Dieter Bohlen: Musikproduzent und kontroverser TV-Star im Portrait

Dieter Bohlen

Dieter Bohlen - Von vielen belächelt, doch einer der kommerziell erfolgreichsten Musikproduzenten Deutschlands.

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Medienprofi und Pop-Titan Dieter Günther Bohlen

Geht’s dir vielleicht wie manchen, die Dieter Bohlen meist nur mit einem verhaltenen Lächeln entgegnen und ihn auf seine stimmmanipulierten Modern Talking Performances reduzieren?

Doch über 160 Millionen verkaufte Tonträger sprechen für sich. Dieter Bohlen ist einer der kommerziell erfolgreichsten Musikproduzenten, die Deutschland gegenwärtig zu bieten hat. Seine ersten eigenen Stücke spielte er im zarten Alter von zwei Jahren auf der Gitarre. Damals lebte er mit seiner Familie in Eversten in der ländlichen Idylle Oldenburgs.

Der 65-Jährige hielt stetig am künstlerischen Schaffen fest und komponierte auch während seiner Schulzeit. Offenbar wurde sein Talent früh vermarktet: Ende der 70er-Jahre war er als Komponist und Songwriter beim Hamburger Musikverlag Intersong tätig. Sein damaliges Tätigkeitsfeld: Schlager. Bevor es für ihn als Solokünstler losgehen sollte, erfüllte er noch einen Wunsch der Eltern und studierte BWL.

»You’re My Heart, You’re My Soul«

Einer derer, für die Bohlen Songs schrieb, war Thomas Anders. Nach Bohlens eher mäßigen ersten Gehversuchen als Solokünstler, taten die beiden sich zusammen – Modern Talking wurde 1983 geboren. Die Texte wurden international, man sang auf Englisch. Und es sollte nicht mehr lange dauern, da erreichten die beiden mit »You’re My Heart, You’re My Soul« ihre erste Nummer eins.

60 Millionen Platten bis 1987

Bis 1987 verkauften sich ca. 60 Millionen Platten, Modern Talking tourte um den halben Globus. Doch schon bald zerrüttete sich das Pop-Duo, es kam zur Auflösung. Geht es nach Bohlen, liegt die Schuld an der Trennung bei Thomas Anders’ damaliger Frau – Nora Balling.

Sie soll Auftritte verboten und sich unter anderem in Videodrehs eingemischt haben. Man »mache eine Pause«, hieß es seinerzeit. »Wenn Thomas mal wieder netter wird, dann mache ich weiter«, verriet er während eines Auftritts in der ZDF-Hitparade 1987.

Blue System, C. C. Catch – Bohlen macht weiter

Nach der Trennung Modern Talkings versuchte sich der Ostfriese in eigenen Projekten: Als Blue System trat er von nun an allein auf, entdeckte C. C. Catch und produzierte andere Interpreten.

Mit Blue System vertrat er den zu damaligen Zeiten populären Sound des Eurodance. Zwar war das Projekt im Vergleich zu Modern Talking weniger erfolgreich. Einzelne Singles schafften es aber immerhin bis auf Platz sechs der deutschen Charts.

Bohlen kann sich viele, oft relativ unbemerkte Erfolge auf die Fahnen schreiben. Mit dem Tatort-Titelsong »Midnight Lady« katapultierte der Pop-Titan den Smokie-Frontman Chris Norman 1986 für sechs Wochen an die Chart-Spitze. Der Song verkaufte sich 900.000 Mal. Dank Bohlen blieb Chris Norman auch 1988 mit »Broken Heroes« auf Erfolgskurs.

Das Modern-Talking-Comeback 1998

Auf Drängen der Plattenfirma Sony BMG entschloss sich Dieter 1998, ein neues Modern Talking Album aufzunehmen. Er suchte den Kontakt zu Thomas Anders, der kurzerhand einwilligte. Ihr neues Album »Back for Good« landete auf Platz eins in Deutschland. Neben vielen Remixes älterer Songs gab es auch eine Neuauflage von »You’re My Heart, You’re My Soul«, welche Platz zwei in den Hitparaden einnahm.

»Back for Good« landete an der Spitze der deutschen Charts

Die Comeback-Euphorie dauerte fünf Jahre an. Während eines Auftritts vor 25.000 Fans verkündete der Modern-Talking-Macher schließlich die erneute Trennung des Erfolgsduos.

Es gab viele Streitpunkte: Unter anderem beschuldigte Bohlen Thomas Anders, Geld aus der gemeinsamen Bandkasse genommen zu haben. Der Streit landete vor Gericht, das Thomas Anders im Recht sah und Bohlen weitere Aussagen dieser Art untersagte.

Geschäftsmann durch und durch

Dieter Bohlen ist ohne Frage ein knallharter Geschäftsmann. Seit er während eines Börsencrashs 1987 eine Menge Geld verlor, setzt er ganz auf seine eigenen Fähigkeiten und verwaltet sein Vermögen von seiner Hamburger Villa in Tötensen aus in Eigenregie. Dabei verfolgt er ein ganz spezielles Prinzip, wie er der »Welt« in einem Interview verriet:

Ich habe das D.I.E.T.E.R.-Prinzip

»Ich habe das D.I.E.T.E.R.-Prinzip: D für Disziplin, I für Intuition und Intelligenz, E für Ehrgeiz, T für Taten – die meisten labern ja nur rum und machen nichts.

Dann noch mal E für die Extrameile laufen, ein bisschen mehr machen als die anderen, und R für eine gewisse Rücksichtslosigkeit gegen sich selber.«

Wie sieht der Pop-Titan die Zukunft der Musikvermarktung?

Wer sich so lange erfolgreich im Musikbusiness behaupten kann, wird verstanden haben, wie die Mühlen zu mahlen haben. Bohlen weiß: »Das Musikgeschäft der Zukunft wird sehr, sehr haarig.« Er vergleicht die Zukunft mit dem Handwerk eines Hufschmieds und sieht auch die zunehmende Verschmelzung großer Major-Labels kritisch.

»Bald werden es zwei sein: Universal und Sony. Die werden immer schlanker werden und sich immer mehr auf Verwaltungsaufgaben beschränken. Die Plattenindustrie wird irgendwann genauso sein wie ein Schmied, der Beschläge macht für Pferde. Da gibt’s zwar noch drei, vier, aber eben nicht mehr hinter jeder Ecke.«

»Money is the real thing«

Wenn ich auf der Bühne stehe, denke ich: 1000 Euro, 2000, 3000

Für Bohlen selbst zählt beinahe nur das Geld. Der »Welt« verriet er: »Kürzlich war ich in Moskau und St. Petersburg und habe vor Zehntausenden Fans die alten Modern-Talking-Songs gespielt.

Das waren fast ein Dutzend Konzerte. Wenn ich auf der Bühne stehe, denke ich: 1000 Euro, 2000, 3000 … Und bei 300.000 steige ich runter und denke: Gut is.«

Dazu passen die vielen Werbedeals und der Stammplatz in der DSDS-Jurie, für den Bohlen pro Staffel eine Gage in Höhe von 1,2 Millionen Euro bekommt. Von nichts kommt halt nichts. Man mag von ihm halten, was man möchte – aber beachtlich ist seine Karriere allemal.

Lesermeinungen (6)

zu 'Dieter Bohlen: Musikproduzent und kontroverser TV-Star im Portrait'

  • Christian Kurz   17. Feb 2019   19:51 UhrAntworten

    Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits aus Polen!

    • Sebastian Roth   18. Feb 2019   10:10 UhrAntworten

      sagt Pavel Popolski :).... aber im Ernst - man muss den Bohlen nicht mögen, aber Dummheit und Faulheit kann man ihm nun weiß Gott nicht vorwerfen.....

    • Christian Kurz   18. Feb 2019   11:05 UhrAntworten

      Sebastian Roth Das hat mir Pavel gestern auch gesagt: "Der Klauen ist harter Arbeit. Der geht nix so einfach." 😉

  • Heiko Terla   17. Feb 2019   20:22 UhrAntworten

    "WENN ICH AUF DER BÜHNE STEHE, DENKE ICH: 1000 EURO, 2000, 3000 ..."
    Von mir aus kann der Typ sich die Kohle unter dem Kopfkissen stapeln, damit er dann im Stehen schläft ... nicht mal mit der Kneifzange würde ich ihn anfassen ... materieller Erfolg hat mit Kunst und Musik nicht zwingend etwas gemeinsam. Lieber gehe ich auf ein Konzert mit H. Fischer, die ist wenigstens sympathisch und hat schöne Beine ... ;-)

  • Wolfgang Meseberg   18. Feb 2019   08:41 UhrAntworten

    Ein Wort zu Bohlen: Müll!

  • Condor   18. Feb 2019   08:43 UhrAntworten

    Franz-Hermann Schmidt

    man muss ihn von zwei Seiten betrachten. Was er als Komponist und Produzent geleistet hat, finde ich mehr als beachtlich
    Ich glaube viele haben nicht gewusst, das der Dieter hinter so einigen Musikprojekten steht, die zeitlose Hit´s geworden sind.
    Auch die Vielfalt spricht eine deutliche Sprache für den Produzenten.
    Außerdem hat er seine Ohren immer am Puls der Zeit, und gibt dem Mainstream das, was die Masse hören will. Dafür kann man ihn doch nicht schlecht reden.
    Seine zwanghaften Eigenschaften sich dem Mammon zu verschreiben, bringen viele
    Neider auf den Plan, die nicht viel mehr aufzuweisen haben als heiße Luft.
    Jedenfalls ist mir ein Dieter Bohlen zehn mal lieber, als Diese ganzen Möchtegerne, die
    schon grün und gelb anlaufen vor lauter Grind.
    Am Ende zählt immer das Ergebniss, und das gibt Dieter Bohlen in jedem Fall recht.
    Er ist einer der größten wenn nich sogar der größte seiner Zunft, und das könnte man schon anerkennen

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