Geschichte der elektronischen Klaviere

Geschichte des elektronischen Pianos (E-Pianos)

Alles zur Geschichte des elektronischen Pianos (E-Pianos)

Am Anfang war … die Saite!

Heute weiß jeder, was ein E-Piano ist. Ein elektronisches Klavier, das sich nicht verstimmt und leise gespielt werden kann. Doch historisch gesehen ist das falsch.

Der Weg zum heutigen Digitalpiano war ein langer und auch die Nutzerprofile, bzw. der Verwendungszweck haben sich im Verlaufe der Jahre stark geändert.

Der Begriff E-Piano wurde Anfang der 1960er Jahre geprägt. Mit dem Aufkommen der Pop-Ära hat sich die Anforderung an ein Klavier geändert.

Es musste transportabel und vor allem lauter werden. Ein akustisches Klavier konnte sich gegen Schlagzeug oder E-Gitarre nicht durchsetzen. Die Mikrofonierung eines Klaviers oder Flügels war möglich, aber der Aufwand erheblich und das Ergebnis klanglich unbefriedigend.

Geschichte der elektronischen Klaviere

Das Miessner-Jacob Piano war das erste bekannte Klavier mit Tonabnehmersystem

Die Erfindung des elektrifizierten Pianos

Die Idee des E-Pianos reicht bis zum Anfang der 1930er: Damals begann der US-amerikanische Elektroingenieur Benjamin Miessner eine Verstärkungseinrichtung für herkömmliche Klaviere zu entwickeln. Diese basierte auf einem Tonabnehmersystem, wie es auch bei elektrischen Gitarren zum Einsatz kommt.

Nach einem elektromagnetischen Prinzip wurden die Schwingungen der Stahlseite in schwache elektrische Ströme umgewandelt, die durch einen Verstärker hörbar gemacht wurden. Die ersten E-Pianos waren akustische Klaviere mit Tonabnehmer.

Thomann DP-51 BP

Thomann DP-51 BP

Mit dem DP-51 Black Polished bietet das Musikhaus Thomann ein optisch ansprechendes E-Piano für das heimische Wohnzimmer. Das Hochglanzfinish erinnert an ein akustisches Klavier und wirkt hochwertig.

Unter der Tastaturabdeckung warten 88 Tasten mit simulierter Hammermechanik und Tri-Sensor. Das Instrument ist sowohl für Klavieranfänger oder fortgeschrittene Spieler geeignet.

Wichtigste Features

  • Homepiano mit 88 gewichteten Tasten
  • Triple-Sensor
  • 128-stimmig polyphon
  • 40 Sounds
  • 50 Begleitstyles
  • Stereo-Lautsprecher mit 2 x 15 W
  • MIDI-Anschluss: USB und DIN
  • Gewicht: 59 kg

Rauf auf die Bühne – die ersten serienreifen E-Pianos

Neben der Lautstärke waren Größe und Gewicht eine Herausforderung für Transporteure und die Bühnen-Crew, die die Instrumente bei Konzerten auf- und abbauen mussten.

Da das Hauptgewicht eines Klaviers durch den großen Eisengussrahmen mit der Saitenbespannung entsteht, setzte man dort an. In Europa und den USA wurde parallel an dieser Herausforderung gearbeitet. Als einem der Ersten gelang es der »Rudolph Wurlitzer Company« Anfang der 1960er eine veritable Alternative auf den Markt zu bringen.

So klingt das Wurlitzer 112

Wurlitzer Piano

Beim Wurlitzer Piano wurden etwa Mitte der 60er Jahre die Saiten durch dünne, unterschiedliche große und dadurch gestimmte Metallblättchen ersetzt. Diese waren leicht, nahmen wenig Platz weg und wurden über die oben beschriebenen Tonabnehmer verstärkt. Aber dieses Klavier klangdann nicht mehr nach einem echten Klavier.

Das war aber auch egal, denn die Popmusik hatte sowieso andere Anforderungen und mit dem neuen »Sound«, der eher an ein sehr hart klingendes Vibraphon erinnerte, ergaben sich auch ganz neue stilistische Möglichkeiten. Für die Band »Supertramp« wurde das Wurlitzer Piano sogar zum Erkennungsmerkmal ihres unverwechselbaren Grooves.

Geschichte der elektronischen Klaviere

Sehr schön zu sehen: die Anordnung der Tonzungen (Tines) beim Fender Rhodes Piano

Fender Rhodes

Zur gleichen Zeit machte Harold Rhodes auf sich aufmerksam. Er experimentierte schon lange an einem ähnlichen Prinzip, brachte es aber erst kurz nach Wurlitzer zur Marktreife. Das Rhodes Electric Piano wurde zu einem Kassenschlager.

Die Funktionsweise ähnelt dem Wurlitzer Piano, ist aber ausgefeilter. Anstelle nur eines Metallblattes, wurden beim Rhodes zwei unterschiedlich massige Stimmstäbe (Tines) pro Ton zum Schwingen gebracht. Der Klang wurde einerseits voller und weicher, nach Wunsch aber auch glockiger.

So klingt das Fender Rhodes Mark I

Ab den 1970er Jahren starteten die Fender Rhodes richtig durch und wurden in vielen Studios und auf den Bühnen der Welt zu einer nicht wegzudenkenden Klanggröße.

So klingt das Hohner Clavinet D6

Hohner Clavinet

In Europa gab es zeitgleich ebenfalls Bemühungen, ein portables Elektro-Klavier zu entwickeln. Der deutsche Instrumentenbauer Hohner, vor allem bekannt durch Akkordeons und Mundharmonikas, war mit dem »Clavinet« erfolgreich. Ganz anders als bei Wurlitzer oder Fender wurde an der schwingenden Saite als Tonlieferant festgehalten.

Um dem Gewichtsproblem entgegenzutreten, wurde die Saite dünner und kürzer als beim akustischen Vorbild gemacht. Der daraus resultierende Sound ähnelte sehr stark einem Spinett oder Cembalo. Auch diese Klangfarbe wurde zu einem Stilobjekt vieler Künstler und Bands in den 70er Jahren, bekannteste Beispiele sind wohl Stevie Wonders Hit »Superstition« oder Tina Turners »Notbush City Limits«.

So klingt das Yamaha CP80

Yamaha CP-80

Der japanische Klavierbauer Yamaha brachte Ende der 1970er drei Modelle der CP-Serie auf den Markt, die ebenfalls auf vielen Bühnen und Studios zum Einsatz kamen. Die klassische Bauweise eines Klaviers blieb erhalten, es kam eine herkömmliche Flügelmechanik zum Einsatz mit stark verkürzten Saiten. CP-Pianos klangen daher am ehesten nach Klavier.

Die sehr kurzen Saiten und der häufige Transport sorgte für die üblichen Probleme: Es musste oft nachgestimmt und justiert werden. Zudem waren die Teile im Vergleich zu anderen E-Pianos recht schwer.

Viele internationale Künstler fanden dennoch großes Gefallen an den CP-Pianos von Yamaha. Der etwas härtere und unreine Sound (durch die schwierige Stimmhaltung) setze sich hervorragend in Pop-Produktionen durch. Weshalb auch dieses E-Piano in vielen Aufnahmen zu hören war und ist.

Geschichte der elektronischen Klaviere

Das Roland EP-10 erzeugte Piano-ähnliche Klänge mittels Oszillatoren wie ein Synthesizer

Der Aufbruch zur synthetischen Tonerzeugung

Erst Anfang der 1970er wurden klavierähnliche Klänge synthetisch mittels analoger Schaltungen hergestellt. Diese waren in der Lage, unterschiedliche Töne durch FM-Synthese (Frequenzmodulation) zu erzeugen. Seitdem hat sich der Begriff E-Piano für elektronische Pianos durchgesetzt.

Die größte Herausforderung war, die synthetisch erzeugten Klänge dynamisch spielbar zu machen. Die Lautstärke sollte sich mit der Intensität des Tastenanschlags verändern – ganz wie beim akustischen Vorbild.

Roland EP-30 – Erstes E-Piano mit dynamischer Tastatur

Das erste »E-Piano«

Im Jahr 1974 gelang Roland der Durchbruch. Mithilfe zweier Sensoren wurde die Zeitdifferenz zwischen Anfang und Endpunkt des Tastenanschlags gemessen. Je kürzer diese Differenz, umso lauter der Ton. Wurde die Taste behutsamer gedrückt, ergab das einen leiseren Ton.

Es war erstmals möglich, dynamisch und musikalisch mit einer elektronischen Tonerzeugung zu spielen. Diese Technik wird mit feineren Abstufungen und genaueren Messungen auch heute noch zur Ermittlung der Anschlagstärke verwendet.

Relativ schnell wurde offensichtlich, dass man auf rein elektronischem Wege keinen authentischen Klavierklang erzeugen konnte. Dieser ist sehr komplex und hat neben den rein rechnerischen Schwingungseigenschaften (die durch Synthese nachgebildet werden konnten) viele weitere klangbestimmende Elemente.

Lies auch: Digitalpiano Klang

Sampling: Das E-Piano wird zum Digitalpiano

Anfang der 1990er wurde die Sampling-Technologie salonfähig und erschwinglich. Beim Sampling wird ein echtes Klavier aufgenommen und bei Tastendruck abgespielt. Um die aufgenommenen Klänge zu speichern, werden sie vorher digitalisiert.

Hier beginnt das Digitalpiano, dessen Klangmaterial in digitalisierter Form vorliegt.

Sampling = Aufnehmen + wieder Abspielen

Andere Formen des Samplings (Mellotron) arbeiteten mit einer Art Bandmaschine. Diese Technik war für einen Klavierklang nicht geeignet, da die Anschlag- und Ausklangphase nicht abgebildet werden konnten.

Das Mellotron produzierte eher konstante Töne, die klanglich an Streicher, Flöte o.ä. erinnerten.

Beim Yamaha YP-30 wurde erstmals der Schriftzug »Clavinova« verwendet

Die Clavinovas kommen

Mitte der 1980er Jahre war die Geburtsstunde des Clavinova von Yamaha. Eine Kunstbezeichnung für ein E- oder Digitalpiano, aus Clavi (Klavier) und Nova (neu) zusammengesetzt.

Diese Bezeichnung brachte es aufgrund der steigenden Popularität der Digitalpianos zu einem seltenen Ruhm. So wie man heute ganz selbstverständlich Tempo zu Papiertaschentüchern sagt, wurde der Begriff Clavinova zum Inbegriff für Digitalpianos der damaligen Zeit.

Vom Bühneninstrument zum Heimpiano

Heutige Digitalpianos finden ihren Platz auf den großen Bühnen dieser Welt und den heimischen vier Wänden oder Musikschulen. Die Homepianos wurden in den letzten Jahren immer beliebter und so verwundert es kaum, dass das akustische Klavier in Privathaushalten viel seltener anzutreffen ist.

Auch die Preisgestaltung hat sich deutlich an eine private Verwendung angepasst. Empfehlenswerte Digitalpianos für den Heimgebrauch sind günstig zu haben. Für die Bühne bieten die Hersteller sogenannte Stagepianos, die für den mobilen Einsatz optimiert und meistens teurer als Homepianos sind.

Absurderweise messen viele Musiker die Qualität aktueller Stagepianos auch daran, wie gut Vintage-Instrumente nachgebildet werden.

Ausblick

Aktuelle Digitalpianos sind klanglich sehr nahe an einem echten Klavier. Es gibt immer noch Bestrebungen diese Grenzen zwischen akustisch und digital weiter aufzuweichen. Physical Modeling und Hybrid Pianos sind aktuelle Ansätze, das Digitalpiano sowohl klanglich als auch spieltechnisch noch authentischer zu machen.

Fakt ist: Ohne den Weg bis hier wären wir um viele Facetten der Musik ärmer.

zum Inhalt