Homestudio anschließen: Kabel, Schnittstellen & Co.

0
SHARES

Homestudio anschließen? Eine Sache ist es, das Audio Interface, die Musiksoftware, ein Mikrofon und Musikinstrumente einzukaufen, eine andere auf Anhieb das Homestudio anschließen zu können. Damit Du dich besser orientieren kannst, erhältst Du in diesem Artikel eine wasserdichte Anleitung. Erfahre, wie Du deine Hardware und Software für dein Homestudio einstellst, um sofort loslegen zu können – Schritt für Schritt.

Homestudio anschließen

Welches Kabel wird wann angeschlossen und wie kriege ich eigentlich die richtigen Treiber für mein Audio Interface? Das alles erfährst Du in unserem Workshop Homestudio anschließen!

Es gibt hier das volle Programm: Zunächst werden wir das Audio Interface installieren und die wichtigsten Einstellungen tätigen, danach geht es um das Verkabeln von Studio-Mikrofonen und anderen Musikinstrumenten, um dann schließlich mit dem Anschluss der Studiomonitore das Musikzimmer bzw. Homestudio betriebsbereit zu haben.

Möbel, Equipment & Co.: Homestudio einrichten »

Homestudio anschließen Teil 1: Audio Interface

Wir beginnen mit der Schnittstelle, dem Audio Interface. Hier laufen alle Strippen im wahrsten Sinne des Wortes zusammen. Und so dürfte es auch kaum verwundern, dass es als erstes in Betriebsbereitschaft genommen werden sollte.

Here we go.

1. Den richtigen Treiber beschaffen

Um dein Audio Interface an deinem Computer nutzen zu können, benötigst Du einen so genannten Treiber, der das Gerät erst funktionsfähig macht. Der beste Weg ist meist, auf der Website des Herstellers nach einer aktuellen Treiberversion zum Download zu suchen, auch wenn auf der CD ein Treiber mitgeliefert worden sein sollte. Neuere Versionen sind in der Regel von Programmfehlern bereinigt und bieten oft neue Funktionen oder Leistungssteigerungen.

Homestudio einrichten unter Windows

Audio Interface Treiber einrichten unter Windows

Für den Download benötigst Du einige Informationen. So solltest Du in Erfahrung bringen, welches Betriebssystem Du verwendest und ob dieses mit 32 Bit oder 64 Bit arbeitet. Oft ist in den Voraussetzungen zu einem Treiber zu lesen, dass eine Mindestversion des Betriebssystems vorausgesetzt wird, ohne die das Audio Interface nicht (korrekt) funktioniert. Es ist allein aufgrund der Sicherheit sehr ratsam, ein veraltetes Betriebssystem auf den neuesten Stand zu bringen. Also ist es nicht verkehrt, gegebenenfalls ein paar Euro für das Update zu investieren.

Audio-Treiber für Windows

Unter Windows: Startmenü → System und Sicherheit → System … dort findest Du unter »Windows-Edition« gleich in der ersten Zeile deine Windowsversion und bei »Systemtyp« die Information, ob Du eine Treiberversion für 32 oder 64 Bit brauchst.

Audio-Treiber für Mac OS

Treiber auf Mac OS einrichten

Treiber auf Mac OS einrichten

Falls Du ein Apple-Betriebssystem verwendest, klickst Du ganz links oben das Apfel-Logo, dann auf »Über diesen Mac«. In dem erscheinenden Fensterchen steht die exakte Versionsbezeichnung direkt unter dem dicken fetten Schriftzug »Mac OS X«, beispielsweise »10.7.5«.

Nun kannst Du auf »Weitere Informationen« und dort schließlich auf »Software« klicken. In der Auflistung findest Du einen Punkt namens »64-Bit Kernel und Erweiterungen«. Wenn dort ein »Ja« steht, kannst Du 64-Bit-Treiberversionen für dein Audio Interface verwenden, falls diese separat herunterladbar sind.

 

2. Soundkarten-Treiber installieren

Installiere den Soundkarten-Treiber, bevor Du das Audio Interface mit dem Audiorechner verkabelst. Meistens funktioniert es auch in umgekehrter Reihenfolge, doch die Hersteller empfehlen die genannte Reihenfolge für eine störungsfreie Einrichtung. Und falls Du während der Installation aufgefordert wirst, die Verbindung von Audio Interface und Computer per USB- oder FireWire-Kabel herzustellen, kannst Du das ja immer noch tun.

Erst Treiber installieren, dann das Audio Interface mit dem Rechner verbinden.

Bei den meisten Modellen befindet sich ein passendes Kabel bereits im Lieferumfang. Solltest Du erst noch eines erwerben müssen, brauchst Du nicht zum teuersten Modell greifen, das Du finden kannst. Ein herkömmliches Kabel verrichtet seinen Dienst bestens.

Wenn das Audio Interface nicht wie gewünscht funktioniert, versuche die für den Anschluss genutzte USB-Buchse zu wechseln. Oftmals hilft das allein, um etwaige Probleme aus dem Weg zu räumen.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, keinen USB-Hub zu nutzen. Das sind diese kleinen Zusatzgeräte, die als Verteiler zum Erweitern des USB-Schnittstellenangebots dienen. Besser ist es, einen USB-Port direkt am Audio Computer zu verwenden. Diese erweisen sich meist als zuverlässiger, was gerade bei den oft recht zickigen Audio-Interface-Treibern wichtig sein kann. Und wenn Du keine andere Möglichkeit hast, als einen USB-Hub zu verwenden, sollte es wenigstens ein Modell mit eigenem Netzstecker sein.

 

3. Einrichten des Treibers in der Musiksoftware

Nach der ordnungsgemäßen Installation des Treibers musst Du innerhalb deines Musikprogramms diesen auch einstellen. Am einfachsten suchst Du dabei im Handbuch deiner Software nach »Treiber« bzw. »Driver«, um zu jenem Konfigurationsdialog zu gelangen, in dem Du den ASIO-Treiber auswählen kannst.

Wenn bei der Installation (siehe oben) ein herstellereigener ASIO-Treiber eingerichtet wurde, findest du diesen in der Regel unter der Bezeichnung »[Name des Audio Interface] ASIO«, »[Name der Geräteserie] ASIO« oder »[Name des Herstellers] ASIO«. Falls kein solcher Eintrag zu sehen ist, wurde vermutlich der ASIO4ALL-Treiber installiert.

Soundkarten-Treiber einrichten

Soundkarten-Treiber einrichten

 

4. Audio-Treiber optimieren

Nachdem Du den Treiber gewählt hast, kannst Du in den Treibereinstellungen den sogenannten Puffer (»buffer«) verstellen. Über diesen Wert kannst Du die Latenz, also die zeitliche Verzögerung bei der Reaktionszeit deines Audio Interfaces einstellen. Je weniger Verzögerung, desto besser beim Musik produzieren, desto größer die CPU-Belastung. Bis zu einer Latenz von etwa 10 Millisekunden sollte alles im Rahmen bleiben, größere Verzögerungen werden dann deutlicher bemerkbar.

Je geringer die Latenz, desto geschmeidiger das Musizieren.

In den meisten Musikprogrammen ist diese Einstellung über einen Knopf im bereits angesprochenen Treiberauswahlfenster zu erreichen. Manchmal kann sie auch direkt in diesem Fenster per Schieberegler verstellt werden.

Beginne mit dem niedrigsten Puffer und lausche, ob damit Aussetzer im Klang oder sonstige Störgeräusche zu hören sind, während Du dein Projekt in der DAW-Software abspielst. Ist das der Fall, so sollte der Puffer höher gewählt werden. Und zwar so lange, bis die unerwünschten Nebeneffekte nicht mehr zu hören sind.

Homestudio anschließen Teil 2: Verkabeln von Mikrofon & Instrumenten

Es gibt eine kleine Handvoll üblicher Anschlussformate, um Musikinstrumente oder Mikrofone an ein beliebiges Audio Interface anzuschließen. Im Folgenden findest Du die üblichen Stecker- und Buchsenformate sowie die wichtigsten Hinweise zu deren Nutzung, damit auch alles reibungslos in deinem Homestudio klappt.

anzeige

Eins gleich vorweg, da es für alles analogen Gerätschaften gilt, deren Signale in das Audio Interface eingespeist werden: Vor dem Anstecken von Mikros oder Instrumenten ist es ratsam, die Bedienelemente für die Verstärkung der Eingangssignale (meist Drehregler, die mit »Gain« oder »Input« beschriftet sind), ganz herunterzufahren, um ein Brummen oder Knallen zu vermeiden.

Drum Machine mit Line-Pegel

Drum Machine mit Line-Pegel

1. Geräte mit Line-Pegel

Instrumente wie Synthesizer, E-Pianos, Orgeln oder Drum Machines – eigentlich alles außer elektrischen (Bass-)Gitarren und vereinzelte Geräte wie ein altes Fender Rhodes – werden fast immer über Klinkenanschlüsse (6,3 mm) verbunden, die für Signale mit dem sogenannten Line-Pegel konzipiert sind.

Für den Fall, dass Du Stereosignale aufnehmen willst, brauchst Du entweder ein Buchsenpaar, also zwei Monoklinkeneingänge, oder einen einzelnen Stereoeingang. Letzterer liegt bei manchen Audio Interfaces auch als Miniklinke mit 3,5 mm vor – Du kennst die Bauform dieser kleinen Buchse sicherlich von MP3-Playern, portablen CD-Playern, den Audioausgängen von Smartphones und dergleichen.

Unsymmetrische Cinch-Stecker sind meist rot & weiß markiert.

Von der Stereoanlage oder anderen Geräten kennst Du sicher schon den Cinch-Anschluss, der meistens rot bzw. weiß gekennzeichnet ist. Wenn Du einen Plattenspieler per Cinch-Verbindung verkabeln möchtest, muss ein Phono-Vorverstärker im Audio Interface integriert sein bzw. ein separates Gerät dieser Art zur Entzerrung dazwischengeschaltet werden.

 

2. E-Gitarre und E-Bass

Der für E-Gitarren und E-Bässe vorgesehene Anschluss wird oft schlicht als »Instrumenteneingang« bezeichnet, was natürlich denkbar schwammig gehalten ist. Eine spezifischere Bezeichnung ist da »Hi-Z«, dieses Kürzel ist recht oft als Beschriftung am Gehäuse neben dem entsprechenden Eingang oder Schalter zu sehen. Manchmal schreiben die Hersteller auch gleich „Guitar“ daneben.

Gitarre anschließen am Hi-Z

Gitarre anschließen am Hi-Z

Wenn Du deine Gitarre nicht an einen hochohmigen Hi-Z-Anschluss, sondern an die oben erwähnten Buchse mit Line-Level anschließt, wirst Du feststellen, dass der Sound wesentlich dünner, kraftloser ausfällt und bei normaler Verstärkung mit deutlich mehr Rauschen durchsetzt ist.

Als Gitarrist oder Bassist solltest Du also tunlichst darauf achten, einen hochohmigen Eingang an deinem Audio Interface zu nutzen. Eine andere Möglichkeit ist, eine so genannte DI-Box zwischen Gitarre und Audio Interface zu hängen, wenn Letzteres nicht über einen Hi-Z-Modus verfügt.

Mikrofon anschließen am Audio Interface

Mikrofon anschließen am Audio Interface

3. Mikrofone

Für Mikrofone hat sich das dreipolige XLR-Format etabliert. Dynamische Mikrofone werden einfach hier angeschlossen und können dann mithilfe des Mikrofonvorverstärkers genutzt werden. Wenn Du Kondensatormikrofone betreiben möchtest, benötigst Du eine Phantomspeisung (auch Phantomspannung genannt). Diese wird per Schalter an der Hardware und/oder per Software aktiviert. Meist ist der Knopf zur Aktivierung der Phantomspeisung mit »48V«, »+48V« oder »Phantom« beschriftet.

Bändchenmikrofone können beschädigt werden, wenn Du Phantomspeisung an sie anlegst.

Zur Orientierung haben wir in unserem Ratgeber Studio-Mikrofone kurz und knackig die Vor- und Nachteile der drei Mikrofontypen zusammengestellt.

Im Übrigen finden sich an einigen Modellen kombinierte XLR/Klinken-Eingänge zu sehen. Je nachdem welche Steckverbindung genutzt wird, aktiviert sich der Eingang für Mikrofone oder der für Instrumente mit Hi-Z oder Line-Pegel. Auf diese Weise wird eine Menge Platz an der Frontplatte gespart und das Audio Interface fällt entsprechend klein aus. Der Nachteil ist dann jedoch, dass nur einer der beiden Eingänge nutzbar ist.

Homestudio anschließen Teil 3: Lautsprecher anschließen

Aktive Lautsprecher

1. Aktive/passive Lautsprecher anschließen

In aktiven Lautsprechern ist bereits ein eigener Verstärker integriert, daher kannst Du sie auch direkt an dein Audio Interface anschließen. Passive Lautsprecher werden dagegen erst an einen externen Verstärker und dieser dann mit dem Audio Interface verbunden.

Ausschalten vor dem Verkabeln schont Geräte und Ohren.

Grundsätzlich solltest Du deine aktiven Boxen bzw. deinen Verstärker (vielleicht auch den Rechner) ausschalten, bevor Du mit dem Verkabeln beginnst, sonst kann es Einstöpseln der Stecker zu unangenehm heftigem Brummen und Knallen kommen.

Außerdem ist es ratsam, die Lautstärken an Verstärker oder Boxen und gegebenenfalls am Audio Interface komplett herunterzufahren, bevor Du die Geräte einschaltest. Wenn sowohl deine aktiven Lautsprecher als auch dein Audio Interface keine Lautstärkeregler besitzen, musst Du stattdessen über die Mixersoftware gehen, sofern eine solche mitgeliefert wird. Ansonsten kannst Du im Betriebssystem deines Computers die Lautstärke herunterregeln.

Vovox sonorus direct S Testbericht Mikrofonkabel

2. Welchen Anschlußtyp wählen?

Wenn deine Lautsprecher mit mehreren Buchsentypen ausgestattet ist, solltest Du die Priorität wie folgt setzen: 1. XLR, 2. Klinke, 3. Cinch. Der Grund ist, dass XLR-zu-XLR-Kabel in jedem Fall und Cinch-Kabel niemals symmetrisch sind. Kabel, die an einer oder zwei Seiten einen Klinkenstecker haben, können sowohl symmetrisch als auch unsymmetrisch ausgelegt sein.

Passend zum Thema: Symmetrisch vs. unsymmetrisch – Das Kabel FAQ »

Bei einer symmetrischen Verbindung (englisch »balanced«) gelingt die Signalübertragung auch über große Distanzen annähernd störungsfrei. Es kann sich also bezahlt machen, ein Audio Interface mit symmetrischen Ausgängen sowie Aktivboxen oder Verstärker mit symmetrischen Eingängen zu erwerben. Hier ist zu beachten, dass die verwendeten Kabel in der Lage sind, symmetrisch zu übertragen.


Felix Baarß Von