Die populärsten Vocal-Effekte in Musikproduktionen

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Die populärsten Vocal-Effekte

Die populärsten Vocal-Effekte sind sicher nicht jedermanns Sache. Aus einigen Produktionen sind sie hingegen nicht mehr wegzudenken.

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Fünf Paradebeispiele für die populärsten Vocal-Effekte

Eine sehr gute Stimme sollte immer für sich stehen. Abgesehen von den üblichen Bearbeitungen (Equalizer, Kompressor, Hall, Delay etc.), die meist der angemessenen Positionierung im Mix dienen, gilt meist das Kredo: Weniger ist mehr.

Um so wichtiger ist es, schon bei der Aufnahme auf gutes Equipment zu setzen und das Rohmaterial so hochwertig wie möglich vorliegen zu haben. Dann gibt es aber noch diese Fälle, in denen Vocals mal ordentlich durch den Effektwolf gedreht wurden. Gewollte Verformungen, die — zugegeben — den gleich folgenden Produktionen erst das gewisse Etwas verleihen.

Ihre Produzenten haben alle Regeln der Kunst außer Acht gelassen — waren sich der Funktion des Gesangs aber durchaus bewusst. Nicht selten sogar mit großem Erfolg. Hier kommen die fünf populärsten Vocal-Effekte in Musikproduktionen.

Platz #5: Stutter-Effekt

Eine beliebte Weise, um für gewisse Akzentuierungen im Song zu sorgen. Der Stutter-Effekt lässt sich denkbar simpel erzeugen: Kleine Vocal-Versatzstücke werden kopiert und aneinandergereiht wieder eingefügt. An manchen Stellen entstehen dadurch perkussive Einwürfe. Als angenehm empfinde ich auch immer rhythmisch-shakende Atemgeräusche, die sich im Hintergrund abspielen.

Wenn Du es damit auf die Spitze treiben möchtest, kannst Du dich auch kleiner Software-Helferlein bedienen, mit denen auch vielfache Wiederholungen pro Sekunde realisiert werden können. Der ursprüngliche Sinn der Stimme leidet hier bei sehr stark, weshalb es sich empfiehlt, den Stutter-Effekt nur zum hervorheben einzelner Passagen oder eben als Beatelement einzusetzen. Die Einsatzmöglichkeiten sind aber je nach Kreativität vielseitig.

Platz #4: Pitch-Shifting

Der Effekt beim Pitch-Shifting wird durch die Änderung der Tonhöhe eines Audiosignals erzeugt, weshalb er auch schlicht als Tonhöhenänderung bezeichnet wird. Während man in früheren Zeiten noch gezwungen war, ein Signal schneller beziehungsweise langsamer abzuspielen, halten moderne DAWs eigene Pitch-Shifter bereit. Für anspruchsvolle Einsatzzwecke bieten sich Plugins wie das Eventide H910 an.

Bei der Anwendung dieses Effekts gilt wie eh und je: Vorsicht bei der Dosierung! Eine zeitliche Streckung klingt nur bis zu einer gewissen Grenze »realistisch«. Ab etwa 15 bis 20 Prozent Abweichung vom Ausgangssignal entstehen fiese Störgeräusche, die sicher nicht zuträglich erscheinen.

Platz #3: Reverse-Reverb

Prominentestes Beispiel dieses Effekts dürfte sich sicherlich in Phil Collins’ »In The Air Tonight« (deutlich ab Min. 2:35) abspielen. Der Reverse-Reverb kann mit wenig Aufwand erzeugt werden und erzielt dabei dennoch eine große Wirkung. In diesem speziellen Bespiel findet der Effekt eine klassische Anwendung: Die umgekehrte Hallfahne leitet eine neue Gesangsphrase ein und sorgt für kurzzeitige Spannung.

Hierzu genügt es, einen Vocalausschnitt mit viel Hall (100% Dry/Wet, hohe Decay-Time und kurzes Pre-Delay) zu versehen, die gesamte Hallfahne über das Vocal hinaus einzufangen und anschließend rückwärts abspielen zu lassen. Abschließend noch an richtiger Stelle editiert, fertig. Für eine exakte Anleitung empfehle ich den Workshop zum Thema Vocals abmischen, der sich noch einmal ausführlich mit dem Reverse-Reverb befasst.

Platz #2: Vocoder

Der Vocoder dürfte der vermutlich geläufigste Vocal-Effekt sein. Daft Punk machten ihn salonfähig und nebenbei zu ihrem Aushängeschild. Ein Vocoder kam ursprünglich zur Stimmverschlüsselung beim Militär zum Einsatz. Erst später erkannte man sein musikalisches Potenzial. Seine Sound-Eigenschaften sind durch die Kombination verschiedener Eingangssignale und der Möglichkeit zur Manipulation äußerst vielfältig.

In einem gesonderten Tutorial hatte sich Felix dieses Effekts einmal angenommen und ihn in aller Ausführlichkeit erläutert.

Platz #1: Auto-Tune

Wer kennt sie nicht, die roboterhaft anmutende Stimmfarbe von Cher? Entgegen einer weit verbreiteten Meinung handelt es sich beim sogenannten »Cher-Effekt« nicht um einen Vocoder. Vielmehr entstand der wabernde Klang ihrer Stimme durch den — sagen wir mal — kreativen Gebrauch der Software Auto-Tune aus dem Hause Antares.

Eigentlich gedacht zur Tonhöhenkorrektur, lässt sie auch durchaus gewagte Experimente zu. Stellt man die Korrekturgeschwindigkeit zu hoch ein, entstehen mechanisch klingende Tonsprünge. Anfangs leugneten Cher´s Produzenten noch den Einsatz von Auto-Tune, ruderten aber später aus offensichtlichen Gründen zurück.

Was sind für dich die populärsten Vocal-Effekte?

Welcher Effekte bedienst Du dich, wenn sich der Gesang in deinen Produktionen besonders abheben soll? Gibt es bestimmte Bearbeitungsmethoden, die hier noch keine Erwähnung fanden? Aus irgendwelchen Gründen pfeife ich den ganzen Vormittag schon Cher´s »Believe«. Geht´s dir da ähnlich?

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Lesermeinungen (7)

zu 'Die populärsten Vocal-Effekte in Musikproduktionen'

  • Peter Schips   24. Jul 2017   07:39 UhrAntworten

    Ich denke die Talkbox dürften man auch nicht vergessen. Gerade in letzter Zeit hat es wieder einige sehr schöne Stücke mit diesem Effekt gegeben. (Beispiel: DaDa Life mit "One Smile")
    Immerhin ist die Talkbox auch schon seit fast 50 Jahren in der Popmusik nicht wegzudenken.

  • oboe   24. Jul 2017   10:37 UhrAntworten

    Zudem natürlich: Filterfahrten, Telefonstimmen, Chorus, Octaver,...

    Zudem meine ich eben bei Hammerfall eine Phaser-Fahne in einer Pause gehört zu haben.

    Ein spannender Effekt bei dem Film "wall-e": die Waveform nachmalen mit dem Stiftwerkzeug, dann klingt es schön synthetisch.

  • Ulrich Bergmann   24. Jul 2017   15:41 UhrAntworten

    Ist das nicht paradox? Sich abheben wollen von der Masse und sich dann die "Tricks" anzusehen wie man es auch so macht? XD XD XD

    Wäre sowas nicht Passender zur Überschrift? ^^
    http://blog.landr.com/8-totally-bizarre-recording-experiments-ended-hit-records/

    • Mex   25. Jul 2017   01:47 UhrAntworten

      @ Ulli:
      Nee, es ist immer nur paradox und ein vollkommen irrationaler Glaube, das man sich doch tatsächlich von irgendeiner Masse abheben könnte und würde !
      Wer das aber glaubt, hält sich allgemein ohnehin stets für DEN Bauchnabel der Welt und der Ansicht, das ausgerechnet ER irgendetwas so sensationell anders machen würde... oder könnte ;-)
      Das ist aber das Problem... das sich so viele Leute darin berufen "säen" (man beachte den Konjunktiv), das Rad neu erfinden zu müssen, wollen oder gar zu können ;-)

  • Michael Franz Rathgeb   24. Jul 2017   19:27 UhrAntworten

    Sepp Parat

  • oboe   24. Jul 2017   20:15 UhrAntworten

    @Uli: wie sagte David Lynch? Lerne die Regeln, damit Du weißt, wie Du sie brichst :-)

  • Luís Matos   25. Jul 2017   07:26 UhrAntworten

    Andreas Will 😉

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