Top 10 Pianisten: Nicht jeder hat das Zeug zum Superstar

Pianisten

Unsere Top 10 Pianisten üben nicht selten seit ihrer frühsten Kindheit das Spielen.

anzeige

Spagat zwischen Klassik und Mainstream

Starten wir mal ganz philosophisch. Wladimir Horowitz sagte einst: »Klavierspielen setzt sich zusammen aus Vernunft, Herz und technischen Mitteln. Alles sollte gleichermaßen entwickelt sein. Ohne Vernunft sind sie ein Fiasko, ohne Technik ein Amateur, ohne Herz eine Maschine.«

Der Beruf habe schon seine Gefahren, resümiert er. Doch in einer Zeit, in der Pianisten schon gegen Roboter antreten, scheinen die Gefahren, als Klavier-spielende Maschine abgetan zu werden, doch halbwegs relativiert. Inzwischen kann sich beinahe jeder die notwendige Technik anschaffen. Auch das wird einen Amateur nicht entlarven. Und die Vernunft? Sind wir mal ehrlich – mit Vernunft lebt es sich ohnehin nur halb so toll.

Doch es reicht längst nicht, nur perfekt das Klavier zu spielen. Viel mehr ist es die Kombination aus Gesang, Instrument und ab und an den Eigenschaften eines Entertainers, die es schafft, ein breites Publikum zu verzücken. Dieser Artikel befasst sich also nicht mit den klassischen Top 10 Pianisten, wie Lang Lang, sondern mit den Superstars unserer Zeit, die ganze Massen durch Klavierspiel und Gesang in ihren Bann ziehen.

Was ist es, dass einen Pianisten zum Pop-Star macht?

Bei den folgenden Pianisten ist die Frage leicht zu beantworten: alle samt beherrschen nebst des Pianos auch den Gesang. Eine Kombination, an die meines Erachtens nach nicht einmal singende Gitarristen heran kommen. Das Klavier ist in seiner Erscheinung und Klang einfach herausragend. Wir sind gespannt, wie Du das siehst!

Tom Odell

Früh übt sich: Tom Odell begann mit 7 Jahren Klavier zu spielen. Es dauerte nicht lang, da begann er, seine eigenen Songs zu komponieren. Im Anschluss an seine Ausbildung am Institute of Modern Music in Brighton ging alles ganz schnell: Lily Allen entdeckte ihn und nahm ihn sogleich unter Vertrag. 2013 erschien sein Debütalbum »Long Way Down«. Die Platten des mehrfach ausgezeichneten Odell verkauften sich allein in seiner Heimat über 1,1 Millionen mal, was ihm dreimal Silber sowie einmal Gold und Platin einbrachte.

Jamie Cullum

Jamie Cullum gilt größtenteils als Autodidakt und kam schon in früher Kindheit mit Musik in Berührung. Der Crossover-Künstler fühlt sich in vielen Stilrichtungen wohl, ist aber im Ursprung Jazzmusiker. Sein drittes Album »Twentysomething« verkaufte sich über 2,5 Millionen mal. Sein Können ist gefragt: 2012 komponierte er Deutschlands Titel für den Eurovision Song Contest. Roman Lob erreichte mit »Standing Still« den achten Platz.

Alicia Keys

Die US-amerikanische Soul- und R&B-Sängerin, Alicia Keys, zählt laut Billboard zu den fünft besten Künstlern der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts. Wenn das nicht groß klingt. Die New Yorkerin nahm bereits mit 5 Jahren Klavierunterricht. Damals spielte sie viel klassische Musik – von Mozart bis Chopin. Nach der High-School stand dann anstatt Uni ihr erster Demovertrag auf dem Plan. Nunmehr 30 Millionen Alben gingen seither über die Ladentresen, dazu schmückt sie sich unter anderem mit 15 Grammys.

Elton John

Was soll man noch groß zu Sir Elton John schreiben, außer das der britische Pianist, Komponist und Sänger mit über 450.000.000 (zur Verdeutlichung schreibe ich die Zahl einfach mal aus) Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Künstlern überhaupt gehört. Zum Klavierspielen motivierte ihn seine Großmutter, bei der er aufwuchs.

An der Londoner Royal Academy studierte er sechs Jahre lang sein Instrument der Wahl. Seinen ersten Top-10-Erfolg erreichte er mit der Singleauskopplung »Your Song«. Nachdem Queen Elisabeth II. ihn 1995 zum Commander ernannte, folgte drei Jahre später der Ritterschlag und damit der Einzug in den Adelstand.

Chris Martin

Warum Chris Martin, fragst Du dich? Hast Du das Video gesehen? Best Practice – da schmelzen sie einfach alle dahin. Alle samt, egal ob Männlein oder Weiblein. Während seiner Collegezeit lernte er Guy Berryman, Jonny Buckland und Will Champion kennen – die späteren Bandkollegen von Coldplay.

80 Millionen Platten wurden bisher umgesetzt, wovon 50 Millionen auf Alben zurückfallen. Auch der Sohn einer Musiklehrerin nahm Klavierunterricht. Was ihn aber noch mehr auszeichnet, ist seine Stimme. Gepaart mit der Fingerfertigkeit einfach unwiderstehlich. Im Übrigen ist sein privates Klavier vollkommen von Graffiti überzogen – sau cool!

Billy Joel

Einer der erfolgreichsten Solokünstler der USA ist Pianist, Sänger und Songschreiber. Billy Joel, wuchs in der New Yorker Bronx auf, liebte schon als kleines Kind klassische Musik und nahm Klavierstunden. Sein Album »The Stranger« verhalf ihm zum Durchbruch. Der darauf erschienene Song »Just the Way You Are« erhielt 1979 den Grammy als Song des Jahres – Platin-Status inklusive. Bis heute verkauften sich seine Lieder über 82,5 Millionen mal weltweit.

Peter Bence

Peter Bence oder, der laut Guiness-Buch der Rekorde, mit 765 Anschlägen pro Minute schnellste Pianist der Welt. Der 1991 geborenen ungarische Pianist folgt dem Erfolgs-Schema: Auch er begann in frühster Kindheit mit dem Klavierspielen – stellte gar mit 7 Jahren seine ersten Kompositionen fertig.

Sein erstes Album »Green Music« erschien 2004, da war er 13 Jahre alt. Bence schloss mit einem Master of Arts in Film Scoring sowie Electronic Production & Design das begehrte Berklee College of Music ab. Eines seiner Markenzeichen: Rhythmische Akzentuierungen, die er nicht nur den Tasten des Klaviers entlockt.

Joja Wendt

Niemand geringeres als Joe Cocker entdeckte die Begabung Joja Wendts während eines Auftritts in der Hamburger Musikkneipe »Sperl«. Ehe sich Wendt versah, spielte er im Vorprogramm von Cockers Deutschlandtournee. Es folgten Begleitungen mit Chuck Berry sowie der Band Pur. Nach Abschluss seines Studiums in New York City kam Wendt nach Hamburg zurück, wo er weiterhin seine Leidenschaft für Jazz, Boogie Woogie und Blues auslebt.

Norah Jones

Die studierte Jazz-Pianisten Norah Jones lernte das Klavierspielen von der Picke auf. Mit 6 Jahren nahm sie Klavierstunden, versuchte sich nebenher am Saxophon und der Trompete. Für ihr Album »Come Away with Me« erhielt sie 2003 fünf Grammys, was ihrer Karriere einen ordentlichen Schub verpasste.

Die Liste ihrer Auszeichnungen ist lang: 18 mal Platin in Australien, zwölf mal in Europa sowie einmal Diamant in den USA. Wer glaubt, dass die Musik das einzige Standbein ist, irrt. Wenn sie nicht gerade Songs schreibt, schauspielert die New Yorkerin.

Jacob Collier

Jacob ist zwar eher ein Multiinstrumentlist als ein Pianist, aber seine Skills auf dem Klavier sind so herausragend, dass er es locker in unsere Top 10 schafft. Als musikalisches Wunderkind gefeiert, konnte er im zarten Alter von 23 bereits einen ersten Grammy einstreichen. Die Musik wurde ihm förmlich in die Wiege gelegt: Seine Mutter ist, ebenso wie es ihr Vater war, Musikdozentin an der Londoner Royal Academy of Music. Wenn die Familie sich trifft, werden gemeinsam Bachchoräle gesungen.

Bei den BBC Proms nahm er an einem Konzert zu Ehren von Quincy Jones teil. Unter anderem präsentierte Jacob seinen Song »In The Real Early Morning«, der auf seinem Album »In My Room« erschienen ist. Der Albumtitel wurde gewählt, weil Collier jede Stimme und jedes Instrument selbst singt, spielt, aufnimmt, arrangiert und mischt. Ohne Worte!

Wer ist dein Lieblingspianist?

Verrate uns, welche Pianisten Du ins Herz geschlossen hast und warum gerade er oder sie es geschafft haben, dich mitzureißen.

Mehr zum Thema:
      

Lesermeinungen (2)

zu 'Top 10 Pianisten: Nicht jeder hat das Zeug zum Superstar'

  • Rob   11. Jun 2018   22:18 UhrAntworten

    Ich als klassisch ausgebildeter Konzertpianist habe während meines Studium den Pianisten Murray Perahia bei einem Meisterkurs kennen- und schätzen lernen dürfen.

    Seitdem steht dieser Pianist ganz weit oben an erster Stelle in meiner (klassischen) Pianisten-Herzensliste. Die Art und Weise, wie dieser Pianist mein Herz berührt, ist schon außergewöhnlich. Seine absolut genaue und klanglich zielgerichtete Art von Interpretation (Er interpretiert nach Schenker-Analyse) beeindruckt mich immer wieder...

    Mein zweiter Lieblingspianist ist Marc-Andre Hamelin. Dieser Pianist ist mittlerweile schon als Jahrhundertpianist in die Geschichte eingegangen. Ich kenne keinen Pianisten, der so dermaßen virtuos und mit Leichtigkeit über Allem steht, was die Klavierliteratur an unüberwindbaren Schwierigkeiten so zu bieten hat. Mittlerweile versucht er seinen Ruf als Hypervirtuose etwas loszuwerden, indem er mittlerweile etwas "langsamer" und dafür klanglich noch tiefgründiger spielt. Ein mit Preisen und Auszeichnungen überschütteter symphatischer absolut großartiger Musiker und Künstler, an Produktivität kaum noch zu überbieten.

    Martha Argerich, Grigory Sokolov und Krystian Zimmerman möchte ich auch noch als große Favoriten nennen...

  • Tina   13. Jun 2018   12:58 UhrAntworten

    Wenn ich das Wort Pianist höre, hab ich SOFORT Joja Wendt im Kopf, das ist für mich quasi eins. :) Er verbindet virtuoses Spiel in den verschiedensten Genres mit publikumsnaher Unterhaltung, sodass jedes seiner Konzerte, die man auch ohne Weiteres als "Shows" bezeichnen könnte, ein echtes Erlebnis und man geht gut gelaunt nach Hause. Er ist sympathisch, hat's drauf und ist aber auf dem Boden geblieben. Seine Musik macht mich einfach happy! :)

Sag uns deine Meinung!

anzeige

Empfehlungen