Studio-Mikrofon Ratgeber

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Professionelle Toningenieure wissen, dass ein gutes Studiomikrofon einen erheblich größeren Einfluss auf eine Aufnahme hat als viele andere Komponenten in der Aufnahmekette. Wer aber erst kürzlich mit dem Recording begonnen hat, dürfte sich von der großen Auswahl und Vielfalt an Möglichkeiten nahezu überwältigt fühlen. Genau hier setzt unser Studio-Mikrofon Ratgeber an, um für dich die Fragen zu klären, die sonst erst nach viel Experimentieren gelöst werden können.

Studiomikrofon Ratgeber

Du möchtest dir ein Mikrofon anschaffen, weißt aber nicht welches? Dann kommt unser Studiomikrofon Ratgeber ja genau richtig.

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Nach dem Lesen dieses Artikels und unserer begleitenden Mikrofon-Übersicht mit 36 Modellen weißt Du, ob ein Kondensatormikrofon besser als ein dynamisches Mikrofon ist, ob Du lieber ein Modell mit Röhre bevorzugen solltest oder was es mit den sogenannten Bändchenmikrofonen auf sich hat.

 

Studio-Mikrofon: Unterschiedliche Typen

Die Bauart des Mikrofons hat Auswirkungen auf viele Eigenschaften des Geräts und sollte daher gleich zu Beginn einer Kaufentscheidung feststehen. Am Ende des Artikels gehen wir auch noch kurz auf einige der wichtigen Grundbegrifflichkeiten rund um Studio-Mikrofone ein.

 

Dynamisches Mikrofon

Das Shure SM58 ist ein Klassiker unter den dynamischen Mikrofonen.

Dynamisches Mikrofon

Die meisten Musiker und Toningenieure meinen vor allem Tauchspulenmikrofone wie das Shure SM58, wenn sie von dynamischen Mikrofonen sprechen. Genau genommen gehören nämlich auch die Bändchenmikrofone zu dieser Gattung, die den Schall mit Hilfe des Induktionsprinzips in elektrische Spannung wandelt. Der Schall trifft auf die Membran, an der eine Spule befestigt ist, die sich daraufhin in einem Magnetfeld bewegt und eine Spannung induziert.

Das Impulsverhalten eines Studio-Mikrofons hängt vom Gewicht der Membran ab

Aufgrund des verhältnismäßig großen Gewichts der Membran, ist das Impulsverhalten schlechter als bei Bändchen- und Kondensatormikrofonen. Klangtechnisch hat das zur Folge, dass die Höhen nicht ganz so gut aufgezeichnet werden, wie es im Tonstudio bei der Gesangsaufnahme gerne erwünscht ist. Auf der anderen Seite ist die Bauweise dynamischer Mikrofone sehr robust, was sie insbesondere für den Einsatz live auf der Bühne prädestiniert. Einige dynamische Modelle, beispielsweise das Shure SM7B, werden gerne im amerikanischen Radio für Sprache eingesetzt. In der Regel vertragen Modelle dieser Bauweise auch einen hohen Grenzschalldruckpegel, weswegen sie gerne vor Kick Drums oder lauten Gitarrenverstärkern Einsatz finden.
Dynamische Modelle benötigen für den Betrieb keine Phantomspeisung.

 

Bändchenmikrofon

Ein Bändchenmikrofon der Marke Royer. Sie sind Ableger der dynamischen Mikrofone und unterscheiden sich hauptsächlich im Impulsverhalten.

Bändchenmikrofon

Auch Bändchenmikrofone arbeiten nach dem Prinzip der Induktion; sie gehören, wie bereits erwähnt, zu den dynamischen Mikrofonen. Allerdings wird hier statt der Schwingspule auf ein einige Millimeter bis Zentimeter langes gefaltetes Bändchen aus Aluminium zurückgegriffen. Durch das besonders leichte Bändchen gehören diese Modelle zu den schnellsten Modellen in Sachen Impulsverhalten.
Dabei liefert diese Art von Studiomikrofon einen eher warmen, sanften Klang, mit leicht zurückgenommenen Höhen. Die induzierte Spannung ist bei diesen Modellen allerdings sehr gering, was einen guten, rauscharmen Vorverstärker mit entsprechenden Gain-Reserven vonnöten macht.

Bändchenmikrofone brauchen keine Phantomspeisung.

 

AKG C314 Testbericht

Das AKG C314 zählt zu den Großmembran-Kondensatormikrofonen. Diese sind im Studio besonders beliebt, natürlich auch für Gesangsaufnahmen.

Studio-Mikrofon schlechthin: Kondensatormikrofon

Besonders gerne im Studiobetrieb eingesetzt werden die Kondensatormikrofone, deren Bezeichnung auf die Verwendung eines Plattenkondensators zurückgeht. Damit dieser statisch aufgeladen werden kann, wird eine Phantomspeisung für den Betrieb benötigt. Röhrenmikrofone arbeiten ebenfalls mit einem Plattenkondensator und verwenden eine Röhre, um das aufgenommene Signal noch intern zu verstärken. Sie arbeiten auch mit einem Kondensator und benötigen mehr als nur die Phantomspannung, haben also eine externe Stromversorgung.

Kondensatormikrofone sind wesentlich empfindlicher als ihre dynamischen Verwandten und lösen auch in den Höhen richtig gut auf. Diese Art von Mikrofonen zählt zu den neutralsten überhaupt und sollte immer dann herangezogen werden, wenn naturgetreue Aufnahmen gewünscht werden.

 

Dauerpolarisiertes Elektret-Mikrofon

Ein kleiner Vertreter der Studiomikrofone, ähnlich einem Lavalier Mikrofon, wie man es aus dem Fernsehen kennt.

Elektret-Mikrofon

Bei diesen Modellen handelt es sich um eine baulich leicht veränderte Variante der Kondensatormikrofone, die keinerlei externe Phantomspeisung benötigt. Dies wird durch die dauerhafte Polarisierung einer Elektretfolie im Inneren erzielt (was bei Kondensatormikrofonen über die Phantomspannung erreicht wird).

Vor allem bei Lavaliermikrofonen (kleine Ansteckmikrofone wie im Fernsehen) findet sich diese Bauweise häufig. Die Klangqualität kann sehr gut sein, die Haltbarkeit ist es auch – entgegen vieler Gerüchte in Foren.

 

USB Mikrofon

USB-Stecker rein und los geht’s: Die meisten USB-Mikrofone benötigen keine aufwendige Inbetriebnahme, sondern sind im Plug&Play Modus verwendbar.

USB-Mikrofon

Diese Art von Studiomikrofonen ist erst in den letzten Jahren auf den Markt gekommen und wird vor allem für Nicht-Musiker besonders interessant werden. Ein USB-Mikrofon kommt mit zwei zusätzlichen Elementen im Gehäuse, die für eine einfache und unkomplizierte Anwendung sorgen: einem integrierten Mikrofonvorverstärker sowie einem integrierten A/D-Wandler.

Aufgrund des implementierten Vorverstärkers müssen USB-Mikrofone nicht mehr an einen solchen oder an ein Mischpult mit Preamp angeschlossen werden. Der Wandler konvertiert schließlich das analoge Signal in digitale Daten, so dass das USB-Mikrofon direkt an einen Computer angeschlossen werden kann. Dort wird das Gerät wie ein Audio Interface erkannt und die Aufnahme kann sofort beginnen.
Diese Art von Mikrofon bietet sich aufgrund der einfachen Handhabung gerade für Podcaster und das mobile Musikmachen an.

 

Richtcharakteristik

Die verschiedenen Richtcharakteristika auf einen Blick: Auf delamar findest Du hierzu auch ein praktisches Video Tutorial.

 

Richtcharakteristik beim Studio-Mikrofon

Die Richtcharakteristik eines Mikrofons beschreibt, aus welcher Richtung der Schall wie stark aufgenommen wird (um genau zu sein, wie empfindlich das Mikrofon gegenüber der Quelle aus einem bestimmten Winkel ist). Erwähnenswert wäre noch, dass die Richtcharakteristik frequenzabhängig ist, sich also bei verschiedenen Frequenzen anders verhält. Großmembranmikrofone sind hiervon stärker betroffen als Kleinmembranmikrofone.

Multi-Pattern-Mikrofone kommen mit umschaltbarer Richtcharakteristik

Bei der Richtcharakteristik Niere wird der Schall von vorne aufgenommen, seitlich ist das Mikrofon deutlich weniger empfindlich und rückseitig am geringsten. Bei Super- und Hyperniere ist dieser Effekt stärker ausgeprägter, die Niere also schlanker geraten. Bei der Richtcharakteristik Kugel nimmt das Mikrofon rundherum gleichmäßig auf, bei der Acht wird der Schall von vorne und hinten gut aufgenommen, seitlich aber kaum.

Es gibt auch Mikrofone mit mehreren Richtcharakteristika, die umgeschaltet werden können. Bei mechanischer Umschaltung dieser sind die einzelnen Richtcharakteristika besser ausgeprägt als bei den elektronischen Lösungen.

Größe der Membran

Die Klassifizierung von Mikrofonen geschieht auch über die Größe der verwendeten Membran. Normalerweise wird hier schlicht zwischen Groß- und Kleinmembranmikrofonen unterschieden. In der jüngeren Vergangenheit sind allerdings etliche Modelle auf den Markt gekommen, die mit mittelgroßen Membranen diverse Eigenschaften beider Größen zu kombinieren suchen.

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Großmembranmikrofone können vielleicht als die Studio-Mikrofone überhaupt bezeichnet werden, da diese für praktisch alle Anwendungen schon genutzt worden sind. Allen voran finden sie Anwendung bei der Aufnahme von Gesang und Sprache, hierfür sind sie meist erste Wahl.

In Anwendungen, bei denen es auf ein besseres Impulsverhalten ankommt, kannst Du auf die Kleinmembrankondensatormikrofone zurückgreifen. Diese finden vor allem Verwendung bei der Aufnahme von Gitarre, Akustikgitarre, Hihat, Harfe oder anderen Musikinstrumenten mit ausgeprägten Transienten und reichen Obertönen.

 

Datenblatt richtig lesen

Wer sich auf die Suche nach einem Studio-Mikrofon macht und zum Vergleich nur auf das Datenblatt schaut, könnte später sein blaues Wunder erleben. Denn auch wenn es für alle Messungen gewisse Normen gibt, die für eine Vergleichbarkeit der Werte sorgen sollten, werden hier gerne mal herstellereigene Standards herangezogen. Beim Vergleich der Datenblätter sollte deswegen auch die Methode bei der Erhebung verglichen werden, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Studiomikrofone

Studiomikrofone im Vergleich: Mit 36 Modellen im Überblick bekommst Du einen guten Eindruck von den beliebten Kandidaten.

Frequenzverlauf eines Studiomikrofons

Oftmals beziehen sich Hersteller und Toningenieure auf den Frequenzverlauf eines Studiomikrofons, der bei hochwertigen Modellen auch oftmals als Ausdruck der Verpackung beiliegt. Dieser Verlauf bzw. Frequenzgang beschreibt, wie empfindlich das Gerät bei einer bestimmten Frequenz ist (in Abhängigkeit einer Referenzmessung).

Im besten Fall sollte das Mikrofon hier linear arbeiten, was gleichbedeutend mit einer sehr naturgetreuen Aufnahme wäre. In der Praxis erreicht aber kein Modell eine vollkommene Linearität. Stattdessen greifen Toningenieure häufig auch genau wegen der Färbung auf bestimmte Modelle zurück.

So linear das Diagramm auch aussehen möge, auf den Abstand bei der Messung kommt es unter anderem an. Und dieser liegt oftmals bei bis zu einem Meter. Doch wer nimmt seine Lead-Vocals schon aus einem Meter Entfernung auf? Ganz im Gegenteil weisen Mikrofone mit einer Nierencharakteristik einen ausgeprägten Nahbesprechungseffekt auf, der erst durch das Besprechen aus der Nähe auftritt. Für das richtige Lesen des Frequenzgangs sollte also immer auch darauf geachtet werden, wie diese Messung zustande gekommen ist.

Rode Reporter Mikrofon

Der Frequenzverlauf eines Rode Reporter Mikrofon: Diese Darstellung findest Du üblicherweise auch in jedem Datenblatt zum Mikrofon.

Übertragungsbereich

Der Übertragungsbereich eines Mikrofons kann ebenfalls aus dem Datenblatt entnommen werden. Laienhaft: Er gibt an, in welchem Frequenzbereich das Mikrofon aufnehmen kann. Nach der Studionorm sind die Grenzen dort erreicht, wo der Pegel der Aufnahme bei einer bestimmten Frequenz um mehr als 3 dB unter dem der Aufnahme bei 1 kHz liegt.

Auch hier gilt dasselbe wie schon beim Verlauf: Es kommt darauf an, wie die Messungen gemacht wurden.

 

Empfindlichkeit

Die Empfindlichkeit gibt an, wie viel Spannung ein Mikrofon bei einem gegebenen Schalldruck ausgibt. Je höher dieser Wert, desto lauter das Mikrofon. Einige Kondensatormikrofone können hier bereits bis auf die Höhe eines Line-Pegels kommen – und unter Umständen dadurch den Mikrofonvorverstärker übersteuern.

 

Grenzschalldruckpegel

Der Grenzschalldruckpegel gibt an, ab welcher Lautstärke ein Mikrofon einen Klirrfaktor von 0,5% oder 1% übersteigt (gemessen bei 1 kHz). In einfachen Worten: Ab welchem Pegel ein Modell zu verzerren beginnt.

Dynamische Mikrofone geben hier eine bessere Figur ab als die Kondensatoren, weswegen sie auch häufiger live und bei der Aufnahme von Schlagzeug eingesetzt werden.

 

Geräuschspannungsabstand

Dieser Wert gibt dir einen Anhaltspunkt darüber, wie stark ein Studiomikrofon rauscht. Je größer der Wert ausfällt, desto besser das Rauschverhalten.

 

Dynamikbereich

Über diesen Wert erfährst Du, wie groß der Unterschied zwischen zwei Pegeln sein kann, die das Studio-Mikrofon noch störungsfrei verarbeiten kann. Gute Kondensatormikrofone kommen hier bis auf 130 dB.

Zum Mikrofon-Vergleich: 36 Mikrofone im Test »


Carlos San Segundo Von