Max Martin: Das Songwriting-Genie im Porträt

Max Martin

Max Martin bei der Verleihung des schwedischen »Musikexportpris« [Bildausschnitt CC BY 2.0]

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Vom ersten Plattenvertrag zum Hit-Garanten

Alles begann wie so oft: Karl Martin Sandberg, so sein bürgerlicher Name, spielte in einer schwedischen Funk-Metal-Band. Mit dieser Gruppierung, »It’s Alive«, ergatterte er zu Beginn der neunziger Jahre einen Plattenvertrag bei Denniz PoP.

Ein Schlüsselmoment seines Lebens. Der Inhaber der Cheiron-Studios in Stockholm erkannte schnell Martins Begabung und lehrte ihm das Handwerk des Komponierens und Produzierens. Es resultierten erste kommerzielle Erfolge: Der Rednex-Song »Wish You Were Here« schwingt vielen wohl nur beim kleinsten Gedanken daran im Kopf umher.

Es dauerte kein weiteres Jahr, da begab man sich gemeinsam mit den Backstreet Boys ins Studio. Die Geschichte könnte hier bereits enden, wären da nicht beinahe unzählige weitere Erfolge mit großen Künstlern wie Bon Jovi, Céline Dion, Christina Aguilera oder Justin Bieber. Selbst Adele und Taylor Swift, die beide dafür bekannt sind, ungern das Zepter aus der Hand zu geben, vertrauten auf das Können des Schweden.

Max Martin und Denniz PoP

Der unermüdliche Komponist

1998 starb Denniz PoP an Krebs und Max Martin entschloss, seine Wirkungsstätte von Stockholm nach Kalifornien zu verlegen. Mit 27 Jahren blickte er bereits auf einige erfolgreiche Jahre zurück. Aber seine nächste Produktion sollte ein weiterer Meilenstein in der Karriere des Schweden sein.

Max Martin lag bereits erschöpft im Bett, als ihm diese Songidee in den Sinn kam. Er nahm ein kleines Diktiergerät zur Hand, um eine erste Skizze des Songs festzuhalten. Das Gefühl stimmte und er versuchte, sich aus dem Bett zu motivieren.

Er stand schließlich auf, begab sich ins Studio und nahm verschiedene Versionen des Titels auf. Justin Timberlake bezeichnete die Arbeit mit Max Martin als sehr entspannt und fokussiert. Er lege viel Wert auf das Songwriting und die Stimme, wobei er diese mehr als ein Instrument betrachte.

Video: Britney Spears über Max Martin

Er sei ein Meister im Kreieren von Ohrwürmern – selbst in müdem Zustand, mitten in der Nacht vollbringt er Wunder. Was er noch völlig schlaftrunken auf Band verewigte, war ein dumpfes »Hit me baby one more time«. Anfänglich glaubte er noch, einen Titel für die R’n’B-Band TLC zu schreiben. Später, als die 16-Jährige Britney Spears für zwei Wochen nach Schweden zog, wurde alles anders.

Ein Song braucht keine große Einleitung.

Etwas, das Martin von seinem Mentor Denniz PoP lernte: Ein Song braucht keine große Einleitung. Die ersten Sekunden müssen bereits die volle Aufmerksamkeit des Hörers einfangen. Ein Konzept, das er stur verfolgt. »Hit me baby one more time« erkennt man ab dem ersten Taktschlag.

Alle sieben Sekunden muss etwas im Songverlauf passieren, ein Einschlag stattfinden, der erneut den Zuhörer fordert und ihn mitnimmt. Dabei bedient er sich meist nicht mehr als sechs Akkorden. Viel mehr geht es um die Energie, die seine Kompositionen in den verschiedenen Abschnitten der Songstruktur aufweist.

Max Martin und Taylor Swift im Studio

»Es ist die gleiche Melodie, aber die Energie ändert sich«

Er selbst beschreibt es in einem seiner seltenen Interviews mit der schwedischen Zeitung Dagens Industri so: »Wenn du den ersten, zweiten und dritten Chorus eines Songs hörst, dann klingen sie nicht gleich. Es ist die gleiche Melodie, aber die Energie ändert sich. Es geht darum, dass der Zuhörer die Konzentration behält.«

Eine Technik, die er selbst als die Prince-Theorie bezeichnet: Strophe und Chorus behalten ein und dieselbe Melodie bei. Ein Pre-Chorus verrückt kurzzeitig den Blick des Zuhörers, bis schließlich die Hookline spielt – unverändert im Vergleich zur Strophe – sie wirkt jedoch ganz anders und neu. Er schätzte Prince sehr für seine Verrücktheit und die unkonventionelle Weise, Songs zu produzieren.

Die Formel zum Erfolg?

Eine seiner weiteren Erfolgsformeln beschreibt der Journalist John Seabrook in der Studie »Song Machine – Inside the Hit Factory«, in der er sich in weiten Teilen auf Max Martin bezieht: Das Vertauschen von Dur- und Moll-Akkorden lässt fröhliche Lieder traurig und traurige Lieder fröhlich erklingen. Eine Methode, die Spannung erzeugt.

22 Nummer-Eins-Hits seit 1999

Spannung, für die der Pop-Gigant im privaten Leben wenig übrig zu haben scheint. Er gibt sich gekonnt bedeckt. Hält sich weitgehend aus der Öffentlichkeit fern und scheint in seiner Wahlheimat, Los Angeles, zwischen all dem Glanz und Glamour möglichst unerkannt seiner Leidenschaft zu folgen. 22 Nummer-Eins-Hits seit 1999 sprechen für sich. Häufig produziert er gleich drei davon innerhalb eines Jahres.

Wein und Perfektionismus

Das Haus, in dem er heute lebt, gehörte einst Frank Sinatra. Auch Madonna residierte eine Zeit in dem Domizil. An seiner Arbeitsweise hält er bis heute unverändert fest und gibt sich gekonnt bescheiden.

Wenn Pink zu Besuch im Studio war, begann der Arbeitsprozess nicht, bevor die erste von drei Flaschen Wein geleert war. Sie schätzt ihn vor allem für seine Zurückhaltung, die er auch auf seine Kunden übertragt. Letztere weiß er, wenn nötig, zu zügeln, lässt sie tief durchatmen.

Video: Arbeiten mit Max Martin

Viele große Namen profitierten von der Tatsache, dass er selbst ein Sänger ist. Britney Spears verriet einst, dass sie ihm teilweise ängstlich gegenüber stand und sich sorgte, etwas falsch zu machen, seinem Perfektionismus nicht gerecht zu werden. Gleichzeitig sollen es aber immer auch witzige und insgesamt sehr schöne Zeiten gewesen sein, in denen man die musikalische Magie förmlich fühlen konnte.

Max Martin ist ein Songwriter auf der Suche nach einer Stimme, die seine Melodien auf ein neues Level heben. Pop-Musik gepaart mit einer Portion »Flavour«, wie er es beschreibt. Mit seinen 47 Jahren ist er noch lange nicht am Ende einer Karriere, die in einer umtriebigen Branche seines gleichen sucht.

Lesermeinungen (2)

zu 'Max Martin: Das Songwriting-Genie im Porträt'

  • Uli Hoppert   30. Dez 2018   13:05 UhrAntworten

    Dur und Moll zu vertauschen lässt also Musik fröhlich oder traurig klingen... Respekt! Fünfte Klasse Musikunterricht...

    • Carlos San Segundo   31. Dez 2018   13:36 UhrAntworten

      Es wäre töricht davon auszugehen, dass jeder Leser dieses Wissen (parat) hat.

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