Transienten in einfachen Worten (mit Hörbeispielen)

Was sind Transienten?

Was sind Transienten? Hier siehst Du ein unbearbeitetes und ein bearbeites Signal.

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Was sind Transienten? (Musik)

Transienten sind ein kurzer, perkussiver Sound mit hohem Pegel am Anfang eines Schallereignisses – dieses Einschwingverhalten wird langläufig auch Attack genannt. Die Transienten müssen in keiner Abhängigkeit von der Tonhöhe stehen, oft sind diese nicht-harmonisch. Vielmehr handelt es sich dabei um kurze und perkussiv erscheinende Anteile des Klangs.

Wenn Du an den Klang einer Kick Drum denkst, dann werden die Transienten vom Beater beim Anschlag des Fells erzeugt. Bei einer Akustikgitarre ist es das Zupfgeräusch oder Picking mit dem Plektrum, das die Transienten erzeugt.

Transienten vs. Sustain

Wenn der Anfang des Sounds die Transienten (bzw. den Attack) ausmacht, wie nennt man dann den Rest des Sounds? Der nachfolgende Klanganteil wird als »Sustain« bezeichnet. Bei der Kick Drum wäre das der bauchige, vergleichsweise lang anhaltende Ausklang der großen Trommel. Bei der Akustikgitarre handelt es sich dann um den gehaltenen Ton. Sustain ist Englisch und bedeutet soviel wie „erhalten“. Es ist der gehaltene Anteil des Klangs.

Warum Transienten bearbeiten?

Der Anschlag eines Instruments (oder eines Sounds) ist nicht nur der lauteste Teil des Klangs, er hat eine tragende Bedeutung und beeinflusst die empfundene Lautheit und Impulsivität des Klangs. Wenn wir Transienten bearbeiten, können wir folgende Komponenten abschwächen oder betonen:

  • Punch bei Drums
  • Raumanteil bei Instrumenten aller Art
  • Pickgeräusch einer Akustikgitarre
  • Ausklang eines Pianos
  • Impulsiver Sound beim Slap-Bass

Das Abschmecken von Attack und Sustain (Transienten bearbeiten) von Instrumenten kann große Auswirkungen auf deren Einbettung in einem Mix haben. Gerade die Tiefenstaffelung lässt sich dadurch stark beeinflussen:

  • Mehr Attack = Direkter, naher Sound im Vordergrund
  • Mehr Sustain = Zaghafter, distanzierter Sound im Hintergrund

Werkzeuge zum Transienten bearbeiten

Für eine Bearbeitung der Transienten kommen unterschiedliche Dynamikeffekte in Frage. Eine eigene Gattung von Effektgeräten hat sich auf die Transientenbearbeitung eingeschossen. Diese werden Transient Designer oder Transient Shaper genannt.

Bevor es solche Spezialisten wie den Transient Designer gab, wurden normale Kompressoren für die Bearbeitung der Transienten genutzt. Und in vielen Fällen reicht das auch heute noch vollkommen aus, um ein Instrument und seinen Attack in den Griff zu bekommen.

Bei beiden Arten von Effekten ist wichtig, dass sie besonders reaktionsschnell sind – denn die Transienten kommen in den ersten Millisekunden des Klangs vor.

Transienten mit dem Kompressor bearbeiten

Mit dem Kompressor ist es in der Regel einfacher, den Sustain zu bearbeiten und die Transienten mithilfe eines entsprechend hohen Attacks einfach durchzulassen (Attack: 50ms oder mehr).

Solltest Du die Transienten abschwächen wollen, so musst Du mit dem niedrigsten Attack-Wert arbeiten, den dein Kompressor zu bieten hat. Je kleiner der Attack, desto schneller packt der Kompressor zu und dämmt die Transienten. Wenn Du keinen reaktionsschnellen Kompressor hast, schlüpfen viele Transienten aber weiterhin durch.

Den Kompressor nutzen wir daher vor allem dazu, die Makrodynamik einer Spur über den zeitlichen Verlauf des Songs in den Griff zu bekommen. Damit sorgen wir für eine Ausgewogenheit aller Anschläge in Relation zueinander.

Lies auch: Wie funktioniert der Kompressor? »

Mit einem Transient-Designer arbeiten

Ein Transienten-Designer ist für die Bearbeitung des Mikrodynamik eines Sounds ausgelegt. Damit bearbeiten wir jeden einzelnen Anschlag für sich allein genommen. Häufig bieten diese Effektgeräte nur zwei Regler: je einen für Transienten und Sustain. Der deutsche Hersteller SPL leistete mit dem »Transient Designer Modell 9842« (siehe Bild unten) Pionierarbeit auf diesem Gebiet.

Die Erkennung von Attack- und Sustain-Anteilen funktioniert in der Regel ziemlich gut, doch bei manchen Transienten-Designern finden sich zusätzliche Regler zur Feinabstimmung – insbesondere für die Attack-Zeit (wie oben beim Kompressor beschrieben).

FAQ: Was sind Transienten?

Mit dem Transient-Designer lassen sich Anschlag und Sustain getrennt voneinander bearbeiten.

Klangbeispiele zum Transienten bearbeiten

Zur Demonstration jagen wir ein einfaches Bass-Drum-Sample durch das weiter unten näher beleuchtete Gratis-Plugin Flux Bitter Sweet. Im Folgenden hörst Du je zwei Takte eines geraden Beats und siehst anhand der Wellenformdarstellungen, wie sich die Amplitude der Einzel-Samples durch die Transientenbearbeitung geändert hat.

Originalsignal, unbearbeitet

FAQ: Was sind Transienten?

Leisere Transienten, durch reduzierten Attack

FAQ: Was sind Transienten?

Mehr Punch, durch reduziertes Sustain:

FAQ: Was sind Transienten?

Transientenbearbeitung mit kostenlosen Plugins

Im Reich der Free VST Plugins gibt es viele feine Effekte zur Dynamikbearbeitung. Falls deine DAW-Software keinen (guten) Kompressor oder Transienten-Designer mit an Bord hat, findest Du hier die besten kostenlosen Plugins, um Transienten zu bearbeiten.

FAQ: Was sind Transienten?

Flux BitterSweet

Windows: VST, AAX Native/DSP/AudioSuite, 32 & 64 Bit
Mac OS X: VST, AU, AAX Native/DSP/AudioSuite, 32 & 64 Bit

Sehr lobenswert ist zunächst die Unterstützung für PC und Mac sowie die zahlreichen Plugin-Schnittstellenformate. Bis zu acht Audiokanäle (also etwa Surround 7.1) und Sample-Raten von maximal 384 KHz werden unterstützt.

BitterSweet liefert nach meiner Erfahrung meist sehr gute Resultate – und das bei denkbar einfacher Handhabung. Drehe den Regler im Uhrzeigersinn für mehr Transienten und in umgekehrter Richtung für weniger. Dabei wird bei Bedarf der Ausgangspegel automatisch angepasst, um stets (annähernd) auf dem Pegelniveau des unbearbeiteten Signals zu bleiben. Die Attack-Zeit lässt sich stufenlos regulieren und im Verbund mit drei schnellen Einstellungen für schnelles, moderates oder langsames Timing nutzen.

Erwähnenswert ist noch die Möglichkeit zur Wahl zwischen gewöhnlicher Stereoverarbeitung sowie Mitten- oder Seitenbearbeitung. Auf Drum-Bussen oder Gruppenspuren macht sich die alleinige Bearbeitung der Mitte bezahlt, um dem in der Regel dort sitzenden »Kick« in die Mangel zu nehmen, den Stereoanteil im Hintergrund (Becken z.B. die Becken von der Overhead-Abnahme) unangetastet zu lassen.

» Link zum Download

Sleepy-Time Records Transient

Sleepy-Time DSP Transient

Windows: VST, 32 & 64 Bit

Das Plugin strotzt nur so vor Optionen. Wenn Du die volle Kontrolle über Attack und Sustain haben willst, bist Du hier goldrichtig. Zur Vereinfachung der Bedienung steht ein Link-Knopf bereit – klick ihn an, um beim Schrauben am Attack das Sustain in entgegengesetzter Richtung wandern zu lassen und vice versa.

Es gibt Extras wie einen Tief- und einen Hochpassfilter, um bestimmte Frequenzbereiche bei der Bearbeitung außen vor zu lassen, oder Solo-Knöpfe zum separaten Abhören der Attack- und Sustain-Anteile. Wenn dir die Feature-Fülle zu überwältigend erscheint, deaktivierst Du den »Advanced«-Knopf und begnügst dich mit den essentiellen Parametern.

Ungewöhnlich ist, dass zur Transientenerkennung nicht die Amplitude (Pegelstärke) des Signals herangezogen wird, sondern jegliche abrupte Änderungen im Klangbild. Also auch plötzliche Abweichungen im Frequenzgang.

» Link zum Download

Fazit zu Transienten

Als Transienten bezeichnet man den kurzen, perkussiven Anschlag zu Beginn eines Schallereignisses. Diese lassen sich nicht nur beim Einspielen eines Instruments durch das, was man Spieldynamik nennt, beeinflussen. Mithilfe von Effektgeräten und Plugins kann die Mikrodynamik eines Instruments (oder Klangs) auch nachträglich noch beim Mixing verändert werden.

Ausgewogene Transienten sind entscheidend für einen dynamischen und gleichzeitig nicht planierten Sound. Aber auch ein nervöser, sprunghafter Sound kann nachträglich noch in den Griff bekommen werden.

Ich bin gespannt auf deine Vorlieben: Welche Dynamikeffekte benutzt Du auf welchen Instrumenten? Schreib uns jetzt deine besten Tipps zu Transienten in die Kommentare!

Lesermeinungen (3)

zu 'Transienten in einfachen Worten (mit Hörbeispielen)'

  • KallePeng   15. Dez 2015   10:04 UhrAntworten

    Hm... Als Fan Virtueller Sythies und Instrumente mit Physical Modelling bin ich das Problem immer direkt am Sounderzeuger angegangen. Kurz den Sound mit der harschen Einschwingphase kopiert und im Attack der Lautstärkehüllkurve hingeregelt und abgespeichert. So hat man gleich ein neues Preset. Ggf. sogar mit Sidechain für die Sustainabsenkung im Bassmix.

  • oboe   15. Dez 2015   10:45 UhrAntworten

    Sehr schöner Artikel! Ich liebe Transientendesigner um Drums fetter zu machen...

  • robotron sömmerda   19. Feb 2017   19:52 UhrAntworten

    So richtig ist noch nicht klar, warum man nicht die Transienten mit einem Kompressor/Limiter bearbeiten/betonen soll? Immerhin sind die Parametereintellmöglichkeiten bei diesen vorhanden.

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