Eddie Kramer im Portrait: Vom Laufburschen zum Starproduzenten

In den Olympic Studios begann Eddie Kramers Zusammenarbeit mit Jimi Hendrix.

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Eddie Kramer’s unvergleichlicher Werdegang

Eddie Kramer wird 1941 in Kapstadt, Südafrika, geboren. Mit gerade mal 19 Jahren zieht es ihn nach London, wo er anfangs als Laufbursche arbeitet und für eine Firma die Botengänge übernimmt.

Im gleichen Gebäude ist eine Fernsehproduktion ansässig, die Kramer immer wieder gerne besucht. Hier findet er den ersten Berührungspunkt mit der Tontechnik. Den Entschluss, als Tontechniker Geld verdienen zu wollen, trifft er sehr schnell. Um die Grundlagen des Handwerks zu erlernen, tritt er eine Stelle als Assistent im Advision Studio an.

Sein Werdegang wird dabei von vielen Stationen geziert. Dazu verdichtet Kramer sein Wissen stetig im eigenen Heimstudio, in dem er für lokale Jazzgruppen Aufnahmen anfertigt. In den Pye Studios bekommt er seine ersten großen Chancen und arbeitet mit Künstlern wie Sammy Davis Junior oder The Kinks zusammen. Das war im Jahr 1964.

Beatles, Rolling Stones, Jimi Hendrix

Zwei Jahre später verschlägt es ihn in die Olympic Studios, wo er neben den Beatles und den Rolling Stones auch auf Jimi Hendrix trifft. Olympics hatte sich zu der Zeit bereits einen Namen gemacht. Das auch die Beatles dort aufnahmen, war jedoch lediglich der Tatsache geschuldet, dass ihr Stammstudio in der Abbey Road eines Tages ausgebucht war. Man wich aus und traf somit auf Eddie Kramer.

Über die Olympic Studios spricht Kramer in der Guitarworld wie folgt: »Wir waren sehr innovativ und hatten natürlich, glaube ich, die beste Konsole in England und möglicherweise der Welt zu dieser Zeit.« Es verwundert also nicht, dass das Studio auch den jungen Jimi Hendrix anzog.

Als er seine Gitarre einstöpsele und loslegte, stockte mir der Atem

Gegenüber dem Spiegel spricht Kramer, der 1967 noch ein junger Tontechniker war, von der ersten Begegnung mit Jimi Hendrix: »Im Januar 1967 rief mich die Rezeptionistin an, hier sei ein Typ mit einem beeindruckenden Afro, der Songs aufnehmen wolle.«

Hendrix stand da, in seinem Regenmantel. Es sei ein extrem kalter Wintertag gewesen. »Dann kam sein Equipment, die Verstärker bauten wir gemeinsam auf. Als er seine Gitarre einstöpselte und loslegte, stockte mir der Atmen, es war, als zuckte ein Stromschlag durch meinen Körper.«

Seine Selbständigkeit

1969 begann Kramers Selbständigkeit. Er übernahm das Engineering für »Led Zeppelin II«. Später würden Fans als auch Kritiker das Album als das einflussreichste Werk der Band bezeichnen. Das Jahr hält auch noch eine besondere Herausforderung bereit:

Kramer wird gebeten, die Liveaufnahmen des Woodstock-Festivals zu leiten. Als »eine dreitägige Hölle« beschreibt er die Zeit später. Er und seine Assistenten litten unter den schlechten Arbeitsbedingungen und der Schlafmangel setzte ihnen zu. Aber schon bald wird er sich wieder wichtigeren Projekten widmen.

Noch im selben Jahr betraut Jimi Hendrix Kramer und den Architekten John Storyk mit dem Bau eines hochmodernen Studios. Electric Lady Studios entstand binnen 13 Monaten und wurde von 1970 bis 1974 Eddie Kramers Arbeitgeber.

Das neu errichtete Studio wurde zu einer der beliebtesten Anlaufstelle für Aufnahmen aus aller Welt. Beinahe nebenbei produziert er Demos für KISS, für dessen Album »Alive!« er sich später verantwortlich zeichnen wird.

Was bleibt, außer Musik?

Man könnte annehmen, dass der Erfolg in der Musik ausreichen dürfte. Jüngst wurde Kramer für den besten Sound in der Hendrix-Dokumentation »Hear My Train A Comin« mit dem Emmy ausgezeichnet. Aber Eddie Kramer überrascht auch außerhalb des Tonstudios: Er gilt als einer der wichtigsten Fotografen der Rockwelt.

Seine einzigartigen Kontakte und Freundschaften zu Rocklegenden ermöglichen ihm ungeahnte Einblicke. Er genießt größtes Vertrauen und somit wird es wohl nicht viele Musiker geben, die vor seinem Objektiv zurückschrecken würden. Seine Fotos werden in renommierten Galerien und Museen weltweit ausgestellt. Teilweise befinden sich Bilder in Besitz internationaler Sammler.

Ein weiteres Anliegen ist ihm hingegen auch die Weitergabe seines Wissens: Er kümmert sich um die Ausbildung der nächsten Generation von Produzenten und Toningenieuren. Kramer hält regelmäßig Vorträge in den La Fabrique Studios in St. Rémy de Provence. Außerdem gibt er regelmäßig Workshops und hält Masterclasses ab. Fehlt eigentlich nur noch eines und daran arbeitet er derzeit bereits: Momentan schreibt Eddie Kramer seine Memoiren »From the Other Side of the Glass«.

Lesermeinungen (1)

zu 'Eddie Kramer im Portrait: Vom Laufburschen zum Starproduzenten'

  • El Mariachi   12. Mai 2019   11:10 UhrAntworten

    der Dude ist in Interviews auch immer tiefenentspannt deluxe. Mit dem zu arbeiten macht bestimmt Spaß. Und er ist der Grund weswegen die Woodstock-recordings so grandios sind im Sound. Guter Mann.

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