Swizz Beatz: Hip-Hop-Produzent, Rapper & Harvard-Absolvent im Porträt

Swizz Beatz

Swizz Beatz - Hip-Hop-Producer-Legende und Harvard-Absolvent. Bild: therealswizzz

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Swizz Beatz Kindheit in der South Bronx

Man kommt wahrscheinlich mit dem Hip-Hop, der gesamten Rap-Kultur in Berührung, wenn man eine Kindheit in der New Yorker South Bronx verlebt. Die Einflüsse, die Kasseem Dean dort zu spüren bekam, dürften ihn noch heute begleiten.

Es war vermutlich unumgänglich, dass Dean während seiner Zeit auf der Highschool nicht der vorbildlichste Knabe war. Nach Verwicklungen in mehrere Schlägereien, ging es für in nach Atlanta – eine glückliche Fügung, wie sich später herausstellen sollte.

Nach einer kurzen Phase des Einlebens, begann er bei seinen Onkeln auszuhelfen. Wer jetzt glaubt, Kasseem Dean habe hier und da mal im Laden der beiden an der Kasse gestanden oder Regale befüllt, der irrt. Seine Onkel waren Co-Chefs des Labels, das ihn noch heute beschäftigt: Ruff Ryders Entertainment.

Hip-Hop-Produzent per Zufall

Dean war gerade 17 Jahre alt, als er zum ersten Mal mit dem Rapper DMX zusammen arbeitete. Er muss viel gelernt haben in der Zeit, denn schon sechs Jahre später startete er sein eigenes Label. Seine ersten Arbeiten als Produzent kamen eher intuitiv zustande und rührten aus einer DJ-Vergangenheit.

Anfangs war ihm gar nicht bewusst, was genau Produzieren bedeutet, wie aus einem Interview mit dem »Splsh-Mag« hervorgeht: »Ich habe tatsächlich als DJ angefangen. Dann hab ich angefangen, zu samplen und an Mixtapes zu arbeiten. Für diese Mixtapes habe ich Loops gesamplet als Intro und Outro. Zu der Zeit war mir nicht bewusst, dass ich schon produziere.«

es gab keine Producer, die bekannt waren

Erst als die Leute auf ihn zukamen und ihm seine Intros für einige hundert Dollar abkauften, begann er, zu verstehen, was er da tat. Dennoch: Produzieren war zu der Zeit noch eine völlig hintergründige Arbeit.

»Produzieren war zu dem Zeitpunkt nicht angesagt, es gab keine Producer, die bekannt waren, DJs waren fame. Dann kamen ich und ein paar andere Producer, wir haben das Produzieren cool gemacht.« Die damaligen Mittel waren begrenzt. Am liebsten bediente man sich einer MPC 60. »Das ist immer noch meine Lieblings-MPC. Das Feeling ist einfach zu gut.«

Die Sprache des Business

Swizz Beatz ist ohne Zweifeln ein gefragter Produzent. Doch immer, wenn es um das Geschäft ging, stieß er an Grenzen – sprachliche Grenzen, wie er es selbst beschreibt. Was folgte, war ein Schritt, den sich nicht jeder wagen würde: Er legte eine musikalische Pause ein, um an die Harvard Business School zu gehen.

Gegenüber »VLAD TV« beschreibt er, dass er in Millarden-Dollar-Unternehmen mitwirkt, aber nicht ihre Sprache spricht. In Meetings war er immer nur der Rapper und Produzent, aber nie wirklich ein ernstzunehmender Geschäftspartner. Seine Harvard-Klasse bestand aus vielen erfolgreichen Menschen. Voraussetzung für die Aufnahme in das Owner/President Management program ist es, bereits ein erfolgreiches Business zu führen.

Von Anfang an wurde er als Mensch anerkannt. Der Großteil seiner Kommilitonen hatte jedoch keine Ahnung, wer er wirklich war. Erst als ihn eines Tages seine Frau, Alicia Keys, abholte, ging allen ein Licht auf.

Das Produzenten-Gen

Worauf ein Vater, der selbst Platten produziert, besonders stolz sein wird? Klar, wenn sein kleiner Spross bereits im zarten Alter von fünf Jahren erste Veröffentlichungen feiert. Der kleine Egypt zeichnet sich für einen Track auf Kendrick Lamars Album »Untitled Unmastered« verantwortlich. Auf der Drum Machine ist der Kleine schon ganz groß.

Sein stolzer Vater dazu: »Er war von diesen Dingen umgeben, seit er geboren wurde, natürlich. Er hat sich ganz automatisch dafür interessiert. Aber er ist nicht das Kind, das den ganzen Tag nur Musik machen möchte. Er macht vielleicht zu 10% Musik. Er spielt Fußball, Videospiele, Basketball – er ist eben ein Kind. Er ist jetzt sechs Jahre alt, er war fünf, als er den Beat gemacht hat. Aber er kommt immer wieder zurück zur Musik.«

Erfolg und Familienglück

Auch wenn Swizz Beatz eigener künstlerischer Output etwas vor den geschäftlichen Aufgaben zurückstecken musste, kam 2018 ein neues Album raus: »Poison« ist das zweite Studioalbum nach dem 2007 erschienenen »One Man Band Man«.

Zuvor half er noch innerhalb der Familie aus und produzierte einige Songs für seine Frau, Alicia Keys. »Sie wollte etwas Kreatives schaffen, etwas, das die Leute nicht von ihr erwarten. Es war ihr letztes Album bei ihrem Label, also dachte sie sich ‚Scheiß drauf, ich kann jetzt ein bisschen Spaß haben‘.« Ob der brandneue Aston Martin, den es zum 40. Geburtstag gab, so etwas wie ein kleines Dankeschön war?

Swizz Beatz schwärmt jedenfalls in den höchsten Tönen von seiner Frau: »Sie ist ein verdammtes Genie – sie ist besser als ich. Wir sind nicht voneinander abhängig und ich denke, das ist das Wichtigste. Dass wir beide unsere Leben leben.«

Kunstbegeistert und warmherzig

Seine unterstützende Art zeigt, dass Swizz Beatz seine Wurzeln nie vergessen hat. Die »Dean Collection« ist eine eigene Kunstsammlung von Künstlern für Künstler. Er sieht in vielen kleinen Künstlern großartiges Potential, aber genau so weiß er, wie schwer es sein kann, einen Durchbruch zu erleben.

Das Programm steht Kunstschaffenden aus aller Welt offen und unterliegt nur wenigen Vorgaben. Bewerber müssen lediglich angeben, wofür sie die finanziellen Mittel verwenden möchten, in welche Richtung das künstlerische Projekt dadurch vorangebracht werden soll und was ihre Inspiration dahinter ist. Vielleicht auch was für dich?

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