Digitalpiano: Hammermechanik & Co. erklärt

Digitalpiano Tastatur

Digitalpiano-Tastatur: Was Du vor dem Kauf wissen solltest

Digitalpiano & Hammermechanik

Fast alle Digitalpianos und E-Pianos für den Heimgebrauch bieten eine simulierte Hammermechanik (Graded Hammer Tastatur) mit 88 gewichteten Tasten. Was auf dem Papier noch gleich klingt, entpuppt sich in der Realität beim Spielen als unterschiedlich.

Das Vorbild ist das akustische Piano: Dieses natürliche Spielgefühl versucht der Hersteller mit seiner Tastatur zu erreichen. Doch was wird eigentlich nachgebaut?

Bei den akustischen Instrumenten finden wir Klaviere und Flügel. Diese unterscheiden sich nicht nur in Form und Aussehen, sondern vor allem in der Konstruktion der Tastaturmechanik, auch Spielwerk genannt.

Tastatur im Digitalpiano

Modell einer Klaviermechanik beim Upright Piano

Unterschiede bei Tastatur von Klavier und Flügel

Bei einem Klavier wird die vertikale Tastenbewegung durch eine spezielle Mechanik in eine horizontale Bewegung des Hammers umgesetzt. Hierdurch entsteht eine gewisse Spielschwere, die durch Gewichte am vorderen Ende der Taste ausgeglichen wird.

Tastatur im Digitalpiano

Modell einer Flügelmechanik

Bei der Flügelmechanik wirken Taste und Hammerkopf in die gleiche Richtung. Zudem fällt der Hammer aufgrund der senkrecht nach unten wirkenden Schwerkraft schneller zurück als bei einer Klaviermechanik. Jedoch ist ein zusätzliches »Schwungholen« nötig, um den Hammer von unten nach oben an die Saite zu beschleunigen. Dieser Auslösemechanismus wird als Druckpunkt im Tastenweg spürbar.

Digitalpiano Tastatur: Beste Mechanik nach Vorbild eines Flügels

Eine Flügelmechanik vermittelt dir ein direkteres und leichtgängigeres Spielgefühl. Folgerichtig wird diese am häufigsten als Vergleich für Digitalpiano Tastaturen herangezogen.

Wer das Spielgefühl bewerten möchte, muss einen Flügel und nicht ein Klavier zum Vergleich heranziehen. Langjährigen Klavierspielern kommt eine Digitalpiano Tastatur oftmals zu leichtgängig vor, was irrtümlicherweise als negativ empfunden wird.

Kawai RHIII - Simulierte Hammermechanik für die Digitalpiano-Tastatur

Am Beispiel der RH3 Mechanik von Kawai sieht man sehr gut, wie eine Digitalpiano Tastatur funktioniert.

Hammermechanik in digitalen Pianos nur nachgeahmt

Hersteller bauen keine echte Hammermechanik in ein Digitalpiano ein (mit Ausnahme der Hybrid-Pianos). Die Gründe hierfür sind:

  • Weniger Platz benötigt
  • Weniger Gewicht
  • Unempfindlichere, wartungsfreie Tastatur

Die echte Hammermechanik wird lediglich nachgeahmt. Hierbei gibt es unterschiedliche Ansätze mit ähnlichem Wirkungsprinzip. Ein Gewicht unter oder über der Taste im Gehäuseinneren wird beim Druck der Taste angehoben und fällt nach dem Loslassen in seine Ausgangsposition zurück, was die Taste wieder nach oben bringt.

Je nach Hersteller gibt es spürbare Unterschiede – es sei aber bereits jetzt gesagt, dass der geneigte Spieler auf allen Tastaturen zu einem gleichguten Lernerfolg kommen kann. Der Grund liegt auf der Hand, denn auch akustische Instrumente unterscheiden sich im Spielgefühl deutlich.

Auch beim Digitalpiano: Gewichtete Tasten erzeugen mechanische Geräusche

Für oder gegen die Qualität einer Digitalpiano Mechanik spricht die Geräuschentwicklung. Nicht selten ist die Spiellautstärke ein Grund, warum ein akustisches Klavier bei der Wahl eines Pianos nicht infrage kommt. Ein E-Piano sollte insgesamt möglichst leise sein.

Doch auch in einem Digitalpiano wird eine gewisse Schwungmasse bewegt und das erzeugt – richtig: Geräusche.

Du kannst das testen: Einfach in ausgeschaltetem Zustand ein paar Tasten kräftig drücken und hören, ob die üblichen Klopf- oder Klickgeräusche zu laut geraten sind. Je besser die Tastatur bedämpft und je qualitativ hochwertiger der verwendete Tastaturfilz ist, umso weniger mechanische Geräusche entstehen. Zur Freude der Nachbarn oder Mitbewohner.

Wie finde ich heraus, ob eine Tastatur gut ist?

Die Hammermechanik prüfen

Ob eine Hammermechanik gut simuliert ist, kannst Du recht einfach prüfen: Drücke eine Taste ganz nach unten und lasse sie dann abrupt los.

Wippt die Taste maximal 2 Mal nach, bevor sie in ihre Ruheposition zurückkehrt, ist es eine gute Konstruktion.

Wabbelt die Taste öfter nach oder kommt zu langsam und träge nach oben, lieber Finger weg und zum nächsten Instrument.

Letztendlich ist dein persönliches Gefühl entscheidend. Fühlt sich die Tastatur gut an beim Spielen, wirst Du voraussichtlich auch gerne darauf üben.

Tastenoberfläche: Unterschiede bei weißen und schwarzen Tasten

Nicht unwesentlich und zu wenig beachtet ist die Oberflächenbeschaffenheit der Klaviertastatur. Eine gute Haptik und ein angenehmes Materialgefühl sind entscheidend.

Bleibe ich beim Spielen an den Tasten kleben oder rutsche ich mit schwitzigen Händen ab? Fühlt es sich gut an beim Spielen oder wirkt es unnatürlich?

Hersteller gehen verschiedene Wege. Die Texturen der Oberflächen reichen von glatter Kunststoffoberfläche bis zu Nachahmungen von Elfenbein bei den weißen Tasten (meistens als Ivory Feel oder Ivory Touch bezeichnet) oder Ebenholz-Optik bei den schwarzen Tasten. Diese etwas angerauten Oberflächen sollen die Griffigkeit der Tastatur verbessern und für eine hochwertigere Optik sorgen.

Druckpunktsimulation (Escapement)

Höherwertige Tastaturen simulieren darüber hinaus den weiter oben beschriebenen Druckpunkt. Dieser ist das charakteristische Merkmal einer Flügelmechanik. Ob das Piano deiner Wahl eine Druckpunktsimulation hat, kannst du in den technischen Daten nachlesen.

Ist das gerade nicht möglich, kannst Du es selbst ausprobieren, indem du eine Taste sehr langsam und gleichmäßig nach unten drückst.

Spürst du ein leichtes Haken, bzw. einen kleinen Widerstand auf halber Strecke, ist eine Druckpunktsimulation vorhanden. Diese ist nicht zwingend erforderlich, um gut Klavier spielen zu lernen. Für fortgeschrittene Spieler ist sie eine nette Zugabe, da sich darauf geübte Passagen einfacher auf einen akustischen Flügel übertragen lassen.

Digitalpiano: Anschlagdynamik – was steckt dahinter?

Die mechanischen Aspekte eines Klaviers sind im E-Piano digital simuliert. So befinden sich hierin auch keine Saiten, die einen Ton je nach Anschlag erzeugen könnten. Um dies zu simulieren, werden Sensoren genutzt, die den Tastendruck messen und diesen Wert an die Tonerzeugung übergeben.

Aber Moment, den Druck? Nein – die Sensoren messen nicht die Stärke, sondern die Geschwindigkeit des Tastenanschlags.

Merke: Je schneller eine Taste nach unten gedrückt wird, umso lauter wird der Ton.

Wird ein Ton langsam gespielt, erklingt er leiser. Es braucht nicht viel Kraft, sondern eine gute Spieltechnik, um den Dynamikumfang von pianissimo bis fortissimo ausschöpfen zu können – ganz wie beim echten Klavier.

Um die Geschwindigkeit und damit den Anschlagswert (Velocity) zu ermitteln, erfolgt eine Zeitmessung mittels zweier Sensoren – einer am oberen und einer am unteren Ende des Tastenweges. Die gemessene Zeit wird in die Velocity umgerechnet, die dann einen hörbaren Ton erzeugt.

Wie der Klang entsteht, erfährst Du hier: Digitalpiano Klang »

Für Ambitionierte – 3. Sensor für Repetition

Höherwertige E-Pianos und einige Einsteigerpianos verfügen über einen dritten Sensor. Dieser befindet sich etwa in der Mitte der beiden äußeren Sensoren und ermöglich ein erneutes Anschlagen der Taste (Repetition), obwohl diese noch nicht wieder in die Ruheposition zurückgekehrt ist.

Im akustischen Bereich ist diese Eigenschaft bei der Flügelmechanik zu finden. Daher sind schnelle Passagen mit Tonwiederholungen auf dem Flügel besser zu meistern. Der dritte Sensor lohnt sich also für alle, die ambitioniert ans Klavier spielen herangehen möchten.

Digital Piano Controller

Es gibt auch MIDI Controller mit einer gewichteten Hammermechanik, die ohne Klangerzeugung kommen. Weitere Infos über MIDI-Tastaturen findest Du im Ratgeber Kompakte MIDI-Controller ».

Digitalpiano mit Holztastatur – passt das zusammen?

Aus welchem Material sollten die Tasten eines Digitalpianos gefertigt sein – Holz oder Kunststoff? Hier scheiden sich die Geister. Landläufig wird ein Digitalpiano mit einer Holztastatur bevorzugt empfohlen. Rein nüchtern betrachtet, bietet Holz bei der Digitalpiano Tastatur keinen Vorteil gegenüber Kunststoff.

Dass Holz als Werkstoff bei akustischen Klavieren und Flügeln auch heute noch zum Einsatz kommt, ist nachvollziehbar. Die gesamte Konstruktion des Klavieres ist seit über 200 Jahren auf dieses Material ausgerichtet. Einige Hersteller weichen von dieser Tradition inzwischen ab. KAWAI z.B., fertigt für seine akustischen Klaviere und Flügel einige Mechanikteile der Tastaturkonstruktion aus hochfestem Kunststoff (ABS) und Carbon.

Bei einem digitalen E-Piano gibt es keine Notwendigkeit, Holz zu verwenden. Dennoch gehen viele Hersteller dazu über, Holztastaturen – oder zumindest Tastaturen mit Holzoptik (hierbei werden Holzstreifen auf die Seitenteile der Kunststofftaste geklebt) in Digitalpianos auch bereits im mittleren Preissegment anzubieten. Es bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen, für welche Materialart man sich entscheidet.

CASIO Grand Piano GP-500

CASIO Grand Hybrid GP-500

Das Top-Modell der Celviano Digitalpianos von CASIO ist in Kooperation mit dem deutschen Traditionsunternehmen C. Bechstein entstanden und bietet eine Echtholztastatur. Um das Spielgefühl eines akustischen Flügels nachzuahmen, werden lange Tasten aus einem Stück Holz gefertigt, die in der Mitte auf einem Waagebalken aufliegen. Somit entsteht eine ausgezeichnete Balance beim Anschlag.

Das so erreichte Spielgefühl wird klanglich durch die AiR Grand Source Tonerzeugung unterstützt, die drei Flügel namhafter Hersteller als Samplematerial nutzt.

Die umfangreiche Zusatzausstattung vom Audio-Recorder bis zur Concert Play Funktion runden das gelungene Gesamtpaket ab.

Wichtigste Features

  • Digitalpiano mit 88 Echtholztasten
  • 35 Klangfarben inkl. 3 hochwertige Flügelmodelle
  • Max. Polyphonie: 256 Stimmen
  • Akustiksimulator für Resonanzen, Key-Off-/Dämpfer-Geräusche
  • Concert-Play Funktion mit 15 Orchesterplaybacks
  • Song-Bibliothek mit 60 Klavierstücken
  • MIDI- & Audio-Recorder
  • 2-Wege Lautsprechersystem

Checkliste: Digitalpiano Tastatur testen

  • Vergleiche eine Digitalpiano Tastatur immer mit der Tastatur eines Flügels
  • Taste nach unten drücken und abrupt loslassen
  • Digitalpiano ausgeschaltet spielen und auf Klappergeräusche achten
  • Druckpunktsimulation testen: Taste sehr langsam nach unten drücken
  • Spieltest: Bleibe ich an den Tasten kleben?
  • Spieltest: Rutsche ich mit schwitzigen Händen ab?

Digitalpiano Tastatur selbst beurteilen

Es gibt einige einfache Tests, wie Du die Digitalpiano Tastatur auch ohne Fachwissen und auf eigene Faust überprüfen kannst:

1. Drücke einige Tasten schnell und fest herunter

Es darf nichts laut klappern oder klicken. Die Taste sollte nicht zu hart aufschlagen.

2. Drücke eine Taste langsam und gleichmäßig herunter

Die Gewichtung muss spürbar sein, Du benötigst Kraft im Finger dafür.

3. Prüfe, ob es scharfe Kanten oder Unregelmäßigkeiten an der Tastatur gibt

Unregelmäßigkeiten können z.B. größere Lücken zwischen den weißen Tasten sein. Sieh dir auch die Tastaturflucht an. Alle weißen Tasten müssen auf gleicher Höhe sein.

4. Tippe eine Taste kurz, aber kräftig an

Die Taste darf weder zu träge zurückkommen, noch mehr als zwei Mal nachwippen.

5. Fasse eine der Tasten vorne an (am besten mit dem Daumen) und bewege sie seitlich

Hat die Taste mehr als 1-2 mm seitliches Spiel?

zum Inhalt