So viel verdient ein Musiker mit Streaming – ein überraschendes Beispiel

Streaming

Poor Dog oder doch Cash Cow? Das verdient ein Musiker mit Streaming.

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Einkünfte aus Streaming

Für viele sind Musik-Streaming-Apps zum täglichen Begleiter geworden. Noch nie war es so einfach, auf seinen Geschmack zugeschnittene Musik zu konsumieren. Im Prinzip eine Technologie, die begeistert, Freude schenkt beim Entdecken neuer Künstler und weiter nicht großartig zum Nachdenken verführt.

Alle wissen zwar, dass ein Musiker, dessen Album ich streame, nicht all zu viel verdienen kann, wenn der Streaming-Anbieter selbst seit Jahren rote Zahlen schreibt. Einen genauen Beleg dafür hat man aber auch nicht. Verschiedene Studien kommen zwar meist zu dem Schluss, dass Musiker nur einen sehr kleinen Anteil am Gesamterlös erhalten. Streaming-Anbieter halten jeodoch dagegen. So ließ Spotify-Chef Daniel Ek einst verkünden, dass es dank seines Dienstes weniger Raubkopierer gäbe und die Menschen wieder anfingen, legal Musik zu hören.

Doch wie sehen die exakten Zahlen einer erfolgreichen Musikerin aus? Die US-amerikanische Cellistin Zoë Keating veröffentlicht seit Jahren ihre Cent-genauen Einnahmen in Form einer simplen Tabelle, die dem geneigten Betrachter einiges verrät.

So viel zahlen die Streaming-Anbieter

Den Zahlen nach hat Zoë Keating im Jahr 2017 insgesamt rund 83.000 US-Dollar verdient. Darin enthalten sind etwa 21.105 US-Dollar, die mit Downloads eingenommen wurden und ein nicht unerheblicher Anteil an Einnahmen, die sich aus den Rechten der Musikerin ergeben. Durch reines Streaming hat die Künstlerin also rund 19.625 US-Dollar verbuchen können.

Aufgeführt werden zwei verschiedene Distributoren: je nachdem, welchen man betrachtet, erhält die Cellistin pro Song-Abruf bei Spotify 0,0038015 beziehungsweise 0,0039 Cent. Insgesamt sind über den schwedischen Marktführer etwa 2.604.000 Millionen Abrufe getätigt worden.

Hier zeigt sich auch wiedermal die Marktmacht, die Spotify inne hat. Die Mitbewerber kommen bei weitem nicht auf eine vergleichbare Anzahl an Streams, obwohl es sich für den Künstler dort lohnen würde: Amazon Prime zahlt pro Stream 0,066 US-Dollar, bei Deezer erhält der Musiker rund 0,005, Apple Music zahlt aufgerundet 0,008 US-Dollar aus. Das meiste Geld gibt es – nach Amazon Prime – beim Musiknetzwerk Xbox Music von Microsoft: 0,032 US-Dollar.

Streaming

Eine Übersicht, welcher Streaming-Dienst am besten Vergütet. Quelle: Statista (https://www.statista.com/chart/13407/music-streaming_-who-pays-best/)

Wer angemessen vergütet, verschwindet vom Markt

Spekulationen nach soll das großzügige Vergüten Microsofts einer der Gründe sein, weshalb sich das Streaming-Geschäft unter der Windows-Fahne nicht mehr lohnt. Erst Anfang des Jahres stampfte Microsoft seinen »Groove Music Pass« genannten Dienst ein. Doch zurück zu Zoë Keating: Ist ihr Verdienst nun angemessen oder lächerlich gering? Ihre letzten Veröffentlichungen liegen schon ein paar Jahre zurück. 2010 brachte die Cellistin ein Album auf den Markt – darüber hinaus wirkte sie 2016 an einem Soundtrack mit.

Ihre Arbeit trägt also weiterhin durchaus Früchte. Monatlich sind das in etwa 1.635 US-Dollar, die auf ihr Konto eingehen. Fraglich bleibt hingegen, ob sie vergleichbare Einkünfte auch ohne die Streaming-Plattformen erzielen würde. Es ist schwer zu sagen, ob sich jeder, der ihre Musik online abruft, auch eine CD gekauft hätte.

Wie siehst Du das?

Ist Musik-Streaming nun Fluch oder vielleicht doch Segen für den Musiker? Was wäre deiner Ansicht nach eine angemessene Vergütungshöhe pro Stream?

Lesermeinungen (5)

zu 'So viel verdient ein Musiker mit Streaming – ein überraschendes Beispiel'

  • robotron sömmerda   23. Apr 2018   10:48 UhrAntworten

    Laut der verlinkten Tabelle waren es Einnahmen von 40.736,52. Davon 21.106,72 aus Downloads und "nur" 19.629,80 aus (dem Thema) Streaming.
    Da ich die Instrumentenspielerin nicht kenne, weiß ich nicht, ob sie nur eigene bzw. gemeinfreie Stücke spielt, oder noch "GEMA" Gebühren anfallen und ggf. abgezogen werden müssten. Oder ziehen das schon die Streamingdienste ab?

    • Alexander Schölzel (delamar)   23. Apr 2018   12:47 UhrAntworten

      Hi Robotron,

      Du hast Recht, da ist mir beim Berechnen der Streaming-Einnahmen ein Fehler unterlaufen. :-/
      Danke für den Hinweis - ich habe die Zahlen entsprechend angepasst!

      LG

  • WerAuchImmer   23. Apr 2018   22:43 UhrAntworten

    So würde ich mein Geld auch gerne verdienen => 2010 letztes Album aber immer wieder neu für die gleiche Arbeit kassieren. Sagt das mal einem Verkäufer, Kassierer, Tankwart usw.
    Ja und die großen Stars, da gibt es ja wohl nicht mehr viel zu sagen.
    Das ist kein Neid - ich lebe gut aber die sollten mal ein bisschen mehr für ihren Unterhalt tun und nicht noch 70 Jahre nach dem Tod kassieren oder eben Jahre später - was ist das bloß für eine Welt.

    Ich würde ja sagen ihr könnt mich jetzt rot machen aber hier gibt es ja kein voting. :) Glück gehabt.

  • Danny   24. Apr 2018   10:28 UhrAntworten

    Wie immer stellt sich das im wahren Leben dann doch etwas differenzierter dar.
    Im vorliegenden Fall ist Künstler = Label. Wenn man als Künstler aber einen Labelvertrag hat teilt man sich die angegebenen Beträge wie im Vertrag vereinbart. Also in der Regel bekommt der Künstler einen Share von 5 % bis 30 %. Damit wären wir im Falle von Spotify mit Labeldeal von 30 % bei 0,00117 $. Wenn man dann etwa eine Band ist mit drei, vier, fünf Leuten und sich die Einnahmen nochmal drittelt, viertelt usw, dann hat man logischerweise entsprechend weniger. Diese Einnahmen betreffen das sogenannte Masterrecht. Eine ganz andere Baustelle ist das Copyright. Hier geht es um die Tantiemen die der Songwriter für Musik + Text bekommt. Hier bezahlen die Streamingdienste direkt an eine Verwertungsgesellschaft die diese Rechte anmeldet. In Deutschland ist das die GEMA. Die GEMA bekommt also einen Betrag den die GEMA mit dem Streamingdienst vereinbart hat. Im Falle von Spotify bekommt ein Songwriter ungefähr 1/5 bis 1/10 des Betrages den der Masterrechteinhaber bekommt. Die genaue Berechnung ist sehr kompliziert, ein Stream von einem Premium Abo gibt mehr Geld als von einem Ad-Abo usw, aber im Mittel ist der Ausschüttungsbetrag bei ca. 0,0005 $ pro Stream). Wenn man den Song aber gar nicht alleine geschrieben hat sondern mit z.Bsp. 3 anderen Leuten zusammen, und man hat einen Musikverlagsvertrag (als Songwriter Pro in den meisten Fällen immer noch unabdingbar) hat man einen Split von etwa 60/40 oder 70/30 Songwriter/Verlag dann kommen wir auf einen Betrag pro Stream von 0,000099 $ (tatsächlich vier Nullen nach dem Komma). Diese Beispiele beziehen sich aus Einfachheitsgründen auf Spotify, aber man kann sich ausrechnen was etwa bei YouTube dann dabei rauskommt.
    Zusammenfassend gesagt: Wenn man als Künstler kein Label hat sondern alles selbst veröffentlicht, seine Songs selber schreibt und keinen Verlag hat UND über eine Million Streams kommt, dann ist es ein ordentliches Geschäft in dem man auch Geld verdienen kann. In allen anderen Fallkonstellationen (die m.E. die Masse im Profibereich ausmachen) gestaltet sich das mit dem Geld verdienen im Streaming dann doch etwas zäher.

  • Danny   24. Apr 2018   11:08 UhrAntworten

    Nochmal zwei Anmerkungen die wichtig sind um Klarheit in das Thema zu bringen:
    1. Es ist immer darauf zu achten das die Beträge und die Bezeichnung der Währung stimmen, es müssen oben im Artikel 0,0039 Dollar und nicht 0,0039 Cent sein.
    2. Was in meinem Kommentar etwas untergeht: Der ausführende Künstler (der mit dem Labeldeal der an den Masterrechten beteiligt wird) ist nicht immer derjenige der den Song auch schreibt/komponiert (der mit dem Verlagsdeal der an den Urheberrechten beteiligt wird), oft sind das unterschiedliche Personen. ;)

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