Moby im Portrait: Vom exzessiven DJ zum christlichen Veganer

Moby

Moby hat neben der Kunst auch ein Faible für Architektur und Fotografie. © Moby

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Moby: Aus der Kleinstadt in den Club

Für Moby, bürgerlich Richard Melville Hall, begann alles in Darien, einer Kleinstadt im Bundesstaat Connecticut. Sein Vater starb, als er zwei Jahre alt war. Die Welt, die ihm seine Mutter von da an bot, war eine traurige.

Eindringlich beschreibt er in seinem Buch »Porcelain« die Kulissen seiner Kindheit und Jugend, geprägt von Armut und Trauer. Um sich etwas hinzuzuverdienen, wusch seine Mutter die Wäsche der Nachbarn. »Alle zwei Wochen fuhr ich mit meiner Mutter zum Waschen zu der Ladenzeile am Hafen. Oft weinte sie, während sie die Wäsche der Nachbarn zusammenlegte.«

In der Zeit von Disco, Rock und Balladen begann Moby, seinen Musikgeschmack zu erkunden. Die Musik der Radiostationen ist damals sein Gegenpol zur Tristesse. »Ich hasste die Armut, den Zigarettenqualm, die Drogen, die Scham, die Einsamkeit.« Er träumte von der glitzernden Welt, von den tanzenden Menschen in den schillernden Diskotheken.

Vom Hausbesetzer zum gefragten DJ

Zwischen den Jahren 1989 und 1990 wagt er den ersten Schritt in eine ungewisse Freiheit. Moby, sein Künstlername lehnt an den Roman »Moby Dick« an, den sein Ur-Ur-Großonkel Herman Melville schrieb, zieht in ein altes Fabrikgebäude.

In einem Viertel mit der höchsten Mordrate ganz Neuenglands, lebt er von nun an auf engstem Raum und mit dem, was andere wegwarfen. »Einige der Wachleute besserten ihr Gehalt auf, indem sie Obdachlose und Hausbesetzer für 50 Dollar im Monat in den leer stehenden Gebäuden wohnen oder arbeiten ließen.«

Hinein in ein »schmutziges Mekka«

Seine neue Bleibe misst gerade einmal zehn Quadratmeter, die Wände bestehen aus alten Spanplatten. Herzstücke seiner neuen Unterkunft: ein altes Casio Keyboard, Alesis Drumcomputer samt TASCAM Mischpult sowie ein Yamaha Sampler. Immer wieder unternahm er Ausflüge nach New York City, in diese sehnsüchtige Welt voll von spannenden Menschen. Nach und nach erhielt er erste Jobs als DJ.

Mit 24 zog er schließlich in sein »schmutziges Mekka«, wie er es selbst beschreibt. Er legt regelmäßig im Club »Mars« auf und arbeitet bereits an einem seiner ersten Dance-Hits. Eines Abends, er legte gerade auf, spricht ihn Jared Hoffman an. Hoffman hatte gerade ein Label gegründet: INSTINCT Records.

Ich machte seit gut zehn Jahren meine eigene Musik

»Ich machte seit gut zehn Jahren meine eigene Musik und versuchte, einen Plattenvertrag zu bekommen«, so Moby.

In den letzten fünf Jahren machte er nichts anderes, als mit Demotapes bepackt durch New York City zu wandern und seine Musik bei unabhängigen Labels unter zu kriegen. Und plötzlich steht da dieser Kerl am DJ-Pult und reicht ihm eine Visitenkarte. Alles ging ganz schnell.

Moby richtet sein Studio in Jared Hoffmans Apartment ein. Er hatte die glitzernde Welt an der Ecke 14th-Street und Third Avenue im südlichen Manhattan erreicht. 1992 veröffentlichte er die Rave-Nummer »Go«, 1995 folgte mit »Feeling So Real« sein nächster großer Coup.

Moby kann sich schnell einen Namen innerhalb der Dance-Szene machen und wird immer häufiger auch über die Ländergrenzen hinweg gebucht. Er tourt durch UK, spielt Shows vor Fernsehkameras.

Moby, der bis hierhin keinen Alkoholexzess ausließ, sagte von nun an dem Trinken ab und lebte zudem vegan. »Ich war ein abstinenter Christ, der in Drogenclubs arbeitete.« Und doch war er glücklich »in einer dreckigen Stadt, die von Drogen, AIDS und Gewalt zerissen wurde«.

Ich war ein abstinenter Christ, der in Drogenclubs arbeitete.

Er erstellte Remixes für Michael Jackson, Depeche Mode und die Pet Shop Boys und probierte sich zunehmend in anderen Genres aus.

Während sein drittes Album »Everything Is Wrong« noch Erfolge einfahren konnte, nahm sein Aufschwung die Jahre darauf ab. Sein Album »Animal Rights«, das geprägt war von Alternative Rock, konnte an die früheren Erfolge nicht heranreichen.

Bestselleralbum »Play«

Nach einer schweren Zeit der Selbstzweifel kehrte Moby 1999 mit dem Album »Play« zurück. Seine Mutter war inzwischen an Krebs verstorben und Moby litt sehr unter ihrem Verlust. Songs wie »Why Does My Heart Feel So Bad« verkörpern diese Zeit.

»Play« wurde zum Bestselleralbum und in den USA mit Doppelplatin ausgezeichnet. Weltweit verkaufte sich die Scheibe über 10 Millionen mal. Mit »Porcelain« schaffte Moby es in die Top-5 in Großbritannien. Der Albumsong »Extreme Ways« wurde zum Titelsong für den Thriller »Die Bourne Identität« mit Matt Damon.

Musik mit Funktion

Moby ist es immer wichtig, Musik zu machen, die eine Funktion erfüllt, die die Menschen bewegt. Er macht keinen Hehl daraus, dass er die Aufmerksamkeit um seine Person genießt und für gute Zwecke nutzt. Als Tierrechtler spendet er einen großen Teil seiner Erlöse an verschiedene Tierschutzorganisationen. So auch die gesamten Einnahmen aus seinen Buchverkäufen.

Seine letzten Veröffentlichungen richten sich zudem gegen das politische System in den USA und die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten. Mit Album Nummer 13, »These Systems Are Failing«, verschafft er seinem Ärger in Form von politisch ausgerichteten Texten Luft. Musikalisch bewegt er sich dabei in einer Post-Punk-Ästhetik.

Heute lebt Moby im Alter von 53 Jahren in Los Angeles. Mittlerweile weiß er das warme Klima zu schätzen. Dennoch ließ er kürzlich den Pool seines Hauses zuschütten, um an dessen Stelle einen kleinen, privaten Wald pflanzen zu lassen.

Neben seinen Memoiren »Porcelain«, erscheint am 02. Mai sein neues Buch »Then It Fell Apart«.

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