Michael Klaukien Interview
Ausgezeichneter Deutscher Filmkomponist

Filmkomponist Michael Klaukien im Portrait

Filmkomponist Michael Klaukien in seinem Studio.

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Vom talentierten Drummer zum gefragten Filmkomponisten: Michael Klaukien

Michael Klaukien wurde 1974 in Bonn geboren. Zugang zur Musik bekam er bereits als Fünfjähriger. Sein Vater war nämlich – neben seiner beruflichen Tätigkeit beim General-Anzeiger-Bonn – leidenschaftlicher Hobby-Schlagzeuger.

Die Schullaufbahn absolvierte Michael Klaukien in Oberkassel bei Bonn und machte sein Abitur am Helmholtz Gymnasium mit Musik Leistungskurs. Ab dem Alter von 15 Jahren spielte er in den stilistisch verschiedensten Bands, angefangen mit Heavy Metal über Afro und Reggae.

In der Bonner Reggae Band “One Tribe” trommelte er unter anderem als Support-Act für Bob Marleys’s Band The Wailers oder Maceo Parker. Von 1997 bis 2002 studierte Michael Klaukien an der Kölner Musikhochschule Schlagzeug unter Michael Küttner und Klavier unter Hans Lüdemann.

2001 bis 2005 war er Mitglied in der Electro-Jazz Formation des früheren Jazz-Fusion Gitarristen von Matalex, Alex Gunia & Peace. Die Band brachte mit Klaukien drei Alben heraus: “9866” (2001), Jazz Is Dead Since ’69 (2002) und “Remakes” (2005) mit Internationalen Solo Künstlern wie: Bugge Wesseltoft, Nils Petter Molvær, Randy Brecker, Billy Cobham.

Parallel stieg Klaukien ab dem Jahr 2000 in das Filmmusik-Business ein und zwar gemeinsam mit Andreas Lonardoni, dem deutschen Bassisten, Lehrbuchautor und Filmkomponisten (*1956 † 2018).

Als unschlagbares Team komponierten die beiden zahlreiche Musiken für TV-Produktionen aber auch Kinofilme. Seit dem frühen Tod von Lonardoni führt Michael Klaukien alleine das gemeinsame Werk erfolgreich fort.

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Vor dieser Zeit als Filmkomponist schrieb Klaukien auch Orchester Arrangements für Bands wie Revolverheld, die mit Gold prämiert wurden.

Dazu komponierte und produzierte er Musik für die Verlage und Plattenfirmen Warner Music, Sonoton, Emi Music Publishing u.a., die seine Fähigkeiten für vielen internationale Filme und Shows benötigten.

Privatleben: Michael Klaukien lebt mit seiner Lebensgefährtin und gemeinsamer Tochter in der Nähe von Köln im eigenen Haus mit Studio.

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Mit folgenden Regisseuren hat Michael Klaukien bereits zusammengearbeitet:

  • Hannu Salonen
  • Roland Suso Richter
  • Carlo Rola
  • Uwe Janson
  • Matthias SteurerMathias Haentjes
  • Miguel Alexandre
  • Eric Friedler u.a.

Nominierungen, Auszeichnungen und Preise:

2010: Nominierung für den Deutschen Fernsehmusikpreis für “Aghet – Ein Völkermord”
2011: Goldene Schallplatte für “Revolverheld – Farbe” (Streicherarrangement)
2022: Deutscher Fernsehpreis für “Oktoberfest 1900”, Kategorie: Beste Musik Fiktion

Ausgezeichnete Filme mit Klaukiens Filmmusik
2009: Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis für “ Die Patin – Kein Weg zurück”
2012: Nominierung für den Grimme-Preis für “Die Olympia-Intrige”
2014: Nominierung Jupiter Award für “Kleine Schiffe”
2014: Nominierung Grimme-Preis für “Das Mädchen mit den Schwefelhölzern”

Michael Klaukien Filmografie (Auswahl)

Alle Werke findest Du bei crew-united.com

  • ARD Zürich-Krimi Reihe (bisher 16 Filme). Regie: Roland Suso Richter u.a.
  • ARD/NETFLIX Oktoberfest 1900 / Octoberfest – Beer And Blood, Mini-Serie. Regie: Hannu Salonen
  • ARD Tatort Reihe (9 Filme) und einzelne Filme der “Ostfriesland Krimi”, “Kommissarin Lucas”, “Der Kriminalist”, “Ein Fall für zwei” Reihen u.v.a.
  • ARD Märchenfilme (6 Filme) darunter: Aschenputtel, Des Kaisers neue Kleider, Das Mädchen mit den Schwefelhölzern, Hänsel und Gretel
  • ARTE Dokumentarfilme wie “Sommer 39”, “Winter 42” & “Frühjahr 45”. Regie: Mathias Haentjes
  • ZDF Luther Historien Drama – “Zwischen Himmel und Hölle”. Regie: Uwe Janson
  • RTL Event-Movie “Der Rebell – Von Leimen nach Wimbledon”. Regie: Hannu Salonen
  • ARD Historische Mehrteiler “Das weisse Haus am Rhein”. Regie: Thorsten M. Schmidt
  • u.v.a.
Interview mit Filmkomponist Michael Klaukien

Filmkomponist Michael Klaukien im Interview

Interview mit Michael Klaukien:

JFP: Hallo Michael, gehen wir direkt in medias res und sprechen über die Klänge, die Du tagtäglich produzierst: Man hat den Eindruck in der modernen Filmmusik sind Streichinstrumente immer noch sehr wichtig – dann Piano und Blasinstrumente.

Geigen spielen weiterhin die Hauptrolle, wobei sie heute sehr für Spannung und Dramatik eingesetzt werden, während sie in den 60ern mehr für die rührseligen und romantischen Szenen genommen wurden. Stimmt der Eindruck?

Michael Klaukien:
„Das hängt ein bisschen davon ab, welchen Film oder welche Serie Du dir anschaust, aber ich glaube, ich weiß was Du meinst. Die Art wie heute Streicher eingesetzt werden, wenn sie modern/zeitgemäß klingen sollen, hat sich geändert.

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Ich persönlich liebe diesbezüglich Filmmusiken von Hildur Guðnadóttir, Jóhann Jóhannsson, Ólafur Arnalds aus Island. Sie sind sehr inspirierend, wenn es darum geht Streichinstrumente anders einzusetzen, als wir es z.B. von der Klassik her kennen.

Ob für romantische oder spannende Szenen, macht für mich dabei keinen Unterschied. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt werden. Ein schönes Beispiel dafür ist das Ende der ersten Folge der ARD/Netflix Serie “Oktoberfest 1900”, zu der ich die Filmmusik komponiert habe.“

JFP: Zu den Orchesterpassagen mit den eben genannten Geigen und Streichern: Hast Du dafür Samples von echten Aufnahmen oder wird das elektronisch erzeugt? Wie ist denn ungefähr der Prozentsatz von echt eingespielten Instrumenten in der Filmmusik und “künstlichen” Sounds?

Michael Klaukien:
„Ich beginne mit sogenannten Sample-Libraries meine ersten Ideen auszuarbeiten. Das sind vereinfacht gesagt z.B. von einer oder mehreren Geigen, einem Cello, oder auch einem Klavier aufwendig gesampelte, einzelne Töne in unterschiedlichen Dynamikstufen, die mir dann auf meinen Tasten zur Verfügung stehen und mit denen ich dann meine eigenen Themen und Motive zum Klingen bringen kann.

Gerne lasse ich dann, nachdem RegisseurInnen, ProduzentInnen und Sender meine Filmmusik abgenommen haben, die klassischen Instrumente im Studio von echten Musikern live einspielen.

Je nach Budget ist es wie bei dem ZDF Luther Drama “Zwischen Himmel und Hölle” ein ganzes Orchester mit Chor, oder auch nur ein Streichquartett bzw. Solisten wie bei dem ARD Märchen “Das Mädchen mit den Schwefelhölzern”.

Die häufigste Vorgehensweise – zumindest im deutschen Fernsehen – ist eine Art “Hybrid-Produktion”. Das heißt ein Teil der Musik wird mit Sample Libraries produziert und ein, oder mehrere Solisten spielen dazu.

Bei der ARD/Netflix Serie “Oktoberfest 1900” hört man z.B. – wenn Prank in fast wagnerianischen Art und Weise sein Blasorchester dirigiert – die echten Bläser auf der Bühne. Diese sind aber “angedickt” mit den Bläsern aus meinem Studio, um eine “bigger than life”-Ästhetik zu bekommen.

Das gilt nicht nur für Orchester Instrumentarium, sondern auch für elektronische Klangerzeuger. Wie gerade sehr beliebt: analog klingende Synths wie The Legend, Diva, Zebra, Repro1/5 u.a., die mir auf Softwarebasis im Rechner zur Verfügung stehen.

Beides zusammen ist für uns Komponisten und Musikproduzenten ein absoluter Segen, da unsere Produktionen in einem frühen Stadium einfach schon unfassbar gut klingen können und unserer Experimentierfreude eigentlich keine Grenzen gesetzt sind.“

JFP: Dein Vorbild war ja neben anderen Hans Zimmer. Was hat dich so an seiner Musik fasziniert?

Michael Klaukien:
„In den 90er Jahren hat mir ein Freund den Soundtrack von “König der Löwen” vorgespielt. Ich glaube, ich habe gerade Abitur gemacht und wollte danach möglichst schnell Profimusiker werden

Dazu muss ich sagen, ich habe zu der Zeit u.a. in Afro-Bands Schlagzeug gespielt, mich aber auch viel mit Klassik beschäftigt. Das Requiem von Mozart habe ich damals rauf und runter gehört und ich liebe es bis heute.

Als ich dann Hans Zimmers Musik zum “König der Löwen” gehört habe, war ich hin und weg. Für mich eine Art Fusion von afrikanischer Musik und Mozart mit starken Melodien.

Ich habe begriffen wie groß die musikalischen Möglichkeiten sind, die einem die Filmmusik bietet. Das muss natürlich nicht zwingend die große Besetzung sein.

Es geht alleine darum die Geschichte zu stützen, mit zu erzählen. Das Publikum in gewissen Szenen fühlen zu lassen, was nicht im Text oder den Bildern vorhanden ist. Da gibt es dann bestenfalls musikalisch keine Genre-Grenzen, um dieses Ziel zu erreichen.“

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JFP: Sowohl bei Hans Zimmer als auch bei deiner Musik fallen einem extrem langsame Melodie-Läufe auf. Ist das allgemein ein Kennzeichen moderner Filmmusik? Auch in diesem Punkt unterscheiden sich die 60er bis 80er Jahre sehr von der aktuellen Filmmusik.

Für den Tatort-Film mit Schimanski damals wurde ja noch ein richtig kommerzieller Song, Klaus Lages Hit “Faust auf Faust”, komponiert. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, man erwartet dies von Filmmusik nicht mehr. Wie erklärst Du uns Laien diese Entwicklung hin zu den extrem langsamen Tonfolgen und sphärischen Klängen?

Michael Klaukien:
„Ich weiß nicht, ob die Melodie zwingend “extrem langsam” ist oder sein muss. Wenn ich aber ein Hauptthema für einen Film oder Charakter schreibe, das einprägsam sein soll, dann entscheide ich mich oft dafür es singbar zu halten. Und wohl gemerkt: es kommt hier wieder auf den Film an – man kann das nicht verallgemeinern.

Dokumentarfilm Regisseur Mathias Haentjes, für dessen ARD/ARTE Kriegs-Trilogie “Sommer 39 / Winter 42 / Frühjahr 45” ich die Musik komponiert habe, hat den Satz geprägt:
“Michael, wir brauchen eine Weise!”- Also ein Thema mit der Anmutung eines z.B. alten Volksliedes, was sich die Menschen von Generation zu Generation vorgesungen haben.

Eine nach diesen Vorgaben von mir komponierte Melodie habe ich dann in vielen Varianten, mitunter fast zerbrechlich gesungen von einem kleinen Mädchen, gegen den Aufmarsch von Armeen und die Schrecken des Krieges gesetzt.

Die Wirkung ist enorm, denn es lässt dich in diesem Moment nicht nur wissen, sondern spüren, was der Krieg zerstört. Diese Technik habe ich weiterentwickelt und bei den ARD Märchen Produktionen eingesetzt. Ein schönes Beispiel dafür ist “Das Mädchen mit den Schwefelhölzern”.

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Bei der ARD/Netflix Serie “Oktoberfest 1900” gibt es zum Beispiel nicht “das” große Hauptthema. Wir haben schon während dem Bildschnitt viel probiert. Der Regisseur Hannu Salonen, der Editor Ronny Mattas und ich haben uns für ein anderes Konzept entschieden.

Wir haben viele Songs und folkloristische Chor-Werke eingesetzt. Die Figuren haben eher musikalische Farben, Klangwelten oder kleine Motive bekommen.

Colinas Motiv habe ich z.B. vom Hook des Songs, den sie im Film “Für immer und nie” performt, abgeleitet. Den habe ich zusammen mit – in diesem Fall Texter, sonst Drehbuchautor – Ronny Schalk (Dark, Oktoberfest 1900) geschrieben.

Clara, Pranks Tochter, hat ein kleines Motiv, gespielt von einer ganz rein und zart klingenden Flöte, welche dann im Verlauf der immer düsterer und monströser werdenden Geschichte auch wieder fast spüren lässt, was es zu beschützen gilt. Ähnlich einer Kerzenflamme, neben der ein Sturm ausbricht.

Ihr Vater Prank, der getrieben von Rachegefühlen eine gigantische Bierburg auf dem Oktoberfest errichten will und dafür auch über Leichen geht, hat neben dem großen musikalischen Wagner Gestus, eben auch ein kleines Spieluhr Motiv bekommen, welches ihn, ähnlich wie die Traumata seiner Kindheit, immer wieder einholt.

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Bestenfalls hilft hier also die Filmmusik, dich in den Film und in die Handlung zu ziehen, mitfühlen zu lassen, ohne dass dir zwingend bewusst ist, dass Du gerade auch Musik hörst.

Das Verwenden von Songs in Filmen hingegen, hat meiner Meinung nach eine andere Funktion. Der Song tritt vielmehr aus einem Film heraus. Du als Zuschauer nimmst ihn viel bewusster wahr.

Du selber nimmst in diesem Moment aber auch eine andere Perspektive zur Filmhandlung ein. Du trittst ein Stück zurück und betrachtest bewusster. Ein gutes Beispiel dafür ist die Verwendung eines Songs während einer Montagesequenz.

Diesbezüglich liebe ich z.B. “Peaky Blinders”. In kürzester Zeit werden parallele Ereignisse gezeigt und der Song soll sie verbinden. Teilweise entsteht bei so etwas auch eine Art Clip Ästhetik, bei der der Song je nach Genre emotional verdichtet oder antreibt, aber eben nicht unterschwellig. Vergleichbar ist das mit einem Lieblingssong im Leben, bei dem man immer an bestimmte Ereignisse oder Situationen zurück denken muss.

Den Einsatz von Song oder Filmmusik gilt es also jeweils bewusst zu entscheiden, denn sie funktionieren und bewirken Unterschiedliches im Film.

Als Titelmusik hat ein Song eine noch exponiertere Stellung – eine Art “Etikett”-Wirkung. Und wenn es gut läuft, einen hohen Wiedererkennungswert. Besonders in Zusammenarbeit mit einer Plattenfirma, kann das natürlich durchaus auch Marketing Interessen bedeuten.“

Soundbeispiele Michael Klaukien Filmmusik:

ARD/NETFLIX Serie “Oktoberfest 1900”

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ZDF Luther-Event-Movie “Zwischen Himmel und Hölle”

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ARD Märchen „Aschenputtel“

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RTL/ORF 3-tlg. Fernsehfilm „Die Patin“ Szene: Marie liebt Max

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ARD/Netflix Serie “Oktoberfest 1900”, Szene: Für immer und nie

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Weitere Hörbeispiele findest Du auf seiner Webseite

JFP: Dein jahrelanger Partner Andreas Lonardoni starb leider 2018. Wie hat sich die Arbeitsweise seitdem verändert? Sicher vermisst Du ihn sehr als Mensch, aber inwiefern auch bei der täglichen Arbeit? Hattet ihr geteilte Aufgabenbereiche?

Michael Klaukien:
„Wir waren fast 20 Jahre lang ein Team. Ich habe ihn kennengelernt, da war ich selber noch Student an der Musikhochschule Köln und er war dort E-Bass Dozent. Wir wollten beide Filmmusik schreiben und haben gemeinsam versucht, an erste Jobs zu kommen.

Die Art der Zusammenarbeit hat sich über die Jahre dann immer wieder verändert. Zu Beginn war ich ein Musikstudent, mit dem Traum Filmkomponist zu werden. Andreas stand schon mitten im Leben als Musikproduzent und Komponist von Library Musiken u.a. mit einem großen Wissen, was das Musikbusiness angeht.

Er hat mir vorgelebt, dass man vom Musik machen leben kann, dass man dafür aber hart arbeiten muss. Ich denke ich habe mich deshalb getraut, gewisse Entscheidungen im Leben zu treffen, ohne die ich jetzt nicht das machen würde, was ich mache. Nicht nur dafür werde ich ihm immer dankbar sein.

Man kann vom Musikmachen leben, aber man muss hart dafür arbeiten!

Trotz unseres Altersunterschieds und seinem damit verbundenen Vorsprung an Erfahrungen, waren wir von Anfang an ein gleichberechtigtes Team. Wir haben beide voneinander gelernt und sind enge Freunde geworden.

Wir haben immer geschaut, wer wie das jeweilige Projekt voranbringen kann. Wenn man es so will, lagen und liegen meine Vorlieben etwas mehr in der kreativen Arbeit und Entwicklung und seine auf der Business- und Produktionsseite. Da waren aber die Grenzen fließend und unsere Egos standen uns dabei nie im Weg.

Wir haben jeder im eigenen Studio gearbeitet und mehrmals täglich telefoniert. Zur Finalisierung lief dann alles bei mir zusammen.

Meine Arbeitsweise hat sich also nicht grundlegend verändert, außer dass ich jetzt noch mehr und eigenverantwortlicher arbeite. Dabei denke ich heute noch jeden Tag an meinen verstorbenen Kollegen und unsere gemeinsamen Jahre. Nicht traurig, sondern dankbar.“

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JFP: Käme es für dich auch in Frage, ein riesiges Unternehmen, quasi einen ‘Studio-Bunker’ zu gründen, wie Hans Zimmer in Santa Monica – und dann mit vielen Kollegen an Filmen zu arbeiten? Oder ‘bastelst’ Du lieber alleine an den Szenen?

Michael Klaukien:
„Ich bekomme viele Anfragen von meist jüngeren Kollegen, die Filmmusik studieren oder studiert haben und gerne anfangen möchten zu arbeiten.

Ich habe schon Lust irgendwann meine Erfahrungen weiterzugeben; mich auszutauschen und vielleicht Arbeiten zu delegieren.

Aber ein riesiges Unternehmen schwebt mir dabei nicht vor. Beim Komponieren muss ich alleine sein und brauche Ruhe. Zur Zeit möchte ich lieber selber abtauchen und neue Klangwelten für Filme entstehen lassen.

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Dafür brauche ich Ruhe und am liebsten Abgeschiedenheit. Ich denke da an einen Schriftsteller in einer verschneiten Berghütte, der genauso mit seinem weißen Blatt Papier zu kämpfen hat wie ich im übertragenen Sinne.

Bei größeren Projekten, z.B. mit Orchesteraufnahmen, oder Filmen, bei denen ich schon sehr früh einsteige, habe ich dann aber auch bereits ein Team, was mir Arbeiten wie Partituren schreiben, oder reine Musik-Editing Aufgaben, Listen schreiben und Recherche arbeiten abnimmt, damit mir mehr Zeit fürs Komponieren und Produzieren bleibt.

Wir sitzen dann nicht gemeinsam in einem Bunker, sondern treffen uns zu Aufnahmen im Studio, oder tauschen Files über die Cloud aus.“

JFP: Gibt es Vorgaben vom Regisseur wie die Musik ungefähr sein soll oder hast Du vollkommen freie Hand?

Michael Klaukien:

„Ich freue mich, wenn der Regisseur mir vorab in seinen eigenen Worten etwas über den Film erzählt. Über seine Vorstellungen, was er erreichen möchte, emotional bewegen möchte, über Gefühle und das Innenleben der Protagonisten, welche Abgründe er vielleicht zeigen möchte und was vielleicht auch auf jeden Fall vermieden werden sollte.

All das sind wichtige Informationen, die mir dabei helfen, erste Ideen zu entwickeln. Begriffe wie Dreck, Blut und die Beschreibung von Gerüchen helfen mir oft mehr, als musikalische Begriffe, die wenn sie von “Nicht-Musikern” vielleicht nicht ganz richtig benutzt werden, auch Verwirrung stiften können.

Begriffe wie „Dreck, Blut“ und „Gerüche“ helfen mir oft mehr als musikalische Begriffe.“

Auch in der musikalischen Umsetzung lässt mir das so natürlich viel mehr Freiheiten. Außerdem ist es mir ein Bedürfnis mich weiterzuentwickeln und auch nach Jahren der Zusammenarbeit, immer wieder zu überraschen.

Mit Hannu Salonen (Oktoberfest 1900, Tatort) arbeite ich schon seit über anderthalb Jahrzehnten zusammen – da darf man nicht langweilen, man muss sich immer ein Stück weit neu erfinden. Das inspiriert dann auch den anderen, manches noch mal aus einem neuen Blickwinkel zu sehen.

Es bleibt ein dynamischer Entstehungsprozess, bei dem immer wieder offen und auch manchmal neu gedacht werden muss.“

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JFP: Wo wird die Live-Musik von Orchestermusikern oder Sängern eingespielt? Bei dir im Home-Studio eher nicht oder hast Du die Räumlichkeiten dafür? Bist Du bei solchen Aufnahmen immer dabei?


Michael Klaukien:

„Ich nehme Solisten oder kleinere Ensembles wie Streichquartette gerne bei mir im Studio auf. Bei Orchesteraufnahmen habe ich bisher am häufigsten mit dem “Filmorchester Babelsberg” zusammen gearbeitet.

Bei Bedarf kann man über das Orchester auch zusätzliche Musiker und Solisten buchen, bis hin zu einem ganzen Chor (“Filmchor Berlin”). Die Aufnahmen finden dann alle in ihrem Studio mit Scoring Stage in Potsdam-Babelsberg statt. Das perfekt eingespielte Team bereitet alles vor und ich fliege für die Aufnahmetage dorthin.

Damit ich mich rein auf das Inhaltliche, die Performance der Musiker und Sänger, konzentrieren kann, sorgen außerdem der Dirigent, ein Notenwart, Recording Engineers, mein Orchestrator etc. für einen reibungslosen Ablauf vor Ort.

Da muss alles Hand in Hand gehen, denn es wird meist unter Zeitdruck gearbeitet. So toll es ist, mit einem Orchester zu arbeiten, es ist auch immer ein großer Kostenapparat. Wenn die Aufnahmen “im Kasten” sind, werden sie in die Cloud geladen und ich lade sie in meinem Studio runter und baue sie in meine Arrangements ein.

Für den finnischen Kinofilm “Vares-Sheriffi” von Regisseur Hannu Salonen mussten wir aus terminlichen Gründen auf eine andere Lösung zurückgreifen und haben mit dem “Macedonian Symphonic Orchestra” eine sogenannte Remote-Recording-Session durchgeführt.

Das Orchester und der Dirigent waren auf der Scoring Stage in Mazedonien und ein Recording Team im dazugehörigen Studio. Wir saßen in unseren Studios, unser Orchestrator in Berlin und der Regisseur in Finnland und unsere Boxen waren jeweils über einen ITunes-Link mit dem Studio in Mazedonien verbunden, so dass wir alles quasi in Echtzeit mithören konnten.

Parallel haben wir dann über Skype nebst Chat mit dem Studio bzw. Dirigent kommuniziert. Es hat alles toll geklappt, aber vor Ort beim Orchester zu sein ist natürlich schöner.“

Michael Klaukien: Aufnahmen mit dem Filmorchester Babelsberg

Regieraum bei Aufnahmen mit dem Filmorchester Babelsberg

JFP: Wie sieht dein Arbeitsalltag aus: Bist Du jemand, der Tage und Nächte im Studio verbringt oder brauchst Du einen geregelten Alltag?

Michael Klaukien:
„Ich versuche – auch meiner Familie zuliebe – einen geregelten Alltag zu führen, was aber leider nur sehr selten bis gar nicht hinhaut. Ich fange morgens um acht Uhr an und arbeite erstmal bis 18 Uhr.

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Aber ich bin ein Getriebener. Wenn ich am Anfang eines Projekts stehe und noch nicht die Richtung gefunden habe, die für den Film an dem ich gerade arbeite, funktioniert, kommt es oft vor, dass ich abends nochmal ins Studio gehe wenn meine Tochter schläft.

Außerdem arbeite ich leider auch viel zu oft am Wochenende. Dazu kommen abgebrochene Urlaube, oder Urlaube bei denen ich eine Art Reise-Studio dabei habe.

Ich habe dann eine innere Unruhe, als wenn etwas heraus gelassen werden will. Bevor mir das nicht gelingt, kann ich nicht wirklich entspannen. Läuft es dann, haben wir Filmkomponisten es aber auch oft mit einer sehr großen Menge an Musik zu tun, die geschrieben werden will.

Dann rücken die diversen Deadlines für Abgaben, oder Musikaufnahmen näher und vielleicht verlangt auch schon der nächste Film ein paar Vorabentwürfe. Da wird es dann schwer mit einem geregelten Alltag. Dann geht es darum “in Time” fertig zu werden. Alle zusätzliche Zeit, die man zum Arbeiten hat mindert etwas den Druck – und der ist groß.“

JFP: Kommst Du auch mal in direkten Kontakt mit Schauspielern? Mit wem hast Du schon Aufnahmen gemacht? Gibt es Anekdoten zu erzählen?

Michael Klaukien:
„Schauspieler treffe ich gelegentlich auf Filmpremieren, oder zuletzt bei der Verleihung des “Deutschen Fernsehpreises.” Eine wunderbare Gelegenheit für einen Austausch – besonders wenn er oder sie einen Film-song von mir gesungen hat.

Das kommt schon mal vor, aber meist arbeite ich mit Studiosänger und Musiker.

Zuletzt habe ich z.B. mit Brigitte Hobmeier beim “Oktoberfest 1900” zusammengearbeitet, als sie sich auf die Performance meiner Songs beim Dreh vorbereitet hat. Anekdoten gibt es da keine zu erzählen. Sie arbeitet sehr gewissenhaft und professionell.

Für den historischen ARD Event-Zweiteiler “Das weisse Haus am Rhein” schreibe ich aktuell die Filmmusik. Parallel arbeite ich an einer aufwendigen, französischen Revue-Nummer für Sängerin und Big Band plus Tänzer Ensemble.“

JFP: Welche Instrumente beherrscht Du im Moment und spielst sie auch live für Aufnahmen ein?

Michael Klaukien:
„Meine Hauptinstrumente sind Klavier, Schlagzeug und Percussion. Für besagte Revue-Nummer setzte ich mich selber hinter das Schlagzeug und auch für einen der neuen Zürich Krimis “Borchert und der eisige Tod” habe ich bei dem ein oder anderen Filmmusik Cue selber gespielt.“

JFP: Gibt es Filme/Serien, bei denen die Sounduntermalung von anderen Komponisten für dich besonders gelungen sind? Viele kennen ja z.B. die Musik zum “Weißen Hai”, die natürlich extrem verantwortlich war für den Thrill des ganzen Films. Ist das für dich eine gelungene Sounduntermalung? Und welche gibt es noch für dich?

Michael Klaukien:
“Der weiße Hai” ist Kult und John Williams sicher einer der größten Filmkomponisten der Welt – besonders was traditionell symphonische Scores angeht.

Schindlers Liste, Harry Potter und viele, viele mehr. Einfach großartig. Ich finde, es gibt so viel tolle Filmmusik da draußen – wo fang ich an…?

Man sollte unbedingt den „Joker“ gesehen haben, wie er zur Musik von Hildur Guðnadóttir tanzt. Auch der Soundtrack zu “Tschernobyl” ist ein Muss!

Die Außerirdischen in “Arrival”, denen Jóhann Jóhannsson mit seinem Soundtrack so etwas wie eine Sprache verliehen hat.

Ólafur Arnalds emotional, spannende Musik zu “Broadchurch”, aber auch Trevor Morris´ archaische Filmmusik zu Vikings. Ich liebe die Mischung aus Ethno und hartem Elektro.

Die elektronischen Scores von Trent Reznor oder die analog, elektronisch, sphärischen Soundtracks von Cliff Martinez.

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Der „Weiße Hai“ ist Kult und John Williams sicher einer der größten Filmkomponisten der Welt, besonders was traditionell symphonische Scores angeht.

JFP: Danke für die vielen interessanten Beispiele! Wie gehst Du vor, um die musikalische Richtung einer Tatort-Folge festzulegen? Suchst Du dir die markantesten Szenen aus oder ergibt sich spontan eine Szene und dann die nächste?

Michael Klaukien:
„Das ist unterschiedlich. Manchmal schreibe ich schon erste Ideen zum Drehbuch und schicke sie anschließend in den Schnitt, wo wir dann gemeinsam mit Cutter und Regisseur experimentieren. Wenn es aber den Film schon fertig geschnitten gibt, fange ich oft mit Schlüsselszenen an und leite davon dann entsprechend ab.“

JFP: Wie merkt man beim Komponieren, wann es zu viel wird und wann zu wenig? Also, welche Szenen man mit Musik untermalt und welche nicht? Als Laie oder Anfänger würde man da sicher schwer die Balance finden – entweder alles mit Sound zukleistern oder eben zu wenig machen.

Michael Klaukien:
„Bestenfalls gibt es mit dem Regisseur zu Beginn eine so genannte “Spotting Session”, wo Ein- und Ausstiege bestimmt werden. Das kann auch schon viel während des Schnitts passieren.
Da ist aber jeder Regisseur anders. Der eine hat schon ganz genaue Vorstellungen, der andere ist da noch total offen.

Wir fragen uns, braucht es da Musik und wenn ja, was ist ihre Aufgabe? Was betonen wir? Was überführen wir wo hin, wenn wir hier einsteigen oder dort aussteigen? Vieles ist analytisch, sehr vieles ist aber auch Intuition und viele Jahre Erfahrung.“

Ich liebe die Mischung aus Ethno und hartem Elektro.

JFP: Welche Art von Szenen vertonst Du denn am liebsten? Actiongeladene oder vielleicht solche, wo sich erst leise eine Gefahr andeutet?

Michael Klaukien:
„Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich glaube es ist gerade die Abwechslung, die ich so liebe. Ich bin dann zufrieden und glücklich wenn ich die “richtige” Musik für egal welche Art von Szene geschrieben habe.“

JFP: Welchen Rat gibst Du Einsteigern in das Business: Was sollten sie als Erstes lernen? Ist es wichtig ein Instrument wirklich gut zu beherrschen? Wenn Ja, welches?

Michael Klaukien:
„Ich empfehle jedem, der professionell Musik schreiben möchte, ein oder mehrere Instrumente zu beherrschen. Das muss nicht virtuos sein, aber Du solltest deine Ideen auch handwerklich umsetzen können.

Da ist natürlich ein Instrument wie Klavier, mit dem Du Melodie und Begleitung gleichzeitig spielen kannst, von Vorteil – gerade auch was das Einspielen z.B. in den Computer angeht.

Wenn es um den Beruf des Filmkomponisten geht, beschäftigt euch mit so vielen unterschiedlichen Musikstilen, ihren für sie typischen Instrumenten, Spielweisen und Sounds wie nur möglich. Um so größer ist der Pool, aus dem ihr schöpfen könnt. Desto breiter seid ihr aufgestellt.

Und wenn ihr es noch nicht getan habt: Tretet als Urheber einer Verwertungsgesellschaft bei, die eure Interessen wahrnimmt. In Deutschland ist das die GEMA, ein Zusammenschluss von Komponisten und Textdichtern als Urheber von Musikwerken sowie Musikverleger.

Sie vertritt als Verwertungsgesellschaft weltweit die Ansprüche ihrer Mitglieder auf Vergütung, wenn deren urheberrechtlich geschützten Musikwerke genutzt werden. Wenn ihr irgendwann vom Komponieren leben wollt, ist die GEMA ein unverzichtbarer Partner.“

JFP: Danke für die Tipps! Du kommst ja als Musiker aus den Bereichen Rock, Reggae, Jazz. Wann und wie hast Du dich so in den klassischen Orchestersound eingefunden, um heute solch dramatische Filmmusik komponieren zu können?

Michael Klaukien:
„Ich habe schon immer gerne auch klassische Musik gehört. Über den Jazz Studiengang hinaus habe ich dann an der Musikhochschule das Rüstzeug an die Hand bekommen. Daneben habe ich mir viel selber erarbeitet, indem ich Bücher über Orchestrierung gelesen habe oder auch Partituren meiner Lieblingswerke studiert habe.“

JFP: Hans Zimmer sagt, die besten Ideen hat er in der Badewanne (anscheinend badet er recht häufig). Wie ist das bei dir? Wo hast Du die besten Ideen?

Michael Klaukien:
„Am aller häufigsten bei der Arbeit. Trotzdem arbeitet der Kopf oft weiter. Dann kommt es vor, dass ich mitten in der Nacht aufwache und eine Idee aufschreibe oder ins Iphone singe.“

JFP: Was muss man außer Musikalität und einer guten Ausbildung an einem Instrument noch mitbringen, wenn man Filmmusik produzieren will? Ich könnte mir vorstellen, es braucht psychologisches Einfühlungsvermögen und auch Neugierde, um sich auf immer neue Inhalte einzustellen.

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Michael Klaukien:

„Absolut. Einerseits brauchst Du viel psychologisches Einfühlungsvermögen für die Figuren im Film – andererseits für die Abstimmungsprozesse mit den beteiligten Filmemachern.

Produzenten, Regisseure und Redakteure – mit allen musst Du dich abstimmen. Sie sind deine Auftraggeber. Alle mit Wünschen, Meinungen und Visionen, die untereinander auch nicht immer dieselben sind. Alle sollten nachher mit deiner Arbeit zufrieden sein – aber Du selber auch!“

JFP: Hattest Du schon mal Filme/Serien, die dir selbst im Grunde gar nicht gefielen, wo die Arbeit zäh war und keinen Spaß gemacht hat? Wie arbeitest Du dann?

Michael Klaukien:
„Ja. Ich versuche dann trotzdem gutes Handwerk zu liefern und es als eine Art Herausforderung anzunehmen.“

JFP: Thema Equipment: Wie ist dein Studio aktuell ausgerüstet? Kannst Du uns die wichtigste Software und die wichtigsten Geräte nennen?

Michael Klaukien:
„Ich arbeite auf einem Apple MAC Pro und Apple Macbook Pro mit Logic und einem UAD Apollo System als Wandler. 4TB SSD Platten mit Libraries von NI, Spitfire Audio, East West, VSL u.v.a.

Als Masterkeyboards benutze ich das Komplete Kontrol S88 von NI und das Novation Impulse 49.

Als Abhöre habe ich Mackie HR824 und Nubert Pro100 Boxen mit Subwoofer, so wie ein altes Telefunken Radio.“

JFP: Vielen Dank für die Insider Infos! Von welchen Geräten und welcher Software bist Du am meisten begeistert?

Michael Klaukien:
„Ein Herzstück in meiner DAW ist der NI Kontakt Sampler in Verbindung mit für mich persönlich angefertigten Sample Libraries und den unzähligen tollen Libraries, die es auf dem Markt gibt, so wie diverse Synths von u-he u.a.

Aber auch Audio Modeling Software wie SWAM in Zusammenhang mit einem Breath Controller bereiten mir viel Freude beim Komponieren.“

JFP: Mit welcher Ausrüstung hast Du begonnen?

Michael Klaukien:
„Erste kleinere Multimedia Produktionen vor der Jahrtausendwende habe ich mit einem PC 486 mmx mit Roland Soundkarte und einem Programm namens Cakewalk Audio, einem EMU Proteus, EMU Orbit und einem ESI Sampler als Klangerzeuger und einem kleinen Behringer Mischpult bestritten.

Meine erste Abhöre waren Yamaha NS10. Später habe ich dann auf Cubase nebst Giga-Sampler Rechner und digitales Yamaha Pult umgerüstet, bis ich dann komplett bei Logic und Apple gelandet bin und fast alles in den Rechner gewandert ist.“

JFP: Was würdest Du dir wünschen, was es an Soundeffekten, Geräten und Technologien noch in naher Zukunft geben sollte?

Michael Klaukien:
„Ich bin auf die Weiterentwicklung von Audio Modeling Technologien gespannt.
Aber auch auf neue, intuitive Controller neben oder anstatt der Keyboard Tastatur – ob als Hardware, oder Touchscreen Tools.“

JFP: Da sind wir auch gespannt, welche Wünsche erfüllt werden. Weiter geht’s zur nächsten Frage: Welcher Studio-Moment ist dir in deiner Laufbahn besonders in Erinnerung geblieben?

Michael Klaukien:
„Es fasziniert mich, was technisch im eigenen Studio alles möglich ist. Trotzdem ist der erinnerungswürdigste Studio-Moment wohl der, als ich das erste mal einem Orchester gegenüber saß, das meine Musik gespielt hat.“

JFP: Wie waren die Corona-Jahre für dich und deine Arbeit bislang?

Michael Klaukien:
„Im ersten Lockdown 2020 wurden die Dreharbeiten zu zwei neuen “Zürich Krimis” unterbrochen, konnten dann aber nach ein paar Monaten fortgesetzt werden, so dass es nur eine Verzögerung und keinen Ausfall gab.

Für mich als Filmkomponist, der ich eh weitestgehend isoliert arbeite, hat es keine direkten Auswirkungen bei der täglichen Arbeit. Wenn natürlich keine Filme gedreht werden können, habe ich nichts, zu dem ich komponieren kann.

Die Filmproduktionsfirmen müssen einen enormen Mehraufwand betreiben, um weiterarbeiten zu können. In meinem Fall tun sie es. Da habe ich großes Glück und klopfe auf Holz.

Ich habe von vielen Kollegen über alle Gewerke hinweg gehört, dass es mitunter sehr schwer ist, da viele Projekte doch nicht umgesetzt oder auf unbestimmte Zeit verschoben werden.“

JFP: Michael Klaukien, wir danken für dieses inspirierende Interview und dein Engagement, die Fragen so ausführlich und intensiv zu beantworten! Wir wünschen dir weiterhin kreatives und erfolgreiches Schaffen und werden deinen spannenden Werdegang weiter verfolgen.

Infos über seine aktuellen Arbeiten findest Du hier:
facebook.com/michael.klaukien / instagram.com/michaelklaukien

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