Musik bedeutet Entspannung für den Körper – oder?

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Musik bedeutet Entspannung

Hände, Rücken, Schultern - Musik bedeutet Entspannung, doch kann auch in die Knochen gehen.

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Hand, Hirn und Rücken

Zugegeben: Ich bin kein Instrumentalist, werde nicht von stundenlangem Üben »geplagt« und habe auch keinerlei existenzielle Anspannungen, wie beispielsweise ein Orchestermusiker. Ein Laptop samt Keyboard oder MIDI-Controller kann hingegen schon genügen, um einem echte körperliche Beschwerden einzuhandeln.

Es gibt einen medizinischen Ausdruck für dieses Leiden, das sicherlich viele Musikmacher oder Musikbegeisterte kennen. »Overuse« – die Überanstrengung der Muskeln. Betroffen sind meist Rücken, Schultern, Unterarme und Hände. Nicht selten leiden Hobbymusiker häufiger, da sie eher eine falsche bis miserable Haltung einnehmen, als professionell ausgebildete Musiker.

Neulich war es wieder soweit

Mein Rücken plagte mich – frag nicht nach Sonnenschein. Nachdem ich ein Stunde (oder waren es doch eher 3-5?) an Laptop, Controller und Klangerzeuger saß, wollte ich mal kurz verschnaufen und einen Schluck Wasser trinken – na gut, eigentlich wollte ich eine Dose kühles Bier ranholen. Als ich aufstand, mich in Bewegung setzte, merkte mein fast 30-jähriger Körper erst, dass ich die gesamte Zeit nicht nur mit einem Glöckner-von-Notre-Dam-Gedächtnisbuckel dagesessen hatte, sondern auch noch mit unnatürlich überkreuzten Füßen, die mit verkrampften Zehen ihr physisches Limit erreichten.

Aber meine Session war noch nicht vorbei. Was sollte ich also tun? Und ich tat das einzige, herrlich un-eman(n)zipierte, was ich gut konnte: Die Dame des Hauses leiderfüllt und ein klein wenig weinerlich bitten, mir in eine gut gepolsterte Liegeposition zu verhelfen und alles notwendige Equipment gut erreichbar zu drapieren. Musikalisch hatte ich mal wieder brilliert (jedenfalls bin ich davon überzeugt ;-)), jedoch war das ergonomisch für den A****!

Terry Syrek im Video über Fokale Dystonie

Beschwerden bei Musikern sind keine Seltenheit

Verlässliche Zahlen zu ähnlichen Beschwerden bei Profi- und Hobbymusikern gibt es nicht. Älteren Angaben einer Studie nach haben rund 80 Prozent der Musiker schon einmal gesundheitliche Beschwerden davontragen müssen. Bei professionellen Musikern kann es sogar bis hin zur Berufsunfähigkeit führen. Etwa ein Prozent aller Musiker leiden unter der sogenannten Fokalen Dystonie – umgangssprachlich auch Musikerkrampf genannt.

Die Folge können der Verlust der feinmotorischen Kontrolle sein. Oberstes Gebot bei eintretenden Beschwerden, ob nun Rücken, Feinmotorik oder aber auch das Gehör: Die körperlichen Belastungen rechtzeitig zurückschrauben. Im Zweifel solltest Du als Musiker und Instrumentalist überlegen, dein Übe-Verhalten sowie die Haltung deines Instruments zu verändern. Gönne dir und deinem Körper öfter einmal eine Pause.

Hast Du dich motorisch auch nicht unter Kontrolle beim Musizieren? Ergreifst Du entsprechende Gegenmaßnahmen, um deinem körperlichen Verschleiß Einhalt zu gebieten?

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Lesermeinungen (1)

zu 'Musik bedeutet Entspannung für den Körper – oder?'

  • Alan   05. Apr 2017   12:34 UhrAntworten

    Ergonomie im (Heim)Studio ist ein sehr wichtiger Faktor, um typische Beschwerden wie z.B. Rückenschmerzen durch falsche Körperhaltung gut vorbeugen zu können.
    Von einem ergonomischen Arbeitsplatz sollte allerdings nicht nur erwartet sein, die wesentlichsten Gerätschaften bezüglich Workflow in möglichst kurzen Wegen gut erreichen zu können, sondern ist das WIE (man die Gerätschaften erreicht) bezüglich der Körperhaltung und demzufolge Gesundheitsschäden, ein wesentlicher Bestandteil dieser Ergonomie.

    Das typisch eingerichtete Heimstudio mit PC-Tastatur, Maus, PC Monitor (bzw. Laptops), Einspielkeyboard(s), kleiner Mischer und Abhöre ist oft eine wahre Rückenschmerz- und Muskelkaterfalle.
    Gerade Keyboarder können hier ein gutes Liedchen von singen.

    Oft sehe ich z.B. das Keyboards entweder auf einem Schreibtisch stehen oder eben auf einem Stativ.
    Gemeinsam haben sie oft den beschwerlichen Umstand, das sie auf Schreibtisch oder Stativ stehend, proportional zu hoch liegen.
    Hände sollten beim Keyboardspiel auf der Keyboardtastatur jedoch mit ganz leicht abgesenkten Unterarmen (nach unten greifend) aufliegen können.
    Das Gegenteil ist hier aber oft der Fall, so das viele Heimstudiokeyboarder zum Keyboard eher entweder "hinaufgreifen" müssen oder Ellenbogen und Unterarm parallel in einer Linie zur Keyboardtastatur liegt.
    Die Folge davon sind mehr oder minder Anspannungen im Oberarmbereich (Trizeps und Deltamuskel), die mit der Zeit zu Schulter und Nackenverspannungen, so wie auch zu Kopfschmerzen führen können.
    Wer viel mit dem Keyboard arbeitet sollte daher sein Keyboard möglichst in einer Höhe aufstellen, so dass die Unterarme leicht abgesenkt und entspannt (die Oberarmmuskulatur entlastend) auf der Tastatur aufliegen können.
    Der Körper schwingt beim (Ein)Spielen ja auch oft mit und daher sollten diese Körperbewegungen eine gleitende und nicht eine sich eher "festhaltende" sein.

    Laptops bringen von jeher das generelle Problem mit sich, das man stets mit einem gesenkten Blick auf das Display schaut. Das führt nach einiger Zeit zu starken Nackenverspannungen.
    Da Display (Monitore) und Blickrichtung (Kopfhaltung) hinsichtlich zur Vermeidung von Nackenverspannungen aber möglichst auf der Höhe in einer Geraden zueinander liegen sollten, läge dann allerdings wiederum die Laptop-Tastatur (und Touchpads) zu hoch und eine angespannte Körperhaltung eingenommen wird.
    Beim Neigen der Laptop-Tastatur und weiter Aufklappen des Displays für eine entspanntere Körperhaltung und bessere Sicht auf das Display, werden dann allerdings wiederum u.U. Handgelenke in eine teils stark angespannte Haltung gebracht und mitunter Sehnenscheidentzündungen mit sich bringen können.
    Laptops sind, sofern nicht Tastaturbedienung und Display (abnehmbar oder höhenverstellbar) separiert werden können, ein automatischer Garant für chronische Nackenverspannungen und Rückenschmerzen.

    PC- Tastatur und Monitor.
    Hände sollten ebenfalls (hinabgreifend) flach auf einer PC-Tastatur aufliegen können.
    Steht eine PC-Tastatur allerdings zu weit vorne zum Körper, wird wiederum eine unvorteilhaft Oberarm und Ellenbogen beanspruchende Körperhaltung eingenommen.
    Daher sollte eine PC-Tastatur besser etwas weiter weg vom Körper platziert sein.
    Um die Handgelenke dabei nicht schwer und müde werden zu lassen, sollten diese mit einer Auflage (Stütze) für die Handgelenke, bzw. noch eine etwas großzügigere Auflage für die Unterarme mit einschließend, gestützt werden.
    Der PC-Monitor sollte proportional in Höhe einer geraden Blickrichtung und Kopfhaltung stehen, so dass der Nacken nicht durch "Hinaufschauen" zum Monitor unvorteilhaft belastet wird.

    Die Abhöre sollte, wie der PC-Monitor in Höhe der Blickrichtung, ebenfalls in der Höhe der Ohren liegen.
    Sieht nicht nur im Design einer Konsole cool aus und abgesehen von natürlich wichtig akustischer Ergonomie, muss man beim genauen Hinhören des linken oder rechten Lautsprechers keine verrenkenden Körperhaltungen einnehmen, sondern einfach nur seinen Kopf entsprechend der Hörrichtung drehen oder kann sich auch ganz entspannt zurücklehnen.

    Chefsessel.
    Der Untersatz für das "Ar*** breit sitzen", ist der eigentliche primäre Faktor von Rückenschmerzen !
    Jedwedes ergonomisch perfekt angeordnetes Modul im Arbeitsalltag bringt letztlich herzlich wenig, wenn der Chefsessel/Bürostuhl/Drehstuhl nicht mitspielt und man den ganzen Tag mit krummen Rücken falsch und schlecht sitzt.
    Nicht jeder Chefsessel der ergonomisch mit Lendenwirbelstütze daherkommt, ist der Richtige für Rückenschmerzen geplagte Musiker.
    Manche Menschen haben ein Hohlkreuz (so wie ich), manche wiederum eine anderweitig in Richtungen verschobene Wirbelsäule, manche Leute bringen etwas mehr Kilo auf die Waage und auch sind nicht alle Menschen gleich groß.
    Daher eignet sich auch nicht jeder noch so pauschalisiert perfekt ergonomische Sessel für jeden Rücken. Der Sessel, mit oder ohne Lendenwirbelstütze, geneigte Sitzauflage, gekrümmte Rückenlehne etc.p.p. ist eine sehr individuelle Angelegenheit und stark vom Rückentyp (und Gewicht) abhängig, um den für sich besten Untersatz zu finden.
    Pauschalisierend gesagt, sollte der Untersatz hinsichtlich langer Arbeitszeiten ein natürlich bequemer sein, in dem man sich auch einmal zurücklehnen kann.
    Wer in seinem Studio an mehreren Orten aktiv sein muss, sollte auf Mobilität seines Chefsessel (Rollen, Drehstuhl) wert legen.
    Zudem sollte der Chefsitz auch einen guten Sitz mit sicher aufliegenden Füßen auf den Boden ermöglichen und hinsichtlich der ergonomischen Anordnungen seines Arbeitsplatzes in der Höhe verstellbar sein.

    Natürlich sollte auch aus ergonomischen Blickwinkel die Höhe von Schreibtischen eine wichtige Berücksichtigung finden, da Menschen eben unterschiedlich groß sind und eine Kombi zwischen höhenverstellbaren Chefsessel und Schreibtische mitunter eine Wissenschaft für sich sein können.
    Wie der Chefsessel bezüglich Rückentypen eine sehr idividuelle Angelegenheit ist, so ist auch der Schreibtisch in der typischen Höhe von 80 cm nicht immer die optimale Höhe.
    Ein Höhenverstellbarer Schreibtisch ist natürlich immer etwas teurer, aber hinsichtlich Ergonomie und flexiblen Möglichkeiten der Ausrichtung seines Arbeitsplatz und Gerätschaften, ein optimale Lösung.

    Last but not least ist bei aller Ergonomie am Arbeitsplatz auch zu bedenken: "wie man sich bettet, so schläft man !"
    Rückenschmerzen sind nicht nur Begleiterscheinungen eines unvorteilhaft eingerichteten Arbeitsplatz, sondern zumeist in erster Linie Ursache eines unbequemen Schlafs durch eine falsche Matratze (falsche Härtegrade) oder Lattenrost (falsch eingestellt oder hinsichtlich Gewicht zu leicht tragend).
    Wer chronisch von Rückenschmerzen geplagt ist, sollte daher auch zunächst einmal sein Bettchen abchecken, denn man sollte morgens nicht schon mit Rückenschmerzen wie gerädert aufstehen.
    Ein gesunder Schlaf ist die wichtigste Ergonomie überhaupt, denn sie sorgt für ein ergonomisches Dasein zwischen generellem Wohlbefinden und Körper eigener Energie.
    Auch sollte man bei allem Sitzen am Arbeitsplatz nicht auch vergessen, zwischendurch auch einmal ein Pause zu machen, sich zu strecken oder am besten noch, wenn möglich, einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft zu machen und frische Energie zu tanken.
    Sauerstoffmangel im Gehirn führt zur Müdigkeit und somit automatisch zu einer in sich gekrümmten Haltung am Arbeitsplatz.

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