich den Ansatz mit diesen Lemo-Steckverbindungen, diese kannte ich bis jetzt nicht namentlich.
    Zu den A/D Wandlern, denke ich, hat der Normalverbraucher eh kaum Spielraum.
    Bei meinem Musikshop sind vorzugsweiße eigentlich nur Scarlets und deren "Ebenbilder" zu sehen. Technisch unterscheiden sich die kaum.
    lg

  • oboe   09. Nov 2017   20:39 UhrAntworten

    Von einem Publizist hätte ich mehr Mut erwartet, Entscheidungen darzulegen und zu begründen ;-)

    Ich verwende meist M.T.I. Kabel aus Hamburg, da die bezahlbar sehr gute technische Werte aufweisen. Sie lassen sich allerdings nicht überragend gut konfektionieren, ich finde die Adermäntel recht zäh. Dafür sind sie flexibel und bringen keine hörbaren Verschlechterungen im Gegensatz zu besonders billigen Kabeln. Ich habe auch lange geglaubt, dass der Einfluss von Kabeln gerade bei kurzen Strecken nicht gravierend sei, bis sich ein Musiker immer beschwert hatte, dass der Headphonemix immer so schlecht klinge. Es war eine billige Kopfhörerverlängerung dazwischen. Direktgesteckt klang der Kopfhörer einwandfrei. Es gab keine Wackler-Effekte oder optische, mechanische Beschädigungen, das Kabel hat das Signal wirklich ruiniert. Es war alles zu hören, klang aber nicht gut. Ich glaube nicht an eine Laufrichtung von Kabeln und wundere mich, dass manche Leute bereit sind, mehr für 1 m Cinch-Kabel auszugeben um CDs zu hören, die in Studios gemastert wurden, deren Verkabelung nur einen winzigen Bruchteil gekostet hat. Trotzdem sollte man technische Mindeststandards einhalten :-)

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