Audio Interface Kaufberatung (Teil 1)

24
SHARES

Audio Interface Kaufberatung: Das Audio Interface ist dafür gedacht, dass Du deine Instrumente am Rechner aufnehmen und Musik wiedergeben kannst. Welche Features bzw. Merkmale benötigst Du an deinem für den Anfang und welche Funktionen sind für welche Aufgaben wichtig? Die gesammelten Informationen dieses Artikels werden dir bei der Kaufentscheidung für ein neues Audio Interface entscheidend helfen. Du findest in diesem Artikel nicht nur die wichtigsten technischen Aspekte, sondern auch eine Anleitung, wie Du das passende Gerät für deine Interessen und deinen Musikstil findest.

Audio Interface Kaufberatung

21 Modelle im delamar Audio-Interface-Test

In diesem ersten Teil unserer Audi Interface Kaufberatung erfährst Du mehr über Klang, den Unterschied zwischen internen und externen Modellen, Informationen zu den Schnittstellen sowie den Anschlüssen. In einem zweiten Teil geht es dann weiter mit dem Metering, Abhören und Monitoring, Standalone-Betrieb, Auflösung, Samplerate sowie Treiber, Latenz und Mixer-Software.

In unserer Marktübersicht und Soundkarten-Test findest Du zudem noch weitere Vergleichswerte, die dir deine Entscheidung noch weiter vereinfachen werden.

 

Audio Interface – Klang

Mittlerweile sind dank der gestiegenen Qualität genutzter Komponenten wie Wandler und Mikrofonvorverstärker mit praktisch allen Geräten gute Aufnahmen und Abmischungen möglich. Eigene Songs oder ein Demo für die Band in Eigenregie zu produzieren, ist problemlos möglich.

Es gibt hörbare Unterschiede zwischen Low-Budget und High-End

Freilich, es gibt in vielen klanglichen Aspekten hörbare Unterschiede zwischen Low- und High-End. Und auch zwischen den Geräten im Low-Budget-Segment lassen sich noch kleine Sprünge in der Klangqualität feststellen. Doch gerade am Anfang sollte dies nur zweitrangig in der Kaufentscheidung berücksichtigt werden.

In unserer Audio Interface Kaufberatung werden alle Kriterien besprochen, die für das Musik produzieren stärker ins Gewicht fallen. Du kannst die Schar der Kandidaten einengen, indem Du Stück für Stück klärst, was für dich wichtig ist oder in der Zukunft wichtig werden könnte.

Tauchen wir also ab in die Materie…

Soundkarte intern vs. Audio Interface extern

Soundkarte intern vs. Audio Interface extern

 

Intern vs. extern

Interne Audio Interfaces werden klassischerweise als Soundkarten bezeichnet und als Steckkarte auf der Hauptplatine (»Motherboard«) deines Computers befestigt (heutzutage etwa auf einem PCI-Express-Steckplatz). Zwar sind diese mit der aktuell schnellstmöglichen Datenanbindung an den Rechner versehen, können dafür aber nicht mal eben auf die Schnelle an einem anderen Computer oder dem Laptop betrieben werden.

Externe Audio Interfaces sind mobil und weniger anfällig für Störgeräusche

Externe Audio Interfaces sitzen hingegen in ihrem eigenen Gehäuse, werden über ein Kabel mit dem Audio PC verbunden und können mobil eingesetzt werden – wichtig für die meisten Musiker, die mit Laptop auftreten.

Ein weiterer Vorteil einer externen Lösung besteht darin, dass potentiell weniger Störsignale einwirken, welche von den anderen elektronischen Komponenten in deinem Computer herrühren.

Diese Art von Audio Interfaces stellt im Bereich Homerecording die weitaus größte Gruppe dar, dementsprechend findest Du in unserer Marktübersicht und in unseren Empfehlungen auch ausschließlich Modelle dieser Bauart.

Du findest im Anschlusstyp ExpressCard noch eine etwas exotischere Zwischenlösung, die es ermöglicht, kleine Steck-Soundkarten entsprechenden Formats bequem in einen Schacht außen am Rechner zu schieben. Höchst attraktiv für mobile Musiker.

USB, FireWire, Thunderbolt

Zuerst stellt sich die Frage, ob ein externes Audio Interface über die Verbindungstypen USB, FireWire oder gar Thunderbolt angeschlossen werden soll. USB wirst Du sicherlich kennen, die große Mehrheit der modernen Geräte, die sich heutzutage an den Computer anschließen lassen, wird ja über die USB-Buchse verbunden. JEDER auch nur im Entferntesten moderne Computer hat solche Buchsen, meist sogar eine kleine Handvoll davon, die noch nicht belegt sind. Somit ist es auch immer sehr aussichtsreich, wenn Du dein Audio Interface einfach zu einem Freund oder zu einem Veranstaltungsort mitnimmst.

anzeige

USB3.0 Audio Interfaces sind noch rar gesät

Als Ausblick: Die neueste Version des Standards, USB 3.0, ist noch nicht so recht in der Welt der Musikproduktion angekommen, nur wenige Modelle setzen derzeit auf diese Schnittstelle. Sie bietet eine potentiell mehr als zehnfache Übertragungsgeschwindigkeit im Vergleich zur Vorgängerversion.

Und was hat es mit FireWire auf sich? Dieser Begriff, der streng genommen ein Markenname von Apple für die zugrundeliegende Technologie mit der Bezeichnung IEEE 1394 ist, kennzeichnet einen Verbindungstyp, dessen Stecker im Anwendungsbereich der Musikproduktion für gewöhnlich in zwei Formen daherkommt.

Thunderbolt Geschwindigkeit

USB-, FireWire-, Thunderbolt-Geschwindigkeit im Vergleich

Die meisten Hersteller haben sich darauf beschränkt, es bei FireWire 400 zu belassen, was zum Homerecording auch völlig ausreicht. Die zwei bei Audio Interfaces gebräuchlichsten Übertragungsarten USB 2.0 und FireWire 400 in puncto Geschwindigkeit etwa gleichauf.

Nachdem FireWire nach Aussagen vieler Musiker und Produzenten anfangs die Nase vorn zu haben schien, ist es mittlerweile nicht mehr möglich, allgemeingültige Aussagen über Vorteile in Sachen Zuverlässigkeit gegenüber USB zu treffen. Eher ist ein umgekehrter Trend zu beobachten: Selbst Hersteller fortgeschrittener Audio Interfaces richten ihren Fokus längst wieder verstärkt auf USB.

Thunderbolt ist aktuell die schnellste externe Schnittstelle

Thunderbolt ist eine in Kooperation von Intel und Apple entwickelte Schnittstelle, mit der sehr große Datenmengen in kurzer Zeit transferiert werden können – in der derzeitigen Ausprägung theoretisch viermal so schnell wie USB 3.0. Eine solche Buchse findet sich von Haus aus derzeit am aktuellen MacBook Pro und dem frischen Mac Pro.

Das neueste MacBook verzichtet jedoch schon wieder darauf und setzt stattdessen auf USB-C – ist das schon der Todesstoß, wenn diese Entscheidung künftig auch für die genannten Profirechner getroffen wird? Unterdessen werden Audio Interfaces mit Thunderbolt-Schnittstelle jedenfalls noch recht munter hergestellt.

Universal Audio Apollo Thunderbolt Option Card

Universal Audio Apollo Thunderbolt Option Card

Wie dem auch sei, es bleibt zu fragen, ob Du derart große Datentransferraten überhaupt jemals benötigen wirst. Nur wenn Du beispielsweise bei einer multimedialen Performance zur Audioübertragung gleichzeitig sehr hochauflösende Videos oder Animationen streamen möchtest, könnte diese Schnittstelle interessant werden. Doch wer weiß, wie sich die Ansprüche allein bei Audiosignalen noch entwickeln werden.

Eingänge und Ausgänge am Audio Interface

Ein paar allgemeine Überlegungen vorweg. Die Kernfrage lautet: Wie viele Eingänge und Ausgänge benötigst Du gleichzeitig? Wenn in einer Band Songs gemeinsam eingespielt werden sollen, muss natürlich ein Audio Interface her, das mindestens so viele Eingänge zur Verfügung stellt wie die Anzahl der Instrumente und Mikrofone, die aufgenommen werden sollen. Es schadet nicht, wenn Du langfristig denkst: Im Zweifel empfiehlt es sich, lieber ein paar Eingänge mehr zu haben, als Du anfangs brauchst.

Eingänge für Gitarren und Bässe werden oft Instrumenteneingang oder Hi-Z genannt

Und natürlich ist wichtig zu wissen, für welche Arten von Instrumenten und/oder Mikrofonen diese geeignet sein müssen. Um eine E-Gitarre oder einen E-Bass zu betreiben, benötigst Du einen hochohmigen Eingang, der oft als „Hi-Z“ bezeichnet wird. Für andere Instrumente wie beispielsweise Synthesizer benötigst Du Eingänge mit Line-Pegel, am besten gleich zwei, damit Du in Stereo aufnehmen kannst.

Focusrite Control 2802 - Rückansicht

Anschlüsse am Focusrite Control 2802

Mikrofone benötigen einen Vorverstärker, der meistens eingebaut und an den XLR-Buchsen zu erkennen ist. Für den Betrieb eines Kondensatormikrofons sollte auch die notwendige Phantomspeisung zuschaltbar sein.

Für eine verlustfreie Übertragung über weite Strecken eignen sich digitale Verbindungen

Später ist auch noch von Belang, in welcher Übertragungsqualität die Ausgänge vorhanden sein sollen. Digitale Verbindungen stellen im Gegensatz zu den analogen sicher, dass die Audiosignale verlustfrei übertragen werden. Im Amateursektor spielen diese jedoch eine untergeordnete Rolle.

Digitale Eingänge und Ausgänge können nützlich sein, wenn Du beispielsweise zu einem späteren Zeitpunkt mehr Anschlüsse an die Außenwelt benötigst und daher gleich zwei Audio Interfaces miteinander verbinden möchtest.

 

Symmetrisch vs. unsymmetrisch

Bei der symmetrischen Signalübertragung gelingt die Signalübertragung auch über große Distanzen weitestgehend störungsfrei. Generell empfiehlt sich darauf zu achten, dass ein Audio Interface über symmetrische (englisch »balanced«) Ausgänge verfügt. Allerdings müssen beide Seiten symmetrische Anschlüsse haben, um in den Genuß der Vorteile zu kommen.

Während XLR-zu-XLR-Kabel in der Regel symmetrisch und Cinch-Kabel immer unsymmetrisch sind, ist bei Klinkenkabeln beides möglich. Symmetrische Klinkenkabel erkennst Du daran, dass zwei Rillen an der Klinke zu sehen sind (wie Stereo). Gitarrenkabel sind mit nur einer Rille und damit unsymmetrisch ausgelegt.

Tascam US-122MKII Testbericht

Fünfpolige MIDI-Anschlüsse und Cinch-Buchsen am Tascam US-122MKII

MIDI

MIDI-Buchsen wie die unten abgebildeten dienen einerseits zum Anschluss von Controllern (klassischerweise ein Keyboard Controller, althergebracht auch »MIDI-Keyboard« genannt), andererseits von Synthesizern und anderen klangerzeugenden bzw. -bearbeitenden Kisten. So ist die Aufnahme von MIDI-Noten und Steuerdaten (u.a. für Effekte) in deine DAW-Software hinein und die Ansteuerung externer Geräte aus deiner DAW heraus möglich.

Da viele Controller mit eigenem USB-MIDI-Interface kommen, werden die fünfpoligen Anschlüsse an Audio Interfaces seltener

Mittlerweile sind MIDI-Buchsen im oben abgebildeten fünfpoligen DIN-Format längst nicht mehr so häufig zu finden wie einst. Der Grund? MIDI-Daten können auch via USB, FireWire und Co. übertragen werden. Dementsprechend kommt mehr und mehr Musik-Equipment heutzutage ohne diese Buchsen aus. Diese Geräte werden dabei also nicht mehr an das Audio Interface, sondern ganz einfach an den damit verbundenen Audio PC gesteckt, es sei denn, das Interface verfügt praktischerweise über zusätzliche USB-Anschlüsse.

Wenn Du jedoch älteres Equipment einsetzen möchtest, wirst Du um DIN-Buchsen nicht herumkommen.

 

Sonstige

Es gibt noch andere Anschlüsse, die kurz gestreift werden sollen. Zunächst wären noch die in verschiedenen Formaten erhältlichen Anschlüsse für Kabelpeitschen (auch »Breakout-Kabel« genannt). Bei kleinen Gehäusen stellen sie eine praktische Möglichkeit dar, eine Vielzahl von Anschlüssen bereitzustellen. Die meisten Hersteller haben hier eigene Schnittstellen entwickelt.

Kabelpeitsche mit Anschlüssen für das Audio Interface

Kabelpeitsche mit Anschlüssen für das Audio Interface

Für die zeitliche Synchronisierung mehrerer Geräte gibt es die sogenannten WordClock-Anschlüsse, aufgeteilt in Buchsen für das Senden bzw. Empfangen von Zeitgebersignalen. So, als würden diese Geräte ständig Uhrenvergleiche durchführen, damit das mehrkanalige Ensemble, zu dem sie sich zusammengeschlossenen haben, immer im Gleichschritt marschiert.

Zum zweiten Teil unserer Soundkarten Kaufberatung »


Felix Baarß Von