Trevor Horn
Pionier der elektronischen Sounds

trevor horn produzent

Im Porträt: Prodzent Trevor Horn - Mit Frankie Goes To Hollywood hat er viele Erfolge gefeiert. | Bild: Jane McCormick Smith, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons; zugeschnitten

Godfather des Elektro-Sounds: Trevor Horn im Porträt

Beginnen wir einfach damit einige von Trevor Horns Superhits zu nennen. Sie gehören zur Musikgeschichte und haben unsere heutigen elektronischen Sounds entscheidend geprägt haben:

  • “Video Killed The Radio Star” – The Buggles. Trevor Horn sang und spielte Bass.
  • “Owner Of A Lonely Heart” – ABC. Trevor Horn war Produzent.
  • “Welcome To The Pleasuredome” – Frankie Goes To Hollywood. Trevor Horn war Produzent.
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Interessante Anekdote, die das Geschehen im Musikbusiness und die Studioarbeit hinter den Kulissen gut widerspiegelt: Außer dem Sänger Holly Johnson hört man auf den ersten Singles “Relax” und “Two Tribes” der Band Frankie Goes To Hollywood keinen weiteren Musiker der Band.

“Video Killed The Radio Star” wurde ein Sensationserfolg

Erfahrenere Studiomusiker mussten die bombastischen Sounds einspielen. Trotzdem waren es die Musiker selbst, die die ersten Songs selbst geschrieben und gespielt hatten und Trevor Horn als Produzenten überzeugen. Er übernahm aber dann die Soundmaschinerie komplett und verhalf der Band erst zu ihrem unverwechselbaren High Energy Dance Sound, der sie weltberühmt machte.

Einer der erfolgreichsten Musikproduzenten: Trevor Horn

Trevor Horn wurde 1949 in Durham, England geboren. Da sein Vater den Kontrabass beherrschte, begann auch der Sohn mit zarten 8 Jahren dieses Instrument für Kinder zu erlernen, bevor er später zum E-Bass griff. Mit 21 Jahren zog Horn nach London, wo er sich bald als Studiomusiker verdingte. Schnell fing er auch an Jingles zu produzieren und sein Interesse an dieser Art von Musikarbeit wuchs.

Für seine Band The Buggles konnte er 1979 einen Deal bei Island Records ergattern. Da war er allerdings auch schon 30 Jahre alt. Ihr Hit “Video Killed The Radio Star” wurde ein Sensationserfolg und landete in 15 Ländern auf Platz 1, was übrigens nicht nur an den neuartigen coolen Sounds lag, sondern auch an dem Zusammenspiel seiner elektronisch verzerrten Stimme und den klaren, sympathischen Frauenstimmen von Debi Doss und Linda Jardim.

Trevor Horn: Vom Musiker zum Produzenten

Trevor Horn hatte sich mit den neuen elektronischen Tönen eine Nische geschaffen und hätte munter so weiter machen können, aber er stieg stattdessen bei der Band Yes ein, die auch von seinem Management betreut wurde. Allerdings sang Trevor nur ein Jahr für die Band und produzierte sie dann lieber. Heraus kam der Superhit “Owner Of A Lonely Heart”.

Gemeinsamer Erfolg mit Ehefrau Jill Sinclair

Seinen Weg als Produzent und nicht mehr als aktiver Musiker beschlossen er und seine Frau Jill Sinclair gemeinsam. Jill hatte einen Riecher dafür, dass er als Produzent sich einen Namen machen würde und als guter Musiker in der Masse einfach untergehen. Sie sollte Recht behalten! Jill übernahm sein Management und sie wurde eine der erfolgreichsten Personen des britischen Musikgeschäftes. Sie war Mitgründerin des gemeinsamen Labels ZTT Records und Plattenfirma Direktorin. 2014 verstarb sie leider an Krebs.

Die erste Maxi-Single, die weltweit durchstartete, war “Relax” von FGTH

Die beiden waren es auch, die erstmals Maxi-Singles und Remixes auf den Markt brachten. Diese waren eine regelrechte Sensation und gingen durch die Decke. Natürlich mussten Discos und Clubs die megalangen, supercoolen Songs spielen, um das tanzwütige Publikum bei Laune zu halten. Die erste Maxi-Single, die weltweit durchstartete, war “Relax” von FGTH. Man kann sich vorstellen, dass bei dem dauertreibenden Rhythmus die Tanzflächen der damaligen Discos regelrecht glühten und die Jungs begannen zu pogen. In späteren Jahren gönnte sich Trevor Horn mit seinem Projekt “Art Of Noise” dann seine eigene Elektro-Sound-Spielwiese, in der er wieder aktiv Bass spielt.

Die ersten Plattenproduktionen des Ehepaars Horn waren Welterfolge:

  • „90125“ – Yes
  • „Welcome To The Pleasuredome“ – FGTH
  • „Slave To The Rhythm“ – Grace Jones
  • „Introspective“ – Pet Shop Boys
  • „Street Fighting Years“ – Simple Minds
  • „Flowers In The Dirt“ – Paul McCartney

Das Paar zog bald nach Kalifornien, wo die Zusammenarbeit mit Seal begann. Aber auch Tina Turner, Mike Oldfield, Billy Idol und sogar der Italiener Eros Ramazotti sind als Partner zu nennen.
Horn heiratete die frühere Mathematiklehrerin Jill Sinclair im Jahr 1980. Zusammen haben sie vier Kinder.

Trevor Horns Auszeichnungen

BRIT Award 1983 – Best British Producer
BRIT Award 1985 – Best British Producer
BRIT Award 1992 – Best British Producer
GRAMMY 1995 – Record of the year, Producer („Kiss From A Rose“, Seal)
Königliche CBE Orden
Ehrendoktortitel der Musik der Universität Southampton
Ivor Novello Award

Trevor Horn aktuell

Im Herbst 2004 konnte Trevor Horn sein 25-jähriges Musikschaffen feiern mit einer Revue in London, zu der er alle Künstler, mit denen er in seiner Laufbahn Hits hatte, einlud: Seal, FGTH, die Band Dollar oder auch das Mädchen-Duo t.A.T.u.

Er schrieb übrigens auch den Offiziellen Song für die Olympischen Sommerspiele 2004 “Pass The Flame”.

2019 erschien sein Album „Trevor Horn Reimagines the Eighties“. Hier lässt er seine 80er Jahre Hits noch mal aufleben und von neuen Künstlern interpretieren. Robbie Williams ist dabei, Tony Hadley oder Marillion Sänger Steve Hogarth.

Kritiker sagen zu diesem Album, es sei zu pathetisch durch die Orchestereinlagen und erinnere zu sehr an die “Night Of The Proms”, das Riesenspektakel, das die Briten jedes Jahr mit sehr viel Orchestermusik feiern.

Trevor Horns Areit als Produzent und Komponist

Mit den folgenden Bands und Sängern arbeitete Horns erfolgreich zusammen:
ABC
The Art Of Noise
Band Aid
Barry Manilow
Belle and Sebastian
Dollar
Frankie Goes To Hollywood
Genesis
Godley & Creme
Grace Jones
Heaven 17
Lisa Stansfield
Mike Oldfield
Malcolm McLaren
Marc Almond
Ou Est Le Swimming Pool
Paul McCartney
Pet Shop Boys
Propaganda
Robbie Williams
Rod Stewart
Seal
Simple Minds
Jimmy Somerville
Spandau Ballet
Sugababes
t.A.T.u.
Tina Turner
Wendy and Lisa
Yes

Förderung von Talenten

Wer mit Trevor Horn im Studio als Sound-Assistent oder Techniker zusammengearbeitet hat, hatte wirklich gute Chancen groß raus zu kommen. So legten Hugh Padgham (später Produzent von Phil Collins und Sting) oder Stephen Lipson (später Produzent von Simple Minds, Annie Lennox) eine steile Karriere hin. Auch Julian Mendelsohn (später Co-Produzent von Kate Bush, Level 42 und den Pet Shop Boys) und Guy Sigsworth (später Produzent von Björk, Lam und Mandalay) gehörten zum Team um Trevor Horn.

25 Hit-Singles und Alben von und mit Trevor Horn produziert

Dollar: Give Me Back My Heart (1981)
Malcolm McLaren: Duck Rock (1982)
ABC: Poison Arrow (1982)
Yes: 90125 (1983)
Frankie Goes To Hollywood: Welcome To The Pleasuredome (1984)
Grace Jones: Slave To The Rhythm (1985)
Pet Shop Boys: Left To My Own Devices (1988)
Rod Stewart: Storyteller Box (1989)
Paul McCartney: Flowers In The Dirt (1989)
Simple Minds: Belfast Child (1989)
Seal: Seal (1990)
Inga: Riding Into Blue (Cowboy Song) (1990)
Marc Almond: The Tenement Symphony (1991)
Original Soundtrack: Toys (1992)
Mike Oldfield: Tubular Bells II (1992)
Betsy Cook: Docklands (1992)
Lomax: Waiting In Vain (1992)
Tom Jones: If I Only Knew (1994)
Genesis: The Carpet Crawlers (1999)
Art Of Noise: The Seduction Of Claude Debussy (1999)
Belle & Sebastian: Dear Catastrophe Waitress (2003)
Seal: Seal IV (2003)
Tatu: Not Gonna Get Us (2003)
Lisa Stansfield: The Moment (2004)

Das musikalische Schaffen von Trevor Horn ist nahezu unermesslich. Hier kannst du alle Hits, Alben und Produktionen von Trevor Horn einsehen.

Trevor Horns Equipment: Chronik der Zeitgeschichte der elektronischen Musik

Trevor Horns Arbeit mit seinem Studio-Equipment zu verfolgen ist tatsächlich ein Ausflug in die Geschichte der elektronischen Musik. Denn er setzte als einer der ersten im Pop-Bereich elektronische Klänge ein und dies bereits 1979. Gleichzeitig ist er seitdem immer am Puls der Zeit geblieben und macht alle technischen und elektronischen Neuerungen mit. Bis hin zur Arbeit ohne Studio, nur mit Laptop bewaffnet.

“We Can Do Anything With Sounds”

Angefangen hat alles mit den Songs “Video Killed The Radio Star” und “Plastic Age” mit seiner Band The Buggles, in denen der Moog Minimoog Model D und der Korg Minipops 7 zum Einsatz kamen.

Moog Minimoog Model D

Der Moog Minimoog Model D – ein Klassiker unter den Synthies

Machen wir einen Sprung und gehen direkt weiter zur Arbeit mit der Band FGTH. Hier kamen ein Roland Jupiter-8 und eine LinnDrum zum Einsatz. Den Jupiter-8 hört man sehr gut im Song “The World Is My Oyster, Welcome To The Pleasuredome”.

Mit der Band Yes kam ein Fairlight CMI zum Einsatz. Der Song “Owner Of A Lonely Heart” soll der erste Song mit Samples gewesen sein. Trevor Horn und sein Toningenieur arbeiteten sich damals in das digitale Sampling ein, das erstmals mit dem Fairlight möglich war.

Legendäre Vintage Synthesizer »

Später schaffte sich Horn ein Synclavier an, mit dem er aber immer auf Kriegsfuß stand. Er sagte, es war unnötig teuer und schwerfällig. Auch in Grace Jones Welthit “Slave To The Rhythm” nutzte Trevor Horn den Fairlight.

Weiteres Equipment, das Trevor Horn gern und häufig einsetzte, waren ein Roland Juno-106 und ein Roland JX-8P. Kenner sagen das Fairlight CMI war der Grund für den Mega-Erfolg des Labels ZTT. Und hier trat auch erstmals das Motto Trevor Horns auf: “We Can Do Anything With Sound”.

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Die erste Workstation war für unzählige Hits verantwortlich: Fairlight CMI. | Bild: J R via Flickr CC BY 2.0

Von der Hardware zur Software

In Trevor Horns Wirkungsgeschichte findet man übrigens mehr Sänger als Bands. Man kann sagen, er fand die Zusammenarbeit mit ganzen Bands diffizil, denn mehrere Musiker im Studio zufriedenzustellen ist schwieriger als nur einen Sänger. Und Trevor Horn hat einfach immer ganz eigene Vorstellungen. Einfach nur die Wünsche einer Band umzusetzen, ist nicht so sein Ding und solche Bands arbeiteten dann auch nicht mit ihm zusammen. Er wollte lieber Musiker haben, die soundmäßig Visionen wie er hatten und nicht so sehr an ihren eigenen Vorstellungen hingen.

Der Hit “Two Tribes” mit FGTH markierte einen weiteren Meilenstein in der Soundtechnik: Das 24-Track Recording. Erstmals hatte man als Sound-Engineer 24 Kanäle zur Verfügung. Horn hatte eines der ersten Mischpulte. Der Song war am Ende komplett digital, und das 1984!

Übrigens waren die bombastischen Songs von FGTH beliebte „Boxentester“ für alle, die sich für Zuhause die besten Hi-Fi-Anlagen zusammenstellen wollten. Man ging in den Laden und legte FGTH ein, um Boxen zu testen. Dies musste natürlich laut sein und war für das Ladenpublikum und die Inhaber mitunter etwas ‚anstrengend‘. Aber keine anderen Songs konnten die Leistung der Boxen so gut widerspiegeln, wie diese ersten digitalen Songs.

Die Wahl der richtigen Referenz-Tracks »

In den 90ern ging der Weg von Trevor Horn dann weg von der Hardware hin zur Software im Studio. Seine erste Software war Studio Vision. Seals Album “Future Love Paradise” nahm Horn mit zwei MIDI-Spuren und einer Spur der Software Studio Vision auf. Die Drums waren MIDI Drums, dazu ein Keybord und Seals Gesang.

„The minute I saw Studio Vision I sold all my PC stuff and bought a Mac. When I saw a Mac I realised it was the computer for me, because it was built for idiots. And I always hate anything too complicated. I remember I bought a load of Line 6 pedals because I saw on the box it said ‚Bonehead simple!‘ and I thought ‚That’s me — bonehead simple!‘ I hate having to read the manual.“, erzählte Horn in einem Interview mit dem Magazin soundonsound.com.

Trevor Horn & Hans Zimmer

Deutschlands Filmkomponist Nr. 1, Hans Zimmer, war übrigens auch Bandkollege in der Band The Buggles und stand im Video am Synthesizer. Mit Hans Zimmer produzierte Trevor Horn 1992 den Soundtrack für den Film „Toys“ von Barry Levinson. Hans Zimmer und er hatten sich nach dem Welterfolg „Video Killed The Radio Star“ ein wenig zerstritten und waren als Band von dem Erfolgsdruck überfordert. Sie entschieden getrennte Wege zu gehen, was dem Erfolg der beiden absolut nicht geschadet hat.

In späteren Jahren hat Trevor Horn tatsächlich viel ausschließlich am Laptop gearbeitet und dies überall auf der Welt, auch in irischen Burgen. Doch er sehnte sich nach der Akustik eines Studios zurück. Dort, so sagt er, kann man hören, was man tut und alles macht Sinn.

„I’m going to scarper back into the studio,“ rief er, als er nach seinem Jubiläumskonzert das Wembley Stadion verließ, „and I don’t think I’ll come out again for another 25 years!“. Das Studio ist einfach sein Zuhause!

Fazit: Trevor Horn

Wir hoffen, Du findest den Weg von Trevor Horn und sein vielseitiges musikalisches Werk genauso spannend wie wir und lässt dich davon inspirieren, auch neue Wege zu gehen. Welcher Produzent inspiriert dich? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

Lesermeinungen (2)

zu 'Trevor Horn: Pionier der elektronischen Sounds'

  • robotron sömmerda   16. Jan 2021   15:33 UhrAntworten

    Ausgezeichneter Artikel zu einem fantastischen Musikmenschen. Ich hatte das Glück, bei der Entwicklung seines Sounds am Radio dabei zu sein. FGTH und "Dr. Mabuse" (Propaganda) waren soundtechnisch eine Revolution. So haben sich Menschen gefühlt, die noch jahrelangem Schwarz-Weiß-Fernsehen erstmals in Farbe schauten.

  • doctorjaz   16. Jan 2021   18:48 UhrAntworten

    Trevor Horn und sein Label ZTT waren für mich der Sound der 80er , vor allem aber Art of Noise , die Blaupause für alles , was danach kam . Moments in love - unerreichte Hymne ,natürlich ohne den Fairlight nicht denkbar . Wie schön , dass man das heute alles für relativ kleines Geld zur Verfügung hat , aber leider sind die 80er vorbei . Bin ja auch schon 59 .

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