Digitaler Musikvertrieb: Hilfe, meine Kündigung wird ignoriert!

Musikvertrieb kündigen

Was tun, wenn der digitale Musikvertrieb nicht auf deine Mails, Kündigungen oder Briefe reagiert? Hier kommt ein Erfahrungsbericht mit nützlichen Tipps für dich!

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Distributorenwechsel für Hartgesottene

Digitale Musikvertriebe sollen einem eigentlich das Künstlerleben leichter machen. Doch auch im Bereich der Online-Distributoren scheint es das ein oder andere schwarze Schaf zu geben. Was war passiert?

Erfahrungsbericht: Kündigung ignoriert, Rechnungen verschickt

Ein Leser schildert uns seinen leidvollen Weg, raus aus einem Vertrag mit einem Distributor, der sein Vertrauen bei ihm mittlerweile verspielt haben dürfte. Sein augenscheinlich einfaches Ziel: Den Musikvertrieb wechseln und damit folglich den Takedown all seiner bereitgestellten Alben veranlassen. Der Musikvertrieb DooLoad versteht sich eigenen Angaben nach als Serviceplattform für Musiker und Labels. Service jedoch, ist genau das, woran es mangelt.

In dem uns geschilderten Fall sind insgesamt fünf Releases seit April 2012 über DooLoad an verschiedenste Musikshops und Streaming-Portale verteilt worden. Vier Jahre lang verläuft alles in geordneten Bahnen. Nach der Entscheidung, den Weg mit einem neuen Distributor fortzusetzen, wird im April 2016 postalisch eine schriftliche Kündigung an DooLoad verschickt. Die Reaktion darauf – keine. Eine zweite Kündigung, die im Oktober 2016 als Einschreiben auf den Weg gebracht und nachweislich entgegengenommen wurde, verlief ebenso ins Leere.

Rechnung trotz Kündigung?

Per E-Mail geht im April 2017 eine neue Rechnung ein: Der Vertrag wurde automatisch um ein Jahr verlängert. Kein Wunder, wenn eine ordentliche Kündigung gleich zwei mal – aus welchen Gründen auch immer – nicht den Weg in die Bearbeitung findet. Es folgt ein Widerspruch per E-Mail, mit dem Verweis auf die schriftliche Kündigung. Doch auch diesmal trifft man bei DooLoad auf taube Ohren.

Wir können nicht eigenmächtig Takedowns veranlassen

Der Beweis dafür, wie schlecht es um den Service gestellt sein muss, trifft im Mai 2017 in Form einer Zahlungserinnerung ein, was in einen erneuten Widerspruch mündet. Einige Zeit passiert nichts, beide Seiten ruhen. Mit neuer Kraft kommt die Lösung im März 2018 auf ungewöhnlichem Wege. Mittlerweile ist auch ein Rechtsanwalt in Bereitschaft versetzt worden.

Takedowns auf Umwegen

Problematiken und Skepsis gegenüber DooLoad scheinen im Netz keine Seltenheit zu sein. Bereits mit geringem Rechercheaufwand trifft man auf teils verzweifelte, teils erboste Forenbeiträge von Nutzern, die vergebens versuchen, den Musik-Distributor zu kontaktieren. Kündigungen werden nicht bestätigt, Quartalsabrechnungen nur sehr schleppend erstellt.

Digitaler Musikvertrieb

Das Kontaktformular, das letztlich den gewünschten Erfolg einbrachte.

Was in dem hier geschilderten Fall letztlich zum Erfolg führte, ist ein vertrackter Umweg über Formulare, mit dessen Hilfe sich Copyright-Verletzungen bei Apple sowie Spotify melden lassen. Nachdem Spotify kommentarlos alle gewünschten Releases entfernt, meldet sich Apple per Mail, um anzugeben, die Sache mit dem Provider zu klären. Scheinbar fungiert zwischen DooLoad und den Musikshops bzw. Streaming-Diensten ein weiterer Dienstleister: Zebralution.

Zebralution veranlasst letztlich die Löschung der Titel – plattformübergreifend. Yandex, Google Play, Deezer, Napster, Amazon – überall reagiert man. In einer Anfrage an Zebralution verweist man jedoch weiterhin an DooLoad: »Wir können nicht eigenmächtig Takedowns veranlassen, ohne dass DooLoad uns damit beauftragt. DooLoad liefert den Content an uns als Distributionsservice und sind da der Part, der aktiv werden muss.«, heißt es in der Rückmeldung.

Zebralution gibt aber auch zu verstehen, dass es in der Tat der Weg über das Formular für Copyright-Verletzungen gewesen sei, der den Stein ins Rollen brachte.

Digitaler Musikvertrieb – Was es zu beachten gilt

  • Je nach AGB des Musikvertriebs kann es sein, dass sich deine Vertragslaufzeit automatisch verlängert – achte darauf rechtzeitig zu kündigen und lasse dies im besten Fall schriftlich per Einschreiben geschehen. Bewahre alle Quittungen und Belege auf!
  • Achte darauf, wie deine potentiellen Einnahmen abgerechnet werden. Also: Wie oft wird abgerechnet? Wohin geht dein Geld?
  • Vergleiche die Musikvertriebe am Markt. Inzwischen haben sich eine ganze Reihe an digitalen Distributoren aufgestellt. Nicht immer sollte der günstigste Preis entscheiden.
  • Ein Blick ins Impressum kann sich lohnen. Wo sitzt das Unternehmen? Sollte es einmal zu Rechtsstreitigkeiten kommen, möchte man nicht unbedingt in den USA vor Gericht ziehen.
  • Wenn es hart auf hart kommt: Wende dich, wie in unserem Beispiel, in Härtefällen direkt an Musikshops und Streaming-Portale und mache Copyright-Verletzungen geltend.
  • Soll sich künftig ein neuer digitaler Musikvertrieb um die Verteilung deiner Musik kümmern, behalte die bereits verwendeten EANs sowie ISRCs bei. Damit stellst Du sicher, dass auch alte Songs immer noch in bereits angelegten Spotify Playlisten vorhanden sind.

Wie sind deine Erfahrungen?

Nutzt Du selbst digitale Musikvertriebe? Welche Erfahrungen kannst Du mit uns teilen und welche Dienste besonders empfehlen?

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Lesermeinungen (5)

zu 'Digitaler Musikvertrieb: Hilfe, meine Kündigung wird ignoriert!'

  • Katja Köhler   22. Jun 2018   14:20 UhrAntworten

    Ben, schau mal! Danke für deinen Input zu dem Thema. Ich denke, das wird ganz viele Leser brennend interessieren!

  • Ben Blutzukker   22. Jun 2018   14:28 UhrAntworten

    Danke, dass ihr einen Artikel dazu gemacht habt. Den werde ich gleich mal im Netz verteilen!

  • Matthias Pflüger   22. Jun 2018   14:56 UhrAntworten

    Ich habe ja inzwischen auch auf Ende Oktober mit Verärgerung und Bangen gekündigt, auf verschiedenen Wegen, Fax, Email und (wichtig) Einwurfeinschreiben, da ich festgestellt habe, dass man mit einem Einschreiben persönlich oder Übergabeeinschreiben eher Pech haben kann, was die Zustellfiktion betrifft.

    Der Winkler oder wer auch immer Geschäftsführer ist stellt sich tot. Ich habe nur gesehen, dass irgendwann Mal meine Emails geöffnet worden sind. Das ist alles eine Riesenunverschämtheit, was da die letzten Monate abgeht. Keine Reaktion - auf nichts. Gut immerhin haben Sie es geschafft, meine Einnahmen, zu überweisen, da ging es nicht um viel - aber um's Prinzip.

    Ich habe denen gedroht, dass sie mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen, wenn der Takedown nicht erfolgt. Ich habe jetzt aber die letzten Wochen festgestellt, dass meine Songs auf der dooload Plattform gelöscht wurden und auch bei Amazon und Spotify nichts mehr geht. Sichtbar sind sie noch, aber nicht mehr anhörbar, ich hoffe das schaffen die auch noch.

    Damit gehe ich mal davon aus, dass es bei mir vollends läuft. Falls nicht, gibt es ebenfalls Post vom Anwalt und ich werde mit diesem Formular eine Rechtsverletzung melden.

    Noch hat dooload Zeit bis zum Vetragsende alles ordnungsgemäß abzuwickeln.

  • KONTAKTE Musikverlag   22. Jun 2018   18:20 UhrAntworten

    Endlich mal ein Bericht darüber! Nach diversen verzögerten Zahlungen in den vergangenen zwei Jahren, vergeblichen Kontaktaufnahmen und erfolgter Kündigung (alles reaktionslos ins Leere gelaufen), hat es mittlerweile immerhin mal ein Lebenszeichen gegeben.
    Man mag es kaum glauben: Es wurde seitens DooLoad erstaunlicherweise geantwortet!
    Trotzdem ist das ganze weiterhin ziemlich spooky und fühlt sich an, als sei das alles auf extrem wackligen Beinen – Vertrauen baut man anders auf!

  • Martin Buntrock   22. Jun 2018   19:40 UhrAntworten

    Vielen Dank für den Beitrag. Meine Erfahrungen bei der Suche nach einem passenden Distributor möchte ich in folgendem Abriss kurz darstellen.

    Ich habe für mein Label relativ lange recherchiert, Workshops besucht sowie persönliche und telefonische Gespräche geführt, um mich über verschiedene Musikaggregatoren zu informieren und den passenden Anbieter zu finden. Da viele meiner Musiktitel eine Länge von 30 Minuten haben (teilweise auch 60 Minuten), ergaben sich daraus einige Fragen,
    die ich schnell und in deutscher Sprache klären wollte.

    Mit Finetunes hatte ich mehrere längere Telefonate. Die Mitarbeiterin war sehr kompetent und wir vereinbarten einen Termin für die Vertragsunterzeichnung bei ihr im Büro in Hamburg. Als ich dort ankam, waren die Vertragsunterlagen fertig, aber letztlich scheiterte der Abschluss dann daran, dass ich als Künstler meine Produktionen auf meinem eigenen Label hatte. Mit einer anderen Rechtsform des Labels (z. B. als GmbH) wäre die Vertragsunterzeichnung allerdings möglich gewesen.

    Bei iMusician gestaltete sich der Kontakt dann leider viel schwieriger, als ich zunächst erwartet hatte. Ein telefonischer Kontakt zur schnellen Abklärung der Fragen war nicht direkt möglich. Ich musste Kontakt per E-Mail aufnehmen, worauf ein Telefongespräch vereinbart wurde. Pünktlich zur vereinbarten Zeit wurde ich von der Niederlassung in Berlin angerufen – ebenso bei folgenden Telefonaten. In dem Telefonat konnte mir die Mitarbeiterin dann aber meine Fragen nicht oder nur unzureichend beantworten und musste erst mit der Zentrale in der Schweiz Rücksprache halten. Nach mehreren Telefonaten und zahlreichen E-Mails, stellte sich dann heraus, dass iMusician nicht in der Lage war, Musiktitel in der genannten Länge in die Downloadportale einzustellen. Insgesamt hatte es 2 Monate gedauert, um mir das mitzuteilen. Die Mitarbeiterin von iMusician in Berlin war freundlich, aber konnte fast alle wichtigen Fragen nicht selbst beantworten. Ein direkter Anruf in Berlin oder ein persönlicher Besuch zur Klärung von Fragen war nicht möglich.

    Der nächste Versuch war bei RecordJet, ebenfalls in Berlin ansässig. Aufgrund der vorherigen Erfahrungen waren meine Fragen nun noch etwas umfangreicher geworden. Bei meinem ersten Anruf, kurz vor Feierabend bei RecordJet, konnte ich trotz der späten Zeit einem Mitarbeiter alle Fragen stellen, die er mir zum großen Teil ausführlich beantworten konnte. Die offenen Fragen sollte ich ihm per Mail senden, damit er sich noch weiter erkundigen konnte. Nach einigen Tagen erhielt ich eine Mail von ihm, in der er alle Fragen ausführlich beantwortete. Die Situation stellte sich letztlich für mich noch besser dar, als ich es zunächst erwartet hatte. Das Einstellen der langen Titel war kein Problem. Ich habe nun seit Oktober 2017 insgesamt 14 Alben über RecordJet bei den verschiedenen Download- und Streaming-Plattformen eingestellt und bin bisher absolut zufrieden. Kleinere (technische) Probleme konnten schnell und einfach gelöst werden.

    Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich zunächst sehr viel Zeit für die Suche nach einem Musikaggregator aufgewendet habe, schlussendlich aber (zumindest bisher) mit der Wahl von RecordJet genau den Partner gefunden habe, so wie ich es mir vorher vorgestellt hatte.

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