5 Tricks, um dein Audiosignal dynamischer zu machen – delamar Mixdoc #006

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Signal dynamischer machen

Mit diesen Tricks kannst Du dein Signal dynamischer machen - verwende Dynamikeffekte wie Kompressor, [Noise] Gate bzw. Expander, Transient Designer & Co., um müden, stark komprimierten Samples mehr Pep zu verleihen ...

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delamar Mixdoc #006 – Signal dynamischer machen

Meistens möchte man Elemente des Mixes oder den gesamten Mix in der Dynamik reduzieren (den Kontrast zwischen lauten und leisen Klängen verringern). Nun, das ist zumindest die klassische Wirkweise eines Kompressors. Heute machen wir das Gegenteil: die Dynamik erhöhen, also die Transienten akzentuieren und mehr.

Im folgenden Video Workshop zeigt dir Thom Wettstein – seines Zeichens Moderator bei delamar.FM und Mastering Engineer bei Mondstein Records -, wie Du ein Signal dynamischer machen kannst. Wir haben uns hier für eine Produktion elektronischer (Tanz-)Musik entschieden. Diese zugrundeliegenden Samples profitieren von einer höheren Dynamik durch Gates, Transienten-Designer, aber auch Kompressoren mit geschickten Timing-Einstellungen.

Video Tutorial – delamar Mixdoc #006
🎬 Signal dynamischer machen


Ein Signal dynamischer machen … aber warum?

  • Der Sound bekommt einfach mehr Pep und wird rhythmisch akzentuierter
  • Mehr Tiefenstaffelung im Mix — Kontrast: »vorne« vs. »hinten«
  • Das Ohr ermüdet nicht so schnell

1. Synthesizer – Kompressor

Synthesizer-Klänge haben manchmal einen sehr diffusen, »weichen« Charakter im Anschlag. Das kann zum Beispiel daher rühren, dass für die AMP-Hüllkurve eine langsame Einschwingphase (»Attack«) eingestellt wurde.

Für einen zackigeren Sound mit stärkererer Akzentuierung auf dem Anschlag wählen wir einen Kompressor. Nanu, einen Kompressor? Ja, denn auch mit dem Werkzeug, das normalerweise zur Reduzierung der Dynamik genutzt wird, lässt sich ein Signal dynamischer, kickender gestalten.

Unsere Kick Drum bearbeiten wir wie folgt …

  • Attack: schnell bis moderat (mind. ~3 ms)
  • Release: sehr schnell (minimal möglicher Parameterwert)
  • Pegelanhebung (je nach Kompressionsrate und gewünschtem Kick-Effekt«)

Die Grundlagen: Wie funktioniert der Kompressor? »

2. Kick Drum – Kompressor

Die Kick Drum in unserem Beispiel klingt uns zu lasch. Auch hier lässt sich Abhilfe schaffen, abermals mit einem Kompressor und geschickt eingestelltem Timing.

Unsere Kick Drum bearbeiten wir wie folgt …

  • Attack: schnell bis moderat — mind. ~3 ms empfohlen
  • Release: lang — z.B. ~500 ms empfohlen
  • Ausgleichende Pegelanhebung — je nach Ratio & gewünschtem Kick-Effekt

Bei akustischen Instrumenten sind eher moderate Dynamikeingriffe (niedrige Kompressionsrate und/oder moderat langsames Timing etc.) zu empfehlen. Hier spiegelt sich das vor allem in unserem langen Release wider. Das bewahrt den natürlichen Sound, den das Publikum gewohnt ist. Bei elektronischen Instrumenten wie Synthesizern erscheinen starke Eingriffe hingegen längst nicht so dramatisch, da es für deren Sounds keinen »Naturzustand« gibt.

3. Snare – Transient Designer

Wir verlassen das Reich der klassischen Dynamikeffekte und wenden uns einem vergleichsweise jungen Werkzeug zu – dem »Transient Designer« (»Transienten-Designer«, stellenweise auch Transient Shaper« genannt). Dieser erstmals von SPL entwickelte Effekt versucht, a) das Anschlagsgeräusch (»Attack«) und b) den langanhaltenden Ausklang (»Sustain«) eines Sounds automatisch zu erkennen. Diese lassen sich dann separat im Pegel abschwächen/verstärken.

Die Erkennung klappt mal mehr und mal weniger gut. In unserem Fall funktioniert es tadellos, da die 808-Snare nicht sonderlich komplex ist und das Plugin unserer Wahl – eine Emulation der erwähnten SPL-Hardware – als fähiges Tool gelten darf.

Für unsere Snare bedeutet das …

  • Attack-Anteil verstärken
  • UND/ODER: Release-Anteil abschwächen
  • Bei Attack-Verstärkung eine ausgleichende Pegelreduktion vornehmen

Alles zum Thema: Was sind Transienten? »

4. Hihat – Gate

Nun wieder ein klassischer Dynamikeffekt – das Gate. Es wird oft auch »Noise Gate« genannt, da es gerne zur Entfernung von Hintergrundrauschen aus einem Signal eingesetzt wird.

Und wie macht es das? So: Mehr oder minder abrupt werden Signalanteile entfernt (komplett verstummt oder um x Dezibel abgesenkt), die unter einem bestimmten Pegel liegen. Diese Pegelgrenze bestimmst Du mit dem Parameter »Threshold« (übersetzt »Schwelle« oder hier »Schwellenwert«). Auch die meisten Kompressoren bieten einen Threshold-Regler, allerdings werden dort alle Signalanteile über dem Schwellenwert abgesenkt.

Für unseren Bass wählen wir …

  • Release: sehr schnell — sehr zackiger Sound
  • Range: moderate Absenkung von -10 dB — leise Anteile nicht komplett abwürgen
  • Threshold: vom größtmöglichen Minuswert aus erhöhen, bis es zackig genug klingt

5. Bass – Multiband-Kompressor

Der Multiband-Kompressor »Precision Multiband« von Universal Audio (ein Plugin für die hauseigene DSP-Hardware vom Typ UAD-2) ist besonders ausgefeilt. Er kann nämlich nicht nur zur Kompression, sondern auch zur Expansion bestimmter Frequenzbänder genutzt werden. Will heißen: zur Erhöhung der Dynamik in mehr oder minder eng eingegrenzten Bereichen der Bässen, Mitten oder Höhen.

Für unsere Hihat wählen wir …

  • Frequenzband: ~450 bis ~2.100 Hz — Anschlagsgeräusche isolieren
  • Ratio: ~1,5:1 — Pegel über Threshold werden auf 75% reduziert
  • Attack: sehr schnell (Minimalwert) — Effekt wirkt sofort nach Threshold-Überschreitung
  • Release: schnell (~35 ms) — Effekt klingt nach Threshold-Überschreitung schnell ab
  • Threshold: -30 dB

Die frequenzspezifische Wirkweise ermöglicht sehr gezielte Eingriffe. Nicht der Sound insgesamt, sondern nur ein bestimmter Aspekt von diesem wird dynamischer gestaltet. In diesem Fall eben das Anschlagsgeräusch des Basses.

Und jetzt …

Gefällt dir das Videoformat von delamar Mixdoc? Konntest Du gut mitverfolgen, warum und wie Du ein Signal dynamischer machen kannst? Welche Tricks zum Mixing, die mit der Erhöhung der Dynamik auf bestimmten Klängen zu tun haben, hast Du auf Lager? Schreib sie gleich hier unten in die Kommentare, damit die delamari sich etwas von deiner Produktionsweise abschauen können!

So freuen wir uns auf deinen Beitrag … selbstverständlich auch über das Liken des Videos auf YouTube, das Abonnieren unseres YouTube-Kanal und das Teilen dieses Artikels via Facebook, Twitter, Mundpropaganda, E-Mail und mehr. Besten Dank! :)

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Lesermeinungen (15)

zu '5 Tricks, um dein Audiosignal dynamischer zu machen – delamar Mixdoc #006'

  • Yuri Magnetiks   23. Mai 2017   15:58 UhrAntworten

    Mir fehlt da Trick 17.

    • delamar   23. Mai 2017   16:21 UhrAntworten

      Hehe! Kommt auf die Liste (y) Hast du einen Trick 17 parat?

    • Yuri Magnetiks   23. Mai 2017   18:49 UhrAntworten

      Tremolo mit hohet Tiefenrate. Dynamik pur! ;)

    • delamar   24. Mai 2017   11:19 UhrAntworten

      Wird notiert :D

  • mokka   23. Mai 2017   16:29 UhrAntworten

    Ich weiß, ich weiß.
    Das ewige Meckern.
    Aber an dieser Stelle angebracht !

    Nett gemeintes Tutoial, aber doch an der Thematik DYNAMIK völlig vorbei.
    Was hier stattgefunden hat, ist eine Auffrischung der Signale ähnlich eines Enhancers/Vitalizers durch den Transientendesigner.
    Dynamik wurde hier nicht erarbeitet. Es klingt nach wie vor nach linearer Totkomprimierung und so rein gar nicht lebendig.

    Aha, Lebendigkeit->Ergo Dynamik ?
    Dann wären wir schon einen ganzen (richtigen) Schritt weiter !

    Ich möchte vorschlagen sich auch einmal mit z.B. klassischer Musik, Sinfonien oder dem simplen anschlagdynamischen Klavierspiel etc. zu beschäftigen, um die Basis und im Kern musikalische Quintessenz dynamischer Verhältnisse zu verstehen.

    Mit einem solchen nett gemeinten Tutorial erklärt man zwar das Vitalisieren und Leveln, aber mit dem Grundprinzip der DYNAMIK hat das leider alles nicht nur für mein Verständnis äußerst wenig zu tun.

    Etwas übel nehmen kann man allerdings gewissen (epic)Fail schon, dass jene typische Snare nicht aus einer 808, sondern natürlich aus einer 909 stammt.
    (Sofern nicht aus einer komprimierten Boss/DR. entnommen).

    Nicht böse gemeint und bitte auch nicht wegen meiner Kritik entmutigen lassen.

  • Jörg Jeske   23. Mai 2017   17:07 UhrAntworten

    Lukas Funken

  • Oliver Fischer   23. Mai 2017   21:26 UhrAntworten

    Mokka so weit ich verstanden habe geht es um das Aufarbeiten /Aufpäppeln von Samples. Es geht nicht um die Dynamikbearbeitung von nativen Instrumenten. So weit ist das Video schon lehrreich.

  • P.Chris   23. Mai 2017   21:34 UhrAntworten

    Muss ich Kollege "Mokka" beipflichten.
    Dynamik ist was anderes.
    Das Zusammenwirken(!!!) von "laut" und "leise" beschreibt das Grundprinzip der Dynamik, den Kontrast, nicht das "Plattmachen" hin zu kontrastlosen linearer Level.
    Thematik leider verfehlt !

  • oboe   24. Mai 2017   08:25 UhrAntworten

    Moin moin liebe Kollegen,

    an der Stelle muss ich leider widersprechen, denn ich denke, das Thema ist sehr wohl getroffen. Wenn Transienten "durchgelassen" werden, nicht aber der Bauch später, dann hat das zur Folge, dass die Wave-Wurst wieder eine Form mit einem Anschlag bekommt. B.t.w. sind die eingesetzten Tools alles Dynamik-Tools: man kann natürlich beides damit erreichen.

    Was war das Ziel? Dass "leblos" nun "lebendiger" klingt. Mit dem Vorher- Nachher-Vergleich finde ich, kann man zweifelsfrei sagen, dass die Mit-PlugIn-Variante deutlich crisper klingt.

    Deshalb: danke, Thom!

    Schöne Grüße

    • mokka   24. Mai 2017   11:58 UhrAntworten

      Mahlzeit, Kollege.

      Die Einschätzung hin zur Thematik ob das Ziel erreicht oder nicht erreicht wurde ist sicherlich auch eine geschmackliche Subjektivfrage.
      Für meinen Geschmack sollte ein guter dynamischer Mix atmen und das tut dieser Mix für meinen Geschmack leider gar nicht und wirkt auf mich wie ein permanent angespannter Brustkorb und sehr statisch.
      Unter dem Aspekt aus einem Mix etwas mehr Körnigkeit, Knackigkeit heraus zu holen (crsiper zu machen) ist dem Thom das auch gelungen und da stimme ich dir auch gerne zu.
      Nur mit Dynamik hat das für mein Verständnis insgesamt nicht viel gemein, bzw. ist dies nur ein kleiner Aspekt der Dynamik, so wie in etwa Rauch noch kein Feuer macht.

      Aber dennoch, nicht entmutigen lassen.

      • oboe   24. Mai 2017   14:09 Uhr

        Hi Mokka,

        ja, mit einem dynamischen High-End-Mix, wie bei Chris Jones o. ä. hat das wenig zu tun. Was ich hier aber sehr gut gelungen finde ist, dass anhand weniger, sehr pointierter Beispiele vergurkte Fertigsamples doch noch wieder etwas aufzuwerten dargestellt wurden. Es ist also eher unter dem Begriff "Reparatur", als unter dem Begriff "toller dynamischer Mix" zu verstehen - so verstehe zumindest ich diesen Beitrag. Dass er statisch wirkt und wenig atmet - nun ja, da sage ich als Freund "handgemachter Musik" lieber nichts dazu :-) Ich kann nur die CDs der Reihe "HighEndition" empfehlen: das sind wirklich durch die Bank atemberaubende Mixe und tolle Sampler. Und nein: ich kriege leider kein Geld für die Werbung und muss mir die teuren CDs auch selbst fürs volle Geld kaufen, aber es lohnt wirklich, da mal ein Ohr rein zu werfen...

      • Felix Baarß (delamar)   24. Mai 2017   14:19 Uhr

        Sehr gut zusammengefasst, oboe - vielen Dank. =] Damit nimmst Du meine (völlig verspätete) Antwort an mokka vorweg. Genauso war der Workshop konzipiert.

        Gruß, Felix

  • fatman   26. Mai 2017   13:57 UhrAntworten

    Dynamik wird als Verhältnis zwischen lauten und leisen Tönen in der Musik definiert. Als Komponist / Producer kommt die Dynamik als stilprägendes Mittel zum Einsatz. In diesem Artikel ist nicht davon vorhanden.
    Man hätte ihn besser "5 Tricks, um deine Samples zu verbessern." genannt.
    Dann hätte man sich darüber streiten können, ob man nicht lieber gleich bessere Samples als Ausgangsmaterial nehmen sollte, als schlechte zu "verschlimmbessern".
    Ob der Konsument = Zuhörer die Art der vorgestellten Mucke in der Disco oder auf dem MP3 Player überhaupt warnehmen kann, wäre dann noch die entscheidene Frage. Im Sessel vor einer guten Hifi Anlage andächtig lauschen wird er diese Art von Musik wahrscheinlich nur selten.
    Es liegt mir fern, jemanden zu kritisieren, aber ich halte solche Artikel für geistigen Dünnpfiff, da die Unterschiede sicher im teuren Studio zu hören sind, der Verbraucher macht sein Gefallen sicher an anderen Dingen fest.
    Dies schreibe ich unter dem Eindruck meherer Urlaubserlebnisse, bei denen junge Menschen zwischen 15 -25 sich musikalisch auf ihren Handys austauschten und bei denn "Hörproben" entsprechende Kritiken zum Besten gaben!

  • Carlos San Segundo (delamar)   26. Mai 2017   14:13 UhrAntworten

    Um hier mal die Diskussion in die richtige Richtung zu bringen. Wir unterscheiden zwischen der

    1) Dynamik der Musik über Arrangement (piano bis forte)
    2) Dynamik des Audiosignals

    Ob jemand die Unterschiede am Ende hört oder nicht, ist dabei erst einmal unerheblich. Wenn ich klangtechnisch 5 Punkte zwischen Master und Abhöre abziehe, dann macht es durchaus einen Unterschied, ob mein Mix bei 6 oder bei 10 war :)

  • Thom Wettstein   26. Mai 2017   14:52 UhrAntworten

    Hallo alle.
    Ich merke, dass wir nicht alle von demselben sprechen. Die Bearbeitung der einzelnen Spuren bezieht sich auf die Micro-Dynamik, nicht auf die Makro Dynamik des gesamten Songs. Die Lautstärkeunterschiede zwischen dem Beginn eines Klangs zum Ausklang desselben, ist nach der Bearbeitung grösser. Deshalb ist es auch angenehmer und entspannter für den Hörer die einzelnen Signale zu orten. Dies verhilft dem gesamten Song nicht zu mehr Dynamikumfang, sondern lässt zu stark komprimierte Signale wieder atmen und gibt ihnen Grip und Kanten.

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