Gitarren-Effekte 2

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Nachdem wir die stark klangverändernden Gitarreneffekte wie Delay, Reverb, Chorus und Co. betrachtet haben, geht es nun um die mehr wie Werkzeuge genutzten Effekte eines Kompressors oder eines Limiters. Was bewirken diese und wie funktionieren sie? Das erfährst Du in diesem Artikel.


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Ein Kompressor wird genutzt, um das Sustain einer Gitarre oder eines Basses zu verstärken. Damit ist der langanhaltende Ton gemeint, der auf den Impuls des Saitenanschlags folgt. So setzt sich der Gitarrensound innerhalb der Band oder in einem Mix besser durch.

Wie funktioniert ein Kompressor? Die Lautstärke des Saitenanschlags wird reduziert und im Anschluss das Gesamtsignal lauter gemacht – der resultierende Klang ist genauso laut im Anschlag, weist aber ein lauteres Sustain auf. Die Dynamik des Signals, der Kontrast zwischen laut und leise wird also verringert.

Gitarren-Effekte 2 - Kompressor

Gitarren-Effekte: Kompressor

Threshold

Mit dem Threshold-Regler (Schwellenwert) bestimmst Du, ab welchem Lautstärkepegel die Kompression wirken soll – Sobald die Lautstärke der Gitarre den eingestellten Schwellenwert in dB (Dezibel) übersteigt, wird komprimiert.

Gitarren-Effekte 2 - Audio Kompressor - Threshold

Hier sind Threshold-Werte von -12, -24 und -36 dB abgebildet

Ratio

Mit der Ratio legst Du fest, wie stark ein über den oben beschriebenen Schwellenwert hinausschießender Peak (Pegelspitze) abgeschwächt werden soll. Bei einem Wert von von 2:1 ragt ein Peak nach der Kompression nur noch halb so weit über das Threshold-Niveau hinaus.

Gitarren-Effekte 2 - Audio Kompressor - Ratio

Ratio-Einstellungen von 2:1, 4:1 und 8:1

Zusammen mit einem weit unter 0 dB liegenden Schwellenwert führt eine hohe Ratio-Einstellung zu einer sehr intensiven Kompression. Dabei wird der Sound regelrecht planiert, Dynamikunterschiede weitgehend eingeebnet.

 

Attack

Mit diesem Parameter legst Du fest, in welcher Zeitspanne der Kompressor die volle Stärke der eingestellten Ratio erreichen soll, sobald der Threshold überschritten wird.

Das Attack beeinflusst den Klang des Anschlags

Bei hohen Werten bleibt mehr vom Impuls eines Saitenanschlags erhalten, was etwa einem gezupften Bass sehr deutlich wird. So kannst Du einen einigermaßen natürlichen Sound wahren und das Sustain dennoch anheben.

 

Release

Wenn der Threshold des Gitarrensignals wieder unterschritten wird, setzt die Release-Phase ein. Der Release-Wert bestimmt, wie lange es dauert, bis die Kompressionsrate allmählich wieder abgeschwächt wird und schließlich zu 1:1 (keinerlei Kompression) zurückkehrt.

Gitarren-Effekte 2 - Audio Kompressor - Attack Release

 

Gain

Mit diesem Regler kannst Du den Pegel des Gesamtsignals anheben, um die kompressionsbedingten Lautstärkenverluste auszugleichen; alternative Beschriftungen für dieses Bedienelement sind »Output«, »Level«, »Makeup« oder »Makeup Gain«.

Wie eingangs angesprochen ist dies der entscheidende letzte Schritt bei der Komprimierung, mit dem Du das Sustain verstärken und den Sound durchsetzungsfähiger machen kannst. Die Kompression allein ist dafür noch nicht ausreichend.

 

Peak & RMS

Fortgeschrittene Kompressoren lassen dir die Wahl zwischen zwei Modi: Peak und RMS. Im Peak-Modus reagiert der Kompressor auf abrupt aufflackernde und sehr schnell wieder abklingende Pegelspitzen. Dadurch werden diese Pegelspitzen – englisch: »Peaks« – zuverlässiger komprimiert. Allerdings besteht dabei stets die Gefahr, dass die übrigen Signalanteile teilweise davon beeinträchtigt werden.

Im RMS-Modus basiert die Kompression hingegen auf dem durchschnittlichen Lautstärkepegel in einer bestimmten Zeitspanne. Diese ist von Kompressor zu Kompressor verschieden, einige wenige Modelle bieten die Möglichkeit, dieses Zeitfenster zu verstellen. Durch RMS-Kompression wird ein tendenziell natürlicher anmutender, sanfterer Sound erzielt. Der Nachteil ist hier, dass kurzen Peaks eben nicht so zuverlässig der Zahn gezogen wird.

 

Hard Knee vs. Soft Knee

Mit dem »Kompressionsknie« bestimmst Du, wie fließend der Übergang vom nicht-komprimierten in den komprimierten Bereich des Gitarrensounds sein soll. In der Abbildung der Kompressionseinstellungen knickt die Linie an einem Punkt ab – genau da sitzt das »Knie«. Einerseits gibt es die (annähernd) übergangslose und vergleichsweise hart klingende Einstellung, die als »Hard Knee« bezeichnet wird. Die andere, sanfter komprimierende Einstellung nennt sich »Soft Knee«.

RMS-Kompression sorgt für einen weicheren Sound

Bei manchen Kompressoren besteht die Möglichkeit, das Knie stufenlos zu justieren, die meisten bieten hier jedoch entweder einen unveränderlichen Wert oder einen Wahlschalter zum Wechsel zwischen zwei festen Einstellungen für Hard Knee und Soft Knee.

 

Gitarren-Effekte: Limiter

Gitarren-Effekte: Limiter


Limiter

Auch ein Limiter zählt prinzipiell zu den Kompressoren. Anders ausgedrückt: Viele Kompressoren sind in der Lage, einen Effekt zu erzielen, der bereits als Limitierung bezeichnet werden kann. Der Unterschied zwischen Kompression und Limitierung besteht jedoch darin, dass bei der Letztgenannten eine sehr hohe Ratio am Werk ist (etwa 10:1 bis 1000:1 und mehr). Der Einsatzzweck: Das Gitarrensignal lauter machen, ohne es zu übersteuern.

Limiter = Kompressor, nur mit sehr hoher Ratio

Eine Limitierung ist besonders bei digitalen Aufnahmen hilfreich, also bei der Einspeisung der Gitarre in ein Audio Interface, der anschließenden Analog-Digital-Wandlung und der Speicherung in einer Audiodatei. Generell solltest Du aber versuchen, die Gain-Regler an Gitarre und/oder Audio Interface und/oder dazwischengeschalteten Geräten so einzustellen, dass auch bei sehr harten Anschlägen noch keine Übersteuerungen entstehen. Spätestens, wenn Du mit 24 Bit aufnimmst, brauchst Du dir keine Sorgen machen, dass dieses vergleichsweise leise Signal im Hintergrundrauschen untergeht.

 

Kompressor richtig einstellen

Es gibt keine allgemeingültigen Einstellungen für die Kompression von Gitarre & Bass. Du kannst dich aber nach der folgenden Vorgehensweise richten. Nutze die unten aufgelisteten Einstellungen für Ratio, Attack und Release, bei fortgeschrittenen Kompressoren auch den RMS-Modus und Hard Knee. Dann drehst Du den Threshold von 0 dB aus ganz langsam in den negativen Bereich.

Wenn die Pegelspitzen so stark vermindert sind, dass sie in einem ausgewogeneren Verhältnis zum Sustain stehen, schraubst Du das Gain hoch, bis die Pegelspitzen ungefähr wieder so laut wie ursprünglich erklingen.

Starte hiermit und vertraue dann deinem Gehör

  • Ratio 6:1
  • Attack schnell bis gemäßigt
  • Release sehr schnell
  • RMS
  • Hard Knee

Verzerrung und Kompression

Da Akustikgitarren in der Regel nicht verzerrt werden, bleibt auch die ganze Dynamik erhalten. Somit ist bei der akustischen Gitarre ein Kompressor eher angebracht. Bei E-Gitarren sorgt hingegen schon ein mäßiger Crunch dafür, dass das Signal komprimiert wird. Somit ist eine zusätzliche Kompression im Allgemeinen nicht mehr nötig bzw. einfach weniger wirksam. Ergo: Besonders, wenn Du einen (weitgehend) unverzerrten Bass oder oft Clean-Sounds auf deiner E-Gitarre spielst, solltest Du dich mal an der Kompression versuchen.

 


Von Felix Baarß