DJ Controller Vergleich, Test & Marktübersicht

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Wir haben es schon in unserem Kapitel über analoges bzw. digitales DJing, unserem Artikel zum Einstieg ins DJing in diesem Special anklingen lassen: Der Gerätegattung DJ-Controller gehört zweifelsohne die Gegenwart und in seiner jetzigen Form mindestens auch die nähere Zukunft. Zumindest bis tief in den semi-professionellen Bereich hinein.


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Dabei orientiert sich der Aufbau dieser Geräte stark an einem klassischen Set, wie sie früher gerne genutzt wurden. Die Jog-Wheels eifern einerseits den Tellern zweier Plattenspieler nach, während sich zwischen diesen die Schieberegler für die Kanäle, ein Crossfader und die Drehknöpfe für den Equalizer befinden. Allesamt schon bei einem Setup der alten Schule (zwei Plattenspieler, ein Mixer) zu finden.

DJ Controller

Hier in diesem Artikel nebst Übersicht erhältst Du eine ausführliche Einführung in die Ausstattung eines DJ-Controllers. Außerdem haben wir eine Übersicht mit einem halben Dutzend DJ-Controllern für Einsteiger zusammengestellt, in der Du alle wichtigen Funktionen und Merkmale auf einen Blick erhaschen kannst. So findest Du das Gerät, das zu dir passt, je nachdem, ob für dich die Funktionsvielfalt, die Portabilität oder die Robustheit im Vordergrund steht.

Jedes Modell hat mindestens einen Trumpf in der Hand.

Uns war es wichtig, alle DJ-Controller, die Du in unserer Übersicht aufgelistet findest, vor Ort zu haben und selbst Hand daran anlegen zu können. So waren wir nach intensiven Vergleichen aller sechs Kandidaten in der Lage, eine Einschätzung in Sachen Bedienung, Verarbeitungsqualität und Tragbarkeit zu treffen, die sich in den Wertungen von einem bis drei Sternen niederschlägt.

Obwohl bei derartigen Bewertungen immer eine kleine Spur Subjektivität mitschwingt, bieten wir dir in unserer Übersicht eine faire, fundierte Evaluation aller Geräte. Dabei ist klar geworden, dass jedes Modell mindestens einen Trumpf in der Hand hat, der vielleicht genau dich überzeugen kann.

Wenn Du über die Marktübersicht hinaus detaillierte Entscheidungshilfen für die Wahl eines passenden Controllers brauchst, haben wir da was: In den nächsten Tagen und Wochen erscheinen auf delamar die Testberichte aller DJ-Controller, die Du hier versammelt findest. So verpasst Du kein Detail, keine Besonderheit, keinen versteckten Pferdefuß eines Geräts, bevor dein Erspartes dafür draufgeht.

DJ-Controller vergleichen

Da DJ-Controller nun schon eine ganze Weile auf dem Markt etabliert sind und sich immer mehr bei DJs durchsetzen, gibt es bereits eine Vielzahl unterschiedlichster Geräte für verschiedene Anwendungsszenarien, Geschmäcker und Budgets. Wir zeigen die wichtigsten Kriterien auf, die die Geräte voneinander abgrenzen.

 

DJ Controller Vergleich, Test & Marktübersicht
1. Verarbeitungsqualität

Wenn Du so weit bist, regelmäßig als DJ unterwegs zu sein, ist es wichtig, dass der Controller unsanfte Behandlung übersteht. Dabei steht ein Metallgehäuse natürlich für die Königsklasse, doch es gibt noch viele weitere Merkmale eines robusten DJ-Controllers.

Ein Pluspunkt wären etwa gut befestigte Klinkenbuchsen. Oft ist es so, dass die Anschlüsse für deinen Kopfhörer oder Mikrofon nicht fest mit dem Gehäuse verschraubt sind, sondern lediglich durch eine Aussparung im diesem ragen. Hier macht sich bemerkbar, dass die Buchse leicht wackelt, wenn Du mit eingestöpseltem Stecker seitlich Druck darauf ausübst. Und wo etwas wackelt, bricht vielleicht irgendwann etwas ab – eine Schwachstelle gegenüber Buchsen, die von einer Art Manschette umgeben sind, welche fest an das Gehäuse geschraubt wird.

Auch gibt es den seltenen Fall, dass dicke Kantenschoner aus Gummi das Gerät von den Seiten her schützen und gleichzeitig verhindern, dass die vorne und hinten befindlichen Schalter, Regler und Eingangs-/Ausgangsbuchsen beim Auf-die-Kante-Stellen des Geräts mit dem Boden in Berührung kommen.

 

DJ Controller Vergleich, Test & Marktübersicht
2. Anzahl der Decks

Für den Einstieg, für Battle-Mixing mit Scratch-Einlagen und für klassische Sets genügt es, wenn Du mit deinem DJ-Controller die unmittelbare Kontrolle über zwei Decks hast. Dabei stehen zwei meist symmetrisch angeordnete Sektionen mit eigenen Bedienelementen für die zwei zu steuernden Decks zur Verfügung.

Manche 2-Deck-Controller lassen sich in einen Modus versetzen, der es dir ermöglicht, nicht nur Deck Nummer 1 und 2, sondern alternativ Nummer 3 und 4 zu kontrollieren. Dazu ist es natürlich erforderlich, dass deine DJ-Software vier Decks unterstützt. Hier sei angemerkt, dass es doch deutlich umständlicher ist, wenn Du stets zwischen der Bedienung von Deck 1 & 2 auf 3 & 4 und wieder zurück wechseln musst, zudem sind aufwändigere Mixtechniken, bei denen Du die gleichzeitige Kontrolle der vier Decks benötigst, nicht möglich.

Hier hilft nur ein 4-Deck-Controller. Dabei bieten diese Boliden vier Kanal-Fader, vier mal drei EQ-Regler und vier Gain-Potis, um die wichtigsten Funktionen der Decks bequem kontrollieren zu können. Alle anderen Funktionen sind nach wie vor nur je zweimal vorhanden, schließlich wäre ein »echter« 4-Deck-Controller ein ziemliches Ungetüm, das sich wohl kaum als transportables Stück Equipment eignen würde.

 

DJ Controller Test
3. Zuspieler

Genügt es Dir, wenn Du Audiodateien mixen kannst, die auf deinem Rechner lagern, oder sollen es auch Audiosignale aus externen Geräten wie Platenspielern und CD- oder MP3-Playern sein? Falls Letzteres auf dich zutrifft, brauchst Du einen DJ-Controller, der über Cinch-Eingänge verfügt. Für diese sollten zusätzlich jeweils eine Erdungsschraube und ein kleiner Schalter zur Verfügung stehen, wenn Du Plattenspieler anschließen und deren Signal ausreichend verstärken willst.

Mikrofoneingänge sind wichtig für Rapper

In unserer Übersicht und in den meisten Produktbeschreibungen der Hersteller wird ein solcher kombinierter Eingang für Plattenspieler und Line-Pegel-Geräte mit »Phono/Line« bezeichnet. Wenn Du zum Auflegen ein Zweier-Set aus Plattenspielern und/oder sonstigen Zuspielern nutzen willst, brauchst Du einen DJ-Controller mit zwei dieser Eingänge. Steht nur einer zur Verfügung, kannst Du einen daran angeschlossenen Zuspieler immerhin noch als Mix-Ergänzung zu den abgespielten Audiodateien aus deinem Computer nutzen.

Die meisten DJ-Controller haben auch (mindestens) einen Eingang für Mikrofone. Dieser liegt für gewöhnlich als große Klinkenbuchse vor, manchmal auch als kombinierte Buchse, in die sowohl ein XLR- als auch ein großer Klinkenstecker passen. XLR-Anschlüsse sind für hochwertige Mikrofone gedacht, mit denen auch filigraner Gesang fein wiedergegeben werden kann; für Durchsagen und Ähnliches reicht ein Mikrofon mit Klinkenanschluss in der Regel locker.

Manche fortgeschrittenen DJ-Controller wie beispielsweise der Numark N4 oder der MixVibes U-Mix Control Pro, sind in der Lage, sogenannte DVS-Signale (»Digital Vinyl System«) zu verarbeiten, was sich früher ausschließlich mit dedizierter Hardware realisieren ließ. Damit kannst Du einen gewöhnlichen Plattenspieler nutzen, auf die Du speziell geritzte Vinyl-Scheiben legst, die die laufende Geschwindigkeit und Abspielrichtung in Signale umsetzen, mit denen die geladenen Tracks in deiner DJ-Software gesteuert werden. So kannst Du wesentlich agiler scratchen (manche DJs meinen, dass es die einzig gangbare Methode zum Scratchen digitaler Tracks sei) und vom großzügigen Bediengefühl eines ausgewachsenen Plattentellers profitieren, während Du gleichzeitig in die digitale Welt des modernen DJings eintauchst.

 

DJ Controller Test
4. Fader

Vernünftige Fader zählen auch in Zeiten des digitalen DJings noch immer zu den wichtigsten Bedienelementen. Achte darauf, dass die Kanal-Fader eher schwergängig sind – plötzliche Lautstärkesprünge durch versehentliches Berühren dieser Fader können eine Performance empfindlich stören. Zudem gehen die Ein- und Ausblendungen eines Tracks doch meist langsam, sanft und gleichmäßig vor sich, was durch den vernünftigen Widerstand eines Faders begünstigt wird.

Anders verhält es sich mit dem Crossfader. Da es beim Auflegen in vielen Musikstilen ein beliebtes, wirkungsvolles Mittel ist, schnelle »Cuts« zu machen, also geschwind von der einen Seite zur anderen zu springen, um kurze Ausschnitte jeweils eines Tracks dramaturgisch abrupt aufeinanderfolgen zu lassen, bietet es sich an, wenn sich der Crossfader leicht und locker bewegen lässt. Ganz besonders wichtig ist das für das Scratchen.

Apropos: Wer viel scratcht oder generell viel mit dem Crossfader wirbelt, wird es zu schätzen wissen, wenn ein Gerät die Möglichkeit bietet, den Crossfader durch das Lösen zweier Schrauben direkt auf der Bedienoberfläche leicht und schnell auszutauschen. Bei einigen Geräten liegt der Zugang zu den Innereien an der Unterseite.

Ein Pluspunkt bei der Bedienung sind lange Pitch-Fader. So kannst Du die Geschwindigkeit feiner einstellen – zumindest ein schöner Bonus, da dies aufgrund automatischer Synchronisation mittlerweile weniger wichtig ist, für manche Situationen (fehlerhafte BPM-Erkennung der DJ-Software oder einfach die Vorliebe für manuelles Mixing) jedoch ein klarer Vorteil.

 

DJ Controller Kaufberatung
5. Jog-Wheels

Mit diesem Begriff werden die plattentellerartigen Drehscheiben bezeichnet, die Du hauptsächlich zum Spulen, Scratchen und zur Beat-Synchronisation deiner Tracks verwenden kannst. Wie mit echten Vinyls eben.

Für ein gutes Handling (insbesondere zum Scratchen) ist es im Allgemeinen von Vorteil, wenn die Jog-Wheels nicht zu klein geraten sind. Unter einem Durchmesser von 12 Zentimetern wird es meist schon sehr knifflig, die Scheibe gut in den Griff zu bekommen, doch letztendlich musst Du das für dich selbst herausfinden, schließlich gibt es von DJ zu DJ beträchtliche Unterschiede in der Größe der Hände und der Fingerfertigkeit. Wer sowieso nicht scratcht, kann viel eher zu einem DJ-Controller mit noch kleineren Jog-Wheels greifen.

Damit Du einen guten Halt findest und die Bewegungen, die Du im Sinn hast, akkurat umgesetzt werden, bietet es sich an, wenn die Jog-Wheels griffig gestaltet sind. Das wird etwa durch eine aufgeraute Oberfläche, Rillen oder eine Gummischicht erreicht.

Jog-Wheels sind die Plattenteller des
21. Jahrhunderts

Auch der Drehwiderstand der Jog-Wheels ist ein Faktor, der großen Einfluss darauf haben kann, ob die Haptik zu sperrig, angenehm ausgewogen, oder zu leichtgängig ausfällt. Probieren geht über Studieren.

Die Auflösung der Jog-Wheels resultiert in der Genauigkeit, mit der die Bewegungen in digitale Signale für die Steuerung der Decks in deiner DJ-Software umgesetzt werden. Höher = besser.

Die meisten DJ-Controller bieten berührungsempfindliche Jog-Wheels. Das ist sehr nützlich, um sowohl das Spulen/Scratchen mit einem Druck auf die die flache, berührungsempfindliche Oberfläche des Jog-Wheels zu bewerkstelligen als auch das Jog-Wheels bei der Berührung am nicht berührungsempfindlichen Rand leicht anzuschieben oder abzubremsen. So musst Du nicht immer vom einen Modus in den anderen schalten. Einige Controller bieten zudem kleine Rädchen zum Verstellen der Empfindlichkeit dieser druckempfindlichen Oberflächen, sogar getrennt für das linke und das rechte Jog-Wheel.

Als Ergänzung zu den erwähnten kurzen Beschleunigungen und Bremsern des Jog-Wheels, die für die manuelle Angleichung der Beats genutzt werden, verfügen viele DJ-Controller über zwei kleine Pitch-Bend-Knöpfchen, die schlicht mit »+« und »-« beschriftet sind. Eine durchaus nützliche Alternative, um etwas exakter dosiert und schneller zu synchronisieren.

 

 

DJ Controller Kaufberatung
6. Effektsteuerung

In jeder guten DJ-Software stehen Effekte zur Verfügung, mit denen Du die Tracks in deinen Decks aufpeppen kannst, zum Beispiel Echos, »Stottereffekte«, Filter oder Phaser. Die größten Unterschiede zwischen DJ-Controllern sind wohl bei den Bedienelementen zur Kontrolle dieser Effekte zu finden. Gerade im Einsteigerbereich gibt es hier Ausstattungen verschiedenster Art.

Für fließende Übergänge zwischen dem normalen und dem effektbeladenen Sound kann nur ein Dreh- oder Schieberegler sorgen. Manche Controller haben gleich vier Drehregler (oft »Potis« für »Potentiometer« genannt) pro Deck für die Steuerung der Effekte eingeplant, wodurch Du beispielsweise drei verschiedene Effekte und einen Dry/Wet-Kontrolle bestimmen kannst, letztere sorgt für die stufenlose Mischung des normalen und des effektbeladenen Signals. Gerasterte Einstellpositionen eines Drehreglers sorgen dafür, dass Du akkurater in einer Liste von Effekten stöbern kannst, wobei manche DJs wiederum beteuern, dass sie stufenlose Potis bevorzugen, gerade bei der Steuerung von Filtern.

Zudem sind Druckknöpfe zum schnellen Aktivieren oder Deaktivieren der Effekte hilfreich – gut, um schneller schalten und walten zu können, ohne dass Du die Regler jedes Mal ganz nach links drehen musst, wenn Du einen augenblicklich ab- oder wieder zuschalten willst. Alternativ kannst Du mit den Tastern bestimmte Effektparameter triggern, bei denen es nur »an« und »aus« oder sonstige binäre Einstellungen gibt. Einige Controller statten die Drehregler gar mit einer Druckknopffunktion aus, so dass beide Bedienarten vereint werden.

In letzter Zeit haben auch bei DJ-Controller alternative Bedienkonzepte wie Bewegungssensoren und berührungsempfindliche Kontrollstreifen (»Touchstrip«, »Ribbon« o.ä.) Einzug gehalten. Damit kannst Du potentiell eine Menge Spaß haben und Effekte freier steuern, allerdings musst Du derzeit noch recht tief in die Tasche greifen, um ein solches Gerät zu erstehen.

Welcher DJ-Controller passt zu mir?

Für das gelegentliche und gänzlich zwanglose Ineinandermixen zweier Tracks ohne große Effektspielereien gibt es bereits äußerst kompakte und schlichte DJ-Controller für rund 100 Euro oder weniger. Einige davon sind erstaunlich gut zu bedienen und robust gebaut wie beispielsweise der iCON iDJ, so dass Du auch in diesem Marktsegment etwas Passendes für dich finden wirst. Diese kleinen Geräte sind für gewöhnlich als reine Controller ausgelegt, Zuspieler wie Plattenspieler oder CD-Player kannst Du hier nicht anschließen.

DJ Controller Vergleich

Wer keine externen Zuspieler braucht, kann viel Geld sparen

Eine größere Investition ist nötig, wenn Du externe Abspielgeräte anschließen willst und schon etwas anspruchsvoller bist, also Effekte mehr oder minder umfassend steuern willst oder größere Jog-Wheels brauchst, um die virtuellen Plattenteller komfortabler bedienen zu können. Diese Art von DJ-Controller, zu der übrigens die Geräte in unserer Marktübersicht zählen, gibt es ab etwa 200 Euro aufwärts zu kaufen. Für kleinere Veranstaltungen sind sie voll tauglich und ermöglichen es dir schon mit einem relativ kleinen Budget, dich als moderner DJ auszutoben.

Die Profiliga beginnt so langsam bei 400 Euro. Dafür findest Du bereits die ersten Vier-Deck-Controller und Geräte, die meist höhere Verarbeitungsqualität, sehr umfangreiche Effektsektionen, viel Platz zwischen den einzelnen Bedienelementen, Pegelanzeigen, Pitch-Fader mit hohem Laufweg und einen austauschbaren Crossfader bieten. Immer öfter finden sich in dieser Preisregion auch fortschrittliche Bedienkonzepte wie die oben erwähnten berührungsempfindlichen Kontrollstreifen.

Die Übersicht ist für eine besser Übersicht als Bild hinterlegt. Der Vollständigkeit halber hier nochmals die Modelle:

  • American Audio VMS2
  • DJ-Tech i-Mix Reload MKII
  • MixVibes U-Mix Control Pro
  • Numark MixTrack Pro
  • Reloop Digital Jockey 2 IE
  • Vestax Typhoon
DJ Controller Vergleich, Test & Marktübersicht

Der große delamar DJ Controller Vergleich, Test & Marktübersicht


Von Jan Hackmann