Ende Legende: Der tiefe Fall des Phil Spector

Mugshot von Phil Spector aus dem Jahr 2013. © California Department of Corrections and Rehabilitation

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Phil Spector: Vom Einfluss zum Einschluss

Phil Spector hat mit Künstlern wie John Lennon, den Beatles, Ramones oder Ronettes gearbeitet. Er kam in der Bronx in New York City zur Welt, seine Eltern zählten zur unteren Mittelschicht.

Auf der Highschool lernte er, Gitarre zu spielen, und begann, erste eigene Songs zu schreiben. Seine erste Band hieß »The Teddy Bears« und setzte sich aus den Studenten Marshall Leib, Harvey Goldstein (nicht der Weinstein) und Annette Kleinbard zusammen. Als Schülerband einen Nummer eins Hit zu landen, gelingt wohl nicht jedem.

Mehr dazu: The Beatles im Portrait

The Teddy Bears schafften es. Mit »To Know Him Is Love Him« erreichten sie die Spitze der Charts in den USA und Großbritannien. Durch die Unterstützung der Produzenten Lester Sill und Lee Hazlewood schaffte Spector den Sprung in die Welt der Producer. In New York arbeitete er von nun an an neuen Hits. Einen Arbeitgeber findet er schnell: Dune Records.

Die Industriesensation

Phil Spector scheint in seinem Element zu sein. Innerhalb kürzester Zeit produziert er einen ganzen Strauß an Hits und macht sich in kürzester Zeit einen Namen im Musikbusiness. Dass er bald zusammen mit Lester Still sein eigenes Label, Philles Records, gründet, erscheint wie ein logischer Schritt. Gegenwärtig schreiben wir das Jahr 1961.

Unter dem Dach von Philles Records unterzeichnet die Gruppe »The Crystals«, dessen erste Single »There’s No Other (Like My Baby)« immerhin Platz 20 der Billboard Charts erreichte. Von hier an passiert alles Schlag auf Schlag.

Wall of Sound

Spector arbeitet immer intensiver an seinem ganz eigenen Stil und kreiert dabei die »Wall of Sound«. Nicht weniger als eine Revolution in der damaligen Popmusik: Die hohe Sounddichte und der intensive Einsatz von Effekten prägte das Klangbild der Jahre ab 1962.

War es damals noch üblich, alle Instrumente einzeln und möglichst »trocken« aufzunehmen, setzte Spector auch gerne schonmal Mikrofone außerhalb der Norm ein. Dadurch ließen sich auch sphärische Klänge einfangen. Seine Idee war es, den Hörer in einen Song einzubetten.

Er verwendete Dopplungen, nutzte intensives Dubbing und viele Hintergrundinstrumentierungen. Kein Wunder, dass auf diese neue Form der Musikproduktion viele Stars aufmerksam wurden, darunter auch Bruce Springsteen oder The Beach Boys. Viele begannen, den Sound zu imitieren.

Millionär mit 21 Jahren

Phil Spector verdiente viel Geld. Mit 21 hatte er ausgesorgt. Nachdem er unter anderem Tina Turners Single »River Deep, Mountain High« produzierte, zog er sich zusehends zurück. Viele Berichte aus dieser Zeit beschreiben ihn als eigensinnig. Sein Verhalten sei beinahe psychotisch gewesen.

1969 tritt er zurück in die Öffentlichkeit und arbeitet an John Lennons Soloalbum. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und Spector wird gebeten, auch ein Album der Beatles auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis war Let It Be mit der Nummer eins Single »The Long and Winding Road«.

Spector schlittert weiter zwischen Genie und Wahnsinn, produziert Platten und fällt zugleich immer wieder durch sein zusehends bizarrer werdendes Verhalten auf. Letztes Highlight seiner Karriere wird die Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall of Fame im Jahre 1989 sein. Seine Schaffenszeit reicht bis ins Jahr 2003.

Der Tod der Lana Clarkson

Noch im gleichen Jahr geht bei der Polizei ein Notruf ein: Spectors Fahrer meldet, die Schauspielerin Lana Clarkson tot in der Villa des Produzenten in Alabama aufgefunden zu haben. Augenscheinlich wies ihre Leiche eine Schusswunde im Bereich des Mundes auf. Am 20. November 2003 wird Phil Spector angeklagt. Gegen eine Kaution in Millionenhöhe kommt er jedoch vorübergehen frei.

Später sagt Spectors Chauffeur vor Gericht aus, er habe zwei Stunden in der Einfahrt des burgähnlichen Hauses gewartet, als er plötzlich einen Schuss vernahm. Kurz darauf stürzte Spector mit einem Revolver in der Hand aus der Tür und gab an: »Ich glaube, ich habe jemanden umgebracht.«

Die Verurteilung

2009 spricht eine Jury Spector schuldig, nachdem der Prozess neu aufgerollt werden musste. In einer ersten Verhandlung 2007 konnten sich die zwölf Geschworenen nicht einigen. Nur zehn der zwölf Jurymitglieder plädierten auf schuldig.

Das endgültige Urteil fällt am 19. April 2009. Der einstige Starproduzent ließ sich von Mafia-Anwalt Bruce Cutler verteidigen. Doch auch der beste Anwalt konnte ihn nicht raushauen. Der Urteilsspruch erfolgte am 29. Mai 2009: 19 Jahre bis lebenslänglich wegen Totschlags (second-degree murder).

Phil Spector sitzt bis heute in Haft. Medienberichten zufolge verbüßt er seine Strafe in einer Behandlungseinrichtung für Rauschmittelmissbrauch im Staatsgefängnis in Corcoran, Kalifornien. Eine besondere Einrichtung, in der oft auch Promis unter kommen, die aufgrund ihres Status besonders gefährdet sind.

Eine Antrag auf Berufung wurde am 2. Mai 2011 verworfen. Spector legte Einspruch ein, scheiterte aber am 17. August 2011 vor dem Obersten Gerichtshof Kaliforniens. Immer wieder tauchen Bilder, sogenannte Mugshots, aus der Haft auf. Sie verdeutlichen den tiefen Fall einer einstigen Produzentenlegende.

Lesermeinungen (6)

zu 'Ende Legende: Der tiefe Fall des Phil Spector'

  • El Mariachi   19. Mai 2019   11:42 UhrAntworten

    wie immer liegen Genialität und Wahnsinn verdammt nah beieinander.

  • Sin San Sebastian   19. Mai 2019   11:46 UhrAntworten

    Interessanter Artikel, sein Abgang war mir gar nicht bewusst. Die mugshots könnte man bei einer seriösen Berichterstattung aber auch weglassen! Schade dass dieser sensationsjournalistische Stil à la Bild/Krone/TheSun Standard geworden ist um Clicks zu generieren.

  • Gerhard Günther   19. Mai 2019   12:50 UhrAntworten

    https://youtu.be/XzIuLR0v6Fo

  • Patrick   19. Mai 2019   14:11 UhrAntworten

    Interessant, fünf Frauen und 13 Männer ergeben 12 Geschworene? Also entweder war ich zu Schulzeiten im Kopfrechnen schlecht oder 5 +13 ergibt tatsächlich 18. :-)

    • Alexander Schölzel (delamar)   19. Mai 2019   19:42 UhrAntworten

      Hi Patrick,

      deswegen bin ich Journalist geworden und nicht Ingenieur.

      Danke für deinen Hinweis :-)

      • Patrick   21. Mai 2019   13:30 Uhr

        Nix zu danken. Hab eben trotz Blindheit ein scharfes Auge für Kleinigkeiten. :-)

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