Straßenmusiker, die Passanten verzücken

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Straßenmusiker

Das klassische Bild: Straßenmusiker sind immer dankbar für eine kleine Aufmerksamkeit.

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Straßenmusiker leben ihren Traum

Ich denke, vielen geht es so wie mir: hört man in Fußgängerzonen aus der Ferne vom Wind getragene Töne – schöne, manchmal auch ein paar schiefe Töne – freut es mich.

Hier in Darmstadt gibt es ein freundliches Duo bestehend aus einer Frau am Cello und einem Mann am Akkordion. Unverkennbar handelt es sich bei diesen beiden um professionelle Musiker, die ihre Kunst nach draußen bringen und fremden Menschen das Herz erwärmen möchten. Man erkennt es schon an den konzentrierten, aber doch verträumten Gesichtsausdrücken. Hier kann man keinesfalls vom für Straßenmusik gewöhnlich niedrigeren künstlerischen Niveau sprechen.

Wo es manchen noch um die Übung ihrer Fertigkeiten gehen wird, scheinen andere von verschiedenen Motiven angetrieben zu sein. Erlangung von Bekanntheit, erste Erfahrungen mit einem fremden, neutralen Publikum sammeln oder auch als eine Art Beitrag zu sozialen Bewegungen – Straßenmusik erfreut sich zunehmender Beliebtheit und konnte sich in den vergangenen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als Form der Kleinkunst festsetzen. Manch großer Künstler begann seine Karriere auf der Straße. Rod Stewart bespielte in den 60er Jahren die Straßen von Paris und bezeichnet diese Zeit noch heute als die schönste seines Lebens.

Freiheit mit Grenzen

In den 70er und 80er Jahren sind es oft noch politische Antriebe gewesen, die die Musikschaffenden hinaus auf die Straßen trieben, um den unbedachten Passanten ihre Botschaften zu vermitteln. Es scheint, als seien mit zunehmender Not, derer sich viele Straßenmusiker unterlegen fühlen, auch Regeln und Verbote hinzugekommen.

Städte und Kommunen versuchen, mit Genehmigungen, Beschränkungen der Spielzeit oder erlaubter Instrumente dem Künstlertum Einhalt zu gebieten. Die Stadt München nimmt es am genausten: täglich werden nur zehn Lizenzen an Straßenmusiker vergeben. Jeder, der seine Kunst im öffentlichen Raum darbieten möchte, muss zuvor im Rathaus vorspielen. Somit soll die Qualität der Musik im Stadtbild gesteigert werden.

Instrumente wie Trompete, Saxophon, Dudelsack und Schlagzeug jeglicher Art sind generell untersagt. Ob sich die nachfolgenden Musiker zunächst auch durch den Behörden-Dschungel kämpfen mussten, ist nicht weiter bekannt. Ihre Performances hingegen glänzen auch ohne Lizenz und Genehmigung.

Platz #5: Gordo Drummer in Sydney

In München sicherlich chancenlos und nicht geduldet, zeigt »Gordo Drummer« hier in Sydney, was er kann. Sein kläglich anmutendes Drum-Set bestehend aus leeren Eimern beherrscht er wie kein anderer. Wer übrigens angetan ist von seiner Kunst, muss nicht bis nach Australien reisen, um ihm ein paar Geldstücke zukommen zu lassen. In modernen Zeiten und dem Internet sei Dank, kannst Du Gordo hier eine Spende zukommen lassen.

Platz #4: John Paki in Neuseeland

Wie der Klang des Saxophons die Straßenschluchten füllt, ist schon bemerkenswert. John Paki packte der Wille, den Menschen mitten in Neuseeland im Trubel des Alltags eine Freude zu machen und sie mit seiner Kunst zu beschenken.

Platz #3: Bryson Andres in Downtown Spokane

Zugegeben, auch dieser talentierte Kerl hätte es mancher Orts schwer, denn Verstärker dieser Größenordnung sind nicht gern gesehen. Aber seine Performance strahlt dafür umso mehr. Bryson Andres hat mit seinem Violinen-Spiel schon eine feste Fan-Base erschaffen und erfreut sich nicht nur in seiner Heimat den USA großer Beliebtheit.

Platz #2: Rodger Ridley – Third Street Promenade in Santa Monica

Seine Stimme war herausragend. Spielerisch schaffte er, es Menschen zu begeistern – egal an welchem Ort. Rodger selbst sagte, sein Job sei es, ein wenig Freude in die Welt zu bringen. Als ihn der Tontechniker Mark Johnson bei seiner Performance zu »Stand By Me« sah, rief er kurzerhand das Projekt »Playing for Change« ins Leben. Ein Multimedia-Projekt, das unter anderem auf der ganzen Welt Musikschulen für Kinder baut. Rodger Ridley starb am 16. November 2005 im Alter von nur 57 Jahren.

Platz #1: Natalie Trayling in Melbourne

Die Geschichte hinter dieser Künstlerin ist so berührend wie ihre Musik: über Dekaden hinweg spielte Natalie Trayling in den Straßen von Melbourne Klavier. Sie fand mal mehr, mal weniger Beachtung. Neben dem Verlust ihrer beiden Töchter und Erfahrungen als Obdachlose, half ihr die Musik immer durch schwere Zeiten.

Das Stück, das sie hier spielt, begann sie bereits mit 13 Jahren zu komponieren. Heute, mit 80 Jahren, erlangte sie Berühmtheit. Inzwischen erzielte das Video über sieben Millionen Klicks auf YouTube und wurde in den Medien viel beachtet.

Wie stehst Du zu Straßenmusikern?

Hast auch Du einmal deine ersten Gehversuche vor Publikum auf der Straße gemacht? Wie empfindest Du Straßenmusiker im Stadtbild? Gibt es auffallend gute Beispiel aus deiner Umgebung?

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Lesermeinungen (4)

zu 'Straßenmusiker, die Passanten verzücken'

  • Jay   25. Sep 2017   13:36 UhrAntworten

    Richtig geil, das! Alle! Und dass man in Deutschland wenig bis gar keinen Sinn für diese gezeigte (große) Kunst hat, zeigt, wie verspiesst unser Land eigentlich mittlerweile ist - leider!!

  • Dirk Krause   25. Sep 2017   17:49 UhrAntworten

    Hi,
    vielleicht könnt Ihr ja mal ihn hier featuren:
    http://smellslikevanspirit.eu/
    VG Dirk

  • IchMalWieder   25. Sep 2017   19:05 UhrAntworten

    Vor weit über dreißig Jahren waren wir mal in München und haben dort auch Straßenmusiker gehört. Nicht alle aber einige waren auch hervorragend. Sowas gibt es jetzt nicht mehr. Wenn es nicht schon vorher (wie oben beschrieben) scheitert dann spätestens an der GEMA. Da müsste Natalie wohl erst einmal die GEMAVermutung überwinden.
    Deutschland ist arm geworden. Was mir aber in allen Videos auffällt ist, dass egal wie gut die Leute sind, die Passanten meist einfach vorbeigehen. Wir - und damit meine ich nur deutsche - haben verlernt Musik zu hören und zu genießen. Wetten alle würden stehen bleiben wenn dort Taylor Swift oder wie die Hupfdole heißt stehen würde.
    Schade schade

  • Michael   01. Okt 2017   16:27 UhrAntworten

    Ich persönlich empfinde Straßenmusik als akustischen „Farbtupfer“ im grauen Stadtalltag grundsätzlich sehr positiv und werfe gerne auch ab und zu mal ein paar Münzen in den Koffer, insbesondere, wenn die musikalische Darbietung qualitativ stimmt, was aber eigentlich fast immer der Fall ist.

    Was mich allerdings nervt sind zumeist südamerikanische Ethno-Comos in Sextettstärke, die mit vollaufgedrehter Benzingenerator-PA incl. fettem Playback die Fußgängerzone dermaßen laut beschallen, dass man von ihrem „El condor pasa“ noch bis in die 3. Zone der Tiefgarage verfolgt wird. Das grenzt ja fast schon an musikalische Nötigung…😉. Habe ich jetzt schon ein paarmal erlebt (übrigens auch in Darmstadt) und so was brauche ich zumindest wirklich nicht.

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