11 Tipps für Recording von Synthesizer – Aufnehmen von Keyboard & Synth

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Synthesizer aufnehmen

Wenn Du Keyboard oder Synthesizer aufnehmen willst, findest Du hier die passenden Tipps - für interessantere Klänge und bessere Resultate beim Synthesizer Recording bzw. Keyboard Recording

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Recording-Tipps: Keyboards & Synthesizer aufnehmen

Eins schon vorweg: Wenn Du weitere Tipps in puncto Synthesizer Recording bzw. Keyboards aufnehmen kennst, freuen wir uns auf dein Feedback in den Kommentaren unter diesem Artikel. Teile dein Wissen mit den anderen delamari – nur mit deinem Input wird das Bild komplett!

Und natürlich würden wir uns über deine Empfehlung unseres Artikels rund um das Synthesizer aufnehmen auf Facebook und/oder Twitter freuen.

1. Einhändig spielen

Die meisten von uns sind keine Profis als Instrumentalisten und tun sich deswegen schwer, die Parts richtig einzuspielen. Wenn Du linke und rechte Hand getrennt voneinander aufnimmst, dann kannst Du vielleicht nicht nur sauberer spielen – später kannst Du im Mix des Songs überlegen, ob überhaupt beide Voicings für den Song benötigt werden. Im Zweifelsfall kannst Du einfach einen Part weglassen.

2. Nimm ein Preset zum Aufnehmen + zeichne MIDI auf

Oft kommst Du sehr schnell voran, wenn Du ein Preset zum Aufnehmen deiner Parts nutzt. Wenn Du nicht nur Audio-, sondern gleichzeitig noch die MIDI-Parts auf einer zweiten Spur in deiner DAW aufnimmst, kannst Du den Klang nach der fertigen Aufnahme perfektionieren und an deinen Song anpassen. Oder deinen Synthesizer bzw. dein Keyboard mit der aufgezeichneten MIDI-Spur füttern und ein neues Recording mit einem anderen Sound starten.

Der große Vorteil dieser Methode ist, dass Du nicht im Nachhinein nach stundenlangem Tweaken feststellen musst, dass der Part am Ende nicht benötigt wird oder es doch einen ganz anderen Sound benötigt.

3. Die richtige Oktave

Die Wahl der richtigen Oktave ist entscheidend für Klavier-, Synthesizer- und Keyboard-Parts. Gerade die mittlere Oktave um das eingestrichene C‘ (C3) steht sich häufig im Weg mit dem Gesang. Deswegen unbedingt die Parts mal eine Oktave nach unten oder oben transponieren.

4. Weniger ist mehr – Zügle die Effekte

Die meisten Presets in modernen Keyboards kommen mit enormen Effektanteil. Das klingt zwar beim Durchhören und Anspielen bestens, ist für eine echte Produktion meistens dennoch unpassend. Deswegen unbedingt darauf achten, dass die Effekte beim Recording ausgeschaltet bleiben. Oder zumindest eher dezent.

5. Auf den Release achten

Was mir immer wieder bei professionellen Instrumentalisten auffällt: Sie wissen nicht nur, wann sie eine Taste drücken müssen, sie wissen genauso gut, wann sie die Taste wieder loslassen. Wer seinen Release gefühlvoll im Timing spielt, kann noch wesentlich mehr aus den Synthesizer-Parts herausholen.

6. Stereo oder Mono?

Synthesizer aufnehmen – zwingend in Stereo? Meine Meinung: Nein! Oftmals findet sich ein Synthesizer besser in den Mix ein, wenn Du ihn in Mono aufnimmst. Und viele Parts brauchen auch keine Stereobreite (oder gar zusätzliche Stereoverbreiterung durch Effekte), sondern einen dedizierten Platz in der Abmischung des Songs. Einfach mal ausprobieren, jeder Song ist verschieden.

7. Stereopanorama

Wenn wir kurz bei der Frage nach dem Stereopanorama bleiben, dann solltest Du gleich noch etwas mit deinem Synthesizer-Preset probieren. Viele Presets in Keyboards und Synths sind nämlich überhaupt nicht wirklich Stereo.

Du findest es heraus, indem Du eine der beiden Seiten in der Polarität umkehrst (landläufig heißt das »Phase umkehren« oder »Phase drehen«) und dir das Ergebnis anhörst. Hörst Du a) nichts oder b) nur ein extrem leises, »dünn« klingendes Signal, kommt über den linken und rechten Kanal (weitestgehend) der gleiche Sound – Du brauchst also auch nur einen davon aufnehmen!

Lies mehr dazu in unseren FAQ: Was ist Phasenverschiebung? »

So kannst Du auf deinem Audio PC Rechenleistung sparen, zudem wird nur halb so viel Speicherplatz verbraucht (statt zwei Audiodateien identischer Länge und Qualität wird nur eine erstellt). Ob und ggf. welche Stereoeffekte Du im Nachhinein über den Sound legst, ist wieder eine ganz andere Frage.

8. Layering

Mit dem Layering von Synth-Parts kannst Du dafür sorgen, dass der Sound so richtig dick wird. Gleichzeitig gibt es aber viele Amateurproduktionen, die diesen Effekt so häufig wiederholen, dass sich das Ergebnis matschig durch und durch anhört. Faustregel: Je unwichtiger der Part für den Song ist, desto weniger Layer solltest Du verwenden.

9. Verwende Filter

Und damit meine ich jetzt nicht die analogen Filter deines Synthesizers, sondern High- bzw. Low-Pass-Filter. Damit lassen sich die Frequenzen im Tief- und Hochtonbereich, die im Mix mit den übrigen Spuren stören können, herausfiltern.

Denn genauso wenig wie bei anderen Instrumenten ist es bei Keyboards und Synthesizern angebracht, dass sie im Mix mehr oder minder über das gesamte Frequenzspektrum hinweg präsent sind. Ein typisches Szenario: Mit einem High-Pass dem Bass genügend Raum geben und oben mit einem Low-Pass Platz in den Mitten und Höhen für das Vocal lassen.

Passend dazu die FAQ: Filter Typen »

10. Reamping (Danke an Matthias!)

Ja, auch mit Keyboards kannst Du Reamping wie bei der Gitarre betreiben. Der Unterschied liegt darin, dass man eben die Synthesizer-Parts über einen Verstärker oder die Studiomonitore ausgibt und dann via Mikrofon wieder aufnimmt. Das Ergebnis kann dadurch (und insbesondere bei virtuellen Instrumenten aus der DAW) etwas runder und angenehmer werden.

11. Mehr Live-Sound

Um den Reamping-Trick noch etwas weiterzuführen, kannst Du Folgendes machen: Nimm einerseits das direkte Signal aus dem Synthesizer auf, andererseits das Signal über einen Verstärker.

Bei letzerem Recording lässt Du bewusst eine Menge Raumsignal drin, gehst also nicht ins Close Miking. Dieses zweite Signal verstimmst Du jetzt mit einem Pitch-Shiftig-Effekt um wenige Cent (Hundertstel-Halbtöne) nach oben oder unten und mischst es relativ leise hinzu. Das Ergebnis wird lebendiger klingen als das herkömmliche Direktsignal allein.

Fazit zum Thema Keyboard & Synthesizer aufnehmen

  • Parts für linke/rechte Hand einzeln einspielen
  • Part mit Preset-Sound aufnehmen + MIDI aufzeichnen
  • Oktave spielen, die Vocals nicht im Weg steht (vermeide z.B. C‘ bzw. C3)
  • Ohne oder nur mit dezenten Effekten aufnehmen
  • Das Timing beim Loslassens der Taste ist ebenso wichtig wie der Anschlag
  • Beschränke dich eher auf Mono und nutze keine Stereoverbreiterung
  • Prüfe, ob die Ausgabe wirklich Stereo oder nur 2 x Mono ist
  • Experimentiere mit dem Layering mehrerer Sounds
  • Nutze Hoch- und Tiefpassfilter
  • Reamping: Zeichne den Synthesizersound via Lautsprecher per Mikrofon auf
  • Reamping-Signal leicht verstimmt und leise zum Direktsignal hinzumischen

Der Vollständigkeit halber: Wie bei allen Audio-Aufzeichnungen brauchst Du einen ausreichenden, aber nicht zu hohen Pegel (mit genug Headroom, um Clipping zu vermeiden). Halbwegs vernünftige Kabel (nicht gerade die allerbilligsten) sollten es sein und ein hochwertiges Audio Interface ist ein Bonus, mit dem Du noch das letzte Fünkchen an Sound herausholen kannst.

Aber in diesem Artikel sollte es weniger um die technischen, als um die künstlerischen Aspekte und den Workflow gehen. Kennst Du weitere Tipps, die beim Synthesizer aufnehmen für einen lebendigeren Sound, einen besseres Zusammenspiel im Mix mit anderen Elementen und dergleichen sorgen? Immer her damit! Denn natürlich sind hier bei weitem nicht alle Tricks zum Synth & Keyboard Recording abgedeckt, keine Frage.

Hat dir dieser Artikel gefallen? Kannst Du etwas mit diesen Tricks in deiner Praxis anfangen? Dann empfiehl uns doch bitte deinen Freunden auf Twitter, Facebook und in deinem Lieblingsforum weiter. Vielen Dank dafür! :)

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Lesermeinungen (5)

zu '11 Tipps für Recording von Synthesizer – Aufnehmen von Keyboard & Synth'

  • Wini   22. Jun 2011   20:49 UhrAntworten

    Schöne Liste, allerdings Tipp 2 würde ich mit vorsicht genießen. Meine Spielweise verändert sich in jedem Fall je nach verwendetem Sound. Schon allein die Hüllkurve des Sounds schlägt sich in der Spielweise nieder. Also besser gleich den "finalen Sound" oder zumindest einen, der diesem sehr nahe kommt, verwenden.
    Es gibt auch Pianisten die behaupten, das man Piano-Parts erneut aufnehmen müsste wenn man das Software-Piano nachträglich ändert...

  • polyaural   22. Jun 2011   22:48 UhrAntworten

    Wertvolle Tipps. Danke dafür. Ich mache reine Synthesizer-Musik, und an Lebendigkeit der Sounds kann man nie genug arbeiten. Reamping hatte ich schon total verdrängt …

  • Wirgefuehl   23. Jun 2011   15:52 UhrAntworten

    Super Liste - vielen Dank dafür!

    Einiges haben wir, anderes hätten wir berücksichtigen sollen... Aber delamar hat uns auch grundsätzlich schon sehr viel gebracht. Fürs Hörbeispiel mit eingespielten Synthies (Waldorf xtk, Roland JP-8000, Clavia Nordlead) einfach oben auf Wirgefuehl klicken.

    Danke nochmal!

  • Brownrecordz   28. Jun 2011   16:34 UhrAntworten

    @ Wini

    Ja das stimmt. Es gibt verschiedene Pianos zum Beispiel in Reason 5 die komplett anders auf die Anschlagdynamik reagieren und klingen.

  • Mokka   21. Apr 2017   12:56 UhrAntworten

    Tipp 6 (Stereo oder Mono) ist unprofessionell falsch !
    (Wer ist denn auf den Unsinn gekommen ?)

    Es ist bei Stereosignalen zu einem späteren Zeitpunkt immer noch problemlos gegeben, diese in Mono abzumischen.
    Umgekehrt kann eine reine Monoaufnahme nicht in echte Stereoanteile gemischt werden (höchstens in Pseudostereo).

    Keine Frage, für so manches ambiente und kompaktere Klangbild empfehlen sich Anteile von Monomixe und das gilt nicht nur für Synthies.
    Oft zweifelt und hadert man aber auch mit einem Mix und ist sich unsicher, ob ein Sound in voller Stereobandbreite das Klangbild zu sehr dominiert oder in Mono zu weit weg und dünn klingt.
    Mit einem Stereoenhancer (der sich auch in die andere Richtung regeln lässt), kann man daher die Stereobreite verringern und so weit (oder gänzlich) in Richtung Mono gehen, bis ein Sound sich dem Gesamtgebilde fügt.

    Daher sollte man auch stets Originalaufnahmen zur Verfügung haben, die zu einem späteren Zeitpunkt modifiziert werden.
    Non-destruktives Arbeiten nennt man das und diese Arbeitsweise entspricht einer professionellen.
    Eine reine Monoaufnahme im Vorfeld (sofern in Stereo aufgenommen und später modifiziert werden kann) ist daher reiner Unsinn und entspricht auch keiner professionellen Arbeitsweise !

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