Monitormix richtig einstellen

Monitormix richtig einstellen

Für was eigentlich Monitoring?

Bevor ich konkret auf die einzelnen Monitoring-Möglichkeiten und idealen Einstellungen eingehe, noch ein paar Sätze zu Sinn und Unsinn von Monitoring. Für mich stellt sich als Sänger und Musiker daher zunächst die wichtigste Frage: „Was erwarte ich vom Monitoring auf der Bühne?“

Die Antwort ist nicht ganz so einfach bzw. gibt es mehrere Antworten auf diese unscheinbare, kleine Frage. Hier bekommst Du von mir ein paar Antwortansätze:

Zunächst einmal möchte ich mich deutlich hören, damit ich weiß, was ich auf der Bühne überhaupt mache! Wer sich zum Beispiel als Sänger nicht richtig hört, neigt dazu, gegen die „Wall of Sound“ anzusingen und verausgabt sich und hält unter Umständen nur wenige Songs durch. Wenn Du dich ganz allgemein als Musiker nicht richtig hörst, kann es auf der Bühne chaotisch werden und neben den richtigen Tönen liegst Du dann schnell auch mit dem perfekten Timing daneben.

Ein guter Monitormix gibt dir also die Sicherheit und das Vertrauen, dass Du deine Fähigkeiten perfekt abrufen kannst. Außerdem sorgt richtiges Monitoring auf der Bühne in der Regel für einen besseren und definierten FoH-Sound. Zuviel Übersprechen in die Gesangs- und Instrumentenmikros durch zu laute Amps auf der Bühne oder einen außer Kontrolle geratenen Drummer lassen logischerweise keinen definierten Mix für die PA zu. Außerdem erhöht sich die Feedbackanfälligkeit dramatisch.

Monitormix richtig einstellen

Wenn die Drums zu laut in die Gesangsmikros einsprechen, ist ein transparenter Monitormix nur schwer zu erzielen

Daher gilt: Du sollst dich mit deinem Monitormix richtig wohl fühlen. Je nach Genre, Instrument und eigener Präferenz kann ein idealer Monitorsound sowohl in Klang als auch Intensität äußerst verschiedene Ansprüche haben. Kleines Beispiel? Während der Drummer den Klang auch spüren möchte und perfekt mit dem Bassspiel verschmelzen will, benötigt ein Sänger eher seine Stimme mit den richtig gepushten Frequenzen im Fokus.

Monitormix richtig einstellen – die Basics

Übergreifend für alle Akteure auf der Bühne gilt, man muss sich selbst perfekt hören, benötigt jedoch auch genug Informationen der anderen Instrumente und Stimmen, sodass man gemeinsam auf einer Wellenlänge ist. Logisch soweit. Oder?

Jetzt kommt jedoch der schwierige Part, den häufig unerfahrene Musiker und Sänger trifft. Viele wissen nicht was ein guter Wohlfühlmix ist bzw. wie sie diesen überhaupt erreichen. Aus falschen Vorstellungen heraus, gepaart mit Unwissenheit befindest Du dich nämlich ganz schnell im Unsinn von Monitoring.

Hall- und Delay-Orgien haben in einem Monitormix nichts verloren. Auch wenn der Song auf dem Smartphone oder auf der heimischen Stereoanlage so klingt. Das Problem ist bei solchen Effekten nämlich, dass sie dir als Sänger sowohl die Intonationssicherheit als auch das Timing rauben können. Daher ist es am besten, wenn Du lernst mit einem trockenen Signal zu performen.

Ganz allgemein spielen verschiedene Faktoren eine wichtige Rolle, wenn Du deinen Monitormix richtig einstellen willst. Daher zunächst eine kleine Übersicht, welche Monitoring-Konzepte es überhaupt gibt.

Welche Monitoring-Konzepte gibt es

Konventionelles Monitoring

Beim konventionellen Monitoring kommen sogenannte Wedges oder geeignete Multifunktionsboxen zum Einsatz. Wedges werden übrigens wegen ihrer keilförmigen Gehäuseform so genannt. Die liegen – je nach Richtcharakteristik des Mikrofons – gerade oder schräg vor dem Musiker oder Sänger. Sie sorgen wegen ihrer Bauform und Abstrahlcharakteristik dafür, dass der Ton genau da ankommt, wo er benötigt wird – nämlich an deinen Ohren; idealerweise geschieht dies, ohne zu sehr in den Monitormix der anderen Mitmusiker oder auf den Frontmix einzusprechen.

Monitormix richtig einstellen

Wedges sind spezialisierte Speaker für konventionelles Bühnenmonitoring

Bei dieser Art von Monitoring spielt die Lautstärke auf der Bühne eine Rolle. Neben den Amps und dem Drumset kommt hier nämlich eine weitere Klangquelle hinzu. Daher gilt es hier besonders darauf zu achten, dass die Bühnenlautstärke niedrig gehalten wird. Sonst gibt es schnell Soundbrei – sowohl auf der Bühne als auch im Publikum.

Der große Vorteil von konventionellem Monitoring ist, dass man auch mit wenigen Monitorwegen bei geschickter Aufstellung der Amps und auch der Wedges den Bühnenklang formen kann.

Insbesondere bei (nennen wir es mal) klanglich intensiveren Bands – meistens aus der Hard’n Heavy-Fraktion – kommt dabei das richtige Feeling auf und man bekommt auch noch etwas vom Publikum mit.

Einer der Nachteile ist, dass die Kontrolle der eigenen Performance nicht ganz so präzise ist, wie zum Beispiel beim In Ear Monitoring. Auch kann die hohe Lautstärke für eine schnellere Gehörermüdung sorgen.

Insbesondere auf kleineren Bühnen in kompakteren Räumen ist die Lautstärke nur schwer in den Griff zu bekommen. Durch die stärkeren Reflexionen bestimmt meistens der Schlagzeuger wohin die Lautstärkereise geht. Und nicht jedes Genre erlaubt ein feines Streicheln der Schlagzeugfelle.

Die höhere Grundlautstärke kann daher für eine Kettenreaktion sorgen. Höhere Rückkopplungsgefahr, mehr Klangbrei, Gehörschäden und und und. Man muss sich somit an dem Instrument anpassen, das keinen Lautstärkeregler hat. In der Regel ist das der Drummer – und den gilt es dafür zu sensibilisieren, dass er so leise wie möglich spielt ohne seinen „Groove“ zu verlieren.

In Ear Monitoring (IEM)

Beim IEM bekommst Du einen Mix direkt auf bzw. in die Ohren. Es gibt sowohl drahtgebundene als auch drahtlose Systeme. Somit komme ich auf ein wichtiges Thema zu sprechen: Drahtlose Systeme versprechen zwar nahezu grenzenlose Mobilität auf der Bühne, haben aber einige Eigenarten die zu beachten sind.

Monitormix richtig einstellen

Transparenter Sound bei gleichzeitigem Gehörschutz ist durch In Ear Monitoring möglich (© Theresa Vondran / Sennheiser)

Es gibt bei Wireless-Systemen nämlich eine Begrenzung der maximal gleichzeitig nutzbaren Geräte. Im semiprofessionellen Bereich liegen diese häufig bei acht bis zehn Funkkanälen. Zudem muss beim Einsatz mehrerer Funksysteme gleichzeitig, darauf geachtet werden, dass diese sich frequenztechnisch nicht in die Quere kommen und für sogenannte Interferenzen sorgen.

Neben dem Anschaffungspreis des Drahtlossystems benötigt man in der Regel weiteres Equipment (zum Beispiel ein Monitorpult) um die Stärken so eines Monitorings überhaupt richtig zu nutzen. Das kann schnell richtig viel deines Budgets verschlingen.

Aber auch die Vorteile sind zahlreich: Wenn Du dein IEM richtig anwendest, kannst Du dein Gehör besser schützen als mit anderen mir bekannten Monitoringkonzepten. Bei maßgefertigten In-Ear-Hörern kannst Du den Außenschall um bis zu 26 dB verringern. Das hört sich in Zahlen nicht viel an, ist aber richtig viel.

Übrigens empfinde ich das Dämmen der Außengeräusche sowohl als Vor- und gleichzeitig als Nachteil. Ohne Saalmikros stellt sich nämlich schnell ein Gefühl der Isolation ein. Oder einfacher ausgedrückt: Die gute Stimmung im Saal kommt bei dir nicht an. Das mag jeder anders bewerten, mich persönlich hat das mitunter sehr gestört. Dennoch wollte ich den Vorteil nicht verlieren, eine perfekte Stimmkontrolle zu erzielen.

Wenn wir schon beim IEM sind möchte ich übrigens mit einem weitverbreiteten Mythos aufräumen. Je nach Oberflächenbeschaffenheit des Veranstaltungsorts und Bühnenaufbaus kann sich der Sound je nach Bühnenposition doch merklich verändern. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass insbesondere in größeren Hallen einzelne Signale mal stärker und mal schwächer zu hören waren. Hier hat mich bei meinem IEM-System das Personal Monitoring gerettet. Ich konnte damit mein Gesangssignal direkt am Empfänger nachjustieren und sorgte somit bei Bedarf selbstständig für einen besseren Mix.

In-Ear-Monitoring Ratgeber

Ratgeber In-Ear-Monitoring

Freie Performance und bester Sound dank In-Ear-Monitoring.

Neben den hier aufgezählten Vorteilen rund um das In-Ear-Monitoring auf der Bühne, gibt es noch weitere nützliche Infos! Beachten musst Du beispielsweise auch die Frequenzbereiche, die zum Teil anmeldepflichtig sind. Auch die Entscheidung bezüglich kabelgebundenen IEM-Systemen und Drahtlos-Systemen muss getroffen werden – die Grundlage für diese Entscheidung ergibt sich in erster Linie aus deinem Anwendungszweck und deinem Band- und Bühnen-Setup.

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Weitere Infos und Fakten im In-Ear-Monitoring Ratgeber »

Hybrid – best of both Worlds

Du kannst auch nur einen der beiden In-Ear-Hörer nutzen und mit dem freien Ohr die Wedges, sowie Backline abzuhören und zudem noch das Publikum zu erleben. Für mich und meine Band war das die ideale Lösung.

Hier gilt aber zu beachten, dass das „ungeschützte“ Ohr der Lautstärke im vollen Umfang ausgesetzt ist.

Einpfeifen – pro oder contra?

Monitormix richtig einstellen

Mit einem 2×31-Band-EQ kannst Du deine Monitore klanglich perfekt anpassen

Abschließend möchte ich noch auf den Vorgang des Einpfeifens eingehen: Hier und da hört man deutlich kritische Stimmen zum Thema einpfeifen. Manche bezeichnen es als groben Unfug und andere als Wundermittel für mehr Lautstärkereserven.

Ich selbst habe nur sehr selten das Einpfeifen praktiziert. Für mich war das Kriterium ob ich überhaupt mein System einpfeife, wenn bei den ersten Klangtests nach dem Aufbau und vor dem Soundcheck wiederholt Feedbacks angeregt wurden.

Das Prozedere legt übrigens nahe, dass man mit mehr Lautstärke als üblich arbeitet. Denn Du musst beim Einpfeifen Rückkopplungen provozieren. Daher ist es extrem wichtig, dass keine weiteren Personen während dieses Vorgangs in der Halle sind. Bzw. ist es wichtig, dass alle Helfer über einen ausreichend wirksamen Gehörschutz verfügen.

Für das Einpfeifen setze ich übrigens immer einen grafischen 31-band-EQ ein. Nun aktiviere ich die Mikros auf der Bühne und erhöhe die Lautstärke eines Wedges – bis er kurz vorm Feedback ist. Nun suche ich Band für Band auf meinem EQ die Frequenz(en) ab, die bei hoher Lautstärke anfangen zu koppeln. Hierbei ist logischerweise zu beachten, dass ich bei jedem Band in Neutralstellung beginne, um dann die Lautstärke zu erhöhen.

Hast Du nun ein Band gefunden, das schnell zum koppeln neigt, senkst Du es ab. Das wiederholst Du für alle weiteren Bänder. Falls Du nach dem Einpfeifen nahezu jede Frequenz reduziert haben solltest, empfehle ich dir, die Wedges umzustellen. Denn wenn du (fast) alle Frequenzen absenkst, kommt das einer einfachen Lautstärkereduzierung für das Gesamtsignal am nächsten.

Hast du aber beispielsweise nur bei vier, fünf Bändern das Feedbackverhalten entschärft, hast Du dir einen schönen Lautstärke-Headroom geschaffen.

Monitormix für die Bühne richtig einstellen

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist, muss und möchte ich sie an dieser Stelle nennen. Ein guter Mix fängt beim richtigen Arrangement an. Jede Stimme und jedes Instrument sollte – nein muss – seinen eigenen frequenztechnischen Platz im Song haben.

Wenn nämlich alle auf derselben Frequenz herumeiern, tritt in der Regel der Maskierungseffekt ein. Bei diesem Effekt setzt sich üblicherweise nur das lautere Signal durch. Daher nochmal: Ein guter Mix fängt beim Arrangement an.

Danach solltest Du dir direkt auf der Bühne einen Lautstärken-Überblick verschaffen. Lass die Band spielen und schreite die Bühne ab und analysiere wie gut die Amps und Instrumente ohne Monitoring zu hören sind.

Hilfreich ist es übrigens, die Amps etwas vom Publikum wegzudrehen, damit sie nicht zu stark in den FoH-Sound einstreuen.

Beim konventionellen Monitoring sorgst Du nun dafür, die unterpräsentierten Signale auf die Wedges zu legen. Die Akteure auf der Bühne geben dir dann Instruktionen, was ihnen im Mix noch fehlt.

Bei der Hybridlösung erstelle ich auf den Wedges Zonenmixes

Im Falle von einem IEM-Mix erstelle ich zunächst einen für mich funktionierenden Kopfhörermix und mische alle anliegenden Audiosignale in den Mix. Danach geht es mit den Instruktionen der jeweiligen Musiker an die Feinjustierung.

Bei der Hybridlösung erstelle ich auf den Wedges Zonenmixes. Hierbei versuche ich ein so homogenes Bühnenklangbild wie möglich zu erzeugen. Bei nahezu gleichbleibenden Klangergebnissen können sich die Musiker dann nämlich auf der ganzen Bühne frei bewegen und gut hören – mit der richtigen Portion Emotion. Und im In-Ear-Hörer hören sie dann das saubere, analytische Mixsignal.

Disziplin

Der Soundcheck und damit auch der Monitormix an sich ist nicht dafür gedacht, zu proben oder wild durcheinander zu spielen. Um die Nerven aller Beteiligten zu schonen gilt es hier diszipliniert vorzugehen.

Derjenige, der den Monitormix erstellt, sagt an was er braucht und die Musiker und Sänger befolgen das im besten Fall.

Damit Du den Monitormix richtig einstellen kannst, musst Du im Gegenzug aber auch nennen können, wenn etwas fehlt oder noch nicht passt. Ein „das klingt alles komisch“ oder „irgendwie groovt das noch nicht“ hilft niemandem. Präzise Ansagen wie zum Beispiel „Background-Stimme A ist zu laut“ oder „die Akustikgitarre hat zu spitze Höhen“ sorgen dafür, dass der Techniker am Monitorpult weiß, wo er nachjustieren darf.

Und achte bitte auf den Umgangston. Ich habe schon Soundchecks erlebt, wo sich sowohl einzelne Musiker als auch Techniker im Ton vergriffen haben. Geht mit professionellem Respekt miteinander um, auch wenn es mal etwas langwieriger wird oder aus welchen Gründen auch immer der Klang nicht auf Anhieb perfekt ist.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass meines Erachtens ein guter Monitorsound extrem wichtig dafür ist, dass Du dich auf der Bühne wohl fühlst. Nur wenn Du dich richtig hörst, kannst du dein volles Potenzial abrufen und dich und deine Fans mit einer perfekten Show belohnen.