Quincy Jones: Produzenten-Urgestein und Alleskönner im Portrait

Quincy Jones

Das Logo der Quincy Jones Productions.

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Das Multitalent Quincy Jones

Es muss eine nervenaufreibende Zeit für Quincy Jones gewesen sein: Niemand Geringeres als Lionel Hampton wurde auf den jungen Trompeter aufmerksam und wollte ihn mit auf Tournee nehmen.

Hampton, der damals mit seiner Big Band als Vibraphonevirtuose tourt, wird zu der Zeit nicht geahnt haben, dass er selbst eines Tages neben Quincy Jones in den Hintergrund rücken wird. Schlägt man heute seinen Namen nach, wird herausgestellt, dass er jemand ist, der unter anderem mit prominenten Jazzmusikern wie Quincy Jones zusammen arbeitete. Dabei war er einer seiner Wegbereiter.

Jones, der 1933 in Chicago geboren wurde und heute Vater von sechs Töchtern und einem Sohn ist, war gerade 15 Jahre alt, als er sich Erzählungen nach im Tourbus von Lionel Hampton wiederfand. Er höchst persönlich wollte ihn in seine Big Band aufnehmen. Doch Quincy Jones wurde enttäuscht: Hamptons Ehefrau beförderte Jones kurzerhand wieder aus dem Bus. Die Band ging ohne ihn auf Tour.

Q und das Lionel Hampton Orchester

Ein Jahr später, Quincy Jones hatte gerade ein Stipendium am Barklee College of Music in Boston ergattert, bat ihn Hampton erneut, mit ihm auf Tour zu gehen. Für Jones keine Frage. Er willigte ein, schmiss sein Studium und ging auf große Reise. Ein Jahr und sechs Monate bespielte man gemeinsam die Bühnen. Eine Zeit, die Jones reich an Erfahrung machte. Heute ist er sich sicher, dass diese Zeit ihn mehr lehrte, als jedes Studium.

Wir befinden uns mitten im Paris der 50er-Jahren: Quincy Jones war mittlerweile festes Mitglied im Lionel Hampton Orchester und hatte sich einen Namen als Arrangeur gemacht. Nach vielen Stationen in der Welt begann er, eigene Bands zu leiten. Anfangs versucht er sich an kleineren Projekten, gründete aber schließlich seine eigene Gruppierung, die Quincy Jones Big Band, die sich auch ziemlich schnell einen Namen machte. Er blieb in Paris und spielte in berühmten Jazz-Clubs, wie dem Olympia.

Der erste afroamerikansiche Vizepräsident eines Major-Labels

Dort knüpfte er sogleich erste Kontakte mit dem französischen Label Braclay Records. Kurze Zeit später wird er als Produzent arbeiten und sich nach und nach dem Jazz entfernen.

Der damals auflebende Musikstil wird zunehmend verständlicher und zugänglicher. Pop-Musik eben. Q weiß aber auch hier zu glänzen und lässt sich 1960 von Mercury Records abwerben. Er wird der erste afroamerikansiche Vizepräsident eines Major-Labels. Und er macht seine Aufgabe mehr als gut.

Kein Mann für trockenen Büroarbeit

Es gehen nur wenige Monate ins Jahr, als er seinen ersten Hit landet. Lesley Gores »It’s My Party« erreicht Peak-Postionen in mehreren Ländern, darunter die USA, Australien und Neuseeland.

Quincy Jones arbeitete eine Zeit als A&R Manager, stellt aber schnell fest, dass ein Schreibtischjob nichts für ihn ist. Er siedelt in die Sonnenstadt Los Angeles um und verschreibt sich voll und ganz der Filmmusik. Sein Output ist enorm und setzt Maßstäbe. Seine Soundtracks »Soul Bossa Nova«, aber auch »Ironside« gelten heute als Kult.

»Einige der besten Melodien sind aus Versehen entstanden«

»Welt Online« verriet er während eines Interviews, dass er gute Songs auch schon mal dem Zufall zu verdanken hat: »Einige der besten Melodien sind aus Versehen entstanden, weil jemand eine Note falsch notiert hat oder weil man Zeilen in der Orchestrierung verwechselt oder ein Textblatt einer falschen Melodie zuordnet.«

Einer seiner Songs schafft es sogar auf den Mond: »Fly Me To The Moon« wird 1969 während der Mondlandung von Buzz Aldrin mit einem Kassettenrekorder abgespielt. Jones hatte den Song zusammen mit Frank Sinatra und Count Basie umarrangiert und Pop-tauglich im 4/4-Takt aufgenommen.

Als Michael Jackson in sein Leben trat

Es war zum Ende der 70er hin, als Quincy Jones den jungen Michael Jackson kennenlernte und begann, mit ihm gemeinsam Musik für den Film »The Wiz« zu produzieren. Für Jackson wurde schnelle klar, dass er mehr mit Q machen wollte und es entstand die Zusammenarbeit, die das meistverkaufte Album aller Zeiten hervorbringen sollte: Thriller.

Jones hat eine ganz eigene Beschreibung für die Beziehung zwischen Produzenten und Sänger: »Es gibt im Musikbusiness kein engeres, kein intimeres Verhältnis als das zwischen einem Sänger und seinem Produzenten. Als Sänger muss man sich in Vertrauen fallen lassen können. Ich nenne es Liebe.«

Da wundert es nicht, dass Michael Jackson stets tat, was Quincy Jones von ihm verlangte. »Beispielsweise bat ich ihn, mit der alten Motown-Tradition zu brechen, stets nur hoch zu singen – so singt Stevie Wonder bis heute. […] Er wehrte sich erst ein wenig, aber dann probierte er es. Und da sah er dann ein, dass es ein guter Rat war.«

Quincy Jones, der Wohltäter

Manch einer wird wissen, dass Q auch gut austeilen kann: Im Gespräch mit dem Magazin »Vulture« versetzte er der Pop-Welt einen Rundumschlag, bezeichnete Michael Jackson als Dieb oder Paul McCartney als untalentiert. Er entschuldigte sich allerdings, nachdem seine Töchter ein ernstes Wörtchen mit ihm sprachen. Und keine Sorge, Mr. Jones, es sei Ihnen verziehen.

Quincy Jones ist einige Male in seiner Karriere abgebogen, um sich neu zu erfinden und andere Dinge auszuprobieren. Ein Abstecher in die Filmwelt bescherte uns »Die Farbe Lila«. Mindestens genauso bemerkenswert wie seine Musik sind seine weltweiten Einsätze für Wohltätigkeit, die ihm 1999 sogar eine Audienz bei Papst Johannes Paul II. ermöglichten.

Es heißt, dass Jones damals für einige Entwicklungsländer einen Schuldenerlass erzielen konnte. Nach eigenen Angaben sei es eine direkte Folge der Audienz gewesen, dass Mosambik, Bolivien und der Elfenbeinküste Schulden in Höhe von rund 27,5 Milliarden Dollar erlassen wurden.

Am 14. März feiert Quincy Jones seinen 86. Geburtstag. Doch an so etwas wie Ruhestand ist nicht zu denken. Wir wünschen Mr. Jones noch viele gesunde, glückliche, kreative und schaffensreiche Jahre!

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